Aktion #ichbinkeinfreier

 

Liebe Männer,

ich diskutiere hier ja des Öfteren mit euch Freiern, Nicht-Freiern, ehemaligen Freiern. Viele fragten, was sie tun könnten, um zu helfen – und es gibt da etwas.

Eure Stimme gegen Sexkauf um andere Männer wachzurütteln und Bewusstsein zu schaffen.

Es gibt jetzt eine tolle Aktion, auf die ich aufmerksam geworden bin, bei der ihr eure Stimme erheben könnt:

„Mit dem Hashtag #ichbinkeinfreier möchten wir Aussagen sammeln, die sich gegen Freier und Prostitution äußern! Schickt uns eure Videobotschaften, Audioaufnahmen und Texte und Bilder um ein Zeichen zu setzen für ein Sexkaufverbot.

Warum bist und wirst du niemals ein Freier sein?
Warum bist du es nicht mehr?
Welchen Ratschlag gibst du den Freiern von heute?

Danke vorab für euer Engagement!

#ichbinkeinfreier“

Hier geht’s zur Facebook-Seite.

Wenn ihr ein Video oder Audio macht, werde ich eine neue Seite anlegen und eure Botschaften hier auch veröffentlichen 🙂

 

 

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2 Kommentare

  1. Da ich weder auf Facebook bin, noch bisher dazu gekommen bin, mich damit vertraut zu machen, wie man halbwegs passable Videos aufnimmt, schreibe ich hier ein paar Zeilen dazu, warum ich kein Freier bin und bisher höchstens ansatzweise in Versuchung gekommen bin, einer zu sein. Ich schreibe das im Bewusstsein, ein in dieser Hinsicht privilegierter Mann zu sein, der womöglich einfach Glück hatte:

    Die größte Nähe, die ich jemals zum „Freiertum“ erlebt habe, war eine Party. Ungefähr 15 Jahre her, ich war irgendwas Mitte Zwanzig. Ein Freund eines Kommilitonen schwärmte von seinem Leben in Amsterdam, schwärmte von den atemberaubenden Prostituierten dort und prahlte mit seinen häufigen Bordellbesuchen und dem für ihn unkomplizierten Sex, den er dadurch mit diesen so wahnsinnig tollen Frauen hätte. – Ich möchte explizit dazu schreiben: Auf einer Attraktivitätsskala von 1 – 10 würde ich diesen meinen Mitmann mit viel Wohlwollen auf einer 3 einstufen.

    Was also sagte mir das als als jungem Mann mit einem nicht sonderlich ausgeprägten sexuellen Selbstbewusstsein damals:
    1.) Was? Der Typ ist sicher nicht attraktiver als ich und hat Sex mit wahnsinnig gut aussehenden Frauen? Ungerecht!
    2.) Hey, super, das hört sich ja schon irgendwie ganz verlockend an. Sollte ich wohl mal nach Amsterdam…?
    3.) Hm, mit diesem Typ kann ich mich aber irgendwie so gar nicht identifizieren. Wenn es solche Männer sind, die zu Prostituierten gehen: Will ich wirklich ein solcher Mann sein?

    Ab diesem Gedanken war das Thema für mich durch. Es war also keineswegs Empathie mit Frauen oder Bewusstsein für das Leid von Prostituierten, das mich davon abhielt, „auf den kurz in meinem Leben zwischenstoppenden Freier-Zug aufzuspringen“. Es hatte eher was mit Selbstachtung zu tun. Vielleicht sogar mit Arroganz.

    Wenn ich bei mir tiefer grabe, dann haben sicher eigene Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend etwas damit zu tun, warum zumindest ein Teil meiner Persönlichkeit den Gedanken, „Sex gegen Geld zu haben“ unmittelbar abstoßend findet. Wenn es so etwas wie eine psychologische Identifikation mit dem Aggressor gibt, gibt es bei mir wohl auch so etwas wie eine unmittelbare Identifikation mit dem Opfer meiner eigenen Aggression. Irgendwie ist mir die meiste Zeit meines Lebens – nicht immer, es gibt da unrühmliche Ausnahmen – bewusst, dass derjenige, dem ich da was antue, zugleich auch ich selber bin.

    Keine Ahnung, ob das auch für andere Männer was hergibt. Ich vermute aber, dass nahezu jeder Mann bis zum Erwachsenenalter ausgiebige Gewalterfahrungen gemacht hat, in denen er sich regelmäßig auch immer wieder auf der Opfer-Seite wiedergefunden hat. – Die Frage ist wohl, welche Schlüsse man aus solchen Erfahrungen für sich zieht. Die Schlüsse, die meine kleine Seele recht frühe aus dem gezogen hat, was ich als Kind erlebt habe, gehen alle in die Richtung, dass es sich für mich entwürdigend anfühlt, Sex als Dienstleistung zu sehen und Prostituierte als Dienstleisterinnen, in etwas so als würde ich einen Haarschnitt in Anspruch nehmen und nicht etwas ganz ganz anderes.

    Auf eine krankhafte?, gesunde? Weise ist mir bei Sex immer bewusst, dass da ein anderes fühlendes Wesen mit mir Zugange ist, dass es für mich bei Sex um Intimität geht. Auf eine sehr unmittelbare Weise bleibt Sex für mich völlig unbefriedigend, wenn es dabei nur um meine Lust geht und ich auch nur die leiseste Wahrscheinlichkeit empfinde, dass mir grad was vorgespielt wird. Natürlich weiß ich, dass es auch rein körperlichen Sex gibt, pure Triebabfuhr, nix mit Gefühlen. Für mich ist das aber schlicht nicht sonderlich attraktiv. Und irgendwie glaube ich übergriffigerweise auch, dass sich viele Menschen selbst was vormachen, die sich erzählen, dass man Intimität und Sex supergut trennen kann. Aber ausschließen kann ich natürlich nicht, dass es da einfach Unterschiede zwischen Menschen gibt. Zumindest lese und höre ich immer wieder von Menschen, die Geschichten erzählen, die nahelegen, Sex ohne Gefühle sei was ganz besonders Tolles. Ich selbst fand alles, was bei mir in diese Richtung lief, immer ziemlich ernüchternd und deprimierend.

    Der Hauptgrund, warum ich kein Freier bin, ist damit wohl ein ziemlich banaler und kein besonders edler Grund: Ich habe das Gefühl, das mir das nichts geben würde. Ich würde mich selber beschmutzt und von mir selbst gedemütigt fühlen. Ich würde mich in erster Linie vor mir selber schämen und habe Angst, was diese Gefühle nach und nach aus mir machen würden. Vielleicht habe ich gerade auch Angst davor, dass ich das vielleicht doch ganz gut finden würde. Und das ist für mich ungefähr genauso verlockend wie der bewusste Einstieg in einer Karriere als Junkie: Das soll sich ja auch erst mal ganz toll anfühlen und einem unmittelbare emotionale Erleichterung verschaffen, wenn man sich grad mal wieder nicht so supertoll fühlt.

    Und noch ein Grund fällt mir ein, der an die Geschichte oben anschließt: Ich habe mir meine männlichen Freunde immer sehr genau und sehr bewusst ausgesucht. Keine Ahnung, ob das für mich oder gerade gegen meine Gründe spricht. Aber dadurch bin ich wohl weitaus weniger in Versuchung gekommen, Freiertum zu einem Teil meines Lebens zu machen.

    Es gibt heute auch einen Haufen rein rationaler Gründe, die wohl in Wirklichkeit weniger Gewicht haben als mir lieb wäre: Ich weiß, dass es falsch ist. Ich weiß – auch durch diesen Blog – dass es zu einem Gewaltsystem beiträgt, dass ich ablehne. Ich weiß, dass so wie Jungen heute immer noch erzogen werden, bei Männern und damit auch bei mir eine künstliche emotionale Abhängigkeit von Frauen erzeugt wird, die ich bei mir selber abzubauen versuche, soweit ich es nur kann. Ich weiß, dass ich Freier-Sein mit meiner mühsam erarbeiteten heutigen Identität nicht vereinen kann und ich Teile von mir Abspalten müsste, um Freier sein zu können. Das erscheint mir ungesund. Für mich, für meine Beziehungen, die mir wichtig sind. Und vielleicht auch für mein Karma, an das ich nur mal eben so halb glaube.

    Kurz gesagt: Ich bin aus purem Egoismus kein Freier. Und ich mag diesen Egoismus von mir.

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