Veranstaltung in München am Freitag, den 16.03.18

 

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Interessierte Menschen sind eingeladen zu uns nach München zu kommen!

Und:

„Presseeinladung vom KOFRA: „Spätestens seit der Einführung des umstrittenen Prostituiertenschutzgesetzes stoßen Berichte zu Prostitution oder „Sexarbeit“ auf großes öffentliches Interesse. Dabei dominieren zwei Darstellungsmuster die Debatte: Auf der einen Seite steht ein romantisierender Blick mit der selbstbestimmten und selbstbewussten Sexarbeiterin im Mittelpunkt; ihr mediales Gegenbild ist die unfreiwillig in die Prostitution gedrängte Frau, oft die sehr junge Frau aus dem Ausland, die als Opfer von Menschenhandel in die Prostitution nach Deutschland gezwungen wurde. Die Realitäten der Prostitution und des Erlebens der eigenen Prostituierung, die Vorbedingungen, der Mangel an Ressourcen, die zu dieser Situation führen und auch die für die gesamte Gesellschaft bedeutenden Konsequenzen verschwinden hinter diesen Dichotomien.

Wie sieht die Realität von diesen Bildern aus? Welche Gemeinsamkeiten gibt es in der Prostitution? Und wie soll eine kritische Zivilgesellschaft mit den Folgen umgehen?
Wir sehen einen deutlichen Bedarf und Wunsch in der Öffentlichkeit nach einer sachlichen und faktenbasierten Auseinandersetzung mit der Thematik.

Wir haben die große Freude, Dr. Melissa Farley in München begrüßen zu dürfen. Dr. Farley wird aus ihrer langjährigen und international anerkannten Forschungsarbeit zu Traumatisierungen in der Prostitution berichten.

Anschließend wird Dr. Ingeborg Kraus aus ihren Erfahrungen als Traumatherapeutin heraus zu diesem Themenkomplex Stellung nehmen ebenso wie Marie Merklinger und Sandra Norak, denen der Ausstieg aus der Prostitution gelungen ist.

Wir laden interessierte Journalistinnen und Journalisten sehr herzlich zu dieser Veranstaltung ein. Vor der Veranstaltung wird es eine halbe Stunde Zeit für Ihre Fragen an die Rednerinnen geben, und auch nach den Vorträgen freuen wir uns auf eine rege und konstruktive Diskussion.“

Programm:
In diesem hochkompetent besetztem Podium mit Publikumsdiskussion – mit Vortrag und Berichten von Prostitutions-Überlebenden – geht es genau darum: einen schonungslosen Blick darauf zu werfen, was Prostitution wirklich ist: Gewalt an Frauen. Diskutieren Sie mit den Podiumsteilnehmerinnen.

Begrüßung durch Renate Uzun-Raming, Soziologin und Mitarbeiterin im FrauenTherapieZentum.

  • Dr. Melissa Farley, amerikanische Forscherin. Vorsitzende der Organisation „Prostitution Research & Education“, Autorin mehrerer Werke zu Prostitution, sowie die Leiterin internationaler Studien zu den Frauen in der Prostitution und zu Freiern.
  • Marie Merklinger, Prostitutions-Überlebende, SPACE-Aktivistin, Deutschland .
  • Sandra Norak, Prostitutions-Überlebende und Aktivistin, Mitglied von SISTERS e.V., Deutschland.
  • Dr. Ingeborg Kraus, Fachtherapeutin für Psychotraumatologie die auch mit Prostitutions-Überlebenden arbeitet, sagt was Prostitution mit Menschen machen kann.

Moderation: Dr. Inge Kleine vom Kofra, dem Kommunikationszentrum für Frauen zur Arbeits- und Lebenssituation.

Zeit: Freitag 16. März von 19:00-21:00 Uhr (Pressegespräche ab 18.30)
Ort: FrauenTherapieZentrum, Güllstr. 3/ 2. Stock, München
Kosten: 7,–€
Anmeldung: kofra e.V., Tel: 089/ 2010450, kofra-muenchen@mnet-online.de, http://www.kofra.de

Quelle: http://www.trauma-and-prostitution.eu/2018/02/02/prostitution-die-unzensierte-wahrheit-muenchen-a-16-03-2018/

11 Kommentare

  1. War eine sehr gute Veranstaltung, die mich zu meiner Überraschung auch emotional ziemlich mitgenommen hat. Überrascht hat mich das nicht nur, weil ich mich jetzt schon seit dem Artikel über Sandra im Spiegel mit der Thematik beschäftige und also „ja eigentlich alles schon mal gehört habe“, sondern auch, weil ich seit Jahren beinahe täglich unmittelbar mit Menschen arbeite, die psychisch stark belastet sind und daher eigentlich ziemlich abgebrüht bin.

    Was ich mich danach gefragt habe: Wie bekommt man Menschen dazu, sich überhaupt mit der Thematik Misshandlung, Vergewaltigung und nachhaltige Schädigung von Menschen durch das System Prosititution zu beschäftigen, wenn das so unangenehme Gefühle auslöst? Denn das Bild der selbstbestimmten Escort-Frau, das immer wieder durch die Medien geistert, ist ja viel beruhigender für die Alltagsseele. Mrs. Farley hat auf der Veranstaltung in München ja auch davon gesprochen, dass es diesen Reflex bei uns gibt, bei einem Obdachlosen auf der Straße unmittelbar wegzuschauen und sich zu denken „Na, SO schlimm wird’s dem schon nicht gehen!“ – und dass das mit der Prostitution ähnlich sei.

    Hat hier jemand Ideen dazu, wie man überhaupt für ein Thema, dass eher so richtige Scheiß-Gefühle bei denen auslöst, die sich noch nie damit befasst haben, öffentliche Aufmerksamkeit wecken kann? – Oder geht das doch eher nur privat, im eigenen Umfeld? Eben weil wir öffentlich immer eher auf die Escort-Geschichte schauen werden und uns davon hypnotisieren lassen?

    Ich denke, dass man Menschen, wenn man sie für eine Idee gewinnen will, immer erst mal nehmen muss, wie sie sind. Also dass Moralisieren wenig bringt, so berechtigt das gerade in diesem Fall ist. Daher suche ich grad für mich nach „psychologischen Hebelpunkten“, wie man auf wirksame Art Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit generieren kann – über den Kreis der Betroffenen und langjährig an dem Thema Interessierten hinaus?

    In Filmen und in Büchern sind wir von Drama, Leid und Gewalt ja oft fasziniert. Aber wenn es um drastisches und dauerhaftes Leid in der Realität geht, noch dazu „nebenan“, scheinen wir davon so wenig wie nur möglich wissen zu wollen. Das ist zumindest meine derzeitige Erklärung, warum unsere „offizielle“ Gesellschaft nahezu nichts von den ständigen, weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen, Traumatisierungen und der Sklaverei in der Prostitution in Deutschland wissen will.

    Das ganze Thema wird abgespalten. Man kann geradezu von einer „Verdrängungs-Gesellschaft“ sprechen. Was da hinten „in der Schmuddelecke“ passiert, ist „nicht so schlimm“ und „gehört halt dazu“.

    Bin echt grad etwas ratlos. Und daher auch dankbar für Ideen, wie man an diesem gesellschaftlichen Verdrängungsmechanismus des Leids in der Prositution vorbeikommt. Wie man also gute Öffentlichkeitsarbeit für das Schwedische/Nordische Modell machen kann?

    Vielleicht – absurder Weise – auf „weitere Verbesserungen der Situation von Prostitutionen“ setzen? Das Leid gar nicht so sehr betonen und mehr das „es kann NOCH viel besser werden“? Es gibt ja Studien dazu, dass das im Raum der Politik besser funktioniert, wenn man weitgehende politische Veränderungen erreichen will.

    Oder provokative Interventionen? („Alles super – Schicken auch Sie ihren Sohn/Tochter zu uns ins Bordell, wo wir sie nach allen Regeln der Kunst ausbilden werden! Schläge, Angst und Drogen gehören dazu und geben einem in dem Beruf den letzten Kick“ oder „In welchem Beruf hat man das noch: Einen echten Mentor, der einem richtig viel Aufmerksamkeit schenkt? – Bei uns bekommen Sie ihren Loverboy zugeteilt! Bei uns hast Du immer einen Ansprechpartner, der sich nicht nur um Dich, sondern auch um Dein erarbeitetes Geld liebevolle kümmert!“ – Dazu entsprechende Bilder).

    Was meint Ihr, was öffentlich wirksam sein könnte angesichts des Wegschau-Reflex‘? Habt Ihr noch andere Ideen? Das Leid von Prostitutierten scheint ja nicht wirklich zu interessieren, einfach weil es „zu unangenhem“ ist, daran zu denken, und Schuldgefühle auslöst, die lieber schnell weg verdrängt werden.

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    1. Super, dass du da warst! Ich glaube es hilft nur immer und immer wieder auf die Missstände hinzuweisen. Nicht locker lassen, weitermachen und den Leuten nahe bringen, dass all das Leid, wovon sie glauben, es sei so weit weg von Ihnen, nicht weit weg ist, sondern überall existiert und jeden von uns treffen kann. Auf weitere Verbesserungen wie du schreibst würde ich nicht setzen. Der Gewaltakt mit Freiern bleibt Gewalt und kann durch nichts verbessert werden. Um weiterzukommen, muss man es aussprechen wie es ist, wenn auch viele erstmal Scheuklappen aufsetzen, weil sie die Realität nicht ertragen. Das ist meine Meinung. Liebe Grüße

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  2. Danke Dir für Deine Antwort! 🙂 – Ja, das ist auch meine natürliche Reaktion und auch das, was ich bisher versuche. Ich mache mir nur etwas Sorgen, ob das wirklich so funktioniert. Ich glaube, die psychologischen Abwehrmechanismen in der vom Leid in der Prostitution nicht unmittelbar betroffenen Bevölkerung sind sehr stark.

    Vielleicht ist es also wirklich „steter Tropfen höhlt den Stein“. Vielleicht holen wir uns aber auch nur eine zugeschlagene Tür nach der anderen ab.

    Werde für mich weiter schauen, ob mir etwas einfällt.

    Die Sache mit dem „Noch-Besser-Storylines funktionieren besser, wenn man tiefgreifenen Wandel will“, findet sich z.B. hier beschrieben:

    https://www.republik.ch/2018/01/15/demokratie-unter-irrationalen

    „zwei Experimente, die der Yale-Professor John Bargh in seinem Buch über das unbewusste Denken zitiert:

    2003 gelang es einem Team, Liberale deutlich konservativer denken zu lassen. Dadurch, dass man sie über den eigenen Tod nachdenken liess, bevor man sie über Politik befragte. (Damit erklärten sich die Wissenschaftler auch den deutlichen Rechtsruck in den USA nach dem World-Trade-Center-Attentat: mehr Angst.)

    2013 gelang es einem anderen Team, Republikaner linker denken zu lassen – indem man ihnen vorher die Aufgabe gab, sich vorzustellen, sie seien so unverwundbar wie Superman. Danach waren die Ansichten der Konservativen plötzlich deutlich liberaler. (In gesellschaftlichen Fragen, nicht in der Wirtschaftspolitik.)“

    „Positive Geschichten“ scheinen Veränderungen zu fördern. „Horrorgeschichten“ scheinen einen Wir-bleiben-lieber-bei-dem-was-wir-haben-Reflex bei uns Menschen auszulösen.

    Überträgt man das Problem auf die Einführung des Schwedischen Modells in Deutschland, so könnte es sein, dass die Geschichte „wir können es noch viel besser machen“ psychologisch-politisch einfach wirksamer ist als die Geschichte „die Zustände sind katastrophal – wie müssen als Gesellschaft etwas machen“.

    Obwohl Letzteres natürlich der psychologischen Wahrheit der Menschen in der Prostitution weitaus mehr entspricht. Die psychologische Wahrheit der von dem Leid – vermeintlich – unbetroffenen ist jedoch eine andere. Und genau diese riesige Gruppe von Bürgern müssen wir ja adressieren, wenn wir wirklich eine Gesetzesänderung erreichen wollen.

    So zumindest meine derzeitigen Gedanken.

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    1. Danke für diese Gedanken. Ibrahim. Danke für den Link. Ja, es ist schwierig, aber weitermachen is trotzdem die einzige Option, aufgeben und resignieren ist so viel schlimmer. Ich kenne das auch ein bisschen aus anderen Bereichen, dieser ewige Kampf gegen die Trägheit, das Unwissen, die Empathiekosigkeit der Gesellschaft im Allgemeinen. Man darf sich andererseits nicht zu sehr aufreiben am Leid, Häßlichen und Unrecht, sollte zur Ausgeglichenheit kommen – meditieren hilft, komischerweise gibt es einem auch eine entspanntere Sicht der Dinge. Das wiederum hilft, rationaler und zugleich empathischer zu handeln. Verrückt, unser Gehirn.

      Mein Dank gilt natürlich auch ganz besonders Sandra – wie mutig, schlau, stark, und entschlossen du bist. Wirklich ein Riesenvorbild – gerade auch. weil du das alles durchgemacht hast, und trotzdem diese Kraft entwickelt hast. Danke für deinen Mut, deine wichtige Arbeit/Mission und diese spannend geschriebene Webseite.

      Ich bin eine von den ‚Normalen‘, die von außen auf das Thema gucken, Natürlich habe ich für das Sexkaufverbot unterschrieben. Mehr werde ich wohl nicht machen können, da ich zusätzlich zur Arbeit und Familie bereits im Umwelt- und Naturschutz eingebunden bin. Aber ich werde immer wieder hier reinschauen, und den Diskurs und die Blogs verfolgen. Ich werde die Inhalte teilen. Aufmerksam geworden bin ich auf die ganze Thematik übrigens über die Webseite der Fotografin Bettina Flitner.

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    2. Ich erlebe das auch immer wieder, dass ein Wegschauen und Leugnen fast wie automatisiert stattfindet. Das hatten wir in unserem Land ja schon einmal und ich glaube es „funktioniert“ auch woanders. Wenn man nicht betroffen ist, möchte man auch nicht damit behelligt werden. Vielleicht höhlt der stete Tropfen doch irgendwann den Stein. Die Schweden haben es geschafft – und es ist schon über zwanzig Jahre her und Deutschland ist noch nicht nachgezogen. Das gibt zu denken. Es scheinen Interessen zu existieren, Prostitution in den bisherigen Bahnen weiterlaufen zu lassen. Wer profitiert davon? Un warum? Das sind Fragen, die ich mir stelle. Noch krasser wird es, wenn man das Thema „rituelle Gewalt“ (die in weitern Teilen ja mit Prostitution verknüpft und verwoben ist) ins Spiel bringt. – Ich glaube, es ist gut, nicht zu resignieren und einfach weiter seine Stimme zu erheben. Großen Dank an Sandra!

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      1. So empfinde ich auch. Wir leben in EINER gemeinsamen Welt und sind miteinander verbunden. Egal was wem irgendwo zustößt: Es hat auch Folgen für einen selbst. Und unsere Stimme hat eine eigene Kraft, die bei anderen Spuren hinterlässt, auch wenn diese Wirkungen nicht immer gleich sofort spürbar sind. Sie sind da. Zu weiter die eigene Stimme erheben gibt es also allen Grund. 🙂

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