Monat: November 2016

Freierforum – www.lusthaus.cc – Art. 1 Grundgesetz und wie er leerläuft

 

Wer besagtes Freierforum aufruft, auf dem meine damaligen „Leistungen“ auch desöfteren bewertet worden sind (dazu im Anschluss), liest gleich zu Anfang:

„LUSTHAUS Stiftung Hurentest“

Klingt etwa wie „Stiftung Warentest“, mit dem klitze kleinen Unterschied, dass Huren Menschen sind, die laut unserem Grundgesetz das Grundrecht auf Menschenwürde besitzen (Art. 1 GG), welches auch nicht zur Disposition steht. Das heißt, selbst wenn jemand es wollte, kann er nicht in etwas einwilligen, was ihn in seiner Menschenwürde verletzt. Art. 1 GG ist das einzige Grundrecht in unserer Verfassung, bei welchem ein Eingriff in dieses Grundrecht niemals gerechtfertigt ist.

So zumindest die Theorie…

Die Praxis sieht leider anders aus.

Immer wenn ich in meinem öffentlich-rechtlichen Gesetzbuch diesen Art. 1 GG lese, dann sehe ich alle Menschen in meinem Leben vor mir, die immer große Töne gespuckt haben, wo aber letztlich die Taten ausgeblieben sind.

So ist es mit diesem Art. 1 GG im Hinblick auf die Prostitution.

Er klingt mächtig.

Vor allem der erste Absatz.

Art. 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

 

Im Hinblick auf die Prostitution ist er nicht existent.

Als ob es ihn in unserer Verfassung nicht gäbe.

Menschenwürde bedeutet, dass ein Mensch nicht zum Objekt degradiert werden darf.

Sie bedeutet, dass einem Menschen seine Subjektsqualität nicht aberkannt werden darf.

Es gibt noch einige weitere Definitionen der Menschenwürde, die ich aber in dem Fall jetzt nicht brauche, denn allein die Aussage, dass ein Mensch nicht zum Objekt herabgesetzt werden darf, reicht völlig aus für die Frage, die ich mir stelle:

Nach all dem was ich erlebt habe mit Freiern, wie sie mit Frauen umgehen… nach all den Bewertungen von Freiern, die ich über mich und andere Kolleginnen gelesen habe… was geschieht denn in der Prostitution? Was ist ihr Kern? Woraus besteht sie?

Sie besteht aus nichts anderem als einen Menschen, eine Frau, zum Objekt zu degradieren. Und der Staat kassiert Gelder aus diesem Sklavenmarkt. Wäre es doch eigentlich seine Aufgabe, die Menschenwürde zu schützen und nicht von ihrem Missbrauch zu profitieren!

Freier gehen nicht zu einer Prostituierten, weil sie sie als Menschen wertschätzen.

Nein.

Sie gehen zu einer Prostituierten um ihren „Druck“ zu erleichtern.

Um ihr Geschlechtsteil in sie reinzurammen.

Eine Frau wird auf ihren Körper reduziert.

Auf ihre Brüste.

Auf ihren Intimbereich.

Das Einzige, was sie für einen Freier ist, ist eine Gummipuppe –

mit dem einzigen Unterschied, dass sie ATMET, FÜHLT, LEIDET, LEBT.

Auch ich wurde in diesem Freierforum mehrmals bewertet.

In den Clubs, in denen ich gearbeitet habe, kam oft ein Fotograf (des Hauses) und hat Aufnahmen von uns Mädchen gemacht (halbnackt), die dann auf die Homepage des jeweiligen Clubs gestellt worden sind um die Frauen da anzupreisen und den Freiern bereits da zu zeigen, was sie erwartet.

So wurden in diesen Freierforen nicht nur Berichte von uns Frauen reingestellt, sondern diese auch mit Fotos versehen – das ist heutzutage an der Tagesordnung, man braucht nur einen Blick in dieses von mir genannte Forum werfen.

Als ich dann aufgehört habe zu arbeiten, habe ich ca. 2 Jahre später gesehen, dass immernoch Fotos von mir dort online gestellt sind.

Ich habe an den Betreiber der Seite geschrieben und darum gebeten, die Fotos zu löschen.

Nichts ist passiert.

Daraufhin habe ich ein halbes Jahr später nochmal darum gebeten, etwas energischer.

Nichts.

Vor einem halben Jahr ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe damit gedroht, sie vor Gericht zu ziehen, weil es nicht rechtens ist, was sie da tun. Oder haben sie/hatten sie je irgendwo von mir eine Einwilligung, dass sie Nacktbilder von mir online stellen dürfen?

Nein.

Nur damals habe ich mich nicht gewehrt.

Ich habe es hingenommen, wie ich alles hingenommen habe.

Heute tue ich das nicht mehr.

Heute wehre ich mich.

Heute weiß ich, wer ich bin.

Heute bin ich eine Frau, die stark ist, die Gerechtigkeit anstrebt, die Menschen hilft, die warmherzig ist trotz allem, was man mit ihr angestellt hat – mit der man sich allerdings im Gegensatz zu früher nicht anlegen sollte, wenn es um Ungerechtigkeiten geht.

Denn ich habe gelernt, zu überleben.

Allein.

Mit nichts.

Bin aus dem tiefsten Loch hervorgekrochen.

Das hat mich fast umgebracht – aber es hat mich auch unheimlich stark gemacht.

Und ich lasse mir Dinge solcher Art nicht mehr gefallen.

Schließlich haben sie auf diesem Freierforum dann auch reagiert und die Bilder gelöscht.

Unglaublich zu welchen Mitteln man manchmal greifen muss…

Es macht mich wütend und traurig zugleich, wenn ich diese Unmenschlichkeit sehe, wenn ich sehe, wie Frauen auf solch einem Forum bewertet werden.

Dieses Herabsetzen eines Menschen – als wäre eine Prostituierte kein Mensch. Als ob sie eine Sache wäre, die man nach Lust und Laune benutzen kann, von welcher man gar nicht denkt, dass sie eine Seele oder Gefühle haben könnte und wenn doch – trotzdem die Befriedigung der eigenen Lust vorgeht

Ganz ehrlich liebe Freier, ich versuche sonst immer niveauvoll zu schreiben in meinen Texten – neutral – ganz einfach aus dem Grund, weil ich denke, dass man mit unsachlichen Texten nicht zur Aufklärung beitragen kann.

Es gibt aber dennoch eine Sache, die ich euch schon immer mal sagen wollte, aber nie ausgesprochen habe.

Und zwar immer dann, wenn ihr zu mir sagtet, ihr könntet nicht anders als einen Frauenkörper kaufen, das ist euer Trieb, ihr seid so geboren, irgendwo müsst ihr es ja raus lassen… als ob ihr keine eigenständigen, selbstdenkenden und – wählenden Geschöpfe wärt. Als ob ihr irgendwo in der Evolution stecken geblieben wärt.

Mein Rat:

Geht euch einen wichsen, das soll auch helfen um Druck loszuwerden.

Und fangt an zu begreifen, dass auch die meisten von euch zurechnungsfähig sind, entscheidungsfähig sind, einen Verstand haben, den sie benutzen sollten anstatt Menschenleben zu zerstören.

Werdet zu ehrenvollen Männern, die so etwas nicht nötig haben!

In diesem Sinne… werde ich nun wieder niveauvoller und akademischer und sage:

Facta, non verba

(Deutsch = Taten, nicht Worte)

Ich hoffe wirklich, dass Art. 1 GG im Hinblick auf die Prostitution irgendwann Anwendung findet. Kein Gesetz ist wertvoll, wenn es zwar groß klingt, aber dennoch nicht die Wirkung entfaltet, die es eigentlich entfalten sollte.

 

 

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Deutsche Übersetzung des Trauma-Vortrages (Thema: Trauma und Prostitution)

 

So, liebe Luise, du hattest eine gute Idee: wie versprochen zum Ende der Woche hin hier für dich und auch für diejenigen Menschen, die keinen direkten Zugang zur englischen Sprache haben und diesen Text aber unbedingt lesen sollten. Die deutsche Übersetzung von Frau Dr. Kraus Vortrag. Jeder sollte sich zu Gemüte führen, was da drin steht. Ich habe es übersetzt, so gut es mir möglich war. Keine Gewähr für die 100%ige Richtigkeit, aber ich habe mir Mühe gegeben 🙂

Es exisiert bereits ein Vortrag von ihr mit Ähnlichkeiten zur Thematik, aber hier gibt es viele neue interessante Details, vor allem das Beispiel mit dem Autounfall und dem Test im CT ist sehr interessant.

Ihre „Einleitung“ habe ich ausgelassen.

Los geht’s.

Dr. Ingeborg Kraus , Edmonton/Canada, 16.09.2016.

Ich werde Ihnen nun erklären, wie man die Prostitution aus Sicht der Psychotraumatologie beurteilt.

Es gibt 2 Arten von Trauma. Die zweite Art (im Bild: Typ 2) verursacht komplexe Traumata.

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Typ 1: plötzlich, unerwartet, einmalig

  • Apersonal: durch einen Autounfall, eine Naturkatastrophe,…
  • Zwischenmenschlich: durch einen Überfall/Angriff, durch eine Vergewaltigung, durch den Verlust einer nahestehenden Person,..

Typ 2: sich chronisch-steigernd

  • Politische Übergriffe: durch Krieg, Folter, Geiselnahme, Haftstrafe im Konzentrationslager,..
  • Nahes Umfeld: durch Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit, häusliche Gewalt, Prostitution.

Wenn wir die Epidemiologie von Traumata betrachten, haben wir festgestellt, dass es auf den jeweiligen Typ des Traumas ankommt, ob jemand eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt oder nicht. Und eine Vergewaltigung birgt das größte Risiko um eine PTBS zu entwickeln.

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Das erste, was es also zu sagen gibt ist, dass man nicht so einfach seine Gedanken/Seele vom Körper abspalten kann.

Wenn wir uns die Verbreitung von sexuellem Missbrauch ansehen, und damit die schlimmste Form von Trauma, muss man feststellen, dass er weit verbreitet ist.

Auf internationaler Ebene: 20 % der Mädchen erleben sexuelle Gewalt, 5-10 % der Jungen erleben ebenfalls sexuelle Gewalt.

Eine nationale Umfrage aus Frankreich, die 2014 gemacht wurde, kam auf die selbe Zahl.

Kinder sind die häufigsten Opfer sexueller Gewalt. Es gibt eine hohe Anzahl an Reviktimisierungen (70 % von ihnen werden auch im Erwachsenenalter Opfer sexueller Gewalt).

Der Täter kommt aus dem nahen Umfeld.

Diejenigen, die sich eigentlich kümmern sollen, sind die Angreifer.

Diejeingen, die eigentlich vertrauenswürdig sein sollten, missbrauchen.

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Muriel Salmona, eine Psychiaterin aus Frankreich, hatte mich letztes Jahr gebeten nach Paris zu kommen um über die Situation in Deutschland zu sprechen und wir haben herausgefunden, dass wir die gleichen Statistiken haben. In Deutschland ist es die Recherche von Monika Schröttle, die 2004 veröffentlicht wurde mit 10.264 Frauen zwischen 16 und 25 Jahren.

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Leid, welches komplexe Traumata verursacht, ist ein nationales Problem, welches die Gesellschaft Billionen von Euro kostet.

Van der Kolk (Medical Director des Trauma Center Research in Brooklin/Massachussets) sagt: wenn Soldaten aus dem Krieg heim kommen, dann sind die Zeitungen voll damit. Wenn Frauen Opfer von häuslicher Gewalt werden, interessiert das niemanden. Muriel Salmona spricht davon, dass wir noch immer in einer Vergewaltigungskultur leben.

Erste Lektion:

Es handelt sich im Hinblick auf die Prostitution nicht um zwei Bevölkerungsgruppen, einmal also die Gruppe der glücklichen Sexarbeiterinnen und auf der anderen Seite die Gruppe der Kinder, die Missbrauch erlebt haben. Nein, es ist ein und dieselbe Bevölkerungsgruppe. Es sind die Kinder, die damals von der Gesellschaft hängen gelassen wurden und die nun ein zweites Mal von der Gesellschaft im Stich gelassen werden. Das System der Prostitution nutzt diese traumatisierten Kinder für ihre eigenen Zwecke.

Was ist also Prostitution? Ist Prostitution Gewalt? Oder ein Service?

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Es hat eine große Anzahl an Studien gegeben, die versucht haben herauszufinden, ob Frauen in der Prostitution Gewalt erleben. Hier wieder die Ergebnisse von Schröttle aus dem Jahr 2004. Zu dieser Zeit war die Mehrheit der Frauen in der Prostitution Deutsche (80%). Wenn man die nachfolgenden Zahlen sieht, kann man keinesfalls sagen, dass Prostitution ein Job wie jeder andere ist:

92 % erlebten sexuelle Belästigungen, fast 90 % physische und psychische Gewalt und 59 % sexuelle Gewalt. Heute würden die Zahlen noch schlimmer aussehen, ich würde sagen es wäre von allem 100 %, da wir nur 5 % an Frauen in der Prostitution haben, die aus Deutschland kommen, 95 % der Frauen sind aus dem Ausland. Die Bedingungen sind schlechter geworden.

Seit dem Gesetz von 2002, welches Prostitution zu einem Job wie jeden anderen gemacht hat, sieht man wachsende Perversionen bei Sexkäufern in Deutschland. Die Praktiken werden gefährlicher mit einem Anstieg von Gewalt gegen Frauen und einem Verlust von Schutz der Frauen. Es gibt ein „Menü“, welches im Internet kursiert, aus dem sich die Sexkäufer aussuchen können, was sie gerne hätten:

  • AF = Algierfranzösisch (Zungenanal) – tongue anal
  • AFF = Analer Faustfick (die ganze Hand im Hintereingang) – Anal Fist Fucking
  • AO = alles ohne Gummi – everything without rubber Braun-weiß = Spiele mit Scheiße und Sperma – play with shit and sperm
  • DP = Doppelpack (Sex mit zwei Frauen) oder: double Penetration (zwei Männer in einer Frau) – Sex with 2 women or double penetration (2 men in one woman)
  • EL = Eierlecken – licking the balls
  • FFT = Faustfick total – Fist Fuck totally
  • FP = Französisch pur (Blasen ohne Gummi und ohne Aufnahme) – blow job without rubber
  • FT = Französisch total doppeldeutig: Blasen ohne Gummi mit Spermaschlucken und seltener: Blasen ohne Gummi bis zum Finale – Blow job without condom and with swallowing the sperm.
  • GB = Gesichtsbesamung (manchmal auch Gangbang, also Gruppensex, aber mit deutlichem Männerüberschuss) Ejaculating into the face.
  • GS = Gruppensex – Group Sex.
  • Kvp = Kaviar Passiv (Frau lässt sich anscheißen) – Man shits on woman
  • SW = Sandwich, eine Frau zwischen zwei Männern – one woman between 2 men tbl, = tabulos, ALLES ist erlaubt – without taboo, everything permitted.
  • ZA = Zungenanal (am / im Hintereingang lecken) – licking the anus.

 

Wenn man das liest, brauche ich keine weiteren Studien um festzustellen, ob Prostitution ein normaler Service/Job ist oder nicht.

Den After eines fremden Menschen zu lecken ist kein Job.

Wir müssen dieses Nichtwahrhabenwollen stoppen.

Wie kann eine Frau so etwas aushalten? Das ist die Frage, die wir uns stellen müssen.

Hier ist ein Auszug von dem, was Michaele Huber, eine deutsche Traumaexpertin, dazu sagt:

  • „Um einem fremden Menschen zu erlauben, seinen Körper penetrieren zu lassen, ist es nötig, einige natürliche Phänomene abzuschalten wie: Angst, Scham, Ekel, Fremdheit, Verachtung, Selbstverachtunng.
  • An dessen Stelle treten Gefühle wie Gleichgültigkeit, Neutralität, eine funktionelle Vorstellung von Penetration oder eine Umdeutung des (Geschlecht-) aktes in einen Job oder Service.
  • Viele Frauen in der Prostitution haben gelernt abzuschalten, entweder durch sexuelle Gewalt oder Vernachlässigung in der Kindheit.

Wenn wir uns nun die Voraussetzungen ansehen, die in die Prostitution führen, müssen wir begreifen, dass die Mehrheit der Frauen dort schlimme Formen von Gewalt in ihrer Kindheit erlebt haben.

Es gibt 3 Studien: eine von Melissa Farley, die anderen beiden sind aus deutschen Forschungsinstituten. Ihnen ist zu entnehmen, dass sexuelle Gewalt und physische Gewalt herrschend sind.

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Was richtet also ein Trauma bei einem Menschen an?

Das hier ist ein Satz, an den ich mich erinnere, von einer Frau, die 9/11 überlebt hatte und im deutschen Fernsehen interviewt wurde:

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„Ich habe 10 Jahre gebraucht um zu verstehen, dass ich kein Opfer mehr bin, sondern eine Überlebende.“

Sie ging nachhause und hat sich gewaschen, sie hat sich von dem ganzen Staub auf ihrer Haut befreit, aber es gab etwas in ihrem Gehirn, wovon sie sich nicht befreien konnte. Und zwar hat sie eine Posttraumatische Belastungsstötung entwickelt.

Studien haben ergeben, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung bei Frauen in der Prostitution sehr gängig ist.

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Deswegen möchte ich Ihnen zunächst erklären, was eine „einfache“ Posttraumatische Belastungsstörung ist.

Ein Trauma ist eine Verletzung, welche

  • das Gehirn
  • den Körper
  • das Verhalten /Beziehungen
  • die Psyche

betrifft.                                     

Ich möchte Ihnen zuerst die Neurobiologie eines Traumas erklären.

Hier sehen Sie die Teile des Gehirns, welche bei einem Trauma betroffen sind:

 

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  • der präfrontale Kortex
  • das „alte Gehrin“
  • das limbische System mit der Amygdala und dem Hippocampus

 

Der präfrontale Kortex hat die Funktion zu verstehen und in der jeweiligen Situation zu sein, Entscheidungen zu treffen, an die Vergangenheit zu erinnern, zu reagieren, zu beruhigen.

Das „alte Gehirn“ hat die primitiven Funktionen: es ist unser autonomes Nervensystem, welches unsere Organe aktiviert um uns am Leben zu erhalten. Es beschleunigt unseren Herzschlag, es lässt uns schneller atmen, etc…

Die Amygdala ist unser Alarmsystem, sie hat 2 Funktionen:

  • sie scannt durchgehend unsere Umgebung danach, ob uns jemand umbringen möchte und ob wir in Gefahr sind, sie kann Hormone produzieren, die uns in eine Lage versetzen, welche es uns ermöglicht zu überleben, indem dadurch dann eine „Kampf oder Flucht Reaktion“ folgt.
  • Sie ist auch ein Gedächtnis, wenn wir uns daran erinnern müssen, was gefährlich für uns war.

Der Hippocampus stellt Erinnerungen/das Gedächtnis her. Wenn also Informationen kommen, dann organisiert, verteilt und speichert er sie.

Wenn sich nun jemand in einem Stresszustand befindet, gibt die Amygdala Alarm und sendet Informationen an unseren Körper, die Hormone produzieren, so dass wir uns wehren oder fliehen oder erstarren können:

4 Hormone sind hier involviert:

  • Adrenalin, welches unseren Körper in eine Lage versetzt, in der er fliehen oder sich wehren kann um am Leben zu bleiben
  • Cortisol, welches uns Energie gibt um diese Kampf/Flucht-Reaktion auszuführen

Und die anderen 2 Hormone sperren den Schmerz:

  • Opioide, sie sind natürliche Morphine. Sie schützen uns vor Schmerz, blockieren aber auch alle anderen Gefühle. Es kann also passieren, dass Frauen, die vergewaltigt werden und über das sprechen, was ihnen passiert ist, ohne Emotionen erzählen.
  • Oxytocin: es fördert gute Gefühle, auch um Schmerz zu blockieren. Der Körper wird in einen Zustand versetzt, in dem wir uns gut fühlen. Menschen können dadurch ein Trauma schildern und dabei lächeln. Das kann unglaublich verwirrend sein und erklärt wohl auch die hohe Anzahl an Reviktimisierungen. Prostitution kann ein selbstverletzendes Verhalten sein um zu versuchen inneren Schmerz zu verringern.

Opfer eines Traumas weisen also eine gemischte Kombination dieser Hormone auf. Es kann variieren, etc…

Wenn man aber in Gefahr ist und nicht fliehen kann, lässt einen die Hormonkonzentration erstarren. Der präfrontale Kortex wird überflutet von Katecholaminen und man ist handlungsunfähig.

Du weißt, was passiert, aber du kannst es nicht stoppen, du dissoziierst.

Hier können Sie 2 Reaktionen sehen und was sie mit uns anstellen (wenn also in einem Stresszustand die Amygdala Alarm schlägt und Informationen an unseren Körper sendet, die dann Hormone produzieren, sodass wir uns entweder wehren/fliehen können oder erstarren):

  1. Kampf/Flucht Reaktion
  • Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt an
  • Schnelles Atmen
  • Schwitzen
  • Erhöhter Muskeltonus
  • Der Körper bekommt Energie ins Blut (Blutzucker, Fette)
  • Die Schmerzgrenze steigt
  • Das Immunsystem ist hoch aktiviert
  • Die Blutzirkulation ist in vielen Organen, die wir in dem Moment nicht brauchen, herabgesetzt

 

       2. Dissoziation

Wenn der Stress zu heftig wird, wird die Amygdala mit anästethischen Substanzen isoliert:

  • Das Bewusstsein und das Gedächtnis sind betroffen: es fühlt sich an als wäre man in einem Trance-Zustand
  • Das Körpergefühl ist betroffen: Benommenheit, wie ein „neben sich stehen“, in dem man das Geschehen von weiter Weg betrachtet
  • Die Umgebungswahrnehmung ist betroffen: es ist wie durch einen Tunnel zu blicken oder alles im Nebel zu sehen
  • Die Identität ist betroffen: als ob man eine Rolle spielen würde, es herrscht Verwirrung über die eigene Identität, multiple Persönlichkeiten, …

 

Zweite Lektion:

Das System der Prostitution profitiert vom Phänomen der Dissoziation, in welcher die Frauen nicht in der Lage sind sich selbst zu wehren. Sie stellen ihren Körper zu Verfügung und erleiden extreme Gewalt. Diese Frauen werden mehr und mehr traumatisiert.

Das Phänomen der Dissoziation ist keines, welches man an- und ausschalten kann, so wie man sich das gerade wünscht. Die Dissoziation kann bleiben. Es gibt integrative Funktionen, die für längere Zeitspannen unterbrochen werden. Es ist jedes Mal beeindruckend für mich wenn ich sehe wie diese Frauen wieder zurück ins Leben finden. Nach einer erfolgreichen Therapie sagen einige: „Jetzt kann ich Schmerz empfinden“ oder „Ich kann jetzt riechen und Essen hat einen Geschmack“ oder „Jetzt verstehe ich, wer ich bin.“

Wenn es nur dieses Phänomen der Dissoziation gäbe, würden sich die Folgen der Prostitution darauf beschränken, aber es existieren noch die traumatischen Erinnerungen.

Während der Dissoziation sind der Körper und der Kortex größtenteils wie eingefroren, etwa wie unter Anästhesie. Man nimmt Dinge wahr, aber sie werden nicht alle vom Kortex festgehalten. Weil der Hippocampus während eines Traumas nicht richtig arbeitet, können die Informationen und der Kontext des Geschehens nicht genau zugeordnet/gespeichert werden. Deshalb sind Opfer von Traumata nicht immer fähig zu sagen: ,, Das ist mir zu dieser Zeit an diesem Ort passiert.“ Es kommt auch zu Amnesien, Gedächtnislücken. Teile dieser Erfahrung sind an einem anderen Platz im Gehirn gespeichert worden, welches wir als „Trauma-Gedächtnis“ bezeichnen  (ein Teil der Amygdala).

Ich werde Ihnen nun 2 Bilder von 2 Gehirnen eines Paares zeigen, die Opfer eines schweren Autounfalls waren. Es wurde von beiden ein CT gemacht und während der Aufnahmen wurde ihnen die Geschichte ihres Autounfalls erzählt.

Hier sieht man die Reaktion des Mannes, er reagiert mit der „Kampf/Flucht-Reaktion“. Die Frau dissoziiert.

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Es war ein Experiment von Van der Kolk, und er fragte sich, warum eine Person so reagierte und die andere Person, also die Frau, dissoziierte. Als er mit der Frau sprach, stellte er fest, dass sie ein Opfer von Vernachlässigung in der Kindheit war. Sie lernte also sehr früh abzuschalten.

Das bedeutet, dass das Trauma-Gedächtnis voll Informationen steckt, welche die Amygdala jedes Mal in Alarmbereitschaft versetzen, wenn es getriggert wird. Es versetzt einen entweder in die Lage sich wehren/fliehen zu wollen oder zu dissoziieren. Das erklärt die hohe Zahl an Reviktimisierungen unter den Opfern. Sie haben gelernt zu erstarren sobald sie getriggert werden. Sie können sich dann selbst nicht mehr verteidigen oder schützen.

Noch ein paar Worte über das Trauma-Gedächtnis: dieses Gedächtnis funktioniert nicht wie der Kortex. Es ist wie eine Black-Box, zu der wir keinen bewussten Zugang haben und wir auch nicht wissen, dass es existiert. Dieses Gedächtnis sammelt traumatische Erfahrungen komplett durcheinander, ohne ein Gefühl von Zeit und Raum. Es ist nicht semantisch; es hat keine Sprache. Das Gespeicherte kann jederzeit hervorgerufen werden durch bestimmte Trigger, welche das Trauma wieder aufleben lassen: ein Geruch, eine Farbe, ein Geräusch, Bilder, Wörter, Sätze, etc. In diesem Moment löst es eine starke Angst aus, als ob die Person das Trauma in dem Augenblick noch einmal erlebt. Es ist das, was man als „Flashback“ bezeichnet. Diese Reaktionen sind als Posttraumatische Belastungsstörung bekannt. Es ist als hätte man eine explosive Bombe im Kopf.

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Hier habe ich die Symptome einer PTBS aufgelistet. Der Körper fährt in einer Weise fort zu fühlen als ob das Trauma immer und immer wieder passiert. Das Gehirn ist beschädigt und lässt einen denken, dass die Gefahr immer noch da ist, dass sie nicht weg ist.

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Das ist also eine „einfache“ PTBS, einer Person des Trauma Typ 1, wie das Opfer von 9/11.

Was passiert nun, wenn jemand wiederholt traumatischem Missbrauch ausgesetzt ist? Und dieser von Leuten wahrgenommen wurde, die sich eigentlich kümmern sollten? Sie können sich vorstellen, dass das Alarmsystem einer solchen Person dann komplett falsch eingestellt ist und die Funktionen sich zu beruhigen und sich sicher zu fühlen sich nicht entwickelt haben. Viele Studien über PTBS zeigen eine hohe Komorbidität mit anderen psychischen Störungen.

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Opfer von interpersonellem und chronischem Missbrauch stehen unter konstanter Gefahr. Für sie gab es nie einen sicheren Platz, es gab nie eine sichere Person. Sie wissen nicht, was das bedeutet. Diejenigen, die eigentlich helfen sollen, verletzen. So wird das Selbst in Verzicht eingetaucht, in Täuschung, in Schuld, in Demütigung und in Isolation. Die Kinder entwickeln große Gefühle von Scham, weil sie glauben, dass es ihr Fehler ist, was passierte.

Wenn diese Menschen erwachsen sind bekommen sie von Ärtzen viele Diagnosen.

Aber es ist wohl nur eine Einzige (richtige) und sie nennt sich „komplexes Trauma“.

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Seit über 30 Jahren nun fordern Traumaexperten, dass diese neue Diagnose im Klassifizierungssystem akzeptiert wird. Sie wurde abgelehnt beim DSM4 und 2013 wieder abgelehnt für das DSM5. Van der Kolk sagt, dass wir ein irrsinniges Diagnosesystem haben, welches das Leben von Menschen ignoriert. Es bestimmt die Diagnose eines Menschen danach, welche Symptome er aufweist, aber es wird nicht identifiziert, worunter er eigentlich leidet.

Also nochmal:

sich in Stillschweigen hüllen.

 

  1. Menschen mit einem komplexen Trauma haben Schwierigkeiten ihre Gefühle und Impulse zu regulieren. Sie tendieren dazu bei Stress überzureagieren. Sie haben Probleme sich selbst zu beruhigen, weil sie es nicht gelernt haben. Sie werden selbst-zerstörerisch, weil äußerer Schmerz einfacher zu händeln ist als innerer Schmerz: Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten, Abhängigkeiten, Prostitution….
  2. Sie haben oft dissoziative Symptome. Die Informationen und Erfahrungen können nicht erzählt werden. Sie können nicht darüber sprechen, was ihnen passiert ist, weil das Gedächtnis nicht integriert ist. Dieses wird zwar ihr Leben weiterhin beeinflussen, aber es kann nicht in Worte gefasst werden. Es existieren keine „Dateien“ im Gehirn dieser Menschen, aufgrund derer sie sagen können, was passiert ist. Ihr Gedächtnis ist zersplittert. Der einzige Weg um zu fliehen, wenn man physisch nicht fliehen kann, ist mit den Gedanken: man dissoziiert. Diese Menschen haben nie gelernt sich zu schüzten, sich zu wehren. Das ist der Grund, warum Reviktimisierung so häufig ist. Eine der stärksten Formen der Dissoziation ist die, bei der man eine multiple Persönlichkeit entwickelt.
  3. Die Art, wie sie sich selbst wahrnehmen wird zerstört. Sie entwickeln Täterintrojekte: sie denken, dass sie nicht liebenswert sind, dass sie unfähig und unerwünscht sind. Die Opfer machen sich selbst Vorwürfe, geben sich die Schuld und glauben, dass niemand sie verstehen wird. Sie tragen ein großes Schamgefühl in sich. Nicht nur wegen dem, was ihnen angetan wurde, sondern weil sie denken, dass es ihnen angetan wurde, weil sie sind, wer sie sind.
  4. Veränderungen in der Wahrnehmung zum Täter: sie denken die ganze Zeit an den Täter, sie fühlen sich von ihm kontrolliert und zwar auch dann, wenn er nicht mehr da ist. Sie nehmen die Sicht des Täters ein und betrachten sich selbst aus dieser Sicht, sie geben die ganze Macht dem Täter. Sie binden sich an den Täter, weil Bindung für ein Kind wichtig ist beim Aufwachsen. Sehr oft wird der Missbraucher dann als nette Person wahrgenommen. Viele Opfer von Menschenhandel nennen ihren Zuhälter „Vater“.
  5. Sie haben keine Vorstellung davon, wie eine gesunde Beziehung aussehen kann. Man kann nicht das leben, was man nie gesehen hat. Deswegen bekommen sie oft die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, die man Borderline nennt.
  6. Chronisches Trauma beeinträchtigt auch den Körper. Häufig leiden diese Menschen an Somatisierung.

 

In der Therapie vermitteln wir diesen Frauen Fähigkeiten zum Selbst-Management. Wir verleihen jenen Dingen Worte, die verborgen worden sind, wir decken Lügen auf.

Wir weinen.

Wir zeigen ihnen, dass eine andere Art von Beziehung möglich ist.

Die Dynamik von Prostitution und Trauma besteht darin, dass man keine Wahl hat.

Wenn man aber versteht, was passiert ist und was mit einem selbst vorgegangen ist öffnet sich eine Tür, die einem die Möglichkeit gibt zu sagen: „Ich habe eine Wahl“.

 

Vielen Dank!


 

Zum Abschluss möchte ich noch einen Einleitungssatz von Frau Dr. Kraus übersetzen, den sich jeder zu Herzen nehmen sollte.

This is also an important message to you: Don´t keep silent, raise your voice, because if we keep silent, we become part of the perpetrator´s system and dishonor the victims.

Das hier ist auch eine wichtige Nachricht an Sie: Schweigen Sie nicht, erheben Sie ihre Stimme, denn wenn wir schweigen, dann werden wir ein Teil dieses Täter-Systems und erkennen die Opfer nicht an.

 Quelle: www.trauma-and-prostitution.eu/

Trauma as the Pre-condition and Consequence of Prostitution – Dr. Ingeborg Kraus

 

Der nachfolgende, englische Vortrag von Frau Dr. Ingeborg Kraus ist sehr lesenswert.

Er passt ideal zu meinem letzten Blog-Eintrag und der Diskussion:

Gibt es eine gute, freiwillige Prostitution?

Ich bitte alle, diesen Vortrag zu lesen oder auf der entsprechenden Seite, die ich unten verlinkt habe, auf YouTube anzuschauen. Es lohnt sich wirklich sehr.

Dr. Ingeborg Kraus , Edmonton/Canada, 16.09.2016.

Thank you for inviting me here to Edmonton, especially to Kate Quinn from cease[1].

So as you heard, I come from Germany, a country that traumatized the entire world during the second world war, and here I am today to talk to you about trauma. And concerning the handling of prostitution, Germany is not at all a role model, in fact it´s hell on earth. And nobody seems to care, especially women. They don´t raise their voice. They shut up.

So first of all I was asking myself: was it a mistake to invite me? An error? Weren’t you paying attention at the moment when you invited me?

When we talk about trauma, we have to understand the dynamics of trauma. And one of them is to keep silent, so shut up about what has been done to someone. When we talk about trauma, we also have to think how trauma and collective trauma affects our community. I will give you a couple of examples:

Germany, under the Nazis, attacked, deported, killed, put in concentration camps. And for these crimes, it wasn’t the men, but the German women who had to pay. When the liberating soldiers came into Germany, they massively raped the women. Not only the Russian soldiers in Berlin, no, all over Germany, women were raped. And at home, they very often got beaten up by their husbands. They were not allowed to talk about it, they had to shut up and suppress their pain. This mental process: to deny trauma and repress pain, has been well trained by the Germans and seems to have been passed from one generation to the other. If you don´t overcome a trauma, it will be realized again, as Janet already said 100 years ago. So I am asking myself if this silence towards prostitution has something to do with our history. Women have been raped, and they had to keep silent. Now, their men rape, and they keep silent again.

Second, we have a long history of patriarchy. To legitimize the domination and exploitation of women and children without feeling guilt, it is necessary to deny the harm.

When you look at this through the history of psychotraumatology, it started actually with the denial of trauma. Freud, who is the founder of psychoanalysis, treated women (called at that time “hysterical women”). He found out that they were all sexually abused in their childhood. When the men from the medical chamber from Vienna heard about that, they put pressure on Freud and he had to change his thesis. So he developed the fantasy theory were he denied the reality and said that in fact all those women dreamt of the abuse, that they wished it, that this was merely wishful thinking. So again: keep silent!

When Bowelby and Ainsworth found out that the children with a disorganized attachment behavior had experienced neglect and / or sexual violence, they were cut off funding[2]. When the feminists in the 70 said that women who have experienced domestic violence have the same symptoms as the Vietnam soldiers, they were told that rape doesn´t exist in marriage, it´s not trauma. Again: keep silent! Today, when we say that prostitution is violence and causes severe trauma, we get to hear “no, it´s their choice, it´s a sexual service, it´s a job”. So again: a denial of trauma and the order to shut up. Why? All this to protect a taboo subject: male sexuality and its alleged right to fulfilment without constraints or limits.

Healing a trauma means to put words on what has been hidden, to uncover lies. And this is what I did: I put words on the silence. If we want to reverse trauma, we have to tell the truth. So I am not here by chance, but because I have done everything possible to break the silence, which is in my opinion a symptom of a society that has perpetrator introjections. I started with an appeal in my hometown[3], then I mobilized the German trauma experts to take position[4], I started a world wide petition in 6 languages[5] addressed to Angela Merkel[6] to abolish prostitution.

This is also an important message to you: Don´t keep silent, raise your voice, because if we keep silent, we become part of the perpetrator´s system and dishonor the victims.

I will try to explain you how prostitution is seen from the point of view of psychotraumatology.

You have 2 types of trauma. The last one causes complex trauma.

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When we look at the epidemiology of trauma, we find that it depends on the type of trauma whether you develop PTSD or not. And rape is the highest risk to develop PTSD. So the first lesson to learn is: you can not so easily split off your mind from your body.

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When we look at the prevalence of sexual violence, and thus the worst form of trauma, we must state that it is widely spread. On a global level: 20% of the girls experience sexual violence, 5 to 10% of the boys. A national research done in 2014 in France finds the

same number. Children are the most frequent victims of sexual violence. There is a high rate of re-victimization (70% of them will again becomevictims of sexual violence as adults). The perpetrator comes from the close environment. Those who should care are the aggressors. Those who should be trustworthy, abuse.

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Muriel Salmona, a psychiatrist from France, asked me to come to Paris last year, to talk about the situation in Germany and we found, that we have the same statistics. In Germany, this is the research done by Monika Schröttle and published in 2004, with 10.264 women, aged between 16 and 25.

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Harm that causes complex trauma is a national problem and costs the society billions of Euros. Van der Kolk, who is the Medical Director of the Trauma Center Research in Brooklin/Massachussets, says: when soldiers come back from war, the newspapers are full of it, when women become victims of domestic violence, nobody cares. Muriel Salmona says that we still live in a culture of rape.

First lesson to learn: 

This is not about two separate groups in society, i.e. the group of “happy sexworkers” on the one hand, and the group of children who experienced abuse on the other. No, this is one and the same group. It is the children who were abandoned by society then and who are again being abandoned by society now. The prostitution system uses these traumatised children for its own ends.

So what about prostitution? Is prostitution violence? Or a service?

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There has been a huge number of research trying to figure out if women in prostitution face violence. Here again the results of the study done by Schröttle[7] in 2004. At that time the majority of the women in prostitution were German (80%). By seeing these numbers you can not say that it´s a job like any other: 92% experienced sexual harassment, nearly 90% physical violence and mental violence and 59% sexual violence. Today the figures would be even worse, I would say 100% of everything, because we have only 5% of German women working in prostitution and 95% are from abroad. The conditions have got worse.

Since the law in 2002, that made prostitution a job like any other, you see growing perversions among sex buyers in Germany. Practices are becoming more dangerous with an increase in violence against women and a lack of protection for the women. There is a “menu” circulating on the Internet[8], where buyers can choose what they want from a long à la carte list.  I will just cite a couple of them:

  • AF = Algierfranzösisch (Zungenanal) – tongue anal
  • AFF = Analer Faustfick (die ganze Hand im Hintereingang) – Anal Fist Fucking
  • AO = alles ohne Gummi – everything without rubber Braun-weiß = Spiele mit Scheiße und Sperma – play with shit and sperm
  • DP = Doppelpack (Sex mit zwei Frauen) oder: double Penetration (zwei Männer in einer Frau) – Sex with 2 women or double penetration (2 men in one woman)
  • EL = Eierlecken – licking the balls
  • FFT = Faustfick total – Fist Fuck totally
  • FP = Französisch pur (Blasen ohne Gummi und ohne Aufnahme) – blow job without rubber
  • FT = Französisch total doppeldeutig: Blasen ohne Gummi mit Spermaschlucken und seltener: Blasen ohne Gummi bis zum Finale – Blow job without condom and with swallowing the sperm.
  • GB = Gesichtsbesamung (manchmal auch Gangbang, also Gruppensex, aber mit deutlichem Männerüberschuss) Ejaculating into the face.
  • GS = Gruppensex – Group Sex.
  • Kvp = Kaviar Passiv (Frau lässt sich anscheißen) – Man shits on woman
  • SW = Sandwich, eine Frau zwischen zwei Männern – one woman between 2 men tbl, = tabulos, ALLES ist erlaubt – without taboo, everything permitted.
  • ZA = Zungenanal (am / im Hintereingang lecken) – licking the anus.

So when you read this, I don´t need another study to analyse if prostitution is a service or not. Licking the anus of a stranger is not a job. We have to stop the denial.

How can a woman stand this? And this is the question we have to ask ourselves.

This is what the German trauma expert Michaela Huber says:

  • “To allow strangers to penetrate one’s body, it is necessary to extinguish some natural phenomena: fear, shame, disgust, strangeness, contempt and self-blame.
  • In their place these women put indifference, neutrality, a functional conception of penetration, a reinterpretation of this act as a “job” or “service”.
  • Most of the women in prostitution have learned, through sexual violence or neglect in their childhood, to switch themselves off.

So when we look now at the pre-condition for entering prostitution, we must realize that the majority of women have experienced severe forms of violence in their childhoods.

There are 3 studies[9]: One by Melissa Farley, the other two from German research institutions. We see that sexual violence and physical violence is very dominant.

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So what does trauma do with a person?

This is a sentence I remembered a couple of years ago when this women who survived 9/11 was invited on the German TV:

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„I needed 10 years to understand that I was a survivor and not a victim anymore.”

She went home and she washed herself, she got rid of the dust on her skin, but there was something in her brain that she couldn´t get rid of. In fact she developed Post Traumatic Stress Disorder.

Studies have shown that PTSD[10] is very current among women in prostitution. That´s why I want to first explain to you what simple PTSD is.

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Trauma is an injury that affects:

  • The Brain: Biology and Anatomy
  • The Body
  • The Behavior / Relationships
  • The Psyche

I want to introduce you first to the neurobiology of trauma:

Here are the parts of the brain who are involved in trauma:

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  • The prefrontal cortex
  • The “old brain”
  • The limbic system with the amygdala and the hippocampus.

The prefrontal cortex has the capacity to understand and to be in a situation, try to make decisions, remember the past, react, calm down.

The “old brain” has the primitive functions: it´s our autonomic nervous system that will activate our organs to keep us alive. It will make our hart beat faster, our breathing faster, etc.

The amygdala is our alarm system, it has 2 functions:

  • It is constandly scanning our surroundings if something wants to kill us and if we are in danger, it produces hormones that put us in a situation that enable us to survive, it´s the “fight or flight reaction”.
  • It is also a memory, as we need to remember what was dangerous for us.

The hippocampus is the memory maker. So when information comes in, it will organize it, group it and store it.

So if someone is under heavy distress, the amygdala fires off and sends messages (to glands) in our body that produce hormones to put us in a situation so that we can fight or flight or freeze:

There are 4 hormones that are involved in that[11]:

– Adrenaline that puts our body in a condition to fight back to keep us alive or to flee.

– Cortisol, that gives us the energy in order to execute the fight/flight reaction.

And 2 hormones to block the pain:

– Opioids, which are natural morphines, they protect us from pain, but they block all other emotions also. So sometimes it can happen that women who get raped and talk about what happened to them, say this without emotions.

– Oxytocin: that promotes good feelings, also to block pain. The body gets in a condition that we feel good. People will describe the trauma and smile. This can be incredibly confusing and can perhaps also explain the high rate of re-victimization. Prostitution can be a self destructive behaviour to reduce inside pain.

So victims of trauma will have a mixture of a combination of those hormones. It can go up and down, etc. But when you are in danger and you can not flee, the hormone concentration make us freeze. The prefrontal cortex gets flooded by the cathecholomines and we can not make a decision anymore. You know what is happening but you can not stop it, you dissociate.

Here you can see the 2 reactions and what it is doing with us:

  • Fight/ Flight Reaktion:
    • Heart is beating faster, blood pressure increases,
    • Fast breathing,
    • Sweating,
    • Muscle tension increases,
    • The body gets energy in the blood (blood sugar, fats)
    • Pain tolerance increases,
    • The immune system is highly activated,…
    • Reduced blood circulation in several organs that are not needed now (Reproduction, gastrointestinal system ,..),
  • Dissociation: If the stress becomes too intense, the amygdala is being isolated with anaesthetic substances.
    • Awareness and the memory are affected: Like being in trance,…
    • Body feeling is affected: numbness, like standing aside, like watching the scene from far away.
    • The perception of the environment is affected: like looking through a tunnel, or every thing is foggy,
    • Identity is affected: playing a role, confusion about one’s own identity, multiple identities,…

Second lesson to learn: The system of prostitution profits from the phenomenon of dissociation, in which women aren’t in a position to defend themselves. They make their bodies available and suffer extreme violence. These women become more and more traumatized.

The phenomenon of dissociation isn’t something that you can turn on and off as you wish. The dissociation can remain. There are integrative functions that can be extinguished for extended periods of time. It’s impressive to me every time I see these women reconnect with life. After successful therapy, some say: “Now I can feel pain” or “I can smell now and food has a taste” or “I understand who I am now.”

If it were just the phenomenon of dissociation, the damages from prostitution would be limited to that level, but there are also traumatic memories. During dissociation, the body and the cortex are largely anesthetized. One perceives things, but they aren’t all remembered in the cortex. Because the hyppocampus is not working properly during trauma, the information and the contextualisation of the incidents can not be stored properly. So victims of trauma are not always able to say: “this happened to me at that time, at that place.” There can be amnesia too, holes in the memory. Parts of the experience is recorded in another part of the brain, which we call “traumatic memory.” (A part of the amygdale.)

I will show you 2 pictures[12] of the brains of a couple who were victims in a severe car accident. They were put into a computer tomograph and somebody read the story of the accident.

– Here is the reaction of the man, he reacts with fight/flight. The woman dissociates:

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This was an experiment done by Van der Kolk, and he asked himself, why one person reacted like this, and the other one with dissociation. When he talked to the woman, he realized that she had been a victim of neglect in her childhood. So she had learned very early to switch off.

That means that the traumatic memory is full of information that puts the amygdala on fire every time it is triggered. It puts you in a condition to react with fight/flight or dissociation. This explains the high rate of re-victimization among the victims. They have learned to freeze as soon they get triggered. They can not defend or protect themselves anymore.

Just a couple of words about the traumatic memory: This memory doesn’t function under the same principals as the cortex. It’s a kind of black box to which we don’t have conscious access and we don’t even know that it exists. This memory collects traumatic experiences in a disorderly way, without a sense of space and time. It isn’t semantic; it doesn’t have language. It can be brought on at any moment by “trigger” events that revive the trauma: a smell, a color, a sound, images, words, phrases, etc. At that moment, it triggers an intense anxiety, as if the person was reliving the trauma at that very instant. It’s what they call a “flashback.” These reactions are known as PTSD: post-traumatic stress disorder. It´s like having a time bomb in the head.

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Here I have listed the symptoms of PTSD: Trauma is a fear reaction. The body continues to feel as if the trauma is happening again all the time, and again, and again. The brain is being damaged and makes us think that the danger is still there, that it is not gone.

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So this is a simple PTSD, a person who has been victim of a trauma Typ I, like the victim of 9/11.

What happens now if somebody is repeatedly exposed to traumatic abuse? And it´s actually heard by people who should care? You can imagine that our alarm system is totally disregulated and our capacity to calm down and to feel safe has not been developed. Many studies over PTSD have realized a high comorbidity with other mental disorders[13].

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Victims of interpersonal and chronical abuse are under constant distress. There was no safe place, no safe person for them. They don´t know what that means. Those children also develop a sense of self in this environment. Those who should help hurt. So the self is doused in abandonment, deception, blame, humiliation and isolation. The child develops a deep sense of shame, because they think that it´s their fault that this has happened.

Those people, when they become adults, meet many diagnostic[14] criteria. But perhaps they have only one. It´s complex trauma.[15]

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For more than 30 years experts in trauma have wanted to have this new diagnosis to be accepted in the classification system. It was refused in ’94 when the DSM4 came out, and again refused in 2013 for the DSM5. Van der Kolk says that we have an insane diagnostic system that ignores people’s lives. It is just classifying people into diagnoses by describing symptoms but does not identifiy what people actually suffer from. So again: keep silent.

  1. People with complex trauma have difficulties regulating their emotions and impulses. They tend to overreact to stress. They have difficulties to calm themselves down, because they didn´t learn it. They become self-destructive, because external pain is easier to support than inside pain: eating disorders, self harm, addictions, prostitution,..
  2. They often have dissociative symptoms. The information and experiences are not narrative. They can not talk about what happened to them, because the memory is not integrated. It continues to impact their life, but it can not be spoken. There are no files in the brain of those persons where they can say what happened to them. Their memory is fragmented. The only way to get away, if you can not flee physically, it´s to go away with your mind: you dissociate. They haven’t learned to protect themselves, to defend themselves. That’s why re-victimization happens so often. One of the strongest forms of dissociation is to develop a multiple personality.
  3. The way they perceive themselves gets destroyed. They have perpetrator introjections: they think that they are unlovable, incapable, undesirable. Victims blame themselves and believe that nobody will understand. They carry a great sense of shame. Not just about what was done to them, but thinking that it was done to them because of who they are.
  4. Changes in the perception of the perpetrator: they constantly think of the perpetrator, they feel controlled by him even if he is not there anymore, they take the perpetrator’s view of themselves, they attribute total power to the abuser. They bond to their abuser because bonding is necessary for the child to grow up. Very often the abuser is also a nice person. Many trafficked victim call their pimps daddy.
  5. They have no model in their minds of what a healthy relationship looks like. You can´t do what you have never seen. So very often they get the diagnosis of a personality disorder called borderline.
  6. Chronic trauma affects the body also. They suffer of somatization.

So in therapy we give them the skills to self-management. We put words on that what was hidden, we uncover the lies. We cry. We show them that a different kind of relationship is possible.

The dynamic of prostitution and trauma is “you have no choice”. Understanding what happened and has been done with one’s self opens a door and lets one say: “I have the choice”.

Thank you!

Dr. Ingeborg Kraus
Psychologist and expert in psychotraumatology
Initiator of the appeal “German psychologists and the scientific case against prostitution
http://www.trauma-and-prostitution.eu/

Quelle: Trauma and Prostitution (klick)