Monat: Januar 2017

Die 4 Säulen der Prostitution – über Marionetten und Marionettenspieler

 

Manchmal fragt man sich – was bleibt.

Was bleibt nach einem Leben in der Prostitution – zwangsläufig meist verbunden mit (organisierter) Kriminalität, Drogen, Alkohol, (sexueller) Gewalt.

Was vor allem bleibt ist ein Bild über unsere Gesellschaft.

Ein trauriges Bild.

Denn was ich und viele Frauen in der Prostitution erlebt haben ist kein Traum aus dem man einfach wieder erwacht und erleichtert aufatmet.

Es ist keine Erfahrung, von der man sagen kann: „das kommt eben mal vor“, eine einmalige Sache.

Nein.

Es war Realität.

Es IST Realität, was da draußen in unserer Gesellschaft jeden Tag passiert.

Es ist Realität, dass Menschen in der Prostitution, überwiegend Frauen, jeden Tag erniedrigenden Handlungen ausgesetzt sind.

Vor ein paar Tagen schrieb mir ein Freier eine Mail, dass wir Prostituierten doch an allem selbst Schuld seien. Wir würden schließlich schauspielern und ein dreckiges, abgekartetes Spiel mit den Freiern spielen, indem wir ihnen Gefühle vortäuschen, die gar nicht existieren, um uns ihr Geld zu holen. Wir seien selbst ein Teil dieses ausbeuterischen Systems der Prostitution und würden es zu einem sehr großen Teil mit am Leben erhalten, mitverantworten, weil wir selbst ausbeutennämlich die Freier.

Alle Erkenntnisse der Traumawissenschaft bezüglich der Ursachen und Folgen der sich in der Prostitution befindenden Frauen seien doch nur weit hergeholte Theorien und diese Leute hätten doch keine Ahnung davon wie es in der Praxis denn wirklich aussieht.

Die Mail war lang.

Voller Vorwürfe, voller „ihr Prostituierten seid doch selbst Schuld“. Wir würden dieses Gewaltsystem genauso fördern wie Freier auch, weil wir daran aktiv beteiligt wären.

Und ich habe kurz überlegt: bin ich, so wie dieser Freier es geschrieben hat, wirklich ein Teil dieses ausbeuterischen Prostitutionsmilieus gewesen? Habe ich es mit ernährt? Habe ich überhaupt Freier ausgebeutet? Haben wir prostituierten Frauen dieses verheerende Geschäft, in dem Frauen zu Waren herabgesetzt werden, mitangerichtet, weil wir ANWESEND sind (zumindest körperlich) und unsere „Dienste“ anbieten?

Sind WIR Schuld?

Was bedeutet denn überhaupt „Schuld“?

Kann Schuld nicht erst aus Freiheit resultieren?

Der Freiheit einer Handlung?

Im Strafrecht gibt es zum Beispiel § 20 StGb. Er behandelt die Schuldunfähigkeit von Menschen, die eine Straftat begangen haben. Diese können eine Tat zwar tatbestandlich und rechtswidrig begehen, aber wenn eines der Tatbestandsmerkmale des § 20 StGb auf einen zutrifft, gilt dieser Mensch als schuldunfähig (mit ihm passiert natürlich dann nicht gar nichts, sondern er/sie unterfällt den sogenannten „Maßregeln der Besserung und Sicherung“).

Wir hatten an der Uni mal einen Arzt aus einer forensischen Psychiatrie zu Gast, der einen Vortrag darüber gehalten hat, was mit Menschen dann in der Praxis passiert, die zwar eine Straftat begangen haben, aber eben schuldunfähig sind und deshalb in dem Sinn nicht nach ihrer eigentlich begangenen Tat bestraft werden können. Er hat uns Einblicke gegeben, was in der Praxis genau unter die Tatbestandsmerkmale des § 20 StGb subsumiert werden kann, welche Verhaltensweisen also beispielsweise unter „krankhafte seelische Störung“ oder „schwere andere seelische Abartigkeit“ oder „Schwachsinn“ fallen, wie sich die Leute bei ihm in der Anstalt mit der Zeit entwickeln (oder auch nicht), etc… Es war interessant, aber auch erschreckend, was es alles gibt, mit welchen Verhaltensweisen man als PsychiaterIn teilweise klar kommen muss. Der Arzt wirkte extrem monoton in seiner Stimmlage, immer auf dem gleichen Level. Ich glaube, er war selbst ein bisschen abgestumpft in Bezug auf manche „Fälle“. Das muss man wahrscheinlich zum Selbstschutz auch.

Mir geht es hier jetzt jedenfalls nicht um Menschen, die eine Straftat begangen haben, sondern um Folgendes:

Alle diese „Krankheiten“, die der Arzt aufgelistet hat, sind so extrem unterschiedlich. Dennoch haben sie meines Erachtens eines gemeinsam. Die Menschen sind nicht frei. Nicht frei im Geist, nicht frei in der Entscheidung, nicht frei als menschliches Wesen. Sie sind Unfreie. Man spricht ihnen diesen § 20 StGb, die Schuldunfähigkeit, zu, weil man weiß, dass sie unfrei sind, dass sie nicht BEWUSST handeln (können).

Sie sind wie Marionetten und hängen an unterschiedlichen (nicht sichtbaren) Fäden von denen sie gelenkt werden.

Etwas bestimmt sie. Bei jedem ist dieses „Etwas“ etwas anderes, aber bei jedem ist es nicht das innere Selbst, was einen leitet. Es wurde entweder nie gefunden oder aber verloren oder zerstört, etc…

Und natürlich: einer Marionette wird man nie Schuld zuweisen können, eben weil sie an diesen Fäden hängt und nicht autonom handlungsfähig ist – sie wird geführt, ihre Bewegungen, ihr Auftritt, alles wird gelenkt.

Und jetzt kommt die Übertragung:

alle Frauen, die ich in der Prostitution kennenlernte und die sich prostituierten, glichen lebenden Marionetten. So auch ich.

Prostituierte sind Unfreie in ihrem Handeln als Prostituierte.

Sie hingen alle an diesen Fäden, ihr Wille war gebrochen, sie führten ihre Bewegungen zwar selbstständig aus, doch sie waren ihnen vorgegeben – vorgegeben durch dieses „Etwas“, was sie leitet. Oft waren das anhaltende seelische Störungen verursacht beispielsweise durch vorangehende Traumata oder Suchtprozesse, aber auch physische Beeinflussungen, Drohungen, etc… Man kann dieses „Etwas“ als Marionettenspieler zusammenfassen.

Wie also, wenn man wie eine Marionette an Fäden hängt, soll man anders handeln als die Marionettenspieler es vorgeben?

Irgendwann, wenn es gut läuft, beginnt ein Faden zu reißen und ab und zu merken die Frauen dann, dass sie an Fäden hängen und unfrei sind, dass sie frei werden wollen, der Prostitution entfliehen wollen – aber wie sollen sie denn die restlichen Fäden durchschneiden, wenn sie zum ersten Mal seit Jahren anfangen überhaupt zu realisieren, dass es vielleicht noch etwas anderes gibt als dieses Marionettendasein, sie aber Angst haben und überwiegend immer noch autonom handlungsunfähig sind aufgrund der übrigen Fäden?

Wenn dieser erste Faden gerissen ist, können sie zum ersten mal WOLLEN, aber sie können noch nicht frei werden, weil der Rest der Fäden noch existiert. Die Autonomie fängt erstmals an zu wachsen und das Streben nach einem selbstgesteuerten Leben beginnt, welches so viel mehr beinhaltet als ein Marionettenleben. Man erkennt langsam die Farben des Lebens klar und deutlich. Man fängt an zu begreifen, dass man weitergehen kann als mit diesen Fäden, weitergehen will, weil man unabhängig sein möchte. Und bestenfalls entwickelt man irgendwann, irgendwie die Kraft sich gegen diese restliche Handlungsunfähigkeit mit allem, was einem zur Verfügung steht, zu wehren um die übrigen Fäden durchzuschneiden – und somit der Prostitution, der Unfreiheit, seinen Rücken zuzukehren. Das ist kein einfacher Weg.

Wir (ehemaligen) Prostituierten sind mit Sicherheit ein Teil dieses ausbeuterischen Systems, aber wir gehören nicht zu dem Teil, der ausbeutet, wir richten dieses Gewaltsystem nicht mit an, denn wir sind Marionetten in einem System, welches davon profitiert, dass Prostituierte Unfreie sind.

Dieses Prostitutionssystem besteht sozusagen aus 4 Teilen, die sich zusammenfügen.

Die Prostituierten stellen den 4. Teil am Ende der Kette dar von dem die anderen 3 Teile profitieren. Und diese 3 Teile profitieren sogar untereinander, obwohl sie (oft) nichts miteinander zu tun haben und von dem Profit untereinander meist auch gar nichts wissen oder mitbekommen (wollen).

Diese 3 Teile von denen ich spreche sind die Freier, der Staat und die Zuhälter/Menschhändler (sehr oft haben Zuhälter nunmal auch mit Menschenhandel zu tun, auch wenn das immer wieder bestritten wird) – wie profitieren sie also voneinander?

Der erste Teil sind die Freier – sie profitieren vom Staat, denn er lässt Sexkauf zu. Nur deshalb können sie ihre Lust in diesem hohen Ausmaß ausleben, wie sie es tun. Sie profitieren von Zuhältern und Menschenhändlern, denn diese sorgen unter anderem mit dafür, dass das Geschäft so stattfinden kann (Organisation in Clubs, etc…) und bringen ihnen neue „Frauenware“. Dieses Wort klingt hart, aber warum soll ich nicht aussprechen, was nun mal Realität ist? Auch wenn die Freier nicht von solchen Dingen profitieren wollen und sich davon abgrenzen – sie tun es trotzdem. Auf subjektive Wünsche kommt es hier nicht an. Objektiv profitieren sie. Nur das zählt, denn ein Nicht-Wollen dieses Profits ändert nichts an den realen Umständen.

Der zweite Teil ist der Staat – er profitiert davon, dass es Freier gibt, die für ihr Sexualleben bezahlen, denn er hat dadurch eine Einnahmequelle – wo keine Nachfrage, da kein Markt. Er profitiert zwangsläufig – auch wenn (wie die Freier) nicht gewollt – an Menschenhändlern und Zuhältern, denn ohne sie würde das Geschäft nicht in dem Ausmaß stattfinden, wie es das tut – traurig, aber leider die Wahrheit. Ohne die Organisation vieler großer Clubs, was auch den „Frauenvorrat“ betrifft, gäbe es keine so hohen Geldeinnahmequellen. Und hier wieder bewusst „Frauenvorrat“, denn die Frau ist nichts weiter als ein Objekt in diesem Milieu – harte Tatsachen müssen ausgesprochen werden.

Der dritte Teil sind die Zuhälter und Menschenhändler – sie profitieren vom Staat, da er Sexkauf erlaubt und sie so unproblematischer Geld einnehmen können als müssten sich „ihre Frauen“ mit Freiern verstecken. Sie profitieren von Freiern, denn diese sind es, welche das Geld dalassen, was dann ganz häufig nicht in die Tasche der Prostituierten fließt, sondern in deren. Das Ganze schafft den Zuhältern und Menschenhändlern eine Plattform, auf der sie aktiv aufbauen können.

Herzlichen Glückwunsch.

Ein in sich stimmiges System würde ich mal sagen.

Doch der 4. Teil, die Prostituierten, fehlen.

Alle profitieren von ihrem Dasein, doch wo profitieren denn nun sie?

SIE, ohne die es diesen ganzen oben beschriebenen Profit gar nicht gäbe?

Und wo beuten sie Freier aus?

Ich war 6 Jahre im Milieu.

Mir ist das meiste Geld von Freiern nicht geblieben – was mir geblieben ist, ist ein Bild u.a. von Familienvätern, die nach außen hin vielleicht lieb, nett und unscheinbar schienen, doch bei mir im Zimmer zum Unmenschen mutierten.

Der Staat hat mir Geld genommen in Form von Steuern – während ich größtenteils von diesem hart verdienten Geld selbst gar nichts hatte (warum? – siehe nächste Zeile).

Und von Zuhältern habe ich auch nicht profitiert – in den ersten Jahren habe ich meist 100 % des verdienten Geldes abgegeben.

Ich habe während und nach der Prostitution gekämpft mit massiven Panikattacken, die mich physisch! handlungsunfähig gemacht haben, mit Dissoziationsmechanismen, mit Depressionen, extrem hohem Alkoholkonsum, Nebenwirkungen von Überdosen an Drogen…

Wenn man das Profit nennen kann, wenn man das Ausbeutung von Freiern nennen kann, dann hat jemand das Wort „Profit“ oder „Ausbeutung“ gänzlich nicht verstanden. Ausbeuten ist das Ausnutzen anderer. Man müsste einen Vorteil ziehen.

Ich finde diesen Vorteil für mich nicht – für keine Prostituierte, die ich kennegelernt habe.

Ich und jede andere, die ich kannte, waren UNFREI.

Das wurde den Zuhältern, den Freiern und dem Staat (ob gewollt oder nicht spielt hier keine Rolle) zum Vorteil, aber sicher nicht uns.

 

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Austausch mit einem Freier – guter vs. böser Sexkäufer

 

Ein Mann und Freier namens Kris hat mir eine Anfrage geschickt.

Da ich diesen Austausch mit ihm für wichtig halte, möchte ich einen Beitrag daraus machen.

Nachfolgend habe ich für alle Leserinnen und Leser erstmal Kris Anfrage kopiert.

Meine Antwort kommt danach.

Hier sein Anliegen:

„Hallo,
aus gegebenem Anlass verfolge mit großem Interesse deinen Internetauftritt – gegebener Anlass deshalb, weil ich seit einiger Zeit einen mehr oder weniger (guten, natürlich den Umständen entsprechend) persönlichen Zugang zu einer Prostituierten gefunden habe, die ich seit einigen Monaten immer wieder regelmäßig besuche.
Ja, ich bin ein Mann der die 50 bereits überschritten hat und ich würde mich selbst (entschuldige mir hier meine positive Selbstdarstellung) als einen recht gut aussehenden schlanken, ernstzunehmenden und aufrichtigen Menschen einschätzen, der hin und wieder dieses Rotlicht-Milieu aufsucht. Allerdings, und das sage ich hier in aller Deutlichkeit und Ernsthaftigkeit, möchte ich mich hier von der Stereotype des sogenannten Freiers abheben ja, ich möchte in keinster Weise mit diesen Menschen (so wie der Freier immer wieder negativ beschrieben wird) in meinem persönlichen Verhalten den Prostituierten gegenüber auch nur irgendwie in Verbindung gebracht werden. Mit diesen Menschen die sich, wenn auch nur ansatzweise an diesen „käuflichen Damen“ in irgendeiner Weise respektlos, herabwürdigend und fordernd in ihrem Versucht der „sexuellen Machtausübung“ zu Vergehen, will ich niemals etwas zu tun haben – ja, du liest ganz richtig, ich scheine ein besonderes Exemplar eines männlichen Wesens zu sein.
Aber zurück zum meiner entstandenen Problematik mit dieser o.g. Dame, die ich zufällig im Milieu kennengelernt habe, da ihre Tür offen stand (Laufhaus) und ich von ihr eingeladen wurde doch hereinzutreten – was ich dann auch sehr gerne tat.
Es scheint sich irgendwie eine ganz besondere Stimmung zwischen uns einstellen zu wollen und ich kann mich an eine wohltuenden und vorsichtigen, ja beinahe schon zärtlich anmutende Begegnung seit anfange an zurück erinnern – eben so wie ich mir die Begegnung zum anderen Geschlecht vorstelle und ich es mir auch wünsche.
Und so kam es, dass ich die Besuche in bester Erinnerung behalten durfte – wie durch einen Zufall begegneten wir uns eines Tages völlig unvermittelt und abseits des Milieus auf der Straße, sie kam zu mir her und trat vor mich um ein wenig Smaltalk zu führen wobei ihre persönliche Ausstrahlung mir gegenüber meines Erachtens erstaunlicher weise sehr offen und aufgeschlossen erschien, was ich auch am Blick in ihrer Augen glaubte ablesen konnte.
Ab diesem Ereignis konnte ich sie nicht mehr vergessen und es folgten regelmäßiger Besuche, die kaum und wenn, dann nur sehr untergeordnete sexuellen Handlungen zu Bestandteil der Begebungen hatten. Ich konnte es auch gar nicht und ich hatte bei ihr keine wirklichen sexuellen Erregungen verspürt, viel zu stark waren all die hingebungsvollen und leidenschaftliche Zärtlichkeiten und auch immer wieder die sehr sinnlichen intensiven und oft lang anhaltenden Blickkontakte zwischen uns – mir erschien immer wieder der Eindruck, dass wir dies beide sehr genießen konnten.
Ich forderte sie dann bei meinen Besuchen immer wieder dazu auf sich nicht vor mir, was sie immer wie ganz automatisch tat, nackt auszuziehen – ja, ich forderte Sie sogar einige male dazu auf sich bitte vollständig anzuziehen.
Eines Tagen nahm ich zum Ende des Besuches allen Mut zusammen und offenbarte micht ihr gegenüber mit den Worten, „sie habe einen Platz in meinem Herzen“ – die Antwort ihrerseit kam ziemlich schnell mit der Aussage, sie hätte keine Zeit sich mit mir außerhalb zu treffen, sie müsste arbeiten und schlafen !
Bei unserer nächsten Begegnung kam von ihr völlig unvermittelt die Frage an mich ob ich eine Beziehung wollte bzw. suche – meine Antwort darauf, so kann ich mich erinnern, kam nicht von meinem Herzen (vielleicht ein folgenschwerer Fehler meinerseits), sondern vielmehr von meinem Verstand mit der Aussage einiger beispielhaft erläuternden Problemen in Anbetracht ihrer aktuellen Liebesumstände, die ich ja sehen konnte.
Ab diesem Zeitpunkt verschlechtere sich zusehend ihr Gesichtsausdruck zum eher ärgerlichen, vielleicht enttäuschten oder sonst etwas – ich habe, trotz mehrfachen Versuches, nie einen verwertbare Antwort von ihr erhalten.
Es folgen weiter Besuche bei ihr und nach und nach kamen so einige Aussagen, die sie geäußert hatte, zusammen. Beginnend mit Bemerkungen wie:
Es wäre normal und richtig, wenn man sich außerhalb begegnet und kennenlernt, hier in diesem Milieu kann es nicht funktionieren.
Ich bin in mir gefangen und kann nicht heraus, ich lebe in der Gegenwart, habe keine Zukunftspläne und keine Träume (mehr), alle Pläne und Träume die ich hatten sind mir nicht gelungen.
Ich arbeite jeden Tag, möchte mich nicht beklagen und weine nicht wegen der (Art) der Arbeit und ich muss auch meine Familie in Rumänien versorgen.
Unsere anfängliche behutsamen Umgangsform miteinander wich teilweise hin zu solchen Gesprächen und so bestimmt auch zu einigen Missverständnissen und auch der Sprachbarriere (alles in Englisch) wegen.
Auch färbten sich die anfänglich doch sehr stark rosa-rot gefärbten Gläser meiner Verliebtheit-Brille nach und nach zu klarem und durchsichtigen Glas.
Nach dem Austausch von Telefonnummern und einigen Kontakten über WhatsApp ging ich dazu über ihr einen Link zu dem Internet-Bericht mit dem Thema: Trauma und Prostitution zu senden – es war mutig von mir aber ich hatte eigentlich nicht viel zu verlieren, sollte sie deswegen den Kontakt zu mir abbrechen.
Beim nächste und bis heute letzte Besuch, die Stimmung zwischen uns war leider nicht gerade gut aber sie sprach wenigsten, offenbarte sie mir folgendes:
Sie versuchte diesen Internet-Bericht ins lächerliche zu zeihen – ich glaube aber nicht, dass sie den Bericht vollständig, wenn überhaupt gelesen hat, den Text des Links aber wohl).
Sie erklärte mir, sie könnte keinen Menschen in dieser Lebenssituation in ihrer Nähe haben.
Sie erklärte mir, niemanden um Hilfe gebeten zu haben.
So, da stehst du nun da als sogenannter GUTMENSCH und weist nicht so recht wie du mit dieser leicht verfahrenen Situation und überhaupt umgehen sollst !!!
Ich glaube nicht, dass sie mich nicht leiden kann oder auch nicht mehr sehen möchte, aber ich kann mir diese „Zerrissenheit und die emotionale Veränderung“ (ich benenne es jetzt einmal so) ihrerseits nicht wirklich erklären.
Aufgrund ihrer manchmal veränderten Art ihres Wesens das mir auffiel, muss ich davon ausgehen, dass sie in irgend einer Weise schädlich Substanzen zu sich nimmt, was auch daran zu erkennen war, dass sie öfters einen wie versteinerten Gesichtsausdruck mit wenig bis gar keiner deutlichen Mimik hatte.
Nach weiteren Besuchen zu ihr weiß ich und kenne ich heute folgende Tatsachen von ihr:
Sie hat ein großes Problem im Hintergrund und zwar ein massive Geldforderung in 5-stelliger Höhe – allerdings weiß ich (noch) nicht ob es sich eine legale (z.B. normale Kreditschulden, eine Strafzahlung oder Ähnliches) oder um eine illegale (ganz allgemein aus dem Milieu) Forderungen handelt – ich vermute leider mal letzteres und sehe mehr und mehr einen (typischen) Fall von Zwangsprostitution vor mir mit all den Folgen ihres Verhaltens geprägt von Verängstigungen, Einschüchterungen und der Tatsache der Ambivalenz und der Dissoziation (von dir gut erklärt!).
An dieser Stelle ein Link zu einer Kampagne auf der Seite:
http://www.stoppt-zwangsprostitution.de
http://www.stoppt-zwangsprostitution.de/art/doku_kampagne.pdf
Ja, es ist unheimlich schwer, sich einer Person die sich in dieser für sie aussichtslosen Lebenssituation befindend, in ehrliche und vertrauensvoller Weise zu nähern und auch ggf. eine Hilfsstellung anzubieten – die für mich erst mal außer Frage steht.
Ich bin daher auf (vorerst auf verbale) Hilfe angewiesen – und wer kann mir derzeit am meisten/besten helfen als jemanden wie du, der wahrscheinlich all die Facetten des Milieus kennt – daher die Bitte an dich,
beziehe doch bitte mal Stellung dazu – was kann ich als nächste tun, den selbst wenn ich die Bereitschaft zur Änderung ihrer Lebenssituation bewirken kann dann fängt die eigentlich „Arbeit“ ja erst an, nämlich mit der weiteren Existenzfrage deren Antwort ich ihr eindeutig und glaubhaft vermitteln muss und ihr auch, so meine ich, tatsächlich schuldig bin.
Gruß Kris
Meine Antwort:

Hallo Kris,
danke für deine Anfrage.

Meine Antwort kommt etwas verspätet, da ich auf eine Einladung hin im Ausland war – und dort ein paar wundervolle Tage verbringen durfte.

Um zu versuchen dir nun verständlich zu antworten muss ich etwas ausholen, denn ich möchte nicht nur auf deine eigentliche Frage eingehen, sondern auf deinen kompletten Kommentar reagieren.

Du schreibst:

„in aller Deutlichkeit und Ernsthaftigkeit, möchte ich mich hier von der Stereotype des sogenannten Freiers abheben ja, ich möchte in keinster Weise mit diesen Menschen (so wie der Freier immer wieder negativ beschrieben wird) in meinem persönlichen Verhalten den Prostituierten gegenüber auch nur irgendwie in Verbindung gebracht werden. Mit diesen Menschen die sich, wenn auch nur ansatzweise an diesen „käuflichen Damen“ in irgendeiner Weise respektlos, herabwürdigend und fordernd in ihrem Versucht der „sexuellen Machtausübung“ zu Vergehen, will ich niemals etwas zu tun haben – ja, du liest ganz richtig, ich scheine ein besonderes Exemplar eines männlichen Wesens zu sein.“
Deiner Ansicht nach gibt es gute und böse Freier, wobei du dich zu den Guten zählst.

Doch gibt es diesen Unterschied überhaupt?

In einem Eintrag ein paar Beiträge weiter unten habe ich von aggressiven Freiern gesprochen.

Sind das die Bösen und solche wie du die Guten?
Deiner Aussage nach zu urteilen hast du dich auch zumindest ein bisschen mit dem Thema Trauma und Prostitution beschäftigt – dann müsstest du ahnen, dass es für eine Prostituierte und ihr Seelenbefinden keine guten Freier geben kann.
Physisch mag deine Art des Freier-Seins einer Frau zwar weniger weh tun, aber was da in ihr drin stirbt, während du ihre „Dienste“ in Anspruch nimmst, stirbt weiter.

Ganz egal ob du einer von diesen physisch rücksichtslosen Freiern bist oder ob du ein Freier bist, der so agiert wie du. Fakt ist: du berührst einen Körper, der nicht für dich bestimmt ist und damit verbunden auch ein Herz, welches nicht für dich schlägt.

Ich habe alle Freier gehasst und verachtet, ganz gleich ob ihr physisch grob wart oder nicht – und so lieb und nett wie ich für manche aussehe: ich war ein paar mal kurz davor einen von euch umzubringen; auch solche „lieben Freier“ wie dich – vor allem dann, wenn ihr Frauen vor meinen Augen berührt habt, mit denen ich im Bordell gewohnt habe, mit denen ich öfter zusammen mit diversen Freiern auf Zimmer war, weil wir uns gegenseitig beim Geld verdienen und auch mental halfen. Sie waren mir ans Herz gewachsen.

Ich lernte sie besser kennen, weil ich u.a. in den Clubs geschlafen und auch in einem Kellerzimmer in einem Bordell gewohnt habe.
Dieses Zimmer war ca. 5qm groß. Ein Bett und ein Schrank.

Eine Gefängniszelle ist schöner, glaub mir, aber allemal besser als auf der Straße zu schlafen.

Dort im Keller des Clubs waren noch weitere, kleine Zimmer, in denen besagte andere Frauen lebten. Neben meinem Zimmer befand sich direkt das schwarze Studio. Oft konnte ich nach der „Arbeit“ nicht schlafen, weil dort immer noch jemand zu Gange war mit Schlägen, Schreien, Folterspielen… auch ich habe manchmal im schwarzen Studio Männer „bedient“. Diese Tätigkeit als Domina ist nochmal in einer ganz anderen Art und Weise extrem verstörend. Alle richtigen Dominas, die ich kenne, wirken als kämen sie von einem anderen Planeten. Aber zu dieser Thematik schreibe ich irgendwann noch einen eigenen Beitrag, das ist eine Welt für sich. Schwarzes und weißes Studio, grausam, richtig grausam!

Zurück zum Thema:
Als ich besagte Frauen anfangs kennenlernte, haben wir uns gehasst. In den Clubs herrschte ein Kampf ums Überleben, ein einziges Ellenbogengeschäft.

„Niemand im Milieu ist dein Freund“, wurde mir immer erzählt von Leuten, für die ich Geld verdient habe.

Ich sollte diese Frauen nicht mögen, ich sollte niemanden mögen. Ich sollte einfach nur funktionieren und dort Geld verdienen. Sympathien führten nach Ansicht dieser Menschen, die mein Geld wollten, nur dazu, dass man weniger Geld verdient, weil man den anderen den Vortritt lässt, weil man sich miteinander verbünden und rebellieren könnte, etc….

Aber wenn man mit diesen Frauen lebt, so wie ich mit ihnen in den Clubs gelebt habe, erkennt man den Mensch hinter dieser Fassade aus Make-Up, High-Heels, Suchtmitteln, Aggressivität (wenn die Suchtmittel ausgingen oder kein Geld da war um sich essen zu kaufen….).

Und so wurden ein paar Frauen aus diversen Ländern zu meinen „Verbündeten“. Ich habe ihnen geholfen und sie halfen mir – in einem Geschäft, in dem eigentlich jeder nur sich selbst helfen kann. Unser füreinander Dasein hat unser Herz erwärmt in dieser eisigen Kälte.
Wenn man nun Menschen gern hat, ist es noch schlimmer sie leiden zu sehen. Und ich habe diese Frauen leiden sehen als ich mit ihnen und den Freiern zusammen auf Zimmer war, wenn ihr Freier sie nach oder vor mir rangenommen habt, ich habe sie weinen sehen nach dem Zimmergang –  ich habe sie aufgeben sehen, weil sie dieses Leben nicht ertragen haben, süchtig waren, verloren waren.

Was ich dir damit sagen möchte: nachdem sie auch mit „lieben Freiern“ wie DIR zusammen waren, kamen sie zu mir genauso wie ich zu ihnen, erzählten wie schlimm es war, lagen manchmal weinend bei mir – und ich weinte mit, weil ich diese schrecklichen Zimmergänge jeden Tag selbst erlebt habe und weil es mir weh tat sie weinen zu sehen, nichts tun zu können, machtlos zu sein.

Ich konnte Ihnen Suchtmittel nicht verbieten um Freier wie dich zu ertragen, ich konnte sie nicht aus diesem Leben retten – wie auch, ich habe selbst Suchtmittel genommen, ich war selbst in diesem Leben gefangen. Ich war selbst am Boden, selbst verloren.

Wenn ich es mir also erlaube auch über Freier wie dich und ihre Auswirkungen auf Prostituierte zu sprechen, schildere ich dir nicht nur das, was ich selbst empfunden habe, sondern ich kenne unzählige Geschichten von betroffenen Frauen über nette Freier wie dich, die einen genauso verzweifeln lassen wie andere Freier, mit denen du nicht in Verbindung gebracht werden willst.

Der Unterschied zwischen einem Freier wie dir und beispielsweise einem groben, aggressiven Freier ist, ich sage es dir in Milieusprache:

der Aggressive fickt deine Geschlechtsteile, der Liebe hingegen fickt deinen Kopf.

Und diese Kopffickerei ist nicht weniger schlimm als das andere.

Physisch vielleicht – seelisch aber nicht. Und auf das Seelische kommt es an! Denn was nützt es dir, wenn du eine Frau zwar nicht physisch beschädigst, aber an ihrer innerlichen Zerstörung beteiligt bist?

Du siehst es nicht, das bedeutet aber nicht, dass dieser Prozess nicht stattfindet.

Irgendwann führt auch die innere Zerstörung zu einer äußeren Zerstörung – entweder wenn die Frauen an dem hohen Suchtmittelkonsum sterben (häufig hängen sie an der Nadel!) oder umgebracht werden oder sich selbst umbringen, weil sie es nicht mehr aushalten, oder, oder, oder….

Dann hast du sie zwar physisch im Moment des Zimmergangs nicht verletzt, aber das, was du mit ihrer Seele angestellt hast, hat sie trotzdem zerstört.

Bist du deshalb besser als jemand, der sie gleich physisch mitzerstört?

Nein.

Du machst dir Gedanken.

Das ist ein guter Anfang.

Doch mach dir nicht nur Gedanken um eine einzige Frau, sondern mache dir Gedanken über das, was ich dir gerade geschrieben habe. Stelle dich nicht nur gegen Zwangsprostitution, sondern fang an das ganze System Prostitution in Frage zu stellen.

Hättest du mich als Prostituierte kennen gelernt, dann hättest du gedacht ich mache diese Arbeit gerne, du hättest gedacht ich finde dich sympathisch, du hättest gedacht ich habe Gefühle für dich – während ich dich verachte und innerlich sterbe um dir all das vorspielen zu können.
Prostitution ist Schauspielerei. Sie ist nichts weiter als Schauspielerei. Oft eine schlechte Schauspielerei, wenn die Männer merken, dass die Frauen leiden, die eigene Lust aber vorgeht und sie weitermachen und so tun, als würden sie das Schauspiel glauben.

So einer bist du nicht, aber begreife, dass eine Frau trotzdem leidet.

Leid ist nicht immer sichtbar, wenn es gut versteckt ist. Und im Milieu muss es gut versteckt sein, weil die Frauen dort sonst nicht überleben.

Leid zu verstecken ist ihr täglich Brot, ihre Existenzsicherung.

Man (n) redet es sich gern ein, dass man ein guter Freier ist, ein besonders lieber Freier, um ein Alibi zu haben und um sich nicht schlecht zu fühlen… aber genau jemand wie du sowie jeder andere Freier, den ich hatte, waren an der Zerstörung meines Seelenlebens beteiligt.

Du sagst du bist respektvoll im Umgang mit den Frauen, deren „Dienste“ du kaufst.

Doch was ist Respekt?

Respekt bedeutet jemanden zu achten, jemanden wertzuschätzen…

Wenn du aber an der Zerstörung eines Lebens beteiligt bist, respektierst du dieses Leben nicht – wenn auch in deinem Fall vielleicht unbewusst, weil du nicht ahnen kannst, was in einem solchen Menschen vorgeht – du bist trotzdem daran beteiligt.

Jetzt hast du ein bisschen mehr Bewusstsein und ich hoffe sehr, dass du ein Mensch von Ehre bist und dieses Bewusstsein, was ich dir versuche zu geben, nicht verdrängst, sondern dass es dein Handeln in Zukunft dominieren wird.

Würdest du mich damals wie heute sehen würdest du nicht annehmen, dass ich jeden Tag Leid erlebt habe, dass ich jeden Tag Unmengen an Alkohol getrunken habe um all das auszuhalten, jeden Tag 3 Schachteln Zigaretten geraucht habe um meine Nervosität zu versuchen in den Griff zu kriegen, Drogen von wildfremden Menschen probiert habe, bei denen ich nicht wusste, was es war und die Nebenwirkungen hervorgerufen haben, die ich keinem Menschen wünsche…

All das war für euch Freier nie sichtbar.

Was ihr gesehen habt, war ein junge Frau, die lächelt, sich mit euch unterhält, ihre „Arbeit“ macht.

Ich habe all das überstanden, gehe meinen Weg, mit erhobenem Kopf, mit Respekt vor dem, was ich jetzt habe.
Diese nicht sichtbaren Abdrücke von Freiern auf der Haut jeder Ex-Prostituierten bleiben. Erinnern an sexuelle Handlungen – erlaubt vom Verstand um zu überleben, aber nicht erlaubt vom Herz, nicht erlaubt von der Seele.
Auch wenn du es bisher vielleicht nicht wahrgenommen hast: auch du gehörst zu den Menschen, die dieses Seelenchaos mit ihren Besuchen bei Prostituierten anrichten – und du kannst einer von jenen sein, die reparieren!
Du kannst mithelfen, dieses menschenfeindliche System zu zerstören.
Wie du helfen kannst?
Geh nie wieder hin!
Ja, es mag hart für dich sein, nach so vielen Besuchen.
Aber: wenn du ein Herz hast, wenn du ein Mensch bist, der lieben kann und lieben will, dann wirst du es schaffen deine Lust, deine Neugier, deine Einsamkeit oder was auch immer dich zu diesen Besuchen treibt, zu kontrollieren und fern zu bleiben.

Mein Respekt vor Männern, die Frauen kaufen, ist auf dem Nullpunkt, denn ich glaube nicht daran, dass auch sie Menschen sind, die Frauen WIRKLICH ERNSTHAFT achten können, was bedeutet, sie nicht (mehr) zu kaufen!

Du hast die Möglichkeit mir und vielen anderen Frauen zu helfen diesen Glauben wieder zu finden, indem du einen Schlussstrich ziehst.

Es gibt da einen schönen Satz, nachdem jemand mal sagte, dass er allein sowieso nichts erreichen könne: „Wenn das die ganze Menschheit sagt, werden wir nie weiterkommen.“

Nur wenn jeder irgendwie anfängt und mitmacht, kann sich etwas ändern.
Mach mit und sei ein Mensch, der sich gegen Prostitution stellt.

Nicht nur gegen Zwangsprostitution, sondern gegen jede Form der Prostitution – denn sie ist menschenunwürdig.

Diese Aufforderung gilt für jeden Freier, der gerade mitliest.

Schließt euch Bewegungen an wie Zéromacho.

Verändert etwas, denn es ist eure Nachfrage, die das Leid der Frauen aufrechterhält – auch deine, Kris.

In Bezug auf deinen konkreten Fall noch etwas:

Wenn du dich mit dem Thema Trauma und Prostitution schon beschäftigt hast müsstest du wissen was Sätze wie

„Ich bin in mir gefangen und kann nicht heraus, ich lebe in der Gegenwart, habe keine Zukunftspläne und keine Träume (mehr), alle Pläne und Träume die ich hatten sind mir nicht gelungen.
Ich arbeite jeden Tag, möchte mich nicht beklagen und weine nicht wegen der (Art) der Arbeit und ich muss auch meine Familie in Rumänien versorgen.“

bedeuten.

Glaub mir, sie weint und sie leidet… und sie kann dich nicht ernst nehmen, selbst wenn du ihr helfen willst und ihr einen Artikel über Trauma und Prostitution gibst. Du bist derjenige, der sie kauft. Mit deinem Verhalten bist du für sie Täter, kein Freund. Nur wenn du dich vom System Prostitution verabschiedest, kann man dich als Prostituierte, als Frau, ernst nehmen. Nur wenn du dich dafür entscheidest kein Täter mehr zu sein, wird deine Glaubhaftigkeit steigen.
Diese Strukturen, die da vorherrschen, wirst du nicht durchschauen können.

Du wirst nie wissen, was wahr und was gelogen ist.

Ich kenne viele Prostituierte, aber keine, die einem Freier jemals ehrlich ihr Leben anvertraut hat – wie auch, denn als Freier zerstörst du ihr Leben in ähnlicher Weise wie ein Zuhälter – nur aus einer anderen Position. Du bleibst – wie bereits geschrieben – aber Täter. Du musst erst davon abrücken.

Und zum Schluss frage dich noch: warum willst du ihr helfen? Weil du verliebt bist und sie für dich willst oder willst du ihr ehrlich helfen, weil sie ein Mensch ist, der ein LEBEN verdient hat, auch auf die Gefahr hin, dass sie dich als Mann nicht will?

Eine Frau, die in Not ist, kann keinen falschen Helden brauchen, der nur hilft, weil er sich etwas erhofft.

Wenn du ehrlich helfen möchtest, melde dich per Mail und ich gebe dir spezielle Kontaktdaten – das hat hier im Blog nichts verloren.
Ich hoffe, meine Antwort hat dich nicht verschreckt und du denkst darüber nach!

(aus aktuellem Anlass noch etwas: das Bündnis „Stop Sexkauf“ hat als Neujahrsnachricht verkündet, dass es dieses Jahr eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen Prostitution als Menschenrechtsverletzung mithilfe von Experten und Expertinnen auf dem Gebiet des europäischen Rechts einreichen wird um das System der Prostitution in Deutschland zu Fall zu bringen – ich hoffe von ganzem Herzen, dass dieses Vorgehen Erfolg haben wird!)