Rechtsphilosophische Gedanken zur Prostitution

Nach Platon bedeutet Gerechtigkeit die Harmonie dreier Seelenteile zueinander. Die Harmonie zwischen der Vernunft, dem Mut und der Begierde, wobei die Vernunft die Entscheidungen trifft und der Mut hilft, die Vernunft zu unterstützen, indem er die Begierde unter Kontrolle hält. Platon überträgt diese Gerechtigkeitstheorie auf den Staat, indem er sagt, dass die Philosophenkönige die Vernunft darstellen und die Entscheidungen treffen. Den Mut repräsentieren die Wächter. Sie helfen dabei die Begierde, nämlich das Volk, in Zaum zu halten.

Auf unser Staatssystem ist das so nicht übertragbar, da wir in einer Demokratie leben, in der das Volk sinngemäß nicht das unterste Feld, nämlich das der Begierde darstellen sollte, sondern den Staat gestalten soll, gemäß dem Prinzip der Volkssouveränität. Die Vernunft sollte demnach in unserem Staat nicht wie bei Platons Staatsempfinden durch Philosophenkönige, sondern durch unser Volk verkörpert werden. Wenn wir also diese große Aufgabe haben, die Vernunft im Staat sein zu dürfen, dann sollten wir dieser Aufgabe auch gerecht werden. Was die Prostitution betrifft ist es seit vielen Jahren leider so, dass ein Großteil des Volkes wie in Platons Staatstheorie wirklich den Seelenteil der „Begierde“ darstellt und der Mut nicht ausreichend ist, um die Begierde durch die Unterstützung der Vernunft zu schwächen. Was bleibt in einem demokratischen Staat, in dem das Volk die Stelle der Begierde anstatt der Vernunft einnimmt? Wer ist dann die Vernunft? Gibt es überhaupt noch eine?

Deswegen braucht es vermehrten Mut, vermehrten Aufschrei von Menschen, um der Begierde den Kampf anzusagen und die Menschen bezüglich der Prostitutionsdebatte wieder in die „Vernunft-Position“ zu bringen. Denn eine Gesellschaft, die sich zu dem Grundgesetz und den Grundrechten bekennt, die von Gerechtigkeit redet, sollte diesen Mut aufbringen, der nötig ist, die weit verbreitete Begierde zu kontrollieren, um die Vernunft walten zu lassen um somit das Leid anderer Menschen nicht wahllos hinzunehmen.

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