Allgemein

3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen, April 2019 in Mainz

Anfang April 2019 fand der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen an der Universität Mainz von CAP International (http://www.cap-international.org/) zusammen mit SOLWODI (https://www.solwodi.de/) und Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. (https://www.armut-gesundheit.de/) statt.

Mehr Informationen zum Kongress hier https://www.solwodi.de/seite/388513/weltkongress-2019.html und hier https://solwodiweltkongress.blogspot.com/.

Nachfolgend meine Rede (im Video bleibt leider ein paar Mal der Ton weg).

 

Ein historisches Urteil!

 

Heute wurde Deutschlands wohl bekanntester Bordellbetreiber Jürgen Rudloff nach einem fast 1-jährigen Prozess zu einer 5-jährigen Freiheitsstrafe u.a. wegen Beihilfe zum Menschenhandel verurteilt. Seit Jahren propagierte er in den Medien und Talkshows die saubere Prostitution, während im Prozess festgestellt wurde, dass in seinem Bordell die Hells Angels und United Tribuns[1] das Sagen hatten. Auch sein Marketing-Chef Michael Beretin, der ebenfalls in Talkshows und Medien von der heilen Welt der Prostitution sprach, wurde zu 3 Jahren und 3 Monaten verurteilt.

„Mit der Eröffnung seines Großbordells Paradise in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) im Jahr 2008 hatte Jürgen Rudloff medienwirksam eine „saubere Prostitution“ propagiert. Er bot eine „Wellnessoase für den Mann, in der Frauen freiwillig arbeiteten“.[2]

Das Urteil ist historisch, denn erstmals wird ein Bordellbetreiber zur Verantwortung gezogen.

„Es ist der erste umfangreiche Großprozess, der kriminelle Praktiken hinter legaler Prostitution offen gelegt hatte.“[3]

Die meisten Bordellbetreiber wissen oder nehmen zumindest billigend in Kauf, dass die Prostituierten, die bei ihnen in das Bordell kommen bzw. gebracht werden, Opfer von Menschenhandel sind. Sie nehmen es in Kauf, weil sie ansonsten ihren Laden nicht vollkriegen und einen wirtschaftlichen Ruin erleiden würden, wie auch dieser Prozess zeigt.

Das war eine herausragende Arbeit der Ermittlungsbehörden!

[1] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/Mammutverfahren-vor-dem-Stuttgarter-Landgericht-Urteile-im-Paradise-Prozess-erwartet,paradise-prozess-urteil-erwartet-100.html.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

 

Hilke Lorenz zum Prozess:

 

 

Hier geht’s weiter zum ganzen Artikel:

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.urteil-im-paradise-prozess-keiner-kann-mehr-sagen-ich-weiss-nicht-was-in-bordellen-passiert.84fed5bb-ebeb-4134-93cc-02a3b23e7280.html?fbclid=IwAR1JgHSvSwemtGO9Ciuf9zIi3waTqv8MsmiXOvAmrbAdC84LWqee0pqnQGM

Antwort von Frau M. an Frau Balthus – Der pädophile Blick: Balthus doppelt

In meinem letzten Posting habe ich einen Kommentar über Frau Balthus Artikel in der WELT geschrieben, den sie auf eine Strafanzeige hin (von Frau M.) dort veröffentlicht hatte. Die Anzeige wurde von Frau M. wegen Verdachts auf Verbreitung kinderpornographischer Schriften gestellt. Ich habe die von Frau M. angezeigten Bilder nach ihrem Hinweis damals an mich (online) auch auf Frau Balthus (zu dieser Zeit noch öffentlich zugänglichen) tumblr-Account gesehen und ein Vorgehen dagegen aus Kinder – und Jugendschutzgründen für gut geheißen.

Für die Öffentlichkeit war diese Sache sicherlich nicht gedacht, da Frau Balthus es allerdings mit ihrem Artikel selbst in die Öffentlichkeit getragen hat, musste sie auch mit einer öffentlichen Klarstellung rechnen, die Frau M. jetzt veröffentlich hat.

Frau M. spricht in ihrem Text selbst über die Anzeige und über Frau Balthus Artikel in der WELT, denn sie möchte einige Dinge klarstellen. Ich möchte ihr hier eine Stimme geben und ihren wichtigen Text teilen. Ich finde es unmöglich was hier passiert, wie die WELT Frau Balthus Text eine Plattform geben konnte.

Die WELT hat auch vorher bereits im Feuilleton (!) und online einen Text von Frau Balthus veröffentlicht, wo mit Pädophilie gespielt, es in Verbindung mit Prostitution gebracht und das Ganze sehr verharmlost wird. Hier nur ein Zitat daraus (es geht im Text um eine Begegnung von Frau Balthus mit einem ihrer Prostitutionskunden, einem Juristen): „Nur die wenigsten Kunden lehnen meine quasi-pädophilen Rollenspiele ab, wenn ich sie von mir aus anbiete; auch er nicht. Und ich verrate Ihnen, ohne ins Detail zu gehen, auch noch so viel: die 13-jährige Lolita, die wollte er nicht von mir. Für ihn durfte ich höchstens neun sein.“ https://www.welt.de/kultur/das-kanarienvoegelchen/plus182232176/Das-Kanarienvoegelchen-Das-Gesetz-der-Doppelmoral.html

 

Es reicht jetzt mal mit der medialen Unterstützung von pädokriminellem Gedankengut?!

 

Hier der Text von Frau M.:

 

Der pädophile Blick: Balthus doppelt

 

Balthus: so nannte sich ein Maler, der junge Mädchen in einer sexualisierten Weise portraitierte, um den pädophilen Blick anzusprechen.

Wie man mit derartigen Bildern umgehen soll, wird inzwischen zumindest diskutiert. Im Gegensatz zu Zeiten, wo der männliche Blick sich auch in gewaltsamer Form vollkommen kritiklos in Kunst und Kultur reproduzieren konnte, ist das ein Fortschritt. Denn endlich wird zumindest hin und wieder die Stimme derer in der Debatte wahrgenommen, für die dieser Blick und damit verbundene Handlungen das Gegenteil von erotisiert ist, sondern Bedrängnis, Übergriff und Ohnmachtserfahrung bedeutet.

Der Versuch, diese Stimmen als „prüde“ oder „sexfeindlich“ darzustellen, ist eine altbekannte sexistische Abwehr. Aber zu dieser Asbach-Uralt-Argumentation greift im Zweifelsfalle, wenn nichts mehr hilft, noch immer so manch Antifeminist – oder eben auch Antifeministin.

Salomé Balthus, die ihr Pseudonym wohl nicht zufällig dem genannten Maler entlehnt hat, empört sich in ihrer Welt-Kolumne am letzten Wochenende über eine Anzeige, die sie von mir wegen Verbreitung kinder- und tierpornografischer Schriften erhalten hat. An den Aussagen in ihrem Artikel stimmt nur das wenigste, daher ist eine Klarstellung notwendig.

In ihrer Darstellung streicht sie „kinder-“ und „tier-“ aus ihrer Schilderung, so dass sich die Anzeige scheinbar allein gegen pornografische Schriften richtet und, wie sie suggeriert, aus reiner Sexfeindlichkeit und übersteigertem Feminismus motiviert ist. Ihr zufolge befanden sich auf ihrem Tumblr: „Manga-Comics, Filmchen von Meow!-Projekt und Filmausschnitte von ‚Pretty Baby‘ (Louis Malle) oder ‚My little Princess‘ (Eva Ionesco) – morbider Kitsch, wie ich ihn liebe.“ So spielt Balthus herunter, was faktisch auf ihrem damals offen zugänglichen Blog „salomenude“ zu sehen war und zu diesem Zeitpunkt noch immer ist. Sie  verleugnet, dass sie sehr wohl Darstellungen von Kindern in sexualisierter Form postete, gezeichnete wie fotografierte. „Welche Kinder?“, fragt sie im Welt-Artikel.

Ein paar Beispiele: ein nacktes gezeichnetes Mädchen im Grundschulalter, das seitlich steht und ihren Körper vorwölbt. Das Bild stammt von der Quelle „hot-hentai-girls“. Hentai ist der japanische Begriff für gezeichnete Pornografie. Die Zeichnung eines kleinen nackten Mädchens, das auf dem Bett liegt und angstvoll aufsieht. Auf ihren Oberschenkeln und in ihrem Schambereich ist dunkle Soße verspritzt. Auch sie stammt von „hot-hentai-girls“. Das Gif, ein Minifilmchen, eines frühpubertär wirkenden, mit einer Augenmaske versehenen Mädchens, über dessen Körper die Hände Erwachsener fahren. Unterschrift: „Bring your friends“. Hashtags darunter: #gang bang #orgy #group rp. Die Zeichnung eines kleinen Mädchens, das auf einem Mann sitzt, dessen Penis in ihr sichtbar ist und ejakuliert. Fotos von Eva Ionesco als Kind, in sexualisierten Posen.

Eva Ionesco wurde von Balthus ja selbst erwähnt und unter „morbider Kitsch“ subsumiert. Doch in Wahrheit war Ionesco als Kind ab dem Alter von vier Jahren der sexuellen Ausbeutung durch ihre Mutter ausgesetzt, die Ionesco in besagten Posen fotografierte, und die Fotos an Interessenten weiterverkaufte. Ionesco verarbeitete dies vor einigen Jahren in dem Film „I am not your fucking princess“ und benennt ganz klar das, was ihr angetan wurde als Missbrauch.

Das Verfahren gegen Balthus wurde eingestellt. Dass das passiert, war leider nicht unwahrscheinlich, da die meisten Anzeigen wegen Kinderpornografie eingestellt oder wie Bagatelldelikte behandelt werden. Ausgerechnet in der Welt, die Zeitung also, in der Salomé Balthus derzeit ihre Texte veröffentlicht, findet sich ein Artikel, der beschreibt, wie die Justiz Kinderpornografie wie ein Kavaliersdelikt behandelt. Bei nicht wenigen der Täter handelt es sich um Justizbeamte.

Im Schreiben des Berliner Staatsanwalts zur Verfahrenseinstellung steht: „Tierpornografische oder kinderpornografische Inhalte (stilisierte Mangabilder zählen hierzu nicht) konnten auf der von Blogging-Plattform nicht festgestellt werden.“ (Original-Schreibweise)

Doch darin irrt der Staatsanwalt: „Für die Verwirklichung des § 184b StGB in der Tatvariante der „Verbreitung von Kinderpornographie“ ist es bereits nach dem Gesetzeswortlaut völlig ausreichend, wenn es sich um ein fiktives Geschehen handelt.“ Unter Kinderpornografie zählt des Weiteren seit 2008 auch das Posing: „Da nach dem Gesetzeswortlaut eine Stimulation oder Manipulation am Körper des Kindes nicht mehr erforderlich ist, unterfallen Posing-Bilder nun auch dem § 184b StGB.“ (Quelle für beide Zitate)

Diese gesetzliche Fassung ist richtig so. Denn alles, was erkennbar zur sexuellen Stimulierung durch Kinder dient, auch wenn es in gezeichneter Form als Manga ist, bejaht zugleich generell das Leiden von Kindern als sexuelles Vergnügen für Pädokriminelle. Es verharmlost diese zutiefst verabscheuungswürdige Haltung und im schlimmsten Falle Handlungen gegenüber Kindern und trägt zu deren Normalisierung bei. Des Weiteren verwenden Pädokriminelle beim Grooming auch Kinderpornografie, um den von ihnen angezielten Kindern vorzugaukeln, das, was sie vorhaben, sei doch normal. Sandra Norak erläutert in ihrem Kommentar zu Balthus Welt-Artikel, dass es u.a. genau darum auch in der Gesetzgebung geht: „Der Regelungszweck des § 184b StGB oder § 184c StGb ist mitunter auch eine Bestrafung der mittelbaren Förderung des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie die Verhinderung von Anreiz und Nachahmung.“

Für Betroffene sexueller Gewalt als Kind ist das Vergnügen anderer an diesem erlebten Leiden wie ein Faustschlag in den Magen. Viele inzwischen Erwachsene, von denen als Kinder filmische oder fotografische Darstellungen der angetanen sexuellen Gewalt verbreitet wurden, leiden zusätzlich darunter, dass diese Bilder und Filme weiter im Umlauf sind und weiter zur sexuellen Anregung für Pädokriminelle dienen, die mit ihrem sexuellen Vergnügen daran die Gewalt fortsetzen – und zusätzlich durch ihre Nachfrage die Produktion weiter ankurbeln. Eva Ionesco zum Beispiel verklagte, leider vergeblich, ihre Mutter auf Herausgabe der Fotos. Diese werden nun u.a. auf Salomé Balthus Tumblr verbreitet.

Das Problem ist nicht Balthus allein, denn die meisten ihrer Bilder und Filme sind Reposts, kommen also von anderen Quellen. Hunderte und Tausende davon müssen sich demnach allein auf Tumblr befinden. Der Konsum von Kinderpornografie ist inzwischen allgemein so weit verbreitet, dass die britische Polizei jüngst davon sprach, dass jede und jeder davon ausgehen könne, im eigenen Bekanntenkreis jemanden zu haben, der das tut. Doch die Quellen auf Tumblr, von denen Balthus ihre Bilder bezog, sind anonym oder befinden sich außerhalb des Zugriffs der deutschen Justiz. Salomé Balthus aber ist bekannt, weil sie in der Öffentlichkeit als Fürsprecherin der Prostitution auftritt. Seitdem sie öffentlichkeitswirksam ihre Escort-Agentur eröffnete, wird sie durch beinahe alle Medien gereicht. Umso mehr Einfluss haben ihre öffentlichen Verlautbarungen, unter die auch Blogs wie ein Tumblr zählen. Der, auf dem sie die angezeigten Bilder postete, war zu dem Zeitpunkt der Anzeige öffentlich frei zugänglich. Mit zwei Klicks kam man von ihrem Facebook-Profil, mit dem sie sich in öffentliche Debatten einmischt, über ihren dort verlinkten, nach ihrem Pseudonym benannten Tumblr zu dem besagten Blog. Inzwischen hat sie ihn auf privat gestellt, so dass nur Menschen mit eigenem Tumblr-Account ihn sehen können. An den Inhalten hat sich nichts geändert. Lediglich eine Warnung fordert nun unter 18-jährige dazu auf, die Seite zu verlassen.

Balthus versucht in ihrem Artikel, die Anzeige einer Art Feindschaft gegen sie als Prostituierte zuzuschreiben – denn dass es an Kinderpornografie liegen könnte („Welche Kinder?“) hat sie ja bereits abgestritten. Doch darin irrt sie. Um ihre Verharmlosung und Beschönigung von Prostitution geht es nicht. Die diesbezüglichen unterschiedlichen Haltungen sind ein Fall für politischen Diskurs, nicht für eine Anzeige, und meine Haltung zu Prostitution habe ich bereits dargelegt. Kinderpornografie ist für sich Grund allein, jemanden anzuzeigen.

Doch bei diesem Versuch, von dem eigentlichen Grund für die Anzeige abzulenken, bleibt Salomé Balthus nicht stehen. Sie greift tief in die Kiste antifeministischer Argumentation, indem sie ein Bild von Beratungsstellen für Betroffene von sexueller Gewalt zeichnet, das dem des unrühmlich geprägten Schmähbegriffs der „Opferindustrie“ entspricht: auf Schauergeschichten nur so lauernde Frauen, die  von ihr als „Retterlesben“ bezeichnet werden. Sie malt sich aus, wie diese Beraterinnen hilfesuchende Betroffene nicht nur anfeuern, sich zu offenbaren, sondern sich an deren Berichten auch noch aufgeilen. Ja, das klingt ziemlich schlimm, aber in einer Welt-Kolumne hinter Paywall darf man sowas offenbar schreiben.

Immerhin für einen Lacher sorgte ihr Text. Sie beschreibt eine Begegnung mit mir, die faktisch nie stattgefunden hat. Ein „gedrungenes Wesen“ habe sich ihr bei einer Veranstaltung genähert, „eine ältliche Matrone mit Bürstenhaarschnitt“. Gerne würde ich Salomé Balthus zumindest viel Fantasie zusprechen, aber auch bei meiner Beschreibung greift sie fern jeder Originalität auf altbekannte Negativstereotype aus der antifeministischen Mottenkiste zurück. Das konservative, männliche Publikum, dessen Beifall sie sich damit und mit ihrem enthemmten Bashen von Frauenberatungsstellen, Lesben und Feministinnen allgemein erheischt, wird sich in seinem Weltbild bestätigt fühlen und den erhofften Beifall spenden.

An den Tatsachen ändert aber auch dieser Beifall nichts: dass Salomé Balthus, Schwärmerin für Maler Balthus, auf ihrem Tumblr Kinder und Kinderdarstellungen in sexualisierter Form dem pädophilen Blick darbietet. Inzwischen gerichtlich abgesegnet. Der Welt-Artikel ist Ausweis des Oberwassers, das Menschen, die sowas tun, nach Verfahrenseinstellungen haben.

Quelle:

https://ifgbsg.org/der-paedophile-blick-balthus-doppelt/

Kinder-, Jugend-, und Tierpornographische Schriften – wie hoch sollte das Schutzniveau sein?

Heute habe ich einen Artikel in der WELT gelesen:

https://www.welt.de/kultur/das-kanarienvoegelchen/plus183220406/Das-Kanarienvoegelchen-Du-kriegst-mich-nicht.html?wtmc=socialmedia.facebook.shared.web&fbclid=IwAR0TGpOhbTjUxzgDziYJgwcICE_4lT3MAfb-L_OZzbaeBVATTXFhIuU432E

Eine mir aus Facebook bekannte Frau M. hatte Salomé Balthus angezeigt, da sie auf deren Internet Seite Inhalte entdeckte, die starke Bezüge zu Kinder-, Jugend-, und Tierpornographie aufzuweisen schienen. Zumindest ging sie davon aus Inhalte entdeckt zu haben, die problematisch sind und als solche eingestuft werden. Ich schaute mir nach Frau M.’s Hinweis damals selbst die Bilder an, denn Frau Balthus Seite war zunächst öffentlich zugänglich (jetzt ist sie es nicht mehr). Ich war schockiert, als ich diese Bilder sah. Es waren u.a. viele Mangas, deswegen wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte.

Kinder/Jugendliche in Manga Design, die nackt dargestellt werden samt Geschlechtsteile. Zum Beispiel ein „Manga Mädchen“, das mit gespreizten Beinen auf dem Bett liegt, während ihr die Schokosauce über den Körper läuft und sie sich den kleinen Finger ableckt. Dass es sich unverkennbar um Kinder/Jugendliche handelt, die sexualisiert werden, wird zudem deutlich, wenn man unter diesen Comics/Mangas Aussprüche liest wie „The more you call him daddy when he fucks you, the faster, harder and deeper he goes.“ Oder: “Daddy… I think I’m wet enough to take your cock now…

Eine Manga Video-Animation, auf der man ein Pferd/einen Stier (jedenfalls ein Tier mit Hufen) sieht und dabei eine am Boden gefesselte Frau, die unter dem Tier liegt und sexuell in die Vagina/Anus penetriert wird, war auch zu sehen.

Ja, es sind Comics. Mangas. Ist das dann wirklich alles so harmlos und unproblematisch, wie es jetzt in der WELT von Balthus dargestellt wird?

Balthus die Gute und Frau M., die Anzeige erstattet hatte, die Böse, die Prüde?

Ich weiß nicht, was die Behörden in diesem Fall gemacht haben. Laut dem WELT Artikel hat es ein Verfahren gegeben, welches eingestellt worden ist. Laut Artikel wurde nichts Verbotenes gefunden. Die vollumfänglichen Gründe kenne ich nicht.

Ich kenne nur Balthus Artikel aus der WELT dazu und die Bilder auf ihrer (jetzt nur noch mit einem Account) zugänglichen tumblr-Seite. Da sie sich nun in der WELT öffentlich dazu äußert und eine Frau angreift, die nur das Ziel hatte, manches Material (wenigstens vom öffentlichen Zugang) entfernen zu lassen und Kinder schützen zu wollen, möchte ich dazu etwas schreiben, denn ich habe Frau M.‘s Weg aufgrund ihres anfänglichen Hinweises an mich zeitweise mitverfolgt (online) und es für gut geheißen, zu versuchen, die Inhalte aus Kinder- und Jugendschutzgründen entfernen zu lassen/dem öffentlichen Zugriff zu entnehmen. Dass sich nun, laut Balthus Artikel, zwei Staatsanwaltschaften und ein Polizei-Oberkommissar damit beschäftigt hatten… wer hätte das gedacht.

Gewalt an Kindern ist ein Thema, was präsent ist. Pädophilie, der Missbrauch von Mädchen durch ihre eigenen Väter. Ja, um es nicht zu verschweigen: auch der Missbrauch von Jungen durch Mütter. Oder andere Konstellationen wie der Missbrauch von Minderjährigen in der Prostitution durch Freier, die einen Kick verspüren, wenn sie Kinder kaufen und sexuell benutzen können.

Egal ob wir verschiedene Ansichten zur Prostitutionsthematik vertreten (Nordisches Modell oder komplette Liberalisierung), wie es hier mit Frau Balthus der Fall ist (sie ist eine überzeugte Prostitutionsbefürworterin und selbst als Prostituierte tätig): dass man Kinder unter allen Umständen schützen sollte, dürfte eigentlich Konsens sein.

Ich finde den Artikel in der WELT sehr problematisch und verharmlosend, was diese sexualisierten (Manga) Bilder von Kindern/Jugendlichen angeht. Es wird ein wenig so dargestellt, als wäre Frau M.‘s Anzeige völlig an den Haaren herbeigezogen gewesen.

Schaut man sich die Paragraphen des StGb zu Kinder-/Jugendpornographie an, merkt man, dass es nicht so war. Können Mangas, fiktive Personen und Comics als Kinder-/Jugendpornographie strafbar sein?

Der Regelungszweck des § 184b StGB oder § 184c StGb ist mitunter auch eine Bestrafung der mittelbaren Förderung des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie die Verhinderung von Anreiz und Nachahmung. Für den § 184b StGb genügt auch eine virtuelle Schöpfung im Sinne von Comics, fiktiven Personen sowie Mangas.[1] Also ,,Fiktivpornografie“.[2]

Auf dieser tumblr-Seite von Balthus sind einige Manga Posing Bilder von Kindern/Jugendlichen zu sehen.

Mit dem 49. StrÄndG vom 21.1.2015 wurde die Definition von Kinderpornographie zu deren besseren Schutz erweitert. Erfasst sind nun auch Abbildungen, die keine sexuellen Handlungen, sondern den „kindlichen Körper in unnatürlich geschlechtsbetonter Haltung“ zeigen.[3]

„Die Darstellung muss offenkundig ein altersunangemessenes, sexuell anbietendes Verhalten zeigen. Maßgeblich ist die Zielsetzung, die für einen objektiven Betrachter ohne eigene pädophile Neigung erkennbar sein muss. Unzutreffend ist die Annahme, dass Schriften, die nur Posing zeigen, nicht pornographisch seien: Ohne die Zielsetzung, sexuelle Anreize zu schaffen, ergäbe die Produktion solcher Aufnahmen keinen Sinn.“[4]

Zu den Mangas mit den gespreizten Beinen:

„Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGHSt 43, 366, 368) liegt eine sexuelle Handlung eines Kindes oder eines Jugendlichen im Sinne von § 184b, 184c StGB zum Beispiel vor, wenn ein Kind oder Jugendlicher für ein Nacktfoto seine Beine spreizt, da das Spreizen der Beine, um die unbedeckten Genitalien offen zur Schau zu stellen, eine nicht unerhebliche sexuelle Handlung, durch die der Betrachter sexuell erregt werden soll, beinhaltet. Um auch unwillkürlich eingenommene geschlechtsbetonte Körperhaltungen, etwa durch ein schlafendes Kind, strafrechtlich in § 184b StGB zu erfassen, soll es nicht mehr auf das Einnehmen dieser Körperhaltung als sexuelle Handlung ankommen, sondern lediglich auf die Körperhaltung selbst.“[5]

Ich möchte hier gar nicht weiter schreiben und zitieren. Ein Verfahren wurde ja scheinbar aus Gründen eingestellt. Was ich näher bringen wollte war, dass Frau M. sicher nicht willkürlich oder realitätsfremd gehandelt hat, so wie es im WELT Artikel von Balthus leider dargestellt wird. Insgesamt hinterlassen die Bilder und Texte, die Gesamtschau dieser Dinge, einen üblen Nachgeschmack bei mir. Auch deshalb, weil Frau Balthus Seite im Kontext der Prostitution steht und die Bilder sehr leicht damit verknüpft werden (können). Sie schreibt selbst auf einer anderen Seite von einer Begegnung mit einem Juristen als einer ihrer Prostitutionskunden: „Nur die wenigsten Kunden lehnen meine quasi-pädophilen Rollenspiele ab, wenn ich sie von mir aus anbiete; auch er nicht. Und ich verrate Ihnen, ohne ins Detail zu gehen, auch noch so viel: die 13-jährige Lolita, die wollte er nicht von mir. Für ihn durfte ich höchstens Neun sein.“ (Quelle)

Ich finde es verantwortungslos von Frau Balthus, dass sie solche Bilder auf tumblr dann scheinbar bedenkenlos präsentiert. Ich finde es auch unverantwortlich, dass zumindest manche dieser Inhalte nicht gelöscht werden und dass dann auch noch eine Frau, die dagegen etwas tun wollte, in den Medien öffentlich (samt ihrem vollen Namen!) bloß gestellt wird, weil die WELT dem eine Plattform bietet.

Im Übrigen steht im WELT Artikel, dass Balthus Frau M. auf einer Veranstaltung getroffen haben soll und dass Frau M. sie beschimpft haben soll. Ich habe Frau M. gefragt und sie sagte, dass sie Frau Balthus persönlich noch nicht getroffen hat. Was dieser Teil in ihrem Artikel soll, verstehe ich also auch nicht.

Frau Balthus hat ihren Pseudonym „Balthus“ deshalb gewählt, weil sie sich den Namen des Malers Balthus geben wollte, der berühmt dafür war, Minderjährige im Alter von unter 16 Jahren nackt und sexualisiert auf Bildern zur Schau zu stellen. Manche sagen es wäre einfach nur Kunst, das sei von der Kunstfreiheit eben gedeckt – doch viele haben in dieser Hinsicht bereits erkannt[6], dass auch die Kunstfreiheit Grenzen hat.

Wo also, frage ich mich, fängt effektiver Kinder-/Jugendschutz an? Wo möchten wir, dass er beginnt? Kinder und Jugendliche sind unsere Erwachsenen von Morgen. Jetzt sind sie vulnerabel und eine der schutzwürdigsten Gruppen unserer Gesellschaft.

Es geht nicht darum, problematische Kunst/Bilder einfach zu verbieten, weil man sie persönlich unpassend findet. Es geht um Prävention und Gefahrenabwehr.

„…es gibt auch Konsumenten von Kinderpornographie, die mediale Anregung mit realem Missbrauch verbinden. In diesem Fall besteht das Risiko, dass die Neigung zu Sexualdelikten gegen Kinder bestätigt und verstärkt wird und es zu „Hands-on“-Delikten kommt, da von einer dynamischen Beziehung zwischen Interessen und Stimuli auszugehen ist.“[7]

Es geht hier auch nicht um Abolitionismus vs. Liberalisierung von Prostitution oder andere Streitigkeiten (wie Frau Balthus es in ihrem Artikel leider alles vermischt). Es geht zudem sicherlich nicht um ein „Feindbild“, wie Frau Balthus es beschreibt.

Hier geht es um Bilder, die aufgefunden und als problematisch eingestuft wurden, und damit um Kinder-/Jugendschutz.

Für manche geht die Auslegung des Kinder-/Jugendschutzes weiter als für andere – das und nichts anderes hat sich in diesem Fall gezeigt.

 

 

[1] BeckOK StGB/Ziegler, 39. Ed. 1.8.2018, StGB § 184b Rn. 2., https://www.anwalt.de/rechtstipps/-b-stgb-tatvorwurf-kinderpornographie-posing-bilder-fiktive-personen-mangas_045769.html, http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kinderpornografie-die-wichtigsten-fragen-und-antworten-a-953071.html.

[2] Schönke/Schröder/Eisele, 29. Aufl. 2014, StGB § 184b Rn. 3b.

[3] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 18.

[4] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 19.

[5] http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/026/1802601.pdf.

[6] https://www.deutschlandfunk.de/grauzone-kinderpornografie-im-museum.862.de.html?dram:article_id=279429.

[7] MüKoStGB/Hörnle, 3. Aufl. 2017, StGB § 184b Rn. 3.

 

 

Sexuelle Gewalt im bewaffneten Konflikt – Friedensnobelpreis 2018 für Nadia Murad und Denis Mukwege

Sexuelle Gewalt im bewaffneten Konflikt – häufig auch verwendet als Waffe, als Tathandlung des Völkermordes und „ethnischer Säuberungen“.

Ein Thema, womit ich mich beschäftige und welches gerade in den Medien große Aufmerksamkeit dank zweier großartiger Menschen erhalten hat.

Mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden

  • Nadia Murad, Jesidin, von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) versklavt, vergewaltigt und verkauft. Heute kämpft sie öffentlich gegen diesen Terror.
  • Denis Mukwege, kongolesischer Gynäkologe, spezialisiert auf die Behandlung von Vergewaltigungsopfern.

Beide haben wesentlich dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft immer mehr auf diese Verbrechen zu lenken.

Hier mehr dazu: http://www.spiegel.de/politik/ausland/friedensnobelpreis-2018-geht-an-denis-mukwege-und-nadia-murad-a-1231666.html

 


 

I was freed, but I do not enjoy the feeling of the freedom because those who have committed these crimes have not been held accountable.

– Nadia Murad –

Menschenrechtsverletzung Prostitution

Hier ein neues Video mit mir, welches auf einer Veranstaltung im Rahmen der Menschenrechtswoche in Tübingen aufgenommen wurde. Thema war das dieses Jahr stattfindende 70-jährige Jubiläum der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, die am 10. Dezember 1948 durch eine Resolution der Generalversammlung ins Leben gerufen wurde. Ich sprach über die „Menschenrechtsverletzung Prostitution“.