Spiegel Online Artikel

Ok. Eigentlich hatte ich gar nicht vor zu dem Artikel was zu schreiben, jetzt muss ich aber doch.

Ich habe mit Geneviève Hesse für Spiegel Online gesprochen. Vor ein paar Stunden ist der Artikel erschienen. Mein Blog hier wurde dort verlinkt und ich habe mittlerweile ca. 30.000 Aufrufe, Nachrichten ohne Ende und weiß gar nicht mehr, wem ich zuerst Antworten soll. Da hier ja jetzt eh alle mitlesen, möchte ich etwas wichtiges loswerden, weil ich die Facebook – Kommentare auf Spiegel Online über mich gelesen habe und ich muss zugeben, ich habe mich auf sowas eingestellt. Dass man nicht die gleiche Meinung hat in Bezug auf ein Thema, ist in Ordnung, aber manche Dinge sind schon sehr unterirdisch.

Hier mal nur zwei Kommentare:

1.Kommentar

„Interessant, dass mal wieder ausschließlich eine Diskussion um das Für und Wider von Prostitution gestartet wird, aber die Naivität unserer jungen Frauen unkritisch-verständnisvoll hingenommen wird. Es tut mir nur jeder Mann leid, der sich später unwissend so ein Früchtchen anlacht, welches nun als Femizicke all das auf- und abarbeiten will, was sie früher durch ihre eigene Naivität verbockt hat.“

 

Unwissend ein Früchtchen anlacht? Dieser Mann war 20 Jahre älter als ich und ein Altlude, der bereits einige Prostituierte vor mir gestellt hat. Er suchte gezielt im Internet und wusste ganz genau was er da tat. Und ich werde noch deutlicher: wir sprechen hier von einer Straftat und KommentatorInnen haben scheinbar nichts Besseres zu tun als eine Täter-Opfer-Umkehr vorzunehmen. Zudem empfehle ich für alle Menschen, die kommentierten, dass man Zwangsprostitution unterbinden müsse, aber die Prostitution an sich sonst in Ordnung sei, in Freierforen zu lesen und die Literatur u.a. auf www.trauma-and-prostitution.eu zu studieren um sich über die Mechanismen von Dissoziation und Trauma im Hinblick auf die Prostitution bewusst zu werden. Und nein, es bedeutet nicht, Frauen zu „pathologisieren“. Es bedeutet, zu verstehen, dass Prostitution ein Gewaltsystem ist, das in der großen Mehrheit auf Gewalt aufbaut und aus Gewalt besteht.

2.Kommentar

„Oder ihre eigene Dummheit…. Mit Sicherheit genoss sie den Luxus ihres loverboys…. Vorher Kopf einschalten…..“

 

Ich genoss den Luxus meines Loverboys? Mein Loverboy besaß keinen Luxus, sondern lebte in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung mit 2 weiteren Ex-Prostituierten (eine davon übrigens aus Tschechien nach Deutschland verkauft zur Prostitution – mein Zuhälter hatte sie dann in Deutschland abgekauft, sie schaffte aber nicht mehr an). Ich lebte nicht im Luxus, sondern sehr lange Zeit aus Koffern und Tüten, während mein verdientes Geld ausgegeben wurde. Vielleicht sollten einige Leute, wenn mein Blog schon verlinkt ist, auch darin lesen bevor sie kommentieren.

 

Ich möchte diejenigen, die auf der Facebook-Seite oder sonst wo unterirdische Kommentare abgeben, mal behutsam darauf aufmerksam machen, dass auch Loverboys Menschenhändler sind. Ich war letztens auf einer Veranstaltung und dort sprach ein Kriminalhauptkommissar – und er sagte, die Norm sind 90-95% ausländische Prostituierte, unter verschiedenen Zwängen arbeitend. Die selbstbewusste deutsche Prostituierte, die man oft im Fernsehen sieht, gehört nicht zur Norm. Das ist nicht meine Aussage, sondern die Aussage von mittlerweile den meisten Polizeistellen.

Von diesen 90-95% hört man aber meistens nichts und soll ich euch sagen, warum in diesem Land so viele Frauen schweigen? Zum Beispiel wegen solcher Kommentare wie hier auf der Facebook-Seite, die ihnen ihren Opferstatus aberkennen und versuchen sie zu Täterinnen zu machen. Ihre Erlebnisse abtun und sie für schuldig bekennen. Sie damit einschüchtern.

Wenn jemand, der mit organisierter Kriminalität zu tun hatte, aussagt, dann muss er Angst haben. Er sagt gegen ein Milliardengeschäft aus, gegen organisierte Strukturen, die Kontakte nach überall hin haben. Sie müssen Angst haben um ihre Zukunft, Angst um ihr Leben. Genau deswegen sieht man solche Menschen nicht in der Öffentlichkeit. Wenn von 10 % „freiwillig“ (und das ist viel, denn so viel habe ich nicht annähernd gesehen) „Arbeitenden“ nun 100 Frauen öffentlich sprechen und von den anderen 90% nur 10, dann sehen die 100 aus als wären sie in der Mehrheit – das sind sie aber nicht.

Im Übrigen: Hass-Mails oder Hass-Kommentare bringen mich nicht zum Schweigen. Ich weiß, was ich erlebt habe und noch wichtiger – ich weiß, was unzählige andere Frauen erlebt haben. Wäre es nur mein Einzelschicksal, würde ich damit leben und es ad acta legen. Aber so war es leider nicht und das ist der Grund, warum ich rede und damit auch nicht aufhören werde.

Und noch etwas zu einem Kommentar:

„sexarbeit zu kriminalisieren und die frauen zu pathologisieren einschließlich der stigmatisierung hat nie in der geschichte der menschheit geholfen.“

Zu dem „pathologisieren“ sagte ich ja schon etwas. Und ich bin nicht dafür „Sexarbeit“ oder Prostituierte zu kriminalisieren. Wenn man den Spiegel Artikel genau gelesen hätte, dann würde man erkennen, dass da steht: Freier bestrafen. Ich bin für das sog. „nordische Modell“, was eine Freierbestrafung und Ausstiegshilfen vorsieht und keine Bestrafung der Prostituierten. Auch Deutschland sollte sich mit internationalen Empfehlungen im Hinblick zur Prostitutionsthematik auseinandersetzen.

Hier möchte ich zum Abschluss aus einem Brief von Save Rahab e.V. zitieren:

 

„Wir möchten nochmals darlegen, wie die internationale Politik und unzählige Menschenrechtsorganisationen zu dem Problem der Prostitution und den damit einhergehenden Menschenrechtsverletzungen stehen:

  1. Vereinte Nationen, 1949

Resolution der Vereinten Nationen vom 02.12.1949:

„Prostitution und das sie begleitende Übel des Menschenhandels zum Zwecke der Prostitution sind mit der Würde und dem Wert der menschlichen Person unvereinbar […].“

http://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar317-iv.pdf

  1. Vereinte Nationen, 1985

Resolution der Vereinten Nationen vom 13.12.1985″Prevention of Prostitution

„Considering that the surpression of the traffic in persons and of the exploitation of the prostitution of others require a three-fold concerted effort, involving prevention […].

http://www.un.org/en/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/RES/40/103

  1. European Women Lobby, 2012

„Together with a dozen MEP’s representing all political grounds in the European Parliament and several Ministers, the NGO’s explained why prostitution is a form of violence, an obstacle to equality, a violation of human dignity, and of human rights.“

http://www.womenlobby.org/200-civil-society-organisations-launch-European-debate-on-abolition-of?lang=en

  1. Europarat, 2014

Resolution 1983 des Europarates vom 08.04.2014

Der Europarat sieht das „Sexkaufverbot“ nach schwedischem Modell als das wirksamste Mittel gegen Menschenhandel.

„It is estimated that 84 % of trafficking victims in Europe are forced into prostitution; similarly, victims of trafficking represent a large share of sex workers.“

http://assembly.coe.int/nw/xml/XRef/Xref-DocDetails-en.asp?FileID=20559&lang=en

  1. Europaparlament, 2014

„Statt der Legalisierung, die in den Niederlanden und Deutschland zu einem Desaster geführt hat [damit einhergehend die Situation in Frankfurt am Main], brauchen wir einen nuancierten Ansatz, der die Männer bestraft, die die Körper der Frauen als Gebrauchsgegenstand behandeln, ohne dabei diejenigen zu bestrafen, die in die Sexarbeit abgeglitten sind.“

http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20140221IPR36644/die-freier-bestrafen-nicht-die-prostituierten-fordert-das-parlament

  1. New Yorker UN- Frauenkonferenz im Zusammenschluss mit 98 Organisationen, 2015

“Denn wie so oft auf internationalem Parkett herrschte auch jetzt in New York wieder einmal große Irritation darüber, dass Deutschland in Sachen Prostitution nicht etwa als Gewalt gegen Frauen sowie Ausdruck und Verstärkung des Machtgefälles zwischen Männern und Frauen versteht, […].”

http://www.emma.de/artikel/prostitution-un-konferenz-98-organisationen-ruegen-merkel

http://www.emma.de/artikel/liebe-kanzlerin-merkel-318625

 

(Quelle: Abolition 2014)

 

Und zu allerletzt empfehle ich noch das hier:

https://drive.google.com/file/d/0B32GA6EHrvdTakx1aU1OSFhHVkk/view

 

Zum Schluss möchte ich noch danke sagen für die anderen netten und aufbauenden Worte. Ich habe auch nachdenkliche Mails von Freiern bekommen und ich werde jedem einzelnen von euch noch antworten, weil der Diskurs hier wichtig ist.

Ich bin seit diesem Jahr Mitglied bei

Sisters e.V. – für den Ausstieg aus der Prostitution

Wer mitmachen möchte, kann sich gerne melden.

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63 Kommentare

  1. Der Gegenwind ist nur zu verständlich, denn schon viel zu lange hat die deutsche Legislative die Verbrauchs- und Einkaufsmentalität in der Prostitution wie auch generell in der Sexualität gefördert. Nimmt man noch das verzerrte Frauenbild aus den Pornos hinzu, dann wundert einen nichts mehr.

    Ich finde wichtig und gut, was Sie machen. Es muß endlich dieses falsche Bild von der „glücklichen Prostituierten“ wieder aus den Köpfen. Bleiben Sie stark. Und Sie sollten auch wissen, daß es genügend Frauen gibt, die eine Abschaffung der Prostitution mit ihrer Stimme unterstützen werden.

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    1. …Und Männer! 🙂

      BTW: Welche Partei kann man eigentlich jetzt im Herbst wählen, die sich ganz eindeutig für das Skandinavische Modell ausspricht und bei der klar ist, dass es Ihr damit auch noch nach der Wahl ohne Abstriche Ernst ist?

      Hab da im Moment keine Ahnung und werd jetzt mal recherchieren, um das für mich rauszukriegen…

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      1. Es gibt zwei Kleinstparteien, die das Nordische Modell in ihrem Programm haben: die Feministische Partei/Die Frauen und die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP). Aber es gibt einzelne Abgeordnete oder Kandidatinnen, wie z.B. Leni Breymaier (Listenplatz 1 der Landesliste der SPD Baden-Württemberg), die sich ganz klar für ein Sexkaufverbot aussprechen. Am besten die Direktkandidaten/innen im eigenen Wahlkreis ansprechen/anschreiben und fragen, wie sie zu diesem Thema stehen.

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      2. Danke Gerhard aber es gibt noch eine weitere Partei die die Abschaffung von Prostitution im Programm hat und das schon seit Jahrzehnten, sogar mit Wahlplakaten auf denen das zu lesen ist und das ist die MLPD !

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  2. Liebe Sandra,
    ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, Stärke, Zähigkeit und Heilung.
    Und ja, wir wissen, was wir erlebt haben – auch als deutsche Frauen.

    Die, die nun am lautesten schreien und versuchen, ihre Position als Freier zu verteidigen, sind jene, die uns entseelt und verdinglicht haben.
    Jene, die uns DUMM nennen, haben erst dafür gesorgt, dass wir über Jahre hinweg blind geblieben sind.
    Haben uns ggf. bereits als kleine Kinder hierauf trainiert.
    Und versuchen nun, uns dort hin zurück zu stoßen, woraus wir uns befreien.
    Aber es wird ihnen nicht gelingen.

    Und irgendwann merken auch die anderen Menschen die Zusammenhänge und erkennen die Gewalt dieser Täter.

    Ich finde es sehr mutig von dir, wie Du deinen Weg immer weiter gehst.
    Und Du bist nicht alleine.
    Liebe Grüße, Luise

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  3. Wenn Du Kommentare bekommst, die versuchen, die Opfer dieses Systems zu verhöhnen oder Dich persönlich zu verletzen, dann ist es Dein gutes Recht, diese auf Deiner Webseite als Spam zu behandeln (so, dass Du sie gar nicht mehr lesen musst) oder sie einfach nur stehen zu lassen und nicht mehr zu kommentieren. Es tut mir leid, dass Du solche Dinge nun lesen musst. Aber lass‘ Dir gesagt sein: Du musst es nicht.

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  4. ich habe die Kommentare auf Facebook gelesen; wie so oft, wenn Artikel – egal um welches Thema es geht – kommen viele unreflektierte, aggressive, unwissende Kommentare, gern im Schutz der Anonymität geschrieben. Wenn es nur einige Freier gibt, die Dir nachdenklich schreiben, hast Du schon etwas bewegt. Lasd Dich nicht einschüchtern, lass Dich nicht verletzen. Geh weiter Deinen Weg, der so wichtig und hilfreich für viele Prostituierte ist. Aber das machste sowieso. ❤️

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  5. Hallo

    ich bedanke mich sehr für ihren Artikel – ich habe in den letzten zwei Jahren leider einige Male die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen, und werde das nach Lektüre ihres Spiegel-Artikels (und dieses Blogs) nicht mehr machen, ich wiederhole: Nie wieder –

    Ich war wirklich blind gegenüber der Tatsache, was es das es da schlimme Geschichten gibt, die bei den Frauen dazu geführt haben, das sie sich nun für Sex verkaufen. Man hätte sich eigentlich denken können, das man das nicht freiwillig tut…

    Ich gratuliere ihnen zu dem Mut, ihre Geschichte öffentlich zu machen, und auch legale Konsequenzen zu fordern. Ich frage mich aber, inwiefern ein Verbot realistisch ist, ohne in Doppelmoral und den Aufbau weiterer krimmineller Doppelstrukturen abzudriften, wie das ja bei anderen kriminellen Geschäftszweigen (Waffen-, Drogen & Menschenhandel) nun mal der Fall ist – Ich denke mal, das ist für die Opfer noch viel schlimmer-

    Prostitution war ja Jahrzehnte lang gesetzlich limitiert und es ist genau das entstanden-

    Was tun mit der Sexualisierung & Überstimulation via Internet, Pornografie, Werbung…. alle reden über Sex, immer wenige haben ein gesundes Verhältnis dazu; Das führt dann doch natürlicherweise zu einem Hormonstau (zumindest bei mir), bei dem man keine Ahnung hat, wie das vernümftig ausgelebt werden kann;

    Wahrscheinlich brauchts auch Selbsthilfegruppen für Freier (oder Sexsüchtige?)-

    Das Thema ist reif für eine breite gesellschaftliche Diskussion, aber dazu brauchts vor allen Dingen auch Leute, die damit beginnen, und das haben Sie mit ihrem Blog & des Spegel-Artikel gemacht;

    Vielen Dank dafür, Sie haben mich echt izum Nachdenken gebracht-

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  6. Viel Kraft, Mut und Erfolg auf deinem Weg.

    Unglaublich, was du dir von manchen anhören darfst.

    Dazu noch:

    „Und noch etwas zu einem Kommentar:

    „sexarbeit zu kriminalisieren und die frauen zu pathologisieren einschließlich der stigmatisierung hat nie in der geschichte der menschheit geholfen.“

    Zu dem „pathologisieren“ sagte ich ja schon etwas. Und ich bin nicht dafür „Sexarbeit“ oder Prostituierte zu kriminalisieren. Wenn man den Spiegel Artikel genau gelesen hätte, dann würde man erkennen, dass da steht: Freier bestrafen. Ich bin für das sog. „nordische Modell“, was eine Freierbestrafung und Ausstiegshilfen vorsieht und keine Bestrafung der Prostituierten. Auch Deutschland sollte sich mit internationalen Empfehlungen im Hinblick zur Prostitutionsthematik auseinandersetzen.“

    Soweit ich weiß gab es vor der Streichung der Sittenwidrigkeit der Prostitution 2001 eine ganze Ecke WENIGER Prostitution in Deutschland. Und damit weniger Opfer.

    Da weniger Opfer etwas positives ist, könnte also die damalige „Stigmatisierung“ sehr wohl etwas geholfen haben, jedenfalls im Vergleich zur jetzigen Relegung, bei der es eher mehr Opfer gibt (wobei dabei natürlich unbekannt ist, wie viel an dem mehr an Prostitution seit 2001 durch die Änderung und wieviel durch die EU-Osterweiterung bedingt ist).

    Die Behauptung, „hat nie“ … „geholfen“ des zitierten Kommentators ist also bereits aufgrund der Erfahrungen in D quasi widerlegt.

    Wobei das nordische Modell natürlich noch besser sein dürfte, allein schon weil es klarer die Schuld bei den eigentlich Schuldigen verortet, nämlich den Männern, die die „Dienstleistung“ überhaupt nachfragen. Und auch das nordische Modell soll das Ausmaß der Prostitution um 50%+ reduzieren können.

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    1. Das nordische Modell sieht Prostitution als eine Form von Gewalt an Frauen – für manche mag es ungerecht klingen, wenn Freier bestraft werden und Prostitutierte nicht – doch meiner Erfahrung nach kann ich sagen, dass Freier immer diejenigen waren, die die Wahl hatten zwischen kaufen und gehen, die Prostituierten hatten oft leider keine Wahl sich zu verkaufen.

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      1. In dem Satz gefällt mir das
        „Das nordische Modell sieht Prostitution als eine Form von Gewalt an Frauen“
        „sieht“ nicht.

        Insofern:
        „die Prostituierten hatten oft leider keine Wahl sich zu verkaufen.“
        das zutrifft, ist es nämlich schlicht objektiv Gewalt.

        Sex mit Personen, die in ihrer Einwilligungsfähigkeit zu sehr beschränkt sind, ist vom Tatbestand her Vergewaltigung.

        Keine Ahnung wie viel Prostitution es täglich gibt, habe eine Schätzung gelesen von 1 Million Freier täglich.

        Wenn auch nur jede 10. Prostituierte „keine Wahl“ hat, dann macht das 100000 Vergewaltigung täglich, wenigstens vom Tatbestand her, da nach momentanen Gesetz die Freier meist mangels Wissens um die Umstände keine Schuld haben (diese fließen natürlich in keine Statistik ein; würde auch eine ziemlich unschöne Statistik geben).

        Da ist schlicht von Gewalt zu sprechen.

        Und eine Strafandrohung gegen Freier an sich sollte natürlich politisch in Erwägung gezogen werden.

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  7. Ich bin geschockt über Ihren Artikel. Sich als Frau und Mutter in diese Situation hineindenken zu müssen – da wird mir Angst und Bang. Armes Deutschland. Aussen hui und innen werden Frauen versklavt und jetzt wissen esauch alle. Ich habe einen enormen Respekt vor Ihrer Courage. Bitte machen Sie so weiter. Wie kann Frau helfen? Öffentlichkeit wachrütteln -da sind Sie ja schon dabei. Gibt es Shelter für diese Mädchen und die Möglichkeit zu spenden. Ich fände es gut Namen von Organisationen zu lesen um auch etwas tun zu können. Ich denke Sie sind eine Ausnahme die sich selbst befreien konnte. Es tut mir leid und weh, dass Mädchen und Frauen soviel Leid angetan wurde und wird. Ich werde jetzt genau hinsehen.Alles Liebe und weiterhin viel Kraft.
    Christiane Vogtmann

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  8. Hallo,

    ich kenne das „Geschäft“ schon sehr lange, warum ist hier nicht relevant und ich stimme Dir voll und ganz zu, bei allem was Du zur Sache sagst. Die Kommentare, die Dir nicht so „gewogen“ sind, helfen auch, besser arbeiten zu können, zu lernen, für die Zukunft, wenn man sein Gegenüber versteht, kann man Erkenntnisse über die Sache, um die es geht, gewinnen, nicht? 😉
    Alle Prostituierten sind über kurz oder lang traumatisiert, ja eigentlich für diese Generation in die sie hinein geboren wurden mehr oder weniger verloren. Respekt, was Du da gerade für Dich aufbaust, bleib‘ dran! Lass‘ Dich nicht unterkriegen und nie aufgeben, bitte 🙂

    Liebe Grüsse
    Frank 🙂

    P.S.
    Warum mein voller Name und den bitte ich auch beizubehalten, weil ich schon immer zu dem stehe, was ich sage und vorher überlege, was ich da so „verzapfe“ und den Text, den ich abschicke, mindestens noch 2 Mal lese.

    P.S.2
    Ja, es ist unbedingt wichtig den Diskurs weiter und weiter zu führen, nur so besteht die Chance, die Situation für die Prostituierten zu ändern, zum Guten hin!

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  9. Vielen Dank für Ihren Mut. Der Artikel hat mir ein kleines bischen die Augen geöffnet. Vorher war ich der Meinung, dass Kriminalisierung der Freier, wie es z. B. in Norwegen der Fall ist, auch das Selbstbestimmungsrecht der Frauen einschränkt, die vielleicht diesen Scheissjob trotzdem lieber machen als andere Scheissjobs. Allerdings denke ich jetzt, dass diese Frauen denen es dabei gut geht erstens natürlich i. der Minderheit sind (das war mir schon vorher klar) und zweitens wahrscheinlich trotz dieser Gesetze ohne rechtliches Risiko arbeiten könnten. Wenn alle zufrieden sind gibt es ja keinen Ankläger, aber das Risiko liegt dann eben beim Freier. Den Menschenhandel und -misbrauch anderweitig zu unterbinden ist wie es aussieht utopisch. Ausserdem singen ja schon die Ärzte so treffend was wir Männer sind…
    Wegen Leuten mit der Meining die ich vertrat wird sicher noch ein eco/fairtrade label für Prostitution gestartet mit dem einzigen Effekt, das sich der Verbraucher besser fühlt, danach.
    So schnell kann ich meine Meinung ändern. Erstaunlich. Hoffentlich klappt es auch mit der Mehrheit. Eigentlich sollte das ja kein Problem sein in einer Demokratie mit einem Frauenanteil von ca. 50 %
    Viel Erfolg.

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  10. Bravo! Sie haben meinen tiefsten Respekt. Nicht nur dafür, dass es Ihnen gelungen ist, sich aus dem Sumpf zu befreien, sondern vor allem für Ihr jetziges Engagement.
    Bitte ignorieren Sie, auch wenn es schwer fällt, die dümmlichen Kommentare von Männern, die offenbar nichts begreifen und auch nichts begreifen wollen. Sie sind denen in jeglicher Hinsicht überlegen – moralisch wie intellektuell!

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  11. Verständlich was du schreibst bei diesen Erlebnissen. Wem das nicht leid tut hat entweder keine Empathie oder nicht alle Tassen im Schrank.
    Allerdings finde ich die Forderung nach einem Verbot der Prostitution dumm, dümmer geht es nicht. WENN man sich auch nur etwas ins Thema eingelesen hat.
    Es ist ganz einfach: Prostitution lässt sich nicht verbieten. Das hat noch nie und nirgends funktioniert. Wer anderer Meinung ist darf mir gerne mitteilen wo es funktioniert hat.

    Die Konsequenz von Verboten ist das Gegenteil dessen was die Befürworter wollen:
    Prostituierte werden in die Illegalität gedrängt. Sie werden wieder oder noch abhängiger von Kriminellen. Man schaue nach Schweden und lese Artikel von Prostituierten dort.
    Ausserdem gibt es genug Frauen die diesen Beruf nicht nur freiwillig machen sondern zumindest des Einkommens wegen auch gern.
    Der Wunsch nach einem Verbot mag emotional verständlich sein. Aber es ist nachgewiesener Massen weder erfolgreich noch sinnvoll.
    Aber solche Überlegungen sucht man bei vielen oder den meisten Feministinnen vergebens. Das ist nichts neues.

    Um es klar zu sagen: Zuhälter sind auch für mich Kriminelle die hart bestraft gehören. Ebenso sollte man allen Frauen helfen die sich aufgrund ihrer auswegslosen Lage prostituieren.
    Allerdings sollte man bedenken, dass es so viel Armut in der Welt gibt, die vielen Frauen Prostitution als Ausweg erscheinen lässt, dass man sich klar sein muss, dass wir deshalb diese Art der Prostitution nicht verhindern können.

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    1. Prostitution wird durch ein Sexkaufverbot nicht in die Illegalität abgedrängt. Es ist ein weit verbreitetes Argument, was nicht stimmt.

      Ich empfehle hierzu das Buch von Simon Häggström: Shadow’s Law (https://www.amazon.com/Shadows-Law-Detective-Inspector-Prostitution/dp/9188153207)
      Simon Häggström ist Polizeikommissar und setzt in Schweden das Sexkaufverbot mit um.

      Hier eine Rezension von Manuela Schon über das Buch:

      https://diestoerenfriedas.de/simon-haeggstroem-shadows-law-the-true-story-of-a-swedish-detective-inspector-fighting-prostitution/

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      1. Aber ist es nicht ein ganz grundlegendes Problem, wenn man sagt, dass es nicht okay ist, was und wie ihr mit eurer Sexualität umzugehen habt, auch wenn alles einvernehmlich ist!?

        Möglicherweise ist das sehr abstrakt, aber muss auf dieser Ebene nicht eben auch, und vielleicht zuerst, eine grundlegende Meinung gefunden werden? Und dazu gehören dann vielleicht auch einfach Gedanken wie die, dass sich irgendwie jeder prostituiert. Der berühmte Musiker der jetzt über 80 ist, aber trotzdem eine 20jährige heiratet, ab und an mit ihm schläft und dafür ein unbeschwertes Leben, Berühmtheit und die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben erhält? Kann es sein, dass es sich dabei nicht vielleicht auch um eine Art Prostitution handelt? Und was, wenn das immer so ist, auch bei unauffälligeren Situationen wie bei dem 80jährigen und der 20jährigen? Wo zieht man da die Grenze? Wo kann man da die Grenze ziehen?

        Ja, ich weiß, irgendwie sehr theoretisch, aber muss es da nicht auch einen Konsens, eine eindeutige Position geben?

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      2. Das „nordische Modell“ sagt den Prostituierten nicht, wie man mit der eigenen Sexualität umzugehen hat. Es bestraft Freier um Prostituierte zu schützen.

        http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20140221IPR36644/die-freier-bestrafen-nicht-die-prostituierten-fordert-das-parlament

        Ich mag eigentlich nicht immer alles doppelt schreiben, aber lest bitte meinen Blog, dann werden eure Fragen vielleicht beantwortet (und meine damit auch Seiten, die ich verlinkt habe).

        Zu dem Thema, dass sich jeder irgendwie prostituiert verweise ich nochmal auf den Vortrag hier:

        „Ganz kurz noch etwas zu den Folgen:

        Melissa hat großartige Studien darüber gemacht. Sie hat herausgefunden, dass 68 % der Frauen in der Prostitution eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, die in ihrer Deutlichkeit vergleichbar ist, mit der von Kriegsveteranen und Folteropfern. Das muss man sich mal vorstellen: 68%!“

        http://www.trauma-and-prostitution.eu/2016/02/17/trauma-als-voraussetzung-fuer-und-folge-der-prostituierung/

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    2. Dumm ist:
      „Es ist ganz einfach: Prostitution lässt sich nicht verbieten.“

      erstmal folgender logischer Trugschluss, nämlich aus:

      Keine gesetzliche Regelung führt dazu, dass es keine Prostitution mehr gibt.

      zu folgern:

      Keine gesetzliche Regelung führt dazu, dass es erheblich weniger Prostitution gibt.

      Die Liberalisierung in D 2001 hat vermutlich zu erheblich mehr Prostitution geführt. Und das nordische Modell würde vermutlich zu erheblich weniger führen.

      Und je nachdem welche Reduktion von Prostitution erzielbar sein könnte, macht das nordische Modell mehr oder weniger Sinn.

      Aber Statistik einfach zu ignorieren und irgendwas aus pauschalen Aussagen fehlerhaft zu folgern ist dumm.

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      1. Fakt ist, dass zu Zeiten des Bockscheins vieles kontrollierter und überschaubarer war.
        Damals mußte sich jede Prostituierte bei der Polizei (Sitte) anmelden, ausweisen und sagen, wo sie arbeitet.
        1x die Woche mußte man zum Gesundheitsamt zur Untersuchung.
        Und ebenfalls wöchentlich zog die Sitte durch alle Etablissements und überprüfte die „Bockscheine“.
        Nicht gemeldete Frauen wurden mitgenommen zur Registrierung, Untersuchung und Strafverfolgung.
        Dieses System gab es über viele Jahre und der Staat ließ daran nicht rütteln.

        So, wie Bäcker, Metzger, Gastronomieleute u.a. ebenfalls völlig selbstverständlich zu Untersuchungen müssen und überprüft wird, was sie wo tun und ob sie gesund sind.

        Und heute soll das also „Diskriminierung“ sein.
        Selbstverständlich nur bei Huren – nicht bei anderen Berufen.
        Und frauenfeindlich.

        Sicher – es ist gewiß „unfair“, wenn nur die Frauen, nicht aber die Freier zwangsuntersucht werden würden.
        Aber wenn dann gesagt wird, man will die Freier bestrafen, ist auch DAS wieder nicht recht.

        Dinge unfair oder diskriminierend zu finden und das laut in die Gegend zu schreien, lenkt so unglaublich gut ab von den WAHREN Monströsitäten.
        Da halten sich Leute auf mit der „Diskriminierung“ einer Meldepflicht; sind abgelenkt mit Kleinkram – während weiter straffrei vergewaltigt, mißhandelt und ausgebeutet werden kann.

        Aus meiner Sicht war es jedenfalls ein Fehler, den Bockschein abzuschaffen.
        Und ebenso ist es ein Fehler, „fair“ sein zu wollen gegenüber Menschen, die es selbst nicht sind. Sage ich jetzt mal so.
        Eine faire Prostituierte oder einen fairen Zuhälter habe zumindest ICH nie kennen gelernt.
        Und Prostitution ist niemals fair – sie ist Gewalt.

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  12. Ich las den Artikel bei Spiegel online über Sie und darin diesen Text: „Ihr Ziel: die Abschaffung der Prostitution. Die Mittel, mit denen das gelingen soll: Strafen gegen Freier, Ausstiegshilfen für Prostituierte“.

    Ich weiß nicht, ob das genau so Ihr Ziel ist, aber sollte es so sein, dann werden Sie sich erstens daran verheben, und zweitens frage ich mich, ob dieses Ziel so erstrebenswert ist. Ich will versuchen, das zu begründen, wobei ich gleich einräumen muss, dass ich keinerlei Kenntnisse über Prostitution aus erster Hand habe, also noch nie wissentlich mit Prostituierten zu tun/sprechen hatte und alle Informationen und Fehlinformationen nur aus Internetartikeln oder aus dem Dokumentarfernsehen. Diese Quellen beschreiben glaubhaft u.a. himmelschreiendes Unrecht, einen für mich unvorstellbaren Umfang an Gewalt, Demütigung, Freiheitsberaubung, Chauvinismus und was einem sonst noch an Gründen einfallen mag, um selbst als pazifistischster Mensch zum Entschluss zu gelangen: Diesem Rad muss man in die Speichen greifen (um es mal mit Bonhoeffer zu sagen).

    Darum: Was immer Ihnen an wirksamen Wegen und Maßnahmen einfallen mag, um Prostituierten wider Willen Ausstiegshilfen zu geben – Sie haben meine Unterstützung. Nur – mit dem kleinen Wörtchen „wider Willen“ geht die Einschränkung bereits los. Ich habe von Prostituierten gelesen, die ohne Zuhälter ihr Geschäft betreiben, die nicht alles als schön beschrieben haben, was sie dabei erleben, die es wahrscheinlich auch nicht als Sternstunden ihrer persönlichen Würde erleben, aber die trotz ihrer Unabhängigkeit von einem Freier nicht beschlossen haben, von nun an Regale bei Aldi einzuräumen oder gar Jura zu studieren. Es gibt unendlich viele Berufe und vor allem Arbeitgeber, die keine Würdeerlebnisse bescheren. Als Mann kann und will ich nicht darüber urteilen, ob die dauerhafte Penetration von Würde und Selbstbewusstsein ein qualitativ milderes Erlebnis ist als die dauerhafte Penetration der eigenen Vagina. Frauen würde ich diese Urteilsfähigkeit durchaus zugestehen, auch wenn Sie – sicherlich zu Recht – darauf verweisen mögen, dass Sie diese Fähigkeit in Ihren ersten Jahren bei Ihrem damaligen Zuhälter noch nicht hatten. Jugendlichen geht diese Urteilsfähigkeit bis zu einem gewissen Alter naturgemäß ab; deshalb gibt es den Jugendschutz. Wenn dieser nicht wirksam genug ist, muss man da was tun. (Und ich persönlich glaube durchaus, dass es gerade im Umfeld sozial prekärer Familien und vor allem familiär prekärer Beziehungsfragmente da noch jede Menge Handlungsbedarf gibt.)

    Stichwort „Strafen gegen Freier“. Was im Spiegel-Artikel – und nicht nur dort – zu lesen ist, zeigt auf, dass manche Kunden gegenüber Prostituierten zu regelrechten Gewalttätern werden. Das bezweifle ich nicht. Ich las allerdings auch schon Aussagen von Prostituierten, die sich in einem Sinne als Dienstleisterinnen an der Gesellschaft beschrieben, dass sie innerfamiliäres Gewaltpotenzial erden, bevor es voll zur Entfaltung gelangt (meine Formulierung). Ich interpretiere diese Aussage ungefähr so: Da ist jemand, der familiär oder/und beruflich erheblich frustriert ist, dies jedoch in beiden Bereichen nicht „ausdiskutieren“ kann oder will, aus welchen Gründen auch immer. Er wählt stattdessen den Weg der Befried(ig)ung im Bordell oder bei der Prostituierten „seines Vertrauens“. Wie gut und vor allem für welche Zeitspanne dieser Weg für ihn funktioniert – keine Ahnung. Wie herb bis hart dies für die Prostituierte ist, das hängt sicherlich vom Einzelfall und von den beiden daran Beteiligten ab. Aber es lässt sich schlichtweg nicht von der Hand weisen, dass Prostitution das älteste Gewerbe der Welt ist, eindeutig schon vor dem Zeitalter des Menschen einander und sich selbst entfremdenden Kapitalismus existierend. Das kriegt man nicht aus der Welt, nicht mit Strafen und nicht auf anderen Wegen. Die Gewalt drum herum freilich – die lässt sich verringern, aber eben nicht auf kriminalisierendem Wege, wie dies bei Drogen jeglicher Art bislang stets schiefgegangen ist, sondern auf einem Weg, der diese Tätigkeit der Kriminalität und dem Halbdunkel entzieht, sie reguliert (Gesundheitsvorsorge, Rechtmäßigkeit, Interessenvertretung/Verbandswesen etc.). Damit meine ich jedoch ausdrücklich nicht die Legalisierung von Mädchenhandel, Verschleppung und Versklavung.

    Wir haben die dicksten Titten auf Titelseiten, sichtbar selbst für kleine Kinder im Supermarkt. Wir sollten nicht den Fehler fortsetzen, die Sexualisierung der Gesellschaft, die daraus unmittelbare Konsequenz ist, als etwas Sittenwidriges, Schlüpfriges ins Halbdunkel zu verbannen.

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    1. Eine andere Aussteigerin sagte mal: „Prostitution is known as the oldest profession, but I know it’s the oldest oppression“. Nur, weil man etwas nicht komplett beseitigen kann, ist es nicht legal. Hier wieder ein übliches Beispiel: Sie können Vergewaltigungen nicht verhindern, aber sind sie deswegen legal? In unserem Land wird durch unsere jetzige Gesetzgebung der Eindruck vermittelt, Prostitution sei ein normaler Job. Man tut dies in der Hoffnung Prostituierte nicht zu stigmatisieren und sie besser schützen zu können und merkt dabei aber nicht, dass die Mehrheit der Prostituierten davon nicht profiert, sondern diejenigen, die sie ausbeuten. Wir haben in Deutschland eine immense Nachfrage von Sexkauf. Das gibt Menschenhändlern einen so fruchtbaren Nährboden, dass sie extrem leicht Geld verdienen können. Wir haben zum Beispiel im neuen Prostituiertenschutzgesetz eine Zuverlässigkeitsprüfung für jene, die eine Prostitutionsstätte betreiben möchten. Hier wird geprüft, ob gewisse Vorstrafen bekannt sind, ob sie Mitglieder eines verbotenen Vereins sind…. Dass die organisierte Kriminalität im Milieu schon seit Jahren ihre Existenz absichert, in dem sie solide Menschen (die dafür bezahlt werden) offiziell das Bordell betreiben lässt, diese soliden Menschen dann aber das Bordell in der Praxis nicht führen, sondern die organisierten Strukturen den Ton angeben, wird verkannt. Es wird ihnen durch die neue Regelung vielleicht unangenehmer gemacht, aber es wird sie nicht davon abhalten, das zu tun, was sie bisher getan haben.

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    2. Achso, und keiner hat was gesagt von „Ausstiegshilfen wider Willen“. Das Problem ist, dass die Prostituierten, von denen Sie sprechen, nicht die Norm darstellen. Wie ich bereits im Beitrag erwähnte, geht die Polizei mehrheitlich von 90-95 % ausländischen Frauen in der Prostitution aus. Auch ich habe dort, wo ich war, fast keine deutsche Frau gesehen. Die meisten „arbeiteten“ aufgrund irgendwelcher Zwänge, aber nicht, weil sie in der Prostitution sein wollen. Würde man ihnen einen Ausstieg anbieten wären alle Frauen, die ich kannte, ausgestiegen. Und ich denke, wenn man über Prostitution spricht, dann sollte man anfangen diejenigen in den Blick zu nehmen, welche die Mehrheit darstellen und unsagbares Leid erleben.

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      1. Hinzufügen möchte ich, dass es auch vorkommen kann, dass eine Prostituierte laut ihre Freiwilligkeit in die Welt schreit.
        Und erst Jahre später SELBST merkt, dass sie nur Opfer alter Konditionierungen und der Dressur frühen sexuellen Mißbrauchs gewesen war.

        Nachdem ich selbst als deutsche, einst sehr selbstbewußt wirkende, autonom arbeitende und glücklich WIRKENDE „Sexworkerin“ erst mit 43 wirklich begriffen habe, wie sehr ich all meinen Schmerz und die Gewalt abgespaltet und verdrängt hatte, bin ich sehr skeptisch bei vielen Hintergründen von „Sexworkerinnen“, die ich kenne, wie freiwillig diese in Wahrheit sind.

        Und was hinter der glücklichen Fassade hervor käme, würde man einmal wirklich hinsehen WOLLEN.
        Aber meist will es ja niemand sehen.
        Niemand wissen.
        Und es ist viel bequemer einfach der Fassade zu glauben und die Zufriedenheit abzunehmen.
        Zufriedenheit tötet das schlechte Gewissen…..

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  13. Mir war als Mann nie klar, dass meine „Mitmänner“ so ekelhaft sein können, ich habe mir die Mühe gemacht und die hier im Blog genannten Foren mal zu besuchen. Ich bin ehrlich entsetzt, wie tief manche Männer sinken, wie ekelhaft sie sind, wie sie über Frauen dort reden als wären es Tiere. Was manche da als Praktiken beschreiben ist einfach nur krank. Ich frage mich wie sie daheim ihren Frauen und Kindern in die Augen sehen können, nachdem sie solche Dinge getan haben. Ich kenne Leute, die ab und zu in den Puff gehen (und damit angeben), ich sehe sie jetzt mit ganz anderen Augen. Alleine der Gedanke, dass man als Frau 20 Männer am Tag bedienen muss, mit solchen Kollegen wie man sie in den Foren findet, das ist unvorstellbar. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft!

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    1. In der Tat gibt es viele Beiträge in solchen Freierforen, die wirklich nur schwer zu ertragen sind. Allerdings finden sich dort schätzungsweise nur ein Bruchteil von den Millionen Freiern die es angeblich in Deutschland gibt. Dann weiß man auch nie so genau wie es sich wirklich zugetragen hat, ob da mit dem ein oder anderen einfach die Fantasie durchgegangen ist und man weiß auch nicht wie das von den Beteiligten (da gibt es eben in der Regel nur zwei die darüber zu entscheiden haben ob die Handlungen einvernehmlich und okay waren) aufgefasst und bewertet wurde. Manch einer findet es eben widerlich im Gesicht Sperma zu haben, für andere ist das kein Problem. Für einen Mann, der es vielleicht als widerlich empfindet, kann so gefühlt eine Frau erniedrigen, aber gleichzeitig, wenn es für sie kein Problem ist, dann verdient sie damit einfach ein wenig mehr Geld.

      Und idealerweise fände die Prostitution so statt, dass die Frauen und Männer alles ablehnen könnten, was sie eben nicht machen wollten. Und ich denke man sollte versuchen so eine Situation in Deutschland zu schaffen anstatt zu versuchen Prostitution ganz zu unterbinden.

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      1. „Manch einer findet es eben widerlich im Gesicht Sperma zu haben, für andere ist das kein Problem. Für einen Mann, der es vielleicht als widerlich empfindet, kann so gefühlt eine Frau erniedrigen, aber gleichzeitig, wenn es für sie kein Problem ist, dann verdient sie damit einfach ein wenig mehr Geld. “

        Wissen Sie überhaupt, was Sie da reden?
        Ich war dabei als jungen rumänischen, bulgarischen, etc… Frauen von irgendwelchen Freiern Sperma ins Gesicht gespritzt wurde. Und wissen Sie was? Die Prostituierten ertrugen es und ekelten sich abgrundtief, weinten oft danach, während sie dem Freier während des „Abspritzens“ ins Gesicht lächeln mussten.

        Jemand, der nie dabei war, der Prostitution nie erlebt hat und Dinge nur beurteilt aus seinem Empfinden heraus, sollte ganz vorsichtig sein. Vor allem wie mit diesen Aussagen hier, die gerade getätigt wurden bzgl. Sperma ins Gesicht spritzen!

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  14. @SurvivorOfProstitution:

    > Das Problem ist, dass die Prostituierten, von denen Sie sprechen, nicht die Norm darstellen.

    Das glaube ich sofort.

    > Wie ich bereits im Beitrag erwähnte, geht die Polizei mehrheitlich von 90-95 % ausländischen Frauen in der Prostitution aus. Auch ich habe dort, wo ich war, fast keine deutsche Frau gesehen.

    Wie gesagt: Ich befürworte einen entschiedenen Kampf gegen Mädchen- und Frauenhandel, gegen erpresserische Praktiken und modernen Sklavenhandel. Ich glaube, wir stimmen darin überein, dass in dieser Richtung viel zu wenig getan wird. Mir scheint, entweder sind all die modernen Überwachungsmethoden, die in jüngerer Zeit eingeführt worden sind mit dem Argument, den Terrorismus bekämpfen zu wollen, noch nicht (auch) auf dieses riesige Problemfeld ausgerichtet worden, oder sie sind wirkungslos. Aber wenn die Freier den Puff finden, sollte das der Polizei ja ebenso gelingen.

    > Die meisten „arbeiteten“ aufgrund irgendwelcher Zwänge, aber nicht, weil sie in der Prostitution sein wollen.

    Sehr viele Menschen arbeiten aufgrund irgendwelcher Zwänge, u.a., weil sie ihre Miete zahlen müssen. Irgendwelche Zwänge sind als Argument also noch etwas unscharf. Ich habe aber von Erpressungsmethoden gehört (Wegnahme der Pässe nach Verlockung mit irgendwelchen „Traumjobs“ und Androhung von Repressionen oder konkreter Gewalt gegen Angehörige in den Herkunftsländern), also lässt sich das schon konkretisieren. Der juristisch wasserdichte Nachweis dürfte in den meisten Fällen schwieriger sein, weil die Opfer aus Angst nicht aussagen.

    > Würde man ihnen einen Ausstieg anbieten, wären alle Frauen, die ich kannte, ausgestiegen.

    Ich habe keinen Grund, das anzuzweifeln.

    > Und ich denke, wenn man über Prostitution spricht, dann sollte man anfangen, diejenigen in den Blick zu nehmen, welche die Mehrheit darstellen und unsagbares Leid erleben.

    Zustimmung.

    Aus all dem kann ich eine Ergänzung zu meiner Liste der unter Verbot zu stellenden Tatbestände destillieren: Zuhälterei. Nur würde das nichts ändern, denn die ist ja bereits verboten, jedenfalls in Deutschland und wenn sie mit Ausbeutung verbunden ist (aber welcher Zuhälter würde ehrenamtlich arbeiten?). Die Prostitution würde ich jedoch nach wie vor nicht illegalisieren, und zwar weder von der Angebots- noch von der Nachfrageseite. Denn die Sexnachfrage wird bei illegaler Prostitution unverändert bestehen. Sie wird sich nur andere Kanäle suchen. Und dass die dann besser wären, ziehe ich in Zweifel.

    Es gibt so unglaublich viele Gebiete – und dies sicherlich nicht nur in Deutschland -, auf denen gravierende Missstände bestehen, und dann rufen Menschen nach Gesetzesänderungen, nicht wissend oder verkennend, dass es solche Gesetze bereits und längst gibt. Die Frage, die also in vielen Fällen dringlicher zu stellen wäre, ist folgende: Warum werden die bestehenden Gesetze so inkonsequent angewendet bzw. was hindert die Justiz daran, dies zu tun?

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    1. „Sehr viele Menschen arbeiten aufgrund irgendwelcher Zwänge, u.a., weil sie ihre Miete zahlen müssen. Irgendwelche Zwänge sind als Argument also noch etwas unscharf. Ich habe aber von Erpressungsmethoden gehört (Wegnahme der Pässe nach Verlockung mit irgendwelchen „Traumjobs“ und Androhung von Repressionen oder konkreter Gewalt gegen Angehörige in den Herkunftsländern), also lässt sich das schon konkretisieren. Der juristisch wasserdichte Nachweis dürfte in den meisten Fällen schwieriger sein, weil die Opfer aus Angst nicht aussagen.“

      Es ist ein Unterschied, ob man putzen geht und darauf keine Lust hat und das als Zwang empfindet oder ob man sich prostituiert. Einer Studie nach leiden 68 % der Frauen in der Prostitution an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die vergleichbar ist mit der von Folteropfern. Es ist also kein Job wie jeder andere. Hier nachzulesen, es steht bei den Folgen (http://www.trauma-and-prostitution.eu/2016/02/17/trauma-als-voraussetzung-fuer-und-folge-der-prostituierung/).

      Ich würde Sie bitten in diversen Freierforen zu lesen und mir dann nochmal zu sagen, dass unser Staat nicht die aus Art.1 GG zu entnehmende Pflicht hat, Menschen vor solchen unwürdigen Zuständen zu schützen.

      Ich hänge Ihnen hier einen Artikel über Freierforen an:

      https://www.vice.com/de/article/kbvkqz/stiftung-hurentest-im-tripadvisor-der-deutschen-freier

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      1. > Ich würde Sie bitten, in diversen Freierforen zu lesen und mir dann nochmal zu sagen, dass unser Staat nicht die aus Art.1 GG zu entnehmende Pflicht hat, Menschen vor solchen unwürdigen Zuständen zu schützen.

        Ich habe dies NICHT bereits gesagt, kann es also nicht NOCHMAL sagen. Und ich werde dies hier auch kein erstes Mal behaupten.

        Was in den Foren steht, kann ich mir ungefähr vorstellen. Ich möchte von diesem PC auch nicht eine solche Adresse anklicken; denn das könnte mir Ärger bei meinem Arbeitgeber eintragen.

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      2. Ich denke nicht, dass Sie es sich vorstellen können – wenn Sie diese Dinge nicht lesen, sollten Sie nicht vorschnell urteilen. Es gibt Evaluationen aus Schweden, die besagen, das durch ein Sexkaufverbot sehr wohl die Nachfrage zurückgeht und eben nicht so bleibt, wie sie jetzt hier in Deutschland ist.

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  15. Hallo,
    ab und an gehe ich zu Prostituierten um ihre Dienste anzunehmen. Es macht mich jetzt nicht stolz, aber gegenüber mir selbst schäme ich mich deswegen auch nicht.

    Was Ihnen widerfahren ist tut mir Leid, trotzdem bin ich gegen ein Verbot der Prostitution (oder eben des Freiertums wenn man das so sagen kann).

    Ich habe allein schon Probleme mit den Zahlen und Definitionen. Wir alle stehen unter gewissen Zwängen. Ansonsten würde ich auch nicht das arbeiten was ich arbeite, aber leider muss ich Geld verdienen. Und dann 95%. Ich habe einfach so meine Zweifel an den Darstellungen.

    Die Presse erreicht wohl mehr Leute mit „Horror-Stories“ als mit „Schöne heile Welt“-Stories. Dementsprechend bietet sich möglicherweise ein verfälschtes Bild auf die tatsächliche Situation. Und mein Eindruck ist auch, dass es nur zwei Positionen zu geben scheint, nämlich beide Extreme. Eine ausgewogene, mit objektiven und belegbaren Fakten scheint es kaum zu geben. Dabei wären solche Fakten wichtig, ja die Grundlage, um sich überhaupt eine Meinung bilden zu können.

    Ansonsten stellt sich mir die Situation eher so dar, dass der Staat mehr für Prostituierte tun könnte, aber ohne eine Seite in die Strafbarkeit zu drängen. Das neue Prostituiertenschutzgesetz geht teilweise in die richtige Richtung (teilweise so natürlich auch in die falsche Richtung), wenn es bspw. verlangt, dass die Räumlichkeiten vor Ort gewissen Mindeststandards genügen müssen. Ich fände es vielleicht auch noch sinnvoll, dass bspw. ein Mindestalter (vielleicht 21!?) vorausgesetzt wird und eine Art Mindestsprachfähigkeit in der jeweiligen Sprache des Landes/Ortes an dem man als Prostituierte arbeitet. Und sicherlich gibt es da noch viele gute Vorschläge, wie man vielleicht die Zahl der Menschen verringern kann, die unter nicht zumutbaren Zwängen der Prostitution nachgehen müssen.

    Ich bin also für die Prostitution aber mit mehr und besser geeigneter Regulation.

    Dir wünsche ich viel Erfolg beim Studium und „im neuen Leben“!

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    1. „Ich habe allein schon Probleme mit den Zahlen und Definitionen. Wir alle stehen unter gewissen Zwängen. Ansonsten würde ich auch nicht das arbeiten was ich arbeite, aber leider muss ich Geld verdienen. Und dann 95%. Ich habe einfach so meine Zweifel an den Darstellungen.“

      Welcher Prozentsatz an „freiwilligen“ Prostituierten würde es denn akzeptabel machen? 80% 90%) 95%? 99%?

      Immer daran denken:

      Absolut jedes einzelne Mal, wenn eine Prostituierte, die aufgrund ihrer Situation nicht wirklich in der Lage ist, in den Sex wirksam einzuwilligen, Sex hat, ist das eine VERGEWALTIGUNG. Meist nicht strafbar für den Freier, aber auch nur weil er nichts weiß; schlimm und falsch ist es trotzdem.

      Wenn also von den 200000 Prostituierten in D, die täglich im Schnitt vielleicht 5 Freier haben (manche erheblich mehr, manche weniger), nur jede 10. gar nicht wirklich „freiwillig“ handelt, dann haben wir 100000 VERGEWALTIGUNGEN PRO TAG.

      Macht 36,5 Millionen Vergewaltigungen im Jahr.

      Zwecks Vergleich, offizielle Statistik nennt ca. 8000 Vergewaltigungen pro Jahr.

      Und das soll quasi egal sein?

      Kann man eigentlich nur finden, wenn man diese Vergewaltigungen gar nicht als solche ansieht.

      Also, wieviele Vergewaltigungen pro Tag sind ok, dass man den „freiwlligen“ Prostituierten ihr Gewerbe nicht vermiesen darf? Sind 100000 pro Tag ok? Wären 200000 zu viel?

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  16. Über die Unart, jegliche Forderung nach Gleichberechtigung als „Femizicken“-Kram abzutun, kann ich nur noch müde lächeln. Das sind die gleichen Experten, die behaupten, in ihrer Freiheit eingeschränkt zu werden, weil sie Leute nicht „Neger“ nennen dürfen. Peinlich. Lächerlich.
    Abgesehen davon ist alles, was du schreibst, höchst aufschlussreich und wirklich Futter zum Nachdenken – ich bin begeistert, dass SPON dir eine noch größere Plattform gegeben hat.
    Weiter so und alles Gute!

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  17. Ich habe durch Zufall den Artikel im Spiegel gelesen. Auch zufällig, da ich heute ungewöhnlich Zeit hatte, deinen Blog und einige deiner Quellen durchgelesen. Als Frau, die keinen Kontakt mit dieser Welt hat, war es für mich erschütternd. Es hat mein Bewusstsein und meine Sichtweise geändert. Ich finde es stark und bemerkenswert, dass du dich so einsetzt für dich und andere. Es ist bestimmt nicht leicht so offen darüber zu schreiben?! Allen Frauen wünsche ich, ihre Stärke (auch wenn sie klein ist) zu finden und auszubauen. Du hast schon viel erreicht. Obwohl ich bisher nie darüber nachgedacht habe, werde ich jetzt eine Meinung haben! Ich kann zwar wenig daran ändern, aber ich kann eine Meinung haben und diese auch vertreten.

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  18. Hallo liebe Survivor of Prostitution,
    vielen Dank für Ihre Einblicke.
    Ich möchte mich hier einfach nur kurz äußern zum Thema „schwedisches Modell“. Soweit ich informiert bin ist Prostitution in Schweden legal die Inanspruchnahme einer entsprechenden Dienstleistung aber illegal. Das ist ein Modell das heute gerne von Feministinnen (vor denen ich absolut Hochachtung habe) vertreten wird.
    Mir ist nur nicht ganz klar inwiefern dieses Konzept den Prostituierten (insbesondere den ZWANGS-Prostituierten) helfen soll.
    Faktisch bedeutet auch das schwedische Modell nichts anderes als eine Kriminalisierung der Prostitution. Die Zuhälter werden noch deutlich vehementer „ihre“ Frauen unter Druck setzen. Da sie ja noch deutlich stärker auf deren Stillschweigen angewiesen sein würden.
    Die Orte an denen der Verkehr stattfindet wären noch deutlich abgelegener und noch deutlich stärker unter Kontrolle krimineller Banden. Eine Hilfe von Freiern (für Zwangsprostituierte) wäre noch deutlich unwahrscheinlicher. Da sie ja befürchten müssten selbst kriminalisiert zu werden.

    Ich möchte die derzeitigen Verhältnisse in Dtl. wirklich nicht verherrlichen. Aber in Dtl. findet der Geschlechtsverkehr immer noch an relativ „normalen“ Orten statt. Ein Bordellbetreiber hat keine Motivation einen Freier der sich daneben benimmt nicht vor die Tür zu setzen. Oft ist die nächste Polizeistreife nicht weit, die einschreiten könnte wenn etwas aus dem Ruder läuft. Ausstiegshilfen gibt es ebenfalls. In vielen Bordellen dürfte es vermutlich eine Security geben die ungebetene Gäste auf die Straße setzt. Auch haben Männer die das Gefühl haben einer Zwangsprostituierten gegenüber zu stehen eine deutlich größere Motivation zur Polizei zu gehen. Ihnen droht ja keine Strafe.
    All das ist nach dem schwedischen Modell nicht möglich.
    Ich habe deshalb große Zweifel ob das schwedische Modell, Frauen (besonders Frauen die „dazu“ von Zuhältern gezwungen werden) wirklich hilft!?

    Ihr Schicksal berührt mich und spricht mich auch an. Ich gebe ehrlich zu, dass ich in der Vergangenheit schon mehrfach Prostituierte aufgesucht habe. Ich glaube Ihnen Ihre Schilderungen auch absolut. Wir leben in einer durchsexualisierten Gesellschaft in der pornographisches Material nur einen Mausklick entfernt ist. Das prägt uns alle.

    Der Wahrheit halber möchte ich aber auch mein eigenes Schicksal schildern (und selbstverständlich erwarte ich dafür absolut kein Mitleid, es ist einfach so). Ich selbst bin ein 38-jähriger unverheirateter Mann. Ich bin aber stark introvertiert bis fast autistisch. Mit anderen Worten fällt es mir sehr schwer eine Frau kennen zu lernen. Es ist fast unmöglich. Wäre Prostitution in Dtl. nicht legal, hätte ich vermutlich kaum je Sex gehabt. Das ist die reine Wahrheit. Darauf bin ich selbstverständlich nicht stolz noch möchte ich daraus sozusagen einen Rechtsanspruch auf Prostitution ableiten.
    Im Gegenteil. Es ist aber einfach Fakt.

    Ich möchte das einfach mal so stehen lassen. Ich werde weiterhin Ihren Blog lesen und wünsche Ihnen viel Kraft für Ihr weiteres Leben.

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    1. Vielleicht wäre es aber auch genau anders. Vielleicht hätten Sie irgendwann den Mut, eine Frau anzusprechen, vielleicht würden Sie irgendwann jemanden finden. Vielleicht wären sie heute glücklich liiert.

      Da es aber einfacher ist, sich eine Frau zu kaufen, muss man sich generell nicht mit den eigenen Problemen auseinandersetzen. Es scheint die einfachere Möglichkeit zu sein, sich zu nehmen wovon man denkt, dass man es sonst nicht kriegen könnte. Manchmal ist „einfach“ nicht immer der goldene Weg.

      Zum Thema „nordisches Modell“ habe ich in den Kommentaren und Links erstmal genug gesagt – vielleicht da einfach nochmal nachlesen.

      Alles Gute!

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  19. Du bist echt unglaublich. Mit welcher Geduld Du hier völlig sachlich argumentierst, Hut ab. Mir geht schon als Nicht-Betroffener der Draht aus der Mütze bei einigen Beiträgen. Wir haben noch viel zu tun, auf dem Weg in eine Welt ohne Prostitution.

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  20. Vielen Dank für Ihre Einblicke! Auf die dummen Kommentare würde ich nicht so viel geben, das ist typisch SPON…
    Mich regt es schon eine Weile auf, dass gerade in Deutschland gefühlt überwiegend die Meinung herrscht, dass Prostitution ein ganz toller, freiwilliger, „empowernder“ Job ist und die Prostituierten damit stets einen Haufen Geld verdienen (leider zunehmend auch in Feminist*innenkreisen verbreitet) . Das mag vielleicht für einen sehr geringen Teil so sein, aber in der Mehrheit gilt wohl leider eher das Gegenteil.

    Ales Gute für die Zukunft!

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    1. Ich glaube, das mit dem „vielen Geld“ gilt heute nur noch für Betreiber und mit dem Hintergrund von „Masse“ und auch „Gesundheitsgefährdung“.

      Die selbe Zahl von Freiern, die sich früher nur auf deutsche Huren verteilten, verteilt sich heute auf eine nicht mehr zu begreifende Anzahl von Prostituierten.
      So hat eine einzelne AppartementHure meist – wenn sie Glück hat – am Tag noch 1-4 Freier; oft auch keinen.
      Früher waren es bis zu 25 oder 30/Tag.

      Früher war auch noch alles safer; kein Küssen; Anfassen gegen Zuzahlung.

      Heute ist alles ohne – viel zu oft.
      Ohne Kondome, dafür aber mit „spritzen in alle Löcher erlaubt“; mit Urin- und Kotspielen.
      Mit schwangeren Huren.
      (Sperma-) oder (Urin-) – gar (Kot-)Küssen. (alles vom Freier im Mund der Prostituierten)
      Ohne HIV-Test.

      Oder mit „Zahl ein Mal Eintritt und f**k sie alle so oft Du willst“.

      Ich hatte mal eine Phase, wo ich selbst in so einem Partyclub war – einem der harmlosen; auch dort alles safer und ohne küssen.
      Man bekam 10€ pro Mann, der Eintritt bezahlte.
      Und wenn der dich aber mochte und am Abend 2 oder auch 5x mit dir aufs Zimmer wollte, BLIEB es bei den 10€. So hast Du für 2€ gevögelt.

      Aber am Ende waren es pro Abend doch 120€ – das kann helfen, ein Kind groß zu ziehen.
      Man blendet den „Einzelpreis“ dann aus und hält sich fest daran, dass man morgen wieder Essen kaufen kann für sein Kind.

      Das Märchen vom Escort?!
      Warum hört z.Bsp. eine medienpräsente Escort-Dame nach 5 Jahren ihrer so wundervollen, bereichernden und erfüllenden Tätigkeit im Escort wieder auf?
      Warum beendet man eine derart glückliche und traumhafte Zukunft als steinreiches Luxusweib freiwillig, wenn es doch so unsagbar prächtig ist?!
      Weißt darauf hin, dass es FÜÜÜÜÜNF JAHRE!!!! waren (- nur als Info: ich habe über 25 Jahre)
      Und wer glaubt denn bitte wirklich daran, dass eine Escortdame die Chance hätte, bei 2000€/Nacht oder mehr auf ein Kondom zu bestehen?! Wo das doch oft nicht mal im Appartement für 50€ noch geht?!

      Selbst wenn es vereinzelt solche Damen geben mag, dann bezahlen sie – neben all der Kosmetik, der Kleidung, Friseur, Bildung u.a. – einen sehr hohen Preis für ihren Titel.
      Weil heute nahezu JEDER Mann, der Prostitution nutzt und Geld investiert, das Beste für sich dabei herausholen will.
      Und weil sie einem heute nicht das kleinste Fizzelchen „Eigenes“ mehr gönnen. Und meist ausgerechnet jenes am meisten wollen, das Du für dich SELBST behalten willst.
      Nur so – aus Prinzip.

      Nein, Geld in solchen Mengen, dass es dieses Leid irgendwie „ausgleichen“ könnte, gibt es nicht mehr für die Huren.
      Verdienen tun Anbieter von Werbeplattformen, Zimmervermietungen, und Betreiber – aber niemals mehr die Hure.

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  21. „Aber am Ende waren es pro Abend doch 120€ – das kann helfen, ein Kind groß zu ziehen.“

    „Nein, Geld in solchen Mengen, dass es dieses Leid irgendwie „ausgleichen“ könnte, gibt es nicht mehr für die Huren.“

    Dieses „Gehalt“ irritiert etwas; würde nämlich bei 22 Arbeitstagen pro Monat 2640 Euro brutto machen.

    Als Kassiererin bei Lidl soll man 13,40 brutto pro Stunde kriegen; macht bei 160 Stunden den Monat 2144 brutto. Vielleicht auch ein bischen weniger, weil es nur 140 bezahlte und 20 unbezahlte Überstunden sind; geht da auch nicht unbedingt nett zu. Aber 1800 brutto können es immer noch sein.

    800 Euro als „Ausgleich“ für allein die psychischen Probleme, die man sich einhandeln kann, ist rein kapitalistisch betrachtet wohl zu wenig.

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    1. Würdest Du es verkraften, an 22 Abenden jeweils 20 – 25x bestiegen zu werden?
      Das macht im Monat nach deiner Rechnung für gut 2600€ über 500 Geschlechtsakte, die teilweise sehr gewaltvoll und schmerzhaft sind.
      Dies mit dem Job einer Kassiererin zu vergleichen, der man allenfalls vielleicht mal in den Ausschnitt guckt und die auch im schlimmsten Fall keine 10% der Obszönitäten über sich ergehen lassen braucht, wie eine Frau in solch einem Club, ist verzerrend und spielt der Blindheit in die Hände.

      Und soll durch deine Rechnung zum Ausdruck kommen, es sei also – weil die Kassiererin ja auch zu wenig verdient – fair und vor allem legitim, dass die Frau im Club pro „Akt“ mit 2-10€ gefälligst zufrieden ist?!

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  22. Unabhängig davon, wieviele oder eher wie wenige Frauen diesen Job freiwillig machen, das heisst Alternativen im vollen Bewusstsein willentlich und unter Inkaufnahme der wahrscheinlichen physischen und psychischen Kosten ablehnen, bin ich der Meinung, dass Prostitution nur einer von zahlreichen Berufen ist, bei welchen die Wahrscheinlichkeit, dass die körperliche und psychische Integrität des Berufsausübenden verletzt wird, sehr hoch ist. Müsste man nach derselben Logik nicht Staaten bestrafen, welche junge Männer aus meist unterprivilegierten Bevölkerungsschichten und/oder mit schwieriger Vergangenheit (und daher eingeschränkter Berufswahl) rekrutieren, um sie in der Folge meist grossen Gefahren für Körper einschliesslich Tod und schwerer Körperverletzung und Seele (bspw. PTSD) auszusetzen? Sind diese jungen Männer nicht genauso wenig wie viele der ebenso jungen Frauen nicht in der Lage, die Folgen ihrer Berufs“wahl“ abzuschätzen?

    Das eigentliche Problem ist doch, dass überhaupt eine Nachfrage nach Krieg, Prostitution und weiteren Fesseln der Menschheit besteht. Und dass jemand, der das Glück hat, seelisch vollumfänglich gesund zu sein, weder das Bedürfnis hat, (als Politiker) Krieg zu führen, noch zu einer Prostituierten zu gehen. Dass wir aber aufgrund unserer biologischen Prädisposition (fight or flight im Fall des Krieges bzw. dem Ausrottung der Stammesgesellschaften, für welche wir evolutionär eingerichtet sind, in welchen wir als homo sapiens 290’000 der letzten ca. 300’000 Jahre gelebt haben und in welchen sich auch unsere Sexualität prä-oldest profession/oppression entwickelt hat) als Gesellschaft weit von dieser biologischen Programmierung entfernt leben und es deshalb reine Symptombekämpfung ist, die Inanspruchnahme gewisser Berufe zu verbieten und andere aus Opportunitätsgründen zuzulassen.

    Vielmehr muss der Staat sicherstellen, dass Menschen, welche die Folgen ihres Handelns nicht abschätzen können oder Menschen, welche sich nicht im vollen Wissen und willentlich für eine sie in welcher Art auch immer potentiell schädliche Handlung entscheiden, geschützt werden, egal ob es sich dabei um einen Soldaten, eine angehende Prostituierte oder auch „nur“ einen Kleinkreditnehmer handelt, der sich durch die Kreditnahme in grosse Schulden stürzt.

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    1. Und im Falle der Prostitution ist der beste Schutz, den der Staat bieten kann, ein Sexkaufverbot bzw. das Gesamtpaket „nordisches Modell“ – ich spreche nicht davon, dass das alle Probleme lösen wird, aber wie ich bereits irgendwo anders in den Kommentaren erwähnte, hatten die Freier immer die Wahl, ob sie kaufen oder gehen – die Prostituierten hatten oft keine Wahl sich zu verkaufen. Es gibt noch viele andere Aspekte, warum das nordische Modell unter den vorhandenen Lösungen die Effektivste ist, aber es gibt dazu genug Material auf meinem Blog zu lesen.

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  23. Meines Erachtens beginnt das Problem damit das Sex mit den Bedürfnissen wie Essen und Trinken gleichgestellt wird. Selbst unter namhaften Psyochologen herrscht die Ansicht, wenn du keinen Sex hast, dann bekommst du ernsthafte psychische Probleme. Diese Sichtweise überträgt sich überall in unsere Gesellschaft ob in der Schule, Studium, unter Freunden oder auch Medien. Ich habe mich als Mann gleich von dieser Idee distanziert. Für mich ist Sex was sehr besonderes und ich darf es mit meiner Frau genießen. Bis dahin habe ich mich in Enthalung geübt. War das immer einfach? Nein! Aber es ist möglich und hat mir definitiv nicht geschadet. Über meine Ansicht wurde immer gelacht, aber wenn ich dann im persönlichen Gespräch mit den Männern oder Frauen darüber sprach, gaben Sie mir teilweise Recht. Ich danke für Deinen Mut sich so zu öffnen und wünsche dir alles Gute im Kampf gegen die Prostitution.

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