Prostitution und die Fähigkeit HINZUSEHEN

 

“I’m not interested in whether you have stood with the great. I’m interested in whether you have sat with the broken.”

Dieses Zitat habe ich schon vor einer Weile im Netz gefunden, ich konnte leider nicht in Erfahrung bringen von wem es stammt, aber mit ihm beginne ich diesen Text zu schreiben.

Es spricht mir aus der Seele. Ab und zu erzählen mir Menschen bei welcher angesehenen Persönlichkeit sie waren und je nachdem von wem sie sprechen, finde ich das super, gebe ihnen ein „Wow“. Allerdings interessiert mich an meinem Gegenüber viel mehr, ob er auch schon Abgründe gesehen hat, mich interessiert wie er Leute behandelt, welche am Limit balancieren. Es sagt viel über einen Menschen aus wie er mit anderen umgeht, die gebrochen sind. Ein ehrliches, liebevolles, den Kampfgeist erweckendes Gespräch mit jemandem, der alles im Leben verloren hat, fasziniert mich mehr als eine Geschichte über vermeintlich „Prominente“ – vielleicht weil ich weiß, wie wenig Menschen existieren, welche jemandem am Abgrund tanzenden wie mir damals zugehört hätten, welche HINSAHEN. Wer setzte sich schon zu uns Prostituierten mit in den Regen als wir gebrochen waren? In Erinnerung habe ich so ziemlich keinen, deshalb empfinde ich jeden, der es tut, als besonderes Geschenk und als Bereicherung für unsere Gesellschaft.

Manchmal sinniere ich darüber, was das Schlimmste für mich in der Prostitution war und ein Gedanke schießt mir dabei immer wieder durch den Kopf: ich war verlassen von meinem Selbst und verlassen von unserer Gesellschaft.

Ein paar Jahre später nun befinde ich mich also in einem anderen Leben.

Als ich anfangs an die Universität kam fühlte ich mich fehl am Platz. Ich betrat die Hörsäle, die verschiedenen, mächtig aussehenden Gebäude der Uni, sah all die edel angezogenen, intellektuell begabten Menschen und dachte an mein kleines schmuddeliges Kellerzimmer im Bordell, in dem ich lange Zeit lebte, dachte an die Räume in anderen Clubs, in denen ich mich prostituierte und danach auf diesen Betten schlief um mich am nächsten Tag weiter mit Freiern zu massakrieren. Dachte an die unzähligen Zimmergänge, die ich ausführte, und daran, dass ich mich niemals edel fühlte. Einmal, es war so ziemlich am Anfang meines Studiums, setzte ich mich in einen großen, leeren Hörsaal und war wie erschlagen von seiner Schönheit. Dieser Raum erstrahlte so mächtig. Wie viel brillantes Wissen muss hier schon durch den Saal geklungen sein, wie wenig Gewalt im Gegensatz zu den anderen Räumen, die ich kannte? Ich saß da inmitten der Stühle, regungslos und aufatmend, zwischen diesen reinen Wänden sitzen zu können. So viele Jahre befand ich mich nur in Bordellzimmern. Auch wenn kein Freier im Zimmer war, waren diese Räume immer dreckig, rochen nach Schweiß, nach benutzten Kondomen. Oft kauerte ich mich nach der „Arbeit“ an Feierabend auf dem Bett zusammen, auf dem ich zuvor mit dem Freier war, ekelte mich, weinte, weil ich keinen Ausweg sah, weil ich dachte, dass alles, was ich jemals in meinem Leben haben werde, ein Leben als Prostituierte sein würde, weil ich immer wieder dagegen ankämpfte diese vermeintliche Realität zu akzeptieren, ich aber nicht wusste, wie ich ausbrechen konnte. Diese widerlichen Zimmer in Bordellen gleichen Gefängniszellen, nein, sie gleichen einem Todestrakt, welcher es Freiern ermöglicht die Prostituierte Stück für Stück zu entmenschlichen bis sie irgendwann aufgrund unaushaltbaren Leids aus dem Leben bricht.

Und warum? Weil Menschen nicht fähig sind besser HINZUSEHEN?

Wir befinden uns momentan in einer tollen Jahreszeit, die Natur erwacht aus dem Winterschlaf, wir spüren die ersten warmen Sonnenstrahlen auf unserer Haut – bald ist Sommer. Ich genieße es durch die Wälder zu streifen, den Wind zu spüren, das Wasser plätschern und den Gesang der Vögel zu hören, liebe Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge; diesen hier habe ich vor ein paar Tagen fotografiert:

 

Sonnenuntergang

 

Nicht jeder kann diese Augenblicke genießen, nicht für jeden wird es Sommer werden. Oft sind meine Gedanken bei jenen Frauen, die es nicht schön haben können, die bei Sommerhitze noch den Schweiß der Freier zu den übrigen Körperflüssigkeiten mit dazu abkriegen.

Ich erinnere mich gut an Clubs, in welchen es im Sommer unerträglich heiß und stickig war. Der Grund, warum ich jetzt die Zeit draußen in der Natur vor allem im Frühling und Sommer so arg genieße ist, weil ich jahrelang diese schönen Momente nicht hatte, so wie die meisten Prostituierten sie nicht haben. Die Vögel, die draußen umherflogen, die Blumen, welche anfingen zu blühen, die Gräser, die wuchsen, die frische Luft und die Schönheit der strahlenden Sonne… egal was, wir bekamen nichts mit, weil wir in diesen Clubs hockten und verrotteten – entweder sowieso tagsüber oder aber nachts und uns dann mit Alkohol und/oder Drogen so zu dröhnten um alles auszuhalten, dass wir den darauffolgenden Tag nicht erlebten, sondern stattdessen schliefen, und erst wieder abends aufwachten um weiter zu „arbeiten“. Das Leben, die „Außenwelt“, der Sommer, die Liebe, einfach alles rauschte an uns vorbei. Und selbst wenn wir tagsüber mal rauskamen waren wir derart neben der Spur und so „kopfgefickt“, dass wir keine schönen Dinge wahrnehmen konnten, gar nichts wahrnehmen konnten. Prostituierte verlieren neben ihrer Seele auch das Leben, welches draußen an ihnen vorbeizieht. Sie sehen Kondome, Sperma, Brutalität, Ignoranz, Leid, Geschlechtsteile in allen Variationen – all das ist für sie an der Tagesordnung, all das ist für sie Normalität. Sie erleben nichts Schönes, kennen manchmal gar nichts Schönes.

Und so geht es tausenden von Menschen in der Prostitution hier in Deutschland und auch anderswo. Wer hilft ihnen? Wer steht ihnen zur Seite? Warum SEHEN IMMERNOCH SO WENIG HIN?

Wieder erinnere ich mich an dieses Gefühl der Verlassenheit, ich fühle nicht nur sondern ich weiß, dass Prostituierte weiterhin im Stich gelassen werden – das neue Gesetz reicht nicht aus. Sie können sich größtenteils nicht selbst wehren, sie können nicht allein entkommen, sie sind gefangen in einem Labyrinth, aus dem sie den Ausgang nicht finden.

Sie liegen in einem versifften Bett unter schweißgebadeten Freiern, welche ihnen bewusst oder unbewusst Schmerzen zufügen, welche ihre Persönlichkeit, ihr Inneres, ihr Seelenleben zerstören, sie entzweien, während wir in der Eisdiele sitzen oder gemütlich Cocktails in der Sonne schlürfen und den Sommer genießen.

Wie können wir nur? Wie kann ein menschenrechtsliebendes Land dermaßen kalt und ignorant sein um nicht HINZUSEHEN, dass es Unrecht ist, was hier passiert. Es ist nicht nur Unrecht, was Zuhälter, Bordellbetreiber und Menschenhändler tun, sondern es ist auch Unrecht, was Freier tun. Somit ist es auch Unrecht, dass sie die Möglichkeit bekommen, labile, verzweifelte, verletzliche Persönlichkeiten noch mehr in ein Unglück, in ein weiteres Trauma, zu stürzen, indem sie sie gebrauchen und benutzen dürfen.

Die Frauen machen das ja freiwillig? – Wie oft hört man von Kindern, welche sexuelle Missbrauchserfahrungen erleben, diese Erfahrungen anfangs aber nicht zuordnen können, dass sie stillhalten und es über sich ergehen lassen, auch wenn es sich komisch anfühlt, weil sie denken, es sei normal so, es muss so sein. Ist es deswegen legal ein Kind zu missbrauchen – weil es stillhält und sich nicht wehrt?

NEIN!

Hier ein Auszug aus einem Artikel, in dem ein Missbrauchsopfer spricht – eine sehr traurige Geschichte mit einer tapferen, starken jungen Frau:

Für Lea war nicht viel Zeit – deswegen war sie immer wieder für ­Tage beim Onkel, damals, Anfang der 90er Jahre. Zunächst war Lea gerne dort. Der Onkel las der Fünfjährigen abends Geschichten vor, das machten ihre Eltern nie. Ein studierter Mann, als Mittdreißiger bereits die rechte Hand des Firmenchefs. Aber dann änderten sich die abendlichen Rituale.

Der Onkel fasste sie überall an und gab das als Entdeckungsspiel aus. „Hast du das schon mal gesehen?“ Und: „Schau mal, das machen Erwachsene.“ Er steckte ihr seine Finger in die Scheide. Irgendwann musste sie ihn oral befriedigen.

Es war ihr alles sehr unangenehm, schon wie er sie anfasste. Es war ­irgendwie nicht richtig. Lea verstand das alles nicht. Tagsüber war der ­Onkel nett und nannte sie „meine Prinzessin“, nachts dagegen „du Dreckstück“. Aber vielleicht war es normal, was der Onkel mit ihr machte, und sie musste es durchstehen, um erwachsen zu werden? Sie wollte unbedingt erwachsen werden! Auf keinen Fall wollte sie ins Heim, wie der Onkel androhte, sollte sie etwas erzählen. Hier geht’s zum ganzen Artikel

Nochmal die Frage: ist es in Ordnung einen Menschen sexuell zu misshandeln, weil er sich nicht wehrt, weil er stillhält, weil er denkt, dass es sein muss, dass es vielleicht normal sei?

NEIN! (ich empfehle den kompletten Artikel zu lesen – er ist traurig, aber so unglaublich stark)

Es war für viele Freier ERKENNBAR, dass ich mich dabei schlecht fühlte, dass diese sexuellen Handlungen an mir gegen meinen eigentlichen, wirklichen, Willen sprachen, doch sie fragten nicht, sie interessierten sich nicht, dass ich Schmerzen hatte, Leid empfand – und sie haben es auch bei den anderen Frauen erkannt mit denen ich gemeinsam mit ihnen auf Zimmer war. Sie sahen, dass die Frauen würgten und halb kotzten beim Deep Throat und ihnen Tränen in die Augen schossen, sie beschämt und verzweifelt waren. Sie sahen, dass die Frauen beim Geschlechtsverkehr die Augen zukniffen und ihr Gesicht verzerrten, weil die Freier grob waren – zum größten Teil ignorierten sie unsere Schmerzen (wenn es sie nicht sogar erregte), denn sie hatten ja zu Beginn ein Einverständnis von uns bekommen und damit war für sie alles ok. Sie hatten schließlich in ihren Augen einen ANSPRUCH.

Freier verhalten sich als wären sie im Mängelgewährleistungsrecht eines Werkvertrages, wenn sie zu einer Prostituierten gehen.

„Durch den Werkvertrag wird der Unternehmer (hier: die Prostituierte) zur Herstellung des versprochenen Werkes (hier: sexuelle Befriedigung/Orgasmus), der Besteller zur Entrichtung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.“

Und komme die Sintflut nach dem Einverständnis der Prostituierten und der (hier meist vorherigen) Zahlung der Vergütung, ganz egal, es läuft nach dem Motto: Werk bestellt und bezahlt heißt, Werk muss ordnungsgemäß hergestellt werden!

„Der Unternehmer hat dem Besteller das Werk frei von Sach- und Rechtsmängeln zu verschaffen.“

Kommt der Freier also nicht zum Orgasmus, passt ihm dies oder jenes nicht, so fordert er meist entweder Nacherfüllung (natürlich kostenlos) oder Schadensersatz.

Sarkastisch?

Nein, Realität.

Wie kann eine Gesellschaft bei so etwas zusehen, so etwas dulden? Wie kann man in solch einer Gesellschaft Kinder groß ziehen? Welche abstoßenden Werte werden hier vermittelt?

Es mag sein, dass viele über die Zustände in der Prostitution nicht Bescheid wissen – die Lobby leistet fantastische Propagandaarbeit, wobei die meisten Frauen dort, welche Prostitution befürworten, selbst Opfer sind, nur leider ihr Persönlichkeitsverlust schon in dem Ausmaß vorangeschritten ist, dass sie nicht mehr spüren, was schief läuft (was sie natürlich abstreiten, weil sie sich dessen oft nicht bewusst sind oder sie es sich nicht eingestehen können aus Selbstschutzgründen). Das ist schlecht für sie selbst und auch für die Öffentlichkeit, welche ihnen zuhört und der Glorifizierung von Prostitution Glauben schenkt.

Es gibt aber mittlerweile auch genügend Gegenstimmen und viele Studien im Hinblick auf das Zerstörerische an und in der Prostitution. Es existiert also genügend Material um HINSEHEN ZU KÖNNEN.

Versuche der Reglementierung von Prostitution durch das neue Prostituiertenschutzgesetz beseitigen nicht das große Problem, welches wir durch die Legalität von Sexkauf haben – nämlich das Selbstverständnis sich Frauen kaufen zu können, das damit einhergehende Frauenbild, ja, die dadurch herrschende (unbewusste) Missachtung des weiblichen Geschlechts, denn es sind mehrheitlich nunmal Männer, welche Sex kaufen. Freier schreiben in Freierforen nicht nur in missachtender Weise, sondern sie verhalten sich gegenüber uns Prostituierten auch genauso. Sie verachten Prostituierte, weil sie für sie lediglich ein Instrument ihrer sexuellen Befriedigung darstellen –  als Menschen werden sie nicht wahrgenommen. Irgendwann verachten sie auch Frauen außerhalb der Prostitution, weil sie anfangen Frauen generell als Lustobjekte zu assoziieren.

Strafgesetze lassen unsere Gesellschaft wissen, was in einem Land als Unrecht bezeichnet wird, was man nicht tun sollte. Ein Strafgesetz ist immer auch Handlungsmaxime. Es geht bei der Freierbestrafung, dem Sexkaufverbot nach dem sog. nordischen Modell, welches ich befürworte, nicht nur darum, die Freier für ihr Verhalten zur Rechenschaft zu ziehen, sondern es geht vor allem darum, jedem einzelnen aufzuzeigen, dass es nicht richtig ist, sich den Zugang zu einer anderen Intimsphäre zu erkaufen, dass es nicht richtig ist, an der Ausbeutung von Prostituierten in welcher Form auch immer beteiligt zu sein, dass es nicht richtig ist, Freier zu sein, weil sich zu prostituieren traumatisierend ist. Freier zu sein bedeutet zudem Nachfrage zu schaffen, Nachfrage zu schaffen bedeutet, dass ein Bedarf an vielen unterschiedlichen Frauen besteht und wer deckt diesen Bedarf? Genau, die Menschenhändler! Geht die Nachfrage zurück, besteht weniger Bedarf und die Menschenhändler werden nach und nach immer ein Stückchen mehr arbeitslos werden – deshalb muss man die Nachfrage bekämpfen, so wie es das nordische Modell tut, um auch die weiteren Übel minimieren zu können.

Ist die Einführung eines Sexkaufverbots wirklich das Richtige? Warum sollte man Freier bestrafen, wenn Prostituierte ihnen ihre „Dienste“ anbieten? Ungerecht?

In so ziemlich allen Fällen, die ich gesehen habe, sind die Prostituierten den Freiern unterlegen gewesen, weil sie in einer Zwangslage, einer Notlage, einer Krise steckten, aus der sie nicht mehr allein rauskamen. Man muss diese Menschen deshalb schützen, indem man diejenigen, welche ihre Lage bewusst oder auch unbewusst ausnutzen, wissen lässt, dass sie das nicht tun dürfen, dass sie HINSEHEN MÜSSEN, auch wenn sie es nicht wollen, weil sie lieber ihren Druck und Frust abladen möchten. Da die meisten Freier meine und die Hilflosigkeit anderer Prostituierter gesehen und trotzdem weitergemacht haben, ist die einzige Möglichkeit, prostituierte Menschen besser zu schützen ein generelles Verbot für den Sexkauf zu schaffen. Abgesehen von der Ignoranz der Freier gegenüber dem Leid von Prostituierten und der Menschenhandelsproblematik aufgrund der Nachfrage müssen Männer ein anderes Verständnis Frauen gegenüber entwickeln. Sehr oft erlebe ich im Alltag, wie sie Dinge tun, welche unter der Gürtellinie sind, Sprüche ablassen, welche sexistisch und verletzend sind, wie sie ungeniert versuchen zudringlich zu werden. Es kommt nicht von irgendwoher, dass Männer mit Frauen so umgehen wie viele es leider nun mal tun – aber: Sex ist käuflich, Frauen sind verfügbar, scheinen für Männer immer willig zu sein, also wen wundert’s? Die Legalität von Sexkauf unterstützt dieses Verhalten enorm. Nicht alle sind so, nein, aber ein großer Teil. Für diejenigen wahren Männer, die sich bereits gegen ihre Artgenossen bzw. deren sexistische Verhaltensweisen einsetzen, bin ich unendlich dankbar. Bitte mehr davon!

Auf einem Taxi sah ich letztens eine große Werbung für ein Bordell direkt neben sozialen Hilfsangeboten, welche ebenfalls als Logo auf dem Taxi abgedruckt waren – neben dem Taxi standen zwei junge Männer, welche auf das Bordelllogo zeigten und so taten als ob sie sich einen runter holen würden, dabei fies lachten und eine andere Passantin mit gezielten, lasziven Zungenbewegungen belästigten während sie auf das Bordelllogo zeigten. Und es gibt dutzende Situationen ähnlicher Art, für die ich hier 50 Seiten bräuchte um sie alle aufzuschreiben.

Das ist doch alles nicht normal, alles nicht ok!

Unsere Gesellschaft verrottet!

Ein Sexkaufverbot setzt Richtlinien, welche Menschen zu verstehen geben: „Hey, so geht’s nicht!“. Und sowas benötigen wir, denn alles andere fördert oder duldet zumindest enorm problematische, geschlechterfeindliche Verhaltensweisen. Natürlich kann man nicht alles durch das Strafrecht lösen, aber die Freierbestrafung ist etwas, was dringend nötig ist um das Leid und die Traumata der Frauen in der Prostitution zu minimieren, um die verheerenden Ausmaße des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung zurückzudrängen und um eine ehrlichere Gesellschaft zu erschaffen, in der liierte oder verheiratete Männer nicht mehr einfach so zu einer Prostituierten gehen können, sodass die Kinder dieser Männer nicht mal irgendwann erfahren müssen, dass ihr vorbildhafter, seriöser Vater seine Zeit mit Frauenkauf jeglicher Art verbringt – so wie ich damals als sehr kleines Kind mitbekommen habe, dass mein Vater solche „Dienstleistungen“ in Anspruch nahm. Merkt euch eins „liebe“ Freier: wenn euch schon nichts an Prostituierten liegt, dann hoffentlich an euren Kindern und ihr solltet ihnen zuliebe das Kaufen sexueller Fantasien unterlassen. Selbst als Kleinkind, wenn man nicht viel über diese Sachen weiß, schrumpft der Respekt, das Vertrauen und die zwischenmenschliche Beziehung gegenüber dem Vater enorm, wenn man so etwas erfährt. Man mag als Kind noch nicht viel wissen, aber man hat zumeist einen Sinn dafür, was richtig und was falsch ist, und „Mama“ zu betrügen, andere Frauen neben ihr zu haben, sich generell solche „Dienste“ jeglicher Art zu kaufen, ist definitv falsch!

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die meisten Freier von allein nicht aufhören werden. Sie wurden dazu erzogen, sich Frauen kaufen zu können – man muss sie jetzt „umerziehen“ und das geht nur durch eine straffe, richtungsweisende Gesetzgebung, welche den Sexkauf als solches unter Strafe stellt.

Niemand sollte die Möglichkeit bekommen, ein Menschenleben mit zerstören zu können.

Jetzt, an der Universität, muss ich keine Gewalt mehr erleben, keine Gewalt sehen, ich bin frei von all dem – aber ich werde nie vergessen, in welchem Leben ich war, ich werde nie vergessen, was ich gesehen habe, ich werde nicht vergessen jeden Tag aufzustehen und danke dafür zu sagen, dass ich aus diesem Leben fliehen konnte, und ich werde nicht vergessen, dass jeden Tag immer noch tausende von Frauen in der Prostitution leiden, dass sie oft auch sterben.

Das muss aufhören und es kann aufhören, wenn nur jeder anfängt besser HINZUSEHEN! Und jeder, der nicht sehen möchte, der lieber die Augen verschlossen hält, aus Egoismus, aus welchem Grund auch immer, und mit seinem Verhalten als Freier am Seelenmord (wie der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Lutz Besser es nennt) einer Prostituierten beteiligt ist, muss zur Verantwortung gezogen werden!

 

 

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16 Kommentare

  1. Ich finde deinen Blog ebenfalls total wichtig, weil du eine der wenigen authentischen Stimmen bist, die überhaupt nach draußen dringen! Ich finde es schlimm, dass überall Befürworterinnen der „Sexarbeit“ herumschwirren, Frauen, linke, grüne… Neulich war an der Uni Leipzig eine zweitägige Tagung zum neuen Gesetz, kaum Gegnerinnen des deutschen Wegs oder gar Betroffene dabei: http://www.gleichstellung.uni-leipzig.de/veranstaltungen/vergangene-veranstaltungen/tagung-prostituiertenschutzgesetz/
    Meine Frage an dich: Du schreibst, wie einsam du dich gefühlt hast und dass niemand da ist, der dir zugehört hat. Kannst du beschreiben, was dir konkret in diesen Situationen geholfen hätte? Wie kann man denn auf die Frauen in der Prostitution real zugehen, also wie macht man das, wie kann man sie ansprechen oder Hilfe signalisieren?

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    1. Danke für den Link, ich hatte davon gehört.

      Weißt du, solange Menschen nicht begreifen lernen, dass Prostitution extreme (sexuelle) Gewalt ist und keine „Arbeit“, solange werden sich die Masse der Prostituierten, die Leid erleben, einsam fühlen, denn wenn man jahrelang in diesem Milieu lebt, gesehen hat, erlebt hat, wie Menschen andere Menschen zugrunde richten, völlig legal, und einem dann jemand in einer Beratungsstelle oder in einem Bundesministerium erzählen will, dass Prostitution auch gut sein kann, dass man ein Gesetz bräuche, welches die „problematische Stigmatisierung von Sexarbeit“ beseitigt, dann fällt man einfach nur noch vom Glauben ab.
      Ich war damals nur im Bordell und kam fast nicht nach draußen – konkret wäre wahrscheinlich eine gute aufsuchende Arbeit sehr hilfreich gewesen. Menschen, die ins Bordell kommen, die dranbleiben und versuchen diesen Teufelskreis mit einem zu durchbrechen. Dazu braucht es Vertrauen, Zeit und Hartnäckigkeit sowie gute Nerven. Ich denke, dass dieses Milieu und die Abgründe dort für Hilfsleute sehr belastend sein können – sie sollten sich vorher damit beschäftigen und darauf achten, dass sie selbst in diesem Umfeld nicht zu grunde gehen. Das geht schnell.
      Ich habe auf deiner Seite gesehen, dass du selbst mit Psychologie zu tun hast und ich kann dir bezüglich dem Umgang mit Prostituierten den „Leitfaden“ hier empfehlen:
      http://www.trauma-and-prostitution.eu/wp-content/uploads/2017/02/Grundlagen-im-Umgang-mit-Frauen-in-der-Prostitution.pdf

      Danke für dein Interesse!

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      1. Danke für deine Antwort! Mir wird deutlich, dass es ein gutes, professionell aufgestelltes Netzwerk braucht, um praktische Hilfestellung zu leisten. Ich bin zwar Psychologin und habe einige Zeit beraterisch/therapeutisch gearbeitet mit entsprechenden Weiterbildungen, aber ich habe mich aus Kraftgründen gegen die Approbation und die rein therapeutsche Arbeit entschieden und jahrelang wissenschaftlich gearbeitet. Mittlerweile bin ich ganz unpsychologisch unterwegs, möchte aber gerne meine Unterstützung und meine Expertise anbieten, wo es nützt und notwendig ist. Falls du so etwas planst oder in so einem Verein oder Netzwerk steckst, ich helfe (je nach Zeitpensum und Kraft) gerne mit! Schönes Rest-Ostern euch allen!

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  2. Ihr Blog ist ein sehr wichtiger Beitrag. Nur eines möchte ich noch hinzufügen. Es stimmt doch, daß Freier freiwillig aufhören können. Ich habe auch aufgehört. Als junger Mann mit Anfang 20 war ich regelmäßig in Zelezna Ruda (CZ), Asch, Marienbad und Franzensbad in Clubs unterwegs. In Deutschland war ich ein kleiner Azubi, die ganze Woche gedemütigt und traktiert vom Lehrherrn. In Böhmen war ich ein König. Die Mädchen mußten sich vor mir aufstellen und ich konnte mir eine aussuchen. Menschen wie ich sind gefährlich. Ich bin heute sadistisch veranlagt, lebe das aber nicht aus. Irgendwann begann ich mich dafür zu interessieren, warum das soziale Gefälle zwischen Deutschland und dem Ostblock in Zeiten eines vereinigten Europas so extrem ist. Warum Mädchen wie Ware gehandelt werden. Ich wandte mich an Organisationen wie Solwodi und Hydra. Die Organisation von Sr. Dr. Lea Ackermann antwortet Freiern die ihr Verhalten hinterfragen und klärt über die Hintergründe auf. Ich habe dann acht Jahre völlig ohne Sexualität gelebt und wenn ich Druck hatte Sport gemacht oder mich in Arbeit gestürzt. Aufreizende Filme und alles was sexuelle Impulse auslösen könnte habe ich gemieden. Heute bin ich verheiratet.

    Wie lernt man Männern, den Druck „entladen“ zu werden und Kavaliersschmerzen auszuhalten? Diese blöde Situation wenn das Glied ständig steif wird und die Nacht voller idiotischer Träume ist. Die meisten Männer wissen ja gar nicht mehr was Kavaliersschmerzen sind, da sie immer und überall Sex haben können. Da gibt es leider keine Lösung, sonst könnte man auch die Prostitution leichter bekämpfen.

    Zudem hat man früher auch den Frauen gesagt, wenn der Ehemann will dann laßt ihm doch die 2-3 Minuten und es ist gut. Heute will eine Frau für jeden Verkehr erobert sein. Es gibt nichts mehr umsonst. Vielleicht wären auch viele Ehemänner bereit auf Freudenmädchen zu verzichten wenn die Frauen wieder etwas freigiebiger würden.

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    1. Danke für Ihre Offenheit und Ehrlichkeit und ich finde es toll, dass Sie gelernt haben sich im Griff zu haben! Echt top! 😀

      Das Einzige, warum ich dem Beitrag kein „Gefällt mir“geben kann ist der letzte Abschnitt.

      „Zudem hat man früher auch den Frauen gesagt, wenn der Ehemann will dann laßt ihm doch die 2-3 Minuten und es ist gut. Heute will eine Frau für jeden Verkehr erobert sein. Es gibt nichts mehr umsonst. Vielleicht wären auch viele Ehemänner bereit auf Freudenmädchen zu verzichten wenn die Frauen wieder etwas freigiebiger würden.“

      Wissen Sie, ich kenne solche Frauen, die sich der Ehemänner wegen zur Verfügung stellen und 2-3 Minuten einfach wegsehen und es mit sich machen lassen – aber auch hier fängt irgendwann etwas an sich in der Frau zu verändern, auch hier geschieht Sex nicht aus Leidenschaft, sondern aus Zwang und man fängt an den Partner mit anderen Augen zu sehen – die Achtung schwindet, die Liebe schwindet.
      Es wird immer gesagt, in der Ehe müsse man Opfer bringen und mit seinem Mann regelmäßig Sex haben gehört dazu.
      In meinen Augen sollte der Mann hier und gerade hier, bei einem Menschen den er liebt, soviel Respekt zeigen, dass seine Frau nicht zur „Entladung“ herhalten muss.
      Oft ist es der Grund, warum Frauen keine Lust haben mit ihren Männern Geschlechtsverkehr zu haben – weil sie wissen, dass ihre Lust nicht gestillt wird, dass auf ihre Lust nicht eingegangen wird. Und warum sollte nur der Mann das Recht haben Befriedigung zu erfahren?
      Weibliche Sexualität ist gar nicht schwer, nur beschäftigen sich Männer nicht damit. Würden sie es tun, dann bräuchte es keinen Zwang, weil beide Seiten Spaß daran haben.

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      1. Erstmal meine höchste Anerkennung, vor deinem jetzigen tun, und vor allem auch, dass du dich selber wieder so hochgeholt hast. Selten dass es jemand gelingt von einer getöteten Seele wieder so aufzustehen und sich auch aktiv so einzusetzen wie du es machst !!
        Daß dein Männerbild durch deine ganzen Erfahrungen einseitig schräg belastet worden ist kann ich auch gut verstehen.
        Trotzdem fehlt mir etwas in meinen Augen Grundentscheidendes in allen Diskussionen hier, bishin zu den gesetzlichen Modellen.

        Warum und woher kommt das alles ?
        Es wird nie auf den Bedarf eingegangen (außer zwischendurch, aber nur bezgl. des Frauenbildes )
        Das Männer mehr Sex brauchen als Frauen !
        Das ist biologisch bedingt und physisch auch darauf ausgelegt. Dadurch kommt auch der hohe Bedarf zustande. Dieser muß in meinen Augen irgendwie besser geregelt werden können.
        Es reicht nicht aus zu sagen, Männer ihr müßt euch Sozialgesellschaftlich mehr zusammenreißen, oder Männer ihr müßt mehr auf die sexuellen Bedürfnisse der Frauen eingehen.
        Das erklärt auch warum faßt ausschließlich Männer die käufliche Befriedigung Aufsuchen.! hier wird niemals gefragt warum und woher das kommt und wie man diese Thematik und Problematik bewältigen kann.

        Abschließend möchte ich mich auch von jeglichen aggressiven Verhalten oder auch das ausnutzen jeglicher Zwangslagen der Frauen deutlich distanzieren.!!

        Über das andere Thema möchte ich nicht sonderlich eingehen, da ich zuwenig Hintergrundwissen , (wie Erfahrungswerte von anderen Ländern und Modellen ) habe. Grundsätzlich ist ein Verbot für etwas seltenst eine Lösung.
        Grüßle Peter

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      2. Wenn man sagt, dass das bei Männern biologisch bedingt ist, dann spricht man ihnen eigentlich ihre Mündigkeit ab und ihre Fähigkeit, selbst entscheiden zu können. Wenn man sagt, es wäre biologisch bedingt und sie könnten nichts anderes tun, dann vergleicht man ihren Trieb mit den von Tieren.

        Männer mögen diese Anlagen haben, aber sie haben einen Verstand und Entscheidungsfähigkeit.

        Es gibt kein Recht auf Sex:

        https://www.raum-und-zeit.com/cms/upload/Newsletter/raumzeit_Newsletter_205_Artikel.pdf

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  3. Hey
    Erstmal muss ich dir meinen größten Respekt aussprechen, für alles was du geleistet hast. Du hast mir außerdem eine Bestätigung in dem gegeben, was ich vorher schon vermutet habe. Für mich ist unnachvollziehbar, wieso sich Männer so egoistisch und wiederlich verhalten. Ich könnte niemals eine Frau „ficken“ (entschuldige die Ausdrucksweise) während ich ihr Leid auf dem Gesicht sehe, und ich verabscheue diejenigen die das tun zutiefst. Ich finde es depremierend, dass tausende Frauen ähnliche Geschichten wie du jeden Tag erleben und dagegen viel zu wenig unternommen wird. Du bist eine der stärksten Persönlichkeiten die ich „kennen lernen durfte“??? Egal you know what I mean…
    Mach auf jeden Fall weiter so und sry für diese etwas kaotische nachricht die mein Inspiriertes Ich um halb 4 auf deiner Seite hinterlassen hat😊…

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  4. Hallo,

    ich finde es großartig, dass Sie so klar die Dinge beim Namen nennen und über die Zustände in der Prostitution berichten und für die Frauen kämpfen – es vielleicht besser können als Unbeteiligte, weil sie wissen wovon Sie sprechen!

    Vor vier Jahren konnte ich einen kleinen Einblick in diese Welt erhalten. Dieser Einblick war so klein und gering im Vergleich zu Ihren Erfahrungen und dennoch hat er mich bis heute erschüttert.
    Zusammen mit Streetworkern der Stadt Berlin, bei denen ich ein Praktikum machte, sind wir nachts mit einem kleinen Bus „auf den Strich“ gefahren. Wir haben Stühle aufgestellt, Kaffee und Essen angeboten, Kondome verteilt an die wenigen, die sie haben wollten, usw.
    Einige der Frauen kamen zu uns an den Bus, unterhielten sich, oft nur fünf Minuten, dann mussten sie weier.
    Teilweise erzählten sie von ihren Kindern zuhause, für die sie das täten. Teilweise erzählten sie alltägliche Dinge, z.B das Thermostrumpfhosen gut vor Kälte schützen. Eine Frau erzählte mir, dass Sie fünf Euro für ein Mal ohne Kondom bekäme und davon die Hälfte abgeben müsse! Diese Frau sah so fertig aus… ich fragte mich, was für eine Art von Mann kann so etwas von dieser offensichtlich fertigen Frau wollen? Haben solche Männer nicht wenigstens, wenn schon kein Erbarmen mit der Frau, Angst um sich? Vor Geschlechtskrankeiten z.B.? Aber wohl nicht… vielleicht weil sie selbst schon so fertig sind? Oder weil sie ihren Trieb nicht kontrollieren können? Warum kassiert ein Zuhälter noch zwei Euro von dieser Frau? Davon und von vielem anderen war ich fasssungslos.

    Aber am fassungslosen machte mich die Reaktionen der Frauen. Ich hatte nicht viel getan, nur Kaffee verteilt und zugehört. Aber ausnahmslos jede Frau bedankte sich überschwänglich fürs Zuhören, umarmte mich! Ich war richtig bewegt von der Dankbarkeit der Frauen.
    Wie heftig muss ihr Leben sein, dass sie sich dermaßen für so eine Kleinigkeit bedanken?! Ich kann es wohl nicht erahnen.

    Als ich tief in der Nacht die leeren Kaffeebecher zum Müll brachte, hielt relativ schnell ein Auto neben mir, die Scheibe ging runter… ich beschleunigte meinen Schritt und war froh, dass es nur 20 Meter zurück zu den Sozialarbeitern war und dass ich so frei war, vor diesem Auto einfach weglaufen zu können!

    Sie sehen, wie genau ich diese Eindrücke immer noch wiedergeben kann und es war nur ein Teil davon. Sie sehen, wie sehr man das Leid sehen kann, wenn man nur hinschaut. Dafür muss man aber dort sein, wo es passiert. Und wer ist das schon, wenn er nicht Teil dieses grausamen Systems ist?

    Ich finde es großartig und dringend nötig, dass Sie versuchen Menschen in Deutschland dazu zu bewegen hinzusehen. Sie versuchen sie ein Stück in dieses Sysrem hineinsehen zu lassen, weil sie es sonst gar nicht sehen (können). Ich finde es großartig, wie Sie mit sich und den Erfahrungen kämpfen und nicht aufgeben! Machen Sie weiter so und lassen Sie sich nicht entmutigen! (Wie leicht lässt sich so etwas schreiben und wie schwer muss es tatsächlich sein!)

    Ganz herzliche Grüße!

    Gefällt 2 Personen

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