Antwort von Frau M. an Frau Balthus – Der pädophile Blick: Balthus doppelt

In meinem letzten Posting habe ich einen Kommentar über Frau Balthus Artikel in der WELT geschrieben, den sie auf eine Strafanzeige hin (von Frau M.) dort veröffentlicht hatte. Die Anzeige wurde von Frau M. wegen Verdachts auf Verbreitung kinderpornographischer Schriften gestellt. Ich habe die von Frau M. angezeigten Bilder nach ihrem Hinweis damals an mich (online) auch auf Frau Balthus (zu dieser Zeit noch öffentlich zugänglichen) tumblr-Account gesehen und ein Vorgehen dagegen aus Kinder – und Jugendschutzgründen für gut geheißen.

Für die Öffentlichkeit war diese Sache sicherlich nicht gedacht, da Frau Balthus es allerdings mit ihrem Artikel selbst in die Öffentlichkeit getragen hat, musste sie auch mit einer öffentlichen Klarstellung rechnen, die Frau M. jetzt veröffentlich hat.

Frau M. spricht in ihrem Text selbst über die Anzeige und über Frau Balthus Artikel in der WELT, denn sie möchte einige Dinge klarstellen. Ich möchte ihr hier eine Stimme geben und ihren wichtigen Text teilen. Ich finde es unmöglich was hier passiert, wie die WELT Frau Balthus Text eine Plattform geben konnte.

Die WELT hat auch vorher bereits im Feuilleton (!) und online einen Text von Frau Balthus veröffentlicht, wo mit Pädophilie gespielt, es in Verbindung mit Prostitution gebracht und das Ganze sehr verharmlost wird. Hier nur ein Zitat daraus (es geht im Text um eine Begegnung von Frau Balthus mit einem ihrer Prostitutionskunden, einem Juristen): „Nur die wenigsten Kunden lehnen meine quasi-pädophilen Rollenspiele ab, wenn ich sie von mir aus anbiete; auch er nicht. Und ich verrate Ihnen, ohne ins Detail zu gehen, auch noch so viel: die 13-jährige Lolita, die wollte er nicht von mir. Für ihn durfte ich höchstens neun sein.“ https://www.welt.de/kultur/das-kanarienvoegelchen/plus182232176/Das-Kanarienvoegelchen-Das-Gesetz-der-Doppelmoral.html

 

Es reicht jetzt mal mit der medialen Unterstützung von pädokriminellem Gedankengut?!

 

Hier der Text von Frau M.:

 

Der pädophile Blick: Balthus doppelt

 

Balthus: so nannte sich ein Maler, der junge Mädchen in einer sexualisierten Weise portraitierte, um den pädophilen Blick anzusprechen.

Wie man mit derartigen Bildern umgehen soll, wird inzwischen zumindest diskutiert. Im Gegensatz zu Zeiten, wo der männliche Blick sich auch in gewaltsamer Form vollkommen kritiklos in Kunst und Kultur reproduzieren konnte, ist das ein Fortschritt. Denn endlich wird zumindest hin und wieder die Stimme derer in der Debatte wahrgenommen, für die dieser Blick und damit verbundene Handlungen das Gegenteil von erotisiert ist, sondern Bedrängnis, Übergriff und Ohnmachtserfahrung bedeutet.

Der Versuch, diese Stimmen als „prüde“ oder „sexfeindlich“ darzustellen, ist eine altbekannte sexistische Abwehr. Aber zu dieser Asbach-Uralt-Argumentation greift im Zweifelsfalle, wenn nichts mehr hilft, noch immer so manch Antifeminist – oder eben auch Antifeministin.

Salomé Balthus, die ihr Pseudonym wohl nicht zufällig dem genannten Maler entlehnt hat, empört sich in ihrer Welt-Kolumne am letzten Wochenende über eine Anzeige, die sie von mir wegen Verbreitung kinder- und tierpornografischer Schriften erhalten hat. An den Aussagen in ihrem Artikel stimmt nur das wenigste, daher ist eine Klarstellung notwendig.

In ihrer Darstellung streicht sie „kinder-“ und „tier-“ aus ihrer Schilderung, so dass sich die Anzeige scheinbar allein gegen pornografische Schriften richtet und, wie sie suggeriert, aus reiner Sexfeindlichkeit und übersteigertem Feminismus motiviert ist. Ihr zufolge befanden sich auf ihrem Tumblr: „Manga-Comics, Filmchen von Meow!-Projekt und Filmausschnitte von ‚Pretty Baby‘ (Louis Malle) oder ‚My little Princess‘ (Eva Ionesco) – morbider Kitsch, wie ich ihn liebe.“ So spielt Balthus herunter, was faktisch auf ihrem damals offen zugänglichen Blog „salomenude“ zu sehen war und zu diesem Zeitpunkt noch immer ist. Sie  verleugnet, dass sie sehr wohl Darstellungen von Kindern in sexualisierter Form postete, gezeichnete wie fotografierte. „Welche Kinder?“, fragt sie im Welt-Artikel.

Ein paar Beispiele: ein nacktes gezeichnetes Mädchen im Grundschulalter, das seitlich steht und ihren Körper vorwölbt. Das Bild stammt von der Quelle „hot-hentai-girls“. Hentai ist der japanische Begriff für gezeichnete Pornografie. Die Zeichnung eines kleinen nackten Mädchens, das auf dem Bett liegt und angstvoll aufsieht. Auf ihren Oberschenkeln und in ihrem Schambereich ist dunkle Soße verspritzt. Auch sie stammt von „hot-hentai-girls“. Das Gif, ein Minifilmchen, eines frühpubertär wirkenden, mit einer Augenmaske versehenen Mädchens, über dessen Körper die Hände Erwachsener fahren. Unterschrift: „Bring your friends“. Hashtags darunter: #gang bang #orgy #group rp. Die Zeichnung eines kleinen Mädchens, das auf einem Mann sitzt, dessen Penis in ihr sichtbar ist und ejakuliert. Fotos von Eva Ionesco als Kind, in sexualisierten Posen.

Eva Ionesco wurde von Balthus ja selbst erwähnt und unter „morbider Kitsch“ subsumiert. Doch in Wahrheit war Ionesco als Kind ab dem Alter von vier Jahren der sexuellen Ausbeutung durch ihre Mutter ausgesetzt, die Ionesco in besagten Posen fotografierte, und die Fotos an Interessenten weiterverkaufte. Ionesco verarbeitete dies vor einigen Jahren in dem Film „I am not your fucking princess“ und benennt ganz klar das, was ihr angetan wurde als Missbrauch.

Das Verfahren gegen Balthus wurde eingestellt. Dass das passiert, war leider nicht unwahrscheinlich, da die meisten Anzeigen wegen Kinderpornografie eingestellt oder wie Bagatelldelikte behandelt werden. Ausgerechnet in der Welt, die Zeitung also, in der Salomé Balthus derzeit ihre Texte veröffentlicht, findet sich ein Artikel, der beschreibt, wie die Justiz Kinderpornografie wie ein Kavaliersdelikt behandelt. Bei nicht wenigen der Täter handelt es sich um Justizbeamte.

Im Schreiben des Berliner Staatsanwalts zur Verfahrenseinstellung steht: „Tierpornografische oder kinderpornografische Inhalte (stilisierte Mangabilder zählen hierzu nicht) konnten auf der von Blogging-Plattform nicht festgestellt werden.“ (Original-Schreibweise)

Doch darin irrt der Staatsanwalt: „Für die Verwirklichung des § 184b StGB in der Tatvariante der „Verbreitung von Kinderpornographie“ ist es bereits nach dem Gesetzeswortlaut völlig ausreichend, wenn es sich um ein fiktives Geschehen handelt.“ Unter Kinderpornografie zählt des Weiteren seit 2008 auch das Posing: „Da nach dem Gesetzeswortlaut eine Stimulation oder Manipulation am Körper des Kindes nicht mehr erforderlich ist, unterfallen Posing-Bilder nun auch dem § 184b StGB.“ (Quelle für beide Zitate)

Diese gesetzliche Fassung ist richtig so. Denn alles, was erkennbar zur sexuellen Stimulierung durch Kinder dient, auch wenn es in gezeichneter Form als Manga ist, bejaht zugleich generell das Leiden von Kindern als sexuelles Vergnügen für Pädokriminelle. Es verharmlost diese zutiefst verabscheuungswürdige Haltung und im schlimmsten Falle Handlungen gegenüber Kindern und trägt zu deren Normalisierung bei. Des Weiteren verwenden Pädokriminelle beim Grooming auch Kinderpornografie, um den von ihnen angezielten Kindern vorzugaukeln, das, was sie vorhaben, sei doch normal. Sandra Norak erläutert in ihrem Kommentar zu Balthus Welt-Artikel, dass es u.a. genau darum auch in der Gesetzgebung geht: „Der Regelungszweck des § 184b StGB oder § 184c StGb ist mitunter auch eine Bestrafung der mittelbaren Förderung des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie die Verhinderung von Anreiz und Nachahmung.“

Für Betroffene sexueller Gewalt als Kind ist das Vergnügen anderer an diesem erlebten Leiden wie ein Faustschlag in den Magen. Viele inzwischen Erwachsene, von denen als Kinder filmische oder fotografische Darstellungen der angetanen sexuellen Gewalt verbreitet wurden, leiden zusätzlich darunter, dass diese Bilder und Filme weiter im Umlauf sind und weiter zur sexuellen Anregung für Pädokriminelle dienen, die mit ihrem sexuellen Vergnügen daran die Gewalt fortsetzen – und zusätzlich durch ihre Nachfrage die Produktion weiter ankurbeln. Eva Ionesco zum Beispiel verklagte, leider vergeblich, ihre Mutter auf Herausgabe der Fotos. Diese werden nun u.a. auf Salomé Balthus Tumblr verbreitet.

Das Problem ist nicht Balthus allein, denn die meisten ihrer Bilder und Filme sind Reposts, kommen also von anderen Quellen. Hunderte und Tausende davon müssen sich demnach allein auf Tumblr befinden. Der Konsum von Kinderpornografie ist inzwischen allgemein so weit verbreitet, dass die britische Polizei jüngst davon sprach, dass jede und jeder davon ausgehen könne, im eigenen Bekanntenkreis jemanden zu haben, der das tut. Doch die Quellen auf Tumblr, von denen Balthus ihre Bilder bezog, sind anonym oder befinden sich außerhalb des Zugriffs der deutschen Justiz. Salomé Balthus aber ist bekannt, weil sie in der Öffentlichkeit als Fürsprecherin der Prostitution auftritt. Seitdem sie öffentlichkeitswirksam ihre Escort-Agentur eröffnete, wird sie durch beinahe alle Medien gereicht. Umso mehr Einfluss haben ihre öffentlichen Verlautbarungen, unter die auch Blogs wie ein Tumblr zählen. Der, auf dem sie die angezeigten Bilder postete, war zu dem Zeitpunkt der Anzeige öffentlich frei zugänglich. Mit zwei Klicks kam man von ihrem Facebook-Profil, mit dem sie sich in öffentliche Debatten einmischt, über ihren dort verlinkten, nach ihrem Pseudonym benannten Tumblr zu dem besagten Blog. Inzwischen hat sie ihn auf privat gestellt, so dass nur Menschen mit eigenem Tumblr-Account ihn sehen können. An den Inhalten hat sich nichts geändert. Lediglich eine Warnung fordert nun unter 18-jährige dazu auf, die Seite zu verlassen.

Balthus versucht in ihrem Artikel, die Anzeige einer Art Feindschaft gegen sie als Prostituierte zuzuschreiben – denn dass es an Kinderpornografie liegen könnte („Welche Kinder?“) hat sie ja bereits abgestritten. Doch darin irrt sie. Um ihre Verharmlosung und Beschönigung von Prostitution geht es nicht. Die diesbezüglichen unterschiedlichen Haltungen sind ein Fall für politischen Diskurs, nicht für eine Anzeige, und meine Haltung zu Prostitution habe ich bereits dargelegt. Kinderpornografie ist für sich Grund allein, jemanden anzuzeigen.

Doch bei diesem Versuch, von dem eigentlichen Grund für die Anzeige abzulenken, bleibt Salomé Balthus nicht stehen. Sie greift tief in die Kiste antifeministischer Argumentation, indem sie ein Bild von Beratungsstellen für Betroffene von sexueller Gewalt zeichnet, das dem des unrühmlich geprägten Schmähbegriffs der „Opferindustrie“ entspricht: auf Schauergeschichten nur so lauernde Frauen, die  von ihr als „Retterlesben“ bezeichnet werden. Sie malt sich aus, wie diese Beraterinnen hilfesuchende Betroffene nicht nur anfeuern, sich zu offenbaren, sondern sich an deren Berichten auch noch aufgeilen. Ja, das klingt ziemlich schlimm, aber in einer Welt-Kolumne hinter Paywall darf man sowas offenbar schreiben.

Immerhin für einen Lacher sorgte ihr Text. Sie beschreibt eine Begegnung mit mir, die faktisch nie stattgefunden hat. Ein „gedrungenes Wesen“ habe sich ihr bei einer Veranstaltung genähert, „eine ältliche Matrone mit Bürstenhaarschnitt“. Gerne würde ich Salomé Balthus zumindest viel Fantasie zusprechen, aber auch bei meiner Beschreibung greift sie fern jeder Originalität auf altbekannte Negativstereotype aus der antifeministischen Mottenkiste zurück. Das konservative, männliche Publikum, dessen Beifall sie sich damit und mit ihrem enthemmten Bashen von Frauenberatungsstellen, Lesben und Feministinnen allgemein erheischt, wird sich in seinem Weltbild bestätigt fühlen und den erhofften Beifall spenden.

An den Tatsachen ändert aber auch dieser Beifall nichts: dass Salomé Balthus, Schwärmerin für Maler Balthus, auf ihrem Tumblr Kinder und Kinderdarstellungen in sexualisierter Form dem pädophilen Blick darbietet. Inzwischen gerichtlich abgesegnet. Der Welt-Artikel ist Ausweis des Oberwassers, das Menschen, die sowas tun, nach Verfahrenseinstellungen haben.

Quelle:

https://ifgbsg.org/der-paedophile-blick-balthus-doppelt/

Kinder-, Jugend-, und Tierpornographische Schriften – wie hoch sollte das Schutzniveau sein?

Heute habe ich einen Artikel in der WELT gelesen:

https://www.welt.de/kultur/das-kanarienvoegelchen/plus183220406/Das-Kanarienvoegelchen-Du-kriegst-mich-nicht.html?wtmc=socialmedia.facebook.shared.web&fbclid=IwAR0TGpOhbTjUxzgDziYJgwcICE_4lT3MAfb-L_OZzbaeBVATTXFhIuU432E

Eine mir aus Facebook bekannte Frau M. hatte Salomé Balthus angezeigt, da sie auf deren Internet Seite Inhalte entdeckte, die starke Bezüge zu Kinder-, Jugend-, und Tierpornographie aufzuweisen schienen. Zumindest ging sie davon aus Inhalte entdeckt zu haben, die problematisch sind und als solche eingestuft werden. Ich schaute mir nach Frau M.’s Hinweis damals selbst die Bilder an, denn Frau Balthus Seite war zunächst öffentlich zugänglich (jetzt ist sie es nicht mehr). Ich war schockiert, als ich diese Bilder sah. Es waren u.a. viele Mangas, deswegen wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte.

Kinder/Jugendliche in Manga Design, die nackt dargestellt werden samt Geschlechtsteile. Zum Beispiel ein „Manga Mädchen“, das mit gespreizten Beinen auf dem Bett liegt, während ihr die Schokosauce über den Körper läuft und sie sich den kleinen Finger ableckt. Dass es sich unverkennbar um Kinder/Jugendliche handelt, die sexualisiert werden, wird zudem deutlich, wenn man unter diesen Comics/Mangas Aussprüche liest wie „The more you call him daddy when he fucks you, the faster, harder and deeper he goes.“ Oder: “Daddy… I think I’m wet enough to take your cock now…

Eine Manga Video-Animation, auf der man ein Pferd/einen Stier (jedenfalls ein Tier mit Hufen) sieht und dabei eine am Boden gefesselte Frau, die unter dem Tier liegt und sexuell in die Vagina/Anus penetriert wird, war auch zu sehen.

Ja, es sind Comics. Mangas. Ist das dann wirklich alles so harmlos und unproblematisch, wie es jetzt in der WELT von Balthus dargestellt wird?

Balthus die Gute und Frau M., die Anzeige erstattet hatte, die Böse, die Prüde?

Ich weiß nicht, was die Behörden in diesem Fall gemacht haben. Laut dem WELT Artikel hat es ein Verfahren gegeben, welches eingestellt worden ist. Laut Artikel wurde nichts Verbotenes gefunden. Die vollumfänglichen Gründe kenne ich nicht.

Ich kenne nur Balthus Artikel aus der WELT dazu und die Bilder auf ihrer (jetzt nur noch mit einem Account) zugänglichen tumblr-Seite. Da sie sich nun in der WELT öffentlich dazu äußert und eine Frau angreift, die nur das Ziel hatte, manches Material (wenigstens vom öffentlichen Zugang) entfernen zu lassen und Kinder schützen zu wollen, möchte ich dazu etwas schreiben, denn ich habe Frau M.‘s Weg aufgrund ihres anfänglichen Hinweises an mich zeitweise mitverfolgt (online) und es für gut geheißen, zu versuchen, die Inhalte aus Kinder- und Jugendschutzgründen entfernen zu lassen/dem öffentlichen Zugriff zu entnehmen. Dass sich nun, laut Balthus Artikel, zwei Staatsanwaltschaften und ein Polizei-Oberkommissar damit beschäftigt hatten… wer hätte das gedacht.

Gewalt an Kindern ist ein Thema, was präsent ist. Pädophilie, der Missbrauch von Mädchen durch ihre eigenen Väter. Ja, um es nicht zu verschweigen: auch der Missbrauch von Jungen durch Mütter. Oder andere Konstellationen wie der Missbrauch von Minderjährigen in der Prostitution durch Freier, die einen Kick verspüren, wenn sie Kinder kaufen und sexuell benutzen können.

Egal ob wir verschiedene Ansichten zur Prostitutionsthematik vertreten (Nordisches Modell oder komplette Liberalisierung), wie es hier mit Frau Balthus der Fall ist (sie ist eine überzeugte Prostitutionsbefürworterin und selbst als Prostituierte tätig): dass man Kinder unter allen Umständen schützen sollte, dürfte eigentlich Konsens sein.

Ich finde den Artikel in der WELT sehr problematisch und verharmlosend, was diese sexualisierten (Manga) Bilder von Kindern/Jugendlichen angeht. Es wird ein wenig so dargestellt, als wäre Frau M.‘s Anzeige völlig an den Haaren herbeigezogen gewesen.

Schaut man sich die Paragraphen des StGb zu Kinder-/Jugendpornographie an, merkt man, dass es nicht so war. Können Mangas, fiktive Personen und Comics als Kinder-/Jugendpornographie strafbar sein?

Der Regelungszweck des § 184b StGB oder § 184c StGb ist mitunter auch eine Bestrafung der mittelbaren Förderung des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie die Verhinderung von Anreiz und Nachahmung. Für den § 184b StGb genügt auch eine virtuelle Schöpfung im Sinne von Comics, fiktiven Personen sowie Mangas.[1] Also ,,Fiktivpornografie“.[2]

Auf dieser tumblr-Seite von Balthus sind einige Manga Posing Bilder von Kindern/Jugendlichen zu sehen.

Mit dem 49. StrÄndG vom 21.1.2015 wurde die Definition von Kinderpornographie zu deren besseren Schutz erweitert. Erfasst sind nun auch Abbildungen, die keine sexuellen Handlungen, sondern den „kindlichen Körper in unnatürlich geschlechtsbetonter Haltung“ zeigen.[3]

„Die Darstellung muss offenkundig ein altersunangemessenes, sexuell anbietendes Verhalten zeigen. Maßgeblich ist die Zielsetzung, die für einen objektiven Betrachter ohne eigene pädophile Neigung erkennbar sein muss. Unzutreffend ist die Annahme, dass Schriften, die nur Posing zeigen, nicht pornographisch seien: Ohne die Zielsetzung, sexuelle Anreize zu schaffen, ergäbe die Produktion solcher Aufnahmen keinen Sinn.“[4]

Zu den Mangas mit den gespreizten Beinen:

„Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGHSt 43, 366, 368) liegt eine sexuelle Handlung eines Kindes oder eines Jugendlichen im Sinne von § 184b, 184c StGB zum Beispiel vor, wenn ein Kind oder Jugendlicher für ein Nacktfoto seine Beine spreizt, da das Spreizen der Beine, um die unbedeckten Genitalien offen zur Schau zu stellen, eine nicht unerhebliche sexuelle Handlung, durch die der Betrachter sexuell erregt werden soll, beinhaltet. Um auch unwillkürlich eingenommene geschlechtsbetonte Körperhaltungen, etwa durch ein schlafendes Kind, strafrechtlich in § 184b StGB zu erfassen, soll es nicht mehr auf das Einnehmen dieser Körperhaltung als sexuelle Handlung ankommen, sondern lediglich auf die Körperhaltung selbst.“[5]

Ich möchte hier gar nicht weiter schreiben und zitieren. Ein Verfahren wurde ja scheinbar aus Gründen eingestellt. Was ich näher bringen wollte war, dass Frau M. sicher nicht willkürlich oder realitätsfremd gehandelt hat, so wie es im WELT Artikel von Balthus leider dargestellt wird. Insgesamt hinterlassen die Bilder und Texte, die Gesamtschau dieser Dinge, einen üblen Nachgeschmack bei mir. Auch deshalb, weil Frau Balthus Seite im Kontext der Prostitution steht und die Bilder sehr leicht damit verknüpft werden (können). Sie schreibt selbst auf einer anderen Seite von einer Begegnung mit einem Juristen als einer ihrer Prostitutionskunden: „Nur die wenigsten Kunden lehnen meine quasi-pädophilen Rollenspiele ab, wenn ich sie von mir aus anbiete; auch er nicht. Und ich verrate Ihnen, ohne ins Detail zu gehen, auch noch so viel: die 13-jährige Lolita, die wollte er nicht von mir. Für ihn durfte ich höchstens Neun sein.“ (Quelle)

Ich finde es verantwortungslos von Frau Balthus, dass sie solche Bilder auf tumblr dann scheinbar bedenkenlos präsentiert. Ich finde es auch unverantwortlich, dass zumindest manche dieser Inhalte nicht gelöscht werden und dass dann auch noch eine Frau, die dagegen etwas tun wollte, in den Medien öffentlich (samt ihrem vollen Namen!) bloß gestellt wird, weil die WELT dem eine Plattform bietet.

Im Übrigen steht im WELT Artikel, dass Balthus Frau M. auf einer Veranstaltung getroffen haben soll und dass Frau M. sie beschimpft haben soll. Ich habe Frau M. gefragt und sie sagte, dass sie Frau Balthus persönlich noch nicht getroffen hat. Was dieser Teil in ihrem Artikel soll, verstehe ich also auch nicht.

Frau Balthus hat ihren Pseudonym „Balthus“ deshalb gewählt, weil sie sich den Namen des Malers Balthus geben wollte, der berühmt dafür war, Minderjährige im Alter von unter 16 Jahren nackt und sexualisiert auf Bildern zur Schau zu stellen. Manche sagen es wäre einfach nur Kunst, das sei von der Kunstfreiheit eben gedeckt – doch viele haben in dieser Hinsicht bereits erkannt[6], dass auch die Kunstfreiheit Grenzen hat.

Wo also, frage ich mich, fängt effektiver Kinder-/Jugendschutz an? Wo möchten wir, dass er beginnt? Kinder und Jugendliche sind unsere Erwachsenen von Morgen. Jetzt sind sie vulnerabel und eine der schutzwürdigsten Gruppen unserer Gesellschaft.

Es geht nicht darum, problematische Kunst/Bilder einfach zu verbieten, weil man sie persönlich unpassend findet. Es geht um Prävention und Gefahrenabwehr.

„…es gibt auch Konsumenten von Kinderpornographie, die mediale Anregung mit realem Missbrauch verbinden. In diesem Fall besteht das Risiko, dass die Neigung zu Sexualdelikten gegen Kinder bestätigt und verstärkt wird und es zu „Hands-on“-Delikten kommt, da von einer dynamischen Beziehung zwischen Interessen und Stimuli auszugehen ist.“[7]

Es geht hier auch nicht um Abolitionismus vs. Liberalisierung von Prostitution oder andere Streitigkeiten (wie Frau Balthus es in ihrem Artikel leider alles vermischt). Es geht zudem sicherlich nicht um ein „Feindbild“, wie Frau Balthus es beschreibt.

Hier geht es um Bilder, die aufgefunden und als problematisch eingestuft wurden, und damit um Kinder-/Jugendschutz.

Für manche geht die Auslegung des Kinder-/Jugendschutzes weiter als für andere – das und nichts anderes hat sich in diesem Fall gezeigt.

 

 

[1] BeckOK StGB/Ziegler, 39. Ed. 1.8.2018, StGB § 184b Rn. 2., https://www.anwalt.de/rechtstipps/-b-stgb-tatvorwurf-kinderpornographie-posing-bilder-fiktive-personen-mangas_045769.html, http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kinderpornografie-die-wichtigsten-fragen-und-antworten-a-953071.html.

[2] Schönke/Schröder/Eisele, 29. Aufl. 2014, StGB § 184b Rn. 3b.

[3] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 18.

[4] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 19.

[5] http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/026/1802601.pdf.

[6] https://www.deutschlandfunk.de/grauzone-kinderpornografie-im-museum.862.de.html?dram:article_id=279429.

[7] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 3.

 

 

Sexuelle Gewalt im bewaffneten Konflikt – Friedensnobelpreis 2018 für Nadia Murad und Denis Mukwege

Sexuelle Gewalt im bewaffneten Konflikt – häufig auch verwendet als Waffe, als Tathandlung des Völkermordes und „ethnischer Säuberungen“.

Ein Thema, womit ich mich beschäftige und welches gerade in den Medien große Aufmerksamkeit dank zweier großartiger Menschen erhalten hat.

Mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden

  • Nadia Murad, Jesidin, von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) versklavt, vergewaltigt und verkauft. Heute kämpft sie öffentlich gegen diesen Terror.
  • Denis Mukwege, kongolesischer Gynäkologe, spezialisiert auf die Behandlung von Vergewaltigungsopfern.

Beide haben wesentlich dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft immer mehr auf diese Verbrechen zu lenken.

Hier mehr dazu: http://www.spiegel.de/politik/ausland/friedensnobelpreis-2018-geht-an-denis-mukwege-und-nadia-murad-a-1231666.html

 


 

I was freed, but I do not enjoy the feeling of the freedom because those who have committed these crimes have not been held accountable.

– Nadia Murad –

Menschenrechtsverletzung Prostitution

Hier ein neues Video mit mir, welches auf einer Veranstaltung im Rahmen der Menschenrechtswoche in Tübingen aufgenommen wurde. Thema war das dieses Jahr stattfindende 70-jährige Jubiläum der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, die am 10. Dezember 1948 durch eine Resolution der Generalversammlung ins Leben gerufen wurde. Ich sprach über die „Menschenrechtsverletzung Prostitution“.

 

Fachtagung „Die Loverboy-Methode“ + Beitrag von Nadine

 

Grenzüberschreitende Fachtagung von Hadassah an der Universität Saarbrücken zum Thema Loverboys am 14.4. ab 10:30 Uhr

Redner/innen:

Prof. Dr. Jens Vogelgesang, Kommunikationswissenschaften der Universität Stuttgart, Deutschland

Linda Terpstra, Leiterin des Schutzhauses fier, Niederlande

Karin Werkmann, Mitarbeiterin von fier, Niederlande

Viviane Wagner, Verantwortliche der Delegation Mouvement du Nid-Moselle, Frankreich

Inge Hauschildt-Schön, Bürgerinitiative Marburg, Deutschland

– Und ich bin auch dabei!

 

Hadasah

Hadasah2

Mehr dazu hier:

http://hadassah.website/


 

Und im Folgenden findet ihr noch einen kleinen Beitrag von Nadine. Sie war Prostituierte und ihr jetziger Freund half ihr aus der Prostitution raus. Sie hat ihre Geschichte in kurzen Abschnitten aufgeschrieben und möchte sie hier teilen. Ich drücke ihr die Daumen für ihr neues Leben – drückt mit! 🙂

 

Prostitution – Ein Job wie jeder andere!? (by Nadine)

Du hattest doch eine schöne Kindheit, nicht!? Du hattest doch alles! Jedes Spielzeug. Du durftest dich immer mit Freunden verabreden. In der Schule hattest du immer die besten Noten.

Ja. Bis zur weiterführenden Schule stimmt das auch irgendwie. Subjektiv betrachtet. Aber ich war einsam. Du hast mir nie gesagt, dass du mich liebst oder hast mich in den Arm genommen.

Du hast gesagt, du willst von zu Hause raus. Das kostet viel Geld Mädchen. Du liegst mir echt am Herzen, aber ich kann mich doch nicht um alles kümmern. Unser neues Leben kostet viel Geld. Du musst schon was machen. Prostitution. Hm? Na los!

Warum muss ich dir so viel Geld geben? Wofür? Ich weiß, dass du mich manipulierst. Du bist so viel älter als ich. Aber ich brauche dich so sehr. Ich habe doch niemand anderen. Bitte verlass‘ mich nicht!

Wieviel kostest du? Warum machst du es nicht ohne? Eigentlich müsstest du für mich bezahlen! Es ist mir egal, ob es dir weh tut – ich habe schließlich bezahlt. Du bist doch nur eine Nutte!

Schämst du dich nicht für dein Verhalten? Ich bin doch trotzdem ein Mensch! Aber irgendwie auch nicht. Ein Stück Fleisch, welches man benutzt. Ich darf keine Empfindungen haben, sonst gehe ich hier kaputt. Irgendwie wäre es egal. Ich bin mir egal.

Du bist so ein wunderbarer Mensch, das habe ich gleich bemerkt. Du kannst das schaffen! Ich helfe dir dabei. Ich liebe dich! Aufrichtig!

Du bist ein toller Mann. Einer von der Sorte, die ich bislang noch nicht kennen gelernt habe. Ich liebe dich auch! Ich fange an wieder Gutes zu fühlen. Aber dadurch fällt mir der Job nur noch schwerer. Ich kann nun nicht mehr ein totes Stück Fleisch sein.

Wie ist Ihr bisheriger beruflicher Werdegang? Was sind Ihre Stärken? Welches Ihre Schwächen? Aha. Prostitution!? Es tut uns sehr leid, aber das können wir als seriöses Unternehmen leider nicht vertreten. Vielen Dank für Ihre Bewerbung.

Das ist nicht fair! Ich habe Abitur. Ich bin hoch empathisch. Ich bin sehr zielstrebig und gut organisiert. Ich kann mich gut durchsetzen und besitze eine persönliche Reife von der andere träumen. Aber ich bin für unsere Gesellschaft nicht mehr tragbar. Eine ewige Hure also!?

 

Kommentar zu Nadines Text:

Hierzu fällt mir vor allem eine Sache für alle Arbeitgeber/innen ein: ein Opfer von sexueller Gewalt durch die Prostitution sollte man nicht ein zweites Mal zu einem Opfer machen, in dem man es für die Gewalt, die es erlebt hat, beschämt und ausschließt. Denkt mal darüber nach und werdet aktiv! Auch ihr könnt als Unternehmer/innen aktiv werden, in dem ihr euch über die Mechanismen der Prostitution informiert und Integrationsprogramme schafft, bei denen ihr beispielsweise genau für solche Betroffenen Praktika oder Arbeitsplätze anbietet. Unsere Gesellschaft, und damit meine ich ALLE, sollte dabei helfen, diese Menschen, die man damals im Stich gelassen hat, wieder zurück ins Leben zu holen!

Veranstaltung in München am Freitag, den 16.03.18

 

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Interessierte Menschen sind eingeladen zu uns nach München zu kommen!

Und:

„Presseeinladung vom KOFRA: „Spätestens seit der Einführung des umstrittenen Prostituiertenschutzgesetzes stoßen Berichte zu Prostitution oder „Sexarbeit“ auf großes öffentliches Interesse. Dabei dominieren zwei Darstellungsmuster die Debatte: Auf der einen Seite steht ein romantisierender Blick mit der selbstbestimmten und selbstbewussten Sexarbeiterin im Mittelpunkt; ihr mediales Gegenbild ist die unfreiwillig in die Prostitution gedrängte Frau, oft die sehr junge Frau aus dem Ausland, die als Opfer von Menschenhandel in die Prostitution nach Deutschland gezwungen wurde. Die Realitäten der Prostitution und des Erlebens der eigenen Prostituierung, die Vorbedingungen, der Mangel an Ressourcen, die zu dieser Situation führen und auch die für die gesamte Gesellschaft bedeutenden Konsequenzen verschwinden hinter diesen Dichotomien.

Wie sieht die Realität von diesen Bildern aus? Welche Gemeinsamkeiten gibt es in der Prostitution? Und wie soll eine kritische Zivilgesellschaft mit den Folgen umgehen?
Wir sehen einen deutlichen Bedarf und Wunsch in der Öffentlichkeit nach einer sachlichen und faktenbasierten Auseinandersetzung mit der Thematik.

Wir haben die große Freude, Dr. Melissa Farley in München begrüßen zu dürfen. Dr. Farley wird aus ihrer langjährigen und international anerkannten Forschungsarbeit zu Traumatisierungen in der Prostitution berichten.

Anschließend wird Dr. Ingeborg Kraus aus ihren Erfahrungen als Traumatherapeutin heraus zu diesem Themenkomplex Stellung nehmen ebenso wie Marie Merklinger und Sandra Norak, denen der Ausstieg aus der Prostitution gelungen ist.

Wir laden interessierte Journalistinnen und Journalisten sehr herzlich zu dieser Veranstaltung ein. Vor der Veranstaltung wird es eine halbe Stunde Zeit für Ihre Fragen an die Rednerinnen geben, und auch nach den Vorträgen freuen wir uns auf eine rege und konstruktive Diskussion.“

Programm:
In diesem hochkompetent besetztem Podium mit Publikumsdiskussion – mit Vortrag und Berichten von Prostitutions-Überlebenden – geht es genau darum: einen schonungslosen Blick darauf zu werfen, was Prostitution wirklich ist: Gewalt an Frauen. Diskutieren Sie mit den Podiumsteilnehmerinnen.

Begrüßung durch Renate Uzun-Raming, Soziologin und Mitarbeiterin im FrauenTherapieZentum.

  • Dr. Melissa Farley, amerikanische Forscherin. Vorsitzende der Organisation „Prostitution Research & Education“, Autorin mehrerer Werke zu Prostitution, sowie die Leiterin internationaler Studien zu den Frauen in der Prostitution und zu Freiern.
  • Marie Merklinger, Prostitutions-Überlebende, SPACE-Aktivistin, Deutschland .
  • Sandra Norak, Prostitutions-Überlebende und Aktivistin, Mitglied von SISTERS e.V., Deutschland.
  • Dr. Ingeborg Kraus, Fachtherapeutin für Psychotraumatologie die auch mit Prostitutions-Überlebenden arbeitet, sagt was Prostitution mit Menschen machen kann.

Moderation: Dr. Inge Kleine vom Kofra, dem Kommunikationszentrum für Frauen zur Arbeits- und Lebenssituation.

Zeit: Freitag 16. März von 19:00-21:00 Uhr (Pressegespräche ab 18.30)
Ort: FrauenTherapieZentrum, Güllstr. 3/ 2. Stock, München
Kosten: 7,–€
Anmeldung: kofra e.V., Tel: 089/ 2010450, kofra-muenchen@mnet-online.de, http://www.kofra.de

Quelle: http://www.trauma-and-prostitution.eu/2018/02/02/prostitution-die-unzensierte-wahrheit-muenchen-a-16-03-2018/

Interview zu „Loverboy-Fällen“ mit Staatsanwalt Stefan Willkomm

 

Nachfolgend stelle ich ein gutes Interview mit Staatsanwalt Stefan Willkomm ein. Wir brauchen in Deutschland mehr Spezialkräfte wie ihn in Bezug auf die Verfolgung von Menschenhandelsfällen. Nur wer Bescheid weiß, wie Menschenhandel funktioniert, welche Formen es gibt, auf was man achten muss, etc… kann in diesem Bereich den Opfern helfen. Leider wissen viele aus Polizei und Justiz nicht Bescheid. Herr Willkomm ist hier ein Hoffnungsschimmer und hoffentlich ein Anreiz für andere, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir brauchen mehr spezialisierte Fachkräfte wie ihn, dann sähe unsere Statistik zu Menschenhandel auch ganz anders aus.

Hier das Interview:

„Stefan Willkomm führt seit dem 17. Juli die Anklage gegen einen mutmaßlichen Loverboy vor dem Landgericht Düsseldorf. Es ist der vierte Loverboy-Prozess in Düsseldorf innerhalb von zwei Jahren.

Was wissen Sie über die Vorgehensweise von Loverboys?

Stefan Willkomm: In unseren Verfahren haben wir die Erfahrung gemacht, dass Loverboys sich auf eine besondere Art junger Frauen konzentrieren. Sie versuchen, die ausfindig zu machen und über das Internet, soziale Medien oder Telefonchats Kontakt aufzunehmen. Dann probieren sie, bei den Frauen Interesse zu wecken und so zu tun, als würden sie diese Frau lieben. Wenn es dann zu einer Beziehung kommt, versucht der Loverboy, das Opfer vom Umfeld zu isolieren. Sie soll sich auf ihn fixieren. Im nächsten Schritt versucht er dem Mädchen immer wieder den Gedanken und die finanziellen Vorteile der Prostitution einzupflanzen, um sie dann irgendwann so weit zu bringen, dass sie der Prostitution nachgeht.

Welche Art von Mädchen ist interessant für Loverboys?

Mein Eindruck ist, dass sich Loverboys Mädchen suchen, die haltlos sind, die nach jemanden suchen, der ihnen diesen Halt im Leben gibt. Es gibt unterschiedlichste Geschichten, immer wieder Streit im Elternhaus und eine problematische Jugend. In dieser Situation wird das fehlende Selbstbewusstsein der Mädchen ausgenutzt, um so zu tun, als sei man der Halt in dieser Beziehung.

Wie haben sich die Opfer in den bisherigen Prozessen verhalten?

Also in den Verfahren, die wir hier in den letzten Jahren geführt haben, gab es das ganze Spektrum an Reaktionen von Opfern. Das beginnt damit, dass die Mädchen nicht glauben können, dass sie auf eine Masche reingefallen sind. Man muss sich vorstellen, dass die vorher Jahre in dieser geschaffenen Welt leben und das nicht einfach ist, wenn die Polizei und Staatsanwaltschaft sagen: stimmt so gar nicht, was dir da vorgespielt worden ist. Da gibt es teilweise auch eine Verweigerungshaltung. Die Mädchen wollen einfach nicht glauben, dass das so ist. Auch wenn man versucht, es ihnen mit objektiven Beweismitteln klar zu machen. Teilweise bricht dann die Welt für sie zusammen. Was für uns aber gut ist, weil sie dann kooperieren und uns ihre Seite der Geschichte erzählen. Teilweise herrscht auch eine gewisse Selbstverleugnung bei Opfern, weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass sie auf sowas reingefallen sind.

Kommen Loverboys auch davon, wenn Geschädigte nicht aussagen?

Das passiert wahrscheinlich zigfach. Verfahren im Bereich Menschenhandel haben die höchsten Einstellungs- und Freispruchquoten von allen Deliktsfeldern. Es gibt einen hohen Anteil an Verfahren, die erst gar nicht angeklagt werden können, weil die Beweismittel nicht reichen und somit später auch nicht zu einer Verurteilung führen.

Und dann noch die Fälle, in denen gar nicht erst ermittelt wird, weil es keinen Anhaltspunkt dafür gibt. Wenn sie von außen auf ein Verhältnis zwischen Opfer und Täter blicken, ist für sie ja gar nicht unbedingt erkennbar, was dahinter an Manipulation und Täuschung steckt. Also ich glaube, dass unheimlich viele dieser tatsächlich vorkommenden Fälle niemals bei den Strafverfolgungsbehörden landen. Wenn wir dann doch Verfahren führen können, ist es oft so, dass das Opfer herausgefunden hat, dass es noch andere Frauen parallel gibt. Und sie dann zur Polizei geht, ihren Loverboy anzeigt und eine Aussage macht. Wir ermitteln dann und stellen fest, dass es weitere Geschädigte gibt. Ansonsten ist es extrem schwierig, ohne Opferaussagen die Verfahren so zu führen, dass man das, was wirklich passiert ist, nachweisen kann.

Was für Typen sind die Loverboys, gegen die Sie verhandelt haben?

Das sind extrem selbstbewusste Männer, die so einen gewissen Narzissmus haben. Die fühlen sich ganz toll, die müssen gewisse manipulative Fähigkeiten zwingend haben, um ihre Tat umzusetzen. Und durch dieses selbstbewusste Auftreten schaffen sie es auch, den Frauen ein Stück weit zu imponieren. Viele wollen diesen starken Partner, an den sie sich anlehnen können.

Und vom Bildungsgrad her?

Wir haben noch keine Verfahren gegen Beschuldigte geführt mit Hochschulabschluss oder Hochschulreife. Die kamen vom Bildungsgrad her eher aus dem mittleren, unteren Bereich. Wobei ich glaube, dass das in vielen Fällen durchaus intelligente Täter sind. Die müssen ja eine Beziehung zu vier Mädchen gleichzeitig verstehen, durchdenken und auch planen können. Ich würde keinen von den Loverboys, gegen die wir hier ermittelt haben, als unintelligent beschreiben.

Wir hatten einen Täter, der die Frauen in anonymen Telefonchats angesprochen hat. Auf eine ganz dreiste und direkte Art. Wenn die jungen Frauen sich nicht dagegen zur Wehr gesetzt haben, waren sie interessant für ihn. Der hatte einen Riecher dafür, welche Frau für ihn empfänglich sein könnte. An Frauen, die selbstbewusst dagegen gehalten haben, hatte er kein Interesse, weil er sofort erkannt hat, dass die für ihn nicht als Opfer taugen.

Sie sind als Staatsanwalt auf Menschenhandel spezialisiert. Hilft Ihnen das zu erkennen, ob es sich um eine Loverboy-Methode handelt?

Absolut. Wir bekommen ja keine fertigen Ermittlungsakten, sondern die Verfahren kann man nur führen, wenn man als Staatsanwaltschaft schon von Anfang an dabei ist. Quasi ab der ersten Aussage. Wenn die Geschädigten ihre Aussagen machen, klingen die erst mal so, als sei da keine Form von direktem Zwang angewendet worden. Da braucht man auch viel Psychologie, um die Tricks, die Einwirkungen und die Manipulation zu erkennen, denn die sieht man den Aussagen auf den ersten Blick oft nicht direkt an. Man muss sich dafür interessieren, sich weiterbilden, bis man hinter den Aussagen dieses Delikts-Phänomen erkennt.

Also einem Staatsanwalt, der sich nicht damit auskennt, kann das entgehen?

Es gibt bestimmt die Gefahr. Wie oft es in der Praxis passiert, weiß ich nicht. Aber wenn man da nicht geschult ist und das nicht erkennt, diese Tricks und die Manipulation die dahinter stehen, kann es dazu führen, dass ein Staatsanwalt das Verfahren nicht führt oder relativ früh einstellt.

Wie hoch waren die Haftstrafen in Ihren Prozessen?

Ich fang mal mit dem ersten Verfahren an, das ich geführt habe und das mich veranlasst hat, mich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen. Da ist es so gewesen, dass keine Verurteilung erfolgt ist, weil das Opfer nicht mehr zur Verfügung stand. Ich würde bestimmte Teile heute anders würdigen und wahrnehmen. Ab da habe ich mich tiefer in das Loverboy-Phänomen eingearbeitet. Es ist danach zu weiteren Verfahren gekommen mit Verurteilungen in Höhe von vier bis zu zehn Jahren.

Wie aufwändig ist es für einen Staatsanwalt, sich auf Loverboys zu spezialisieren?

Wenn man in dem Bereich arbeitet sollte man Fortbildungen zu dem Thema besuchen. Dann halte ich es für extrem wichtig eine Vernetzung mit den Leuten herzustellen, die den Bereich von anderen Seiten aus bearbeiten: mit Polizeibeamten, die sich auf das Loverboy-Phänomen spezialisiert haben. Und da mit den Leuten darüber sprechen, um zu verstehen, wie dieser Bereich funktioniert.

In Düsseldorf vier Loverboy-Prozesse in zwei Jahren – ist das viel?

Ja, wenn man die Statistik betrachtet und sagt: vier zur Anklage gebrachte Fälle in zwei Jahren an einem Landgericht, dann dürfte das deutlich überdurchschnittlich sein. Aber ich glaube nicht, dass in Düsseldorf die Situation im Bereich der Prostitution schlimmer ist als in anderen Städten. Es ist eher so, dass auch bei anderen Staatsanwaltschaften auffällt: Da, wo sich bestimmte Kollegen engagieren, können mehr Verfahren durchgeführt werden.

Worauf basiert die Anklage bei dem aktuellen Prozess, den Sie seit dem 17. Juli am Landgericht gegen einen mutmaßlichen Loverboy führen?

Die Anklage lautet: verschiedene Fälle von Menschenhandel zur ausbeuterischen Zuhälterei, dann eine Reihe von Körperverletzungsdelikten. Als Besonderheit in dem Verfahren gibt es noch eine Anstiftung zum Schwangerschaftsabbruch in einem Fall. Das sind die Haupt-Anklagevorwürfe gegen den Angeklagten.

Wie viele Opfer sind betroffen und wie viele Opfer sagen aus?

In dem Verfahren sind vier Opfer bekannt geworden, und ich gehe davon aus, dass alle vier auch in der Hauptverhandlung Aussagen machen werden. Alle vier haben gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft im Ermittlungsverfahren Aussagen gemacht.

Wie ist das Ganze aufgeflogen?

Das Ermittlungsverfahren, das zu der Hauptverhandlung geführt hat, hat durch die Aussage einer Geschädigten seinen Anfang genommen. Sie hat ihn verlassen, sich an die Polizei gewandt und hat da ihre Geschichte erzählt, was ihr in den Jahren davor passiert ist. Und dann hat man, an diese Aussage anschließend, begonnen zu ermitteln, was in der Vergangenheit passiert ist. Die Zeugin hatte da schon Angaben zu potentiellen weiteren Geschädigten gemacht. Was dann die Möglichkeit gibt, nicht nur in die Vergangenheit ermitteln zu müssen, sondern laufende Straftaten zu beobachten und zu dokumentieren.

Wird es in Zukunft mehr Prozesse gegen Loverboys geben?

Ich glaube, dass der Fokus der Polizei stärker drauf liegt und dass es in Zukunft noch eine ganze Reihe von Verfahren aus diesem Bereich geben wird, die zu führen sind.“

Quelle: http://www.daserste.de/unterhaltung/film/themenabend-loverboys/hintergrund/interview-staatsanwalt-stefan-willkomm-104~_seite-1.html

 

Präventionsarbeit zum Schutz vor „Loverboys“

 

Am 2.1.18 war ich mit Tabita von http://www.freethem.de/ in einer Jugendhilfeeinrichtung für Mädchen. Wir haben dort präventive Arbeit in Form von Aufklärung über „Loverboys“ geleistet und mit den Mädchen über Prostitution und Menschenhandel gesprochen, wie man sich am besten vor „Loverboys“ schützen kann, wie man sie erkennt, was ihre Methoden sind, etc… Tabita hatte die Mädchen im Rahmen ihres Projektes bereits vorher mit dem Thema vertraut gemacht. Danke Tabita und auch Carina von Freethem!

Diese Präventionsarbeit liegt mir sehr am Herzen. Wer in diesem Bereich Infos/Hilfe möchte (LehrerInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen, Hilfeeinrichtungen, etc…) kann sich gerne bei mir melden. Zusammen können wir ein Konzept erstellen, behutsam aufklären, vor allem die Risikogruppen, und damit versuchen besser zu verhindern, dass es Opfer in dem großen Ausmaß gibt. Es ist wichtig, junge Menschen vor so etwas zu warnen und zu schützen!

Mit freundlicher Erlaubnis von Tabita unten ein Foto von uns beiden. Meine liebe Hündin war auch mit dabei, die Mädchen haben sich sehr darüber gefreut und die Atmosphäre wurde dadurch noch entspannter. Tiere können eine sehr schöne Wirkung auf die verschiedensten Typen von Menschen haben. Wir konnten auch viel lachen, das ist wichtig, damit das Thema bei den Mädels nicht zu schwer im Magen liegt.

Ein glückliches und gesundes neues Jahr euch allen!

 

Tabita und Sandra 2 (2)

Rechts: Tabita; Links: Ich