Strafrecht, Prostitution als Plattform für Gewalt und das „Gesellschaftsproblem“

 

§ 177 Abs. 6 Nr. 1 StGb.

Vergewaltigung.

„Vergewaltigung“ ist so ein mächtiges Alltagswort, welches schnell ausgesprochen wird, juristisch aber nochmal eine ganz eigene Bedeutung hat bzw. einige Sachen benötigt, damit ihr Tatbestand erfüllt ist.

Dennoch: es passieren in der Prostitution tagtäglich nicht nur Vergewaltigungen nach dem „Alltagssprachgebrauch“, sondern auch tatbestandlich.

Und zwar viele – viel zu viele.

Man nimmt sie aber nicht als solche wahr.

Denn sie gelten oft als gerechtfertigt.

Natürlich, es wird immer, überall Vergewaltigungen geben – nur leider stellt die Prostitution geradezu eine Plattform für derartige Taten zum Beispiel des § 177 StGb dar, in der es Menschen ermöglicht wird im Schatten der Legalität der Prostitution unmenschlich und gewalttätig zu sein. Sie tun Dinge, die eigentlich strafbar sind, weil sie (zumindest teilweise) denken, ihr Handeln sei dadurch gerechtfertigt, dass sie Geldscheine aus Papier auf den Tisch legen und die Prostituierte deshalb funktionieren muss wie sie es wollen. Man(n) grob und gewalttätig werden kann und auch wird, bekommt er nicht all die erhofften Stellungen, den gewollten „Service“ und daher regelmäßig Gewalt anwendet – schließlich hat er einen Anspruch, er hat ja bezahlt -> diese Aussagen habe ich häufig von Freiern gehört.

Es ist paradox.

Wenn man sich im Zimmer gegen solche Verhaltensweisen wehrt und sagt, dass es so nicht geht, werden viele Männer sauer und rasten aus. Sie benehmen und verhalten sich als ob sie dir sagen wollten: „Vergewaltigungen sind verboten, deswegen komme ich zu dir, Hure, damit ich ausleben kann, was im Gesetz unter Strafe steht. Dich bezahle ich ja dafür, dass du all das aushalten musst.“

Dieser Zustand wird hingenommen von einer Gesellschaft, von Politikern, die dieses Milieu zulassen, direkt oder indirekt unterstützen und der Mehrheit der Frauen, die dort nichts weiter als grausames Leid erleben, damit ernsthafte Hilfe ausschlagen  – anstatt diesem Elend als moderne, menschenrechtsliebende Gesellschaft eindeutige Grenzen zu setzen.

Ich frage mich, ob Geld ein Rechtfertigungsgrund dafür sein kann, dass die Rechtsgüter Leib und Menschenwürde verletzt werden dürfen? Ob eine Einwilligung eines Menschen in solche menschenverachtenden Dinge, die in der Prostitution passieren, möglich ist?

Eigentlich nicht.

Solange aber unsere Gesellschaft nicht anerkennt (anerkennen will), dass Prostitution nicht das ist, wofür man sie hält, wird es weiterhin dieses große Ausmaß an (sexueller) Gewalt geben – welches aber nur diejenigen mitbekommen, die Teil dieses großen „Systems der Prostitution“ sind. Deshalb ist es auch ein Teufelskreis.

Denn diejenigen, die sehen müssten, um zu verstehen und um zu verändern, sehen nicht, haben keinen Einblick und nehmen nur die Minderheit an Prostituierten wahr, die „freiwillig“ arbeiten und darüber berichten als wäre es ein normaler, erfüllender Job – und diejenigen, die sehen, die um alle (viele) Strukturen in der Prostitution wissen, profitieren, und wollen nichts verändern. Und ich spreche hier hauptsächlich von Freiern, denn es sind größtenteils sie, welche dieses System aufrechterhalten.

Die Nachfrage bestimmt den Markt!

Ich hoffe, die Menschen fangen irgendwann an sich intensiver mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, zu hinterfragen und zu erkennen, dass Prostitution menschenunwürdig, menschenverachtend ist, ja rein gar nichts mit sexueller Selbstbestimmung zu tun hat.

 

All das ist ein gesellschaftliches Problem.

Das Recht, egal welches, wird von Menschenhand geschaffen.

Es kann nur das regeln, wozu die Menschen bereit sind, es auch regeln zu wollen.

Dazu müssen sie (hin- ) sehen und verstehen (wollen).

 

Ich glaube fest daran, dass die Gerechtigkeit irgendwann siegen wird!

 

 

 

 

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4 Kommentare

  1. Du schreibst so klar. Es leuchtet alles unmittelbar ein. Und es ist doch ein Hoffnungsschimmer, dass jemandem wie Dir gerade das Handwerkszeug an die Hand gegeben wird, um vielleicht auch einmal in einem oder vielen Prozessen zugunsten der Missbrauchten zu argumentieren.

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