Freierforen

Über Freier, Zynismus und das Umdenken

 

Wie ich gesehen habe, wurde nach dem Spiegel Artikel in einem Freier Forum über mich bzw. das Thema diskutiert:

https://www.freiermagazin.com/freier-forum/threads/die-wahrheit-%C3%BCber-das-leben-in-der-prostitution.48226/

Zum Beispiel wurde hier geschrieben:

„Ich finde das alles ganz prima was die da so schreiben, es bleibt allein die Frage wie man das Geschlechtsleben der Männer in den Griff kriegen will. Vielleicht mit Brom, Hormonen oder einem Eingriff?“

Herr XY,

ich hoffe, Ihnen ist klar, dass Sie sich selbst mit diesem Satz auf ihr Geschlechtsteil reduzieren und sich kleiner und verstandloser machen als Sie wahrscheinlich sind. Wir sind alle durch die Evolution gegangen – der „Trieb“ mag da sein, aber mit der Vorgabe ihn nicht unter Kontrolle haben zu können, ihm hilflos ausgeliefert zu sein, stellen Sie sich dar als hätten Sie keine Wahl, als wären sie unfähig ihren Verstand einzuschalten und ihr Handeln zu kontrollieren. Sie machen sich mit Ihrer Aussage selbst zu einer armseligen Kreatur, die nicht selbstständig entscheiden kann. Sie zeichnen hier ein sehr trauriges Männerbild und es tut mir leid für diejenigen Männer, die nicht so sind, die Sie aber automatisch in Ihre Aussage durch den Begriff „der Männer“ miteinbeziehen.

Weiter:

„Ansonsten ist das die Wahrheit über deren Prostitution und nicht über die Prostitution. Ich kenne tatsächlich berufsbedingt hunderte von Frauen, die alle ihre Probleme haben, aber ganz anders leben als die Wahrheitsbestimmerin hier. Wenn Du denen, jeder einzelnen(!), einen Job anbieten würdest, der ihren Fähigkeiten entspricht, würde keine diesen annehmen.“

Ich nehme an, Sie meinen hier, dass Sie hunderte von Prostituierten kennen? Wenn dem so ist, frage ich mich wie Sie hunderte von Prostituierte BERUFSBEDINGT kennen können, die dann auch angeblich noch alle Prostituierte sein wollen, selbst wenn man ihnen einen anderen Job anbieten würde. Sind Sie vielleicht ein Bordellbetreiber/Zuhälter oder woher kennen Sie BERUFSBEDINGT hunderte von angeblich zufriedenen Prostituierten? Stellen Sie mir diese „hunderte von Prostituierten“ doch gerne mal vor, ich möchte Sie allesamt kennenlernen.

Ich bin keine „Wahrheitsbestimmerin“, sondern ich gebe lediglich das Elend wieder, was ich in 6 Jahren in diversen Bordellen gesehen habe. Und diese Zustände sind nun mal die Wahrheit, wenn sie auch manchen nicht gefällt oder nicht ins Bild passt, weil sie es lieber verdrängen/nicht wahrhaben wollen/nicht sehen können, etc…

Weiter:

„Man müsste der Dame in ihrem Blog mal die richtigen Fragen stellen: z.B:
Recht hast Du, brave Streiterin. Aber wie soll das gehen, wenn es armen Frauen nicht mehr erlaubt ist so Geld zu verdienen? Von was sollen diese dann leben? Wer bezahl deren Unterhalt? Wer versorgt die Familien daheim in Rumänien, Bulgarien usw?…

Was machen die Mädchen, die arbeiten wollen? Von was leben, die die nichts anderes können?“

Erstens verbietet das „schwedische/nordische Modell“ den Frauen nicht sich zu prostituieren. Und zweitens ist es zynisch, Menschen der Prostitution auszusetzen mit dem Argument, sie können sowieso nichts anderes. Oder zu sagen, dass Prostitution ok ist, weil es keine anderen legalen Alternativen für diese Menschen gibt. Was sind das für Argumente? Das sind für mich keine Argumente, sondern ein Zynismus, der nicht mehr zu übertreffen ist.

Eine Studie von Dr. Melissa Farley (mit 854 Menschen aus 9 Ländern, die zu diesem Zeitpunkt entweder noch in der Prostitution waren oder sie kurz davor verlassen hatten) besagt folgendes:

We found that prostitution was multitraumatic: 71 % were physically assaulted in prostitution; 63 % were raped; 89 % of these respondents wanted to escape prostitution, but did not have other options for survival. A total of 75 % had been homeless at some point in their lives; 68% met criteria for PTSD (Post Traumatic Stress Disorder)

Quelle: Prostitution and Trafficking in Nine Countries: An Update on Violence and Post Traumatic Stress Disorder

Als Staat, der es sich zur Aufgabe macht sich für Menschenrechte einzusetzen, ist es seine Aufgabe Hilfe und Alternativen zu schaffen um Menschen aus diesem Sumpf zu befreien. 89 % wollen sich der Studie nach gar nicht prostituieren. Sie haben tagtäglich Geschlechtsverkehr gegen ihren eigentlichen Willen. Warum schafft man zum Beispiel für ausländische Prostituierte keine Deutschkurse, Aus – und Weiterbildungen, INTEGRATION, wie wir sie zum Beispiel für Flüchtlinge haben, aber nicht bzw. nicht ausreichend für Menschen, die in der Prostitution im eigenen Land bereits seit Jahren elendigen Zuständen ausgesetzt sind? Dass das viel Geld kostet ist mir klar, aber wenn man als menschenrechtsliebendes Land kein Geld dafür ausgeben will, dass unzählige Menschenwürdeverletzungen aufhören und stattdessen die sexuelle Integrität, der persönlichste Bereich der Intimsphäre, geschützt wird, wofür dann?

Dieser Auszug von Dr. Farley sollte zum Nachdenken anregen:

Some pimps, some sex buyers and some governments have made the decision that it is reasonable to expect certain women to tolerate sexual exploitation and sexual assault in order to survive. Those women most often are poor and most often are ethnically or racially marginalised. The men who buy them or rape them have greater social power and more resources than the women. For example, a Canadian prostitution tourist commented a bout women in Thai prostitution, “These girls gotta eat, don’t they? I’m putting bread on their plate. I’m making a contribution. They’d starve to death unless they whored.” [2] This self-congratulatory Darwinism avoids the question: do women have the right to live without the sexual harassment or sexual exploitation of prostitution – or is that right reserved only for those who have sex, race or class privilege? “You get what you pay for without the ‘no,’” a sex buyer explained.[3] Non – prostituting women have the right to say “no.” We have legal protection from sexual harassment and sexual exploitation. But tolerating sexual abuse is the job description for prostitution.

Quelle: Very inconvenient truths: sex buyers, sexual coercion, and prostitution-harm-denial

Ich habe in den letzten zwei Wochen auch erstaunlich viele positive Freier-Feedbacks erhalten.

Das hier schrieb heute ein ehemaliger Freier namens Marc unter meinem „Update“-Beitrag:

Hallo,
zunächst möchte ich sagen, dass ich heute das Nordische Modell vollkommen unterstütze und sofort dafür unterschreiben würde.

Ich lese diesen Blog mit hohem Interesse. Ich bin oder besser war ein Freier, der für viele Jahre zu Prostituierten gegangen ist. Seit 2 Jahren bin ich nicht mehr gegangen und hoffe, dass ich es nie wieder tun werde.

Ich möchte mich bedanken für die Artikel hier und die Wiedergabe, was wirklich in den Frauen vorgeht. In einigen Artikeln und Kommentaren habe ich dieselben Argumente gefunden, die ich auch Jahrelang verwendet habe, um mein eigenes Verhalten zu rechtfertigen. Heute weiß ich wie selbstbelügend diese Argumente sind. Ich bin nun überzeugt, dass keine Frau wirklich freiwillig ihren Körper – und wie hier sehr gut dargelegt, die Seele – für Geld verkauft. Sei dies nun als Prostituierte oder Pornodarstellerin. Es gibt sicher kein 12 jähriges Mädchen, dass dies als Berufswunsch angibt. So glaube ich auch, dass selbst bei denjenigen, die Behaupten sie tuen dies völlig freiwillig, irgendein Problem dahinter liegt. Im Prinzip genauso, wie bei Frauen, die bei häuslicher Gewalt immer noch bei ihrem Partner bleiben und sich einreden es wäre ja nicht so schlimm.

Für mehr als 20 Jahre habe ich bei Prostituierten etwas gesucht, was es einfach für Geld nicht zu kaufen gibt. Und ich bin heute überzeugt, dass dies bei allen Freiern so ist in der einen oder anderen Form. Leider ist es so, dass unsere Gesellschaft und unsere Vater oder andere Vorbilder uns vorgaukeln, dass sowas normal ist und man darüber etwas bekommt, was man braucht. Heute weiß ich was für ein Blödsinn das ist. Sex ist etwas Schönes und intimes zwischen zwei Menschen in den richtigen Umstanden, aber Geld oder andere Form der Bezahlung gehört sicher nicht dazu. Im Gengenteil durch mein Verhalten habe ich mich immer mehr davon entfernt worauf es wirklich ankommt und so ist es bei allen aktiven Freiern.
Aber es ist hart sich der Wahrheit zu stellen. Die Wahrheit ist unbequem und absolut schrecklich. Ich habe lange gebraucht mich dieser zu stellen. Und obwohl ich nie etwas illegales getan habe und mich sogar auch für einen „netten Freier“ (Danke für den Artikel, der das klar ebenfalls klar stellt) gehalten habe, muss ich mich doch dem stellen, dass ich am Mord von so vielen Seelen mitgewirkt habe. Ich hoffe ebenfalls, dass diese Seelen nicht für immer zerstört sind und dass es irgendeinen Weg gibt zumindest eine kleine Wiedergutmachung zu leisten. Nichtsdestotrotz werde ich diese Schuld mit ins Grab nehmen.

Da wir ein gesellschaftliches Umdenken brauchen unterstütze ich dieses Gesetz voll und ganz, da es das richtige Signal geben würde. Die Erfolge des Nordischen Modell sprechen für sich. Auch denke ich dass viele Freier dann erst erkennen werden, dass sie ebenfalls ein wirkliches Problem haben und letztendlich vielleicht Hilfe suchen. Denn genauso wie bei häuslicher Gewalt ist natürlich oberste Priorität der Schutz der Opfer, aber die Täter benötigen ebenfalls Hilfe, das sie oft keinen anderen Weg kennen. Leider können und wollen viele Freier sich nicht als Täter sehen und das muss sich ändern, nicht nur für die Frauen, aber auch für die Männer selbst.

Ich werde weiterhin diesen und andere Blogs verfolgen, denn sie helfen mir mich immer wieder zu erinnern und nicht wieder irgendwelchen Trugschlüssen zu erliegen.

Alles Gute

Ich danke diesem Mann für seine Ehrlichkeit, seine Courage und sein Umdenken. Und den vielen anderen Ex-Freiern oder solchen Männern, die darüber nachdachten zu Prostituierten zu gehen, und mir nachdenkliche E-Mails geschrieben und um Rat gefragt haben (deren Mails ich leider noch immer nicht alle beantworten konnte). Vielleicht wäre es hilfreich, wenn ihr euch alle untereinander zusammenschließt, über eure Erfahrungen, Eindrücke, etc… sprecht/schreibt und gemeinsam anfangt aktiv gegen das „System Prostitution“ zu werden. Eine weitere Bewegung wie Zéromacho wäre in Deutschland sehr wichtig. Vernetzt euch doch. Evtl. lege ich bald einen Facebook-Account an und könnte dann eine Gruppe erstellen, wo ihr euch austauschen könnt oder ihr macht das am besten selbst und gebt mir Bescheid, dann mache ich hier darauf aufmerksam.

Jeder kann etwas verändern. Und Marc: ich glaube, nicht immer muss man eine Schuld mit in das Grab nehmen, wenn man bereit ist umzukehren, einen anderen Weg einzuschlagen, und das dann auch tut. Das macht Vergangenes zwar nicht wieder gut, aber durch jeden Menschen, der endlich hinsieht und der Gewalt den Kampf ansagt, kann die Zukunft positiv verändert werden. Das ist, was jetzt zählt.

Und es braucht jede einzelne Hilfe für ein noch größeres Umdenken in unserer Gesellschaft.

Zum Schluss möchte ich nochmal Dr. Melissa Farley zu Wort kommen lassen:

1) The truth about prostitution is often concealed behind the lies, manipulations and distortions of sex trade pimps, managers and others who profit from the business. The deeper truths about prostitution are revealed in survivors’ testimonies, as well as in research on the psychosocial and psychobiological realities of prostitution.

2) At the root of prostitution, just like other coercive systems, are dehumanization, objectification, sexism, racism, misogyny, lack of empathy/pathological entitlement (pimps and johns), domination, exploitation, and a level of chronic exposure to violence and degradation that destroys the personality and the spirit.

3) Prostitution cannot be made safe by legalizing or decriminalizing it. Prostitution needs to be completely abolished.

4) Prostitution is more like being chronically sexually harassed, endangered, and raped, than working in a fast food restaurant. Most women in prostitution suffer from severe PTSD and want to get out.

5) Sex buyers are predators; they often engage in coercive behavior, lack empathy and have sexist attitudes that justify abuse of women.

6) A solution exists. It is called the Swedish model and it has been adopted by a number of countries including Sweden, Norway, Iceland, and Northern Ireland (mittlerweile auch Kanada, Frankreich und Irland – Israel ist aktuell auf dem Weg). The essence of the solution is: criminalization for johns ad pimps; decriminalization for women, and the provision of resources, alternatives, safe houses, rehabilitation.

7) Prostitution affects all of us, not just those in it.

Quelle: Very inconvenient truths: sex buyers, sexual coercion, and prostitution-harm-denial

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„Mein Schon-Gefickt-Album“

 

Gerade habe ich in einem Freierforum gelesen. Wieder in jenem, in welchem ich damals selbst bewertet worden bin als ob ich kein lebender, fühlender Mensch wäre – www.lusthaus.cc  -. Eigentlich ist so ein Forum keine gute abendliche Lektüre um danach ruhig und entspannt schlafen zu können, aber an meiner Statistik sehe ich, dass scheinbar einige Menschen in der Google-Suche nach Freierforen suchen und so seit längerem häufig immer wieder auf meinen Beitrag Freierforum – www.lusthaus.cc – Art. 1 Grundgesetz und wie er leerläuft stoßen. Ich gehe mal stark davon aus, dass es Männer sind, welche sich eigentlich bei Google erkundigen möchten, wo und mit welcher Prostituierten sie am besten „verkehren“ können und darüber in einem Forum Auskunft haben wollen, dementsprechend nach einem Freierforum suchen. Wenn das so ist und sie dann aufgrund des Suchbegriffs bei mir hier landen, hoffe ich sehr, dass ihnen die Lust zumindest etwas vergeht. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Jedenfalls habe ich gerade auf diesem Lusthaus-Freierforum das sogenannte  „Mein-Schon-Gefickt-Album“ gefunden. Freier erstellen Alben darüber, mit welcher Prostituierten sie schon zugange waren. Mit Bildern und teilweise auch Berichten. Wenn ich mir die Angaben vom Datum her ansehe, wann die Freier ihr jeweiliges Album publiziert haben, dann wird deutlich, dass diese Alben populärer werden, weil immer mehr Männer in kürzeren Abständen eines erstellen und sich damit brüsten, welche und vor allem wie viele Prostituierte sie schon für käufliche „Dienste“ bezahlt haben. Sie geben ihrem Album verschiedene Namen wie zum Beispiel „Schon Gefickt“, „Girls fucked“, „Arschgefickt“, „Eingelocht“, „Bumskontakte und To-Do-Liste“, usw… Unter diesen Albenbetitelungen steht ihr Name bzw. ihr Pseudonym. Wenn man nun auf den Namen der jeweiligen Alben klickt kommt eine Bildergalerie von Frauen, bei welchen die jeweiligen Freier schon waren. Klickt man dann auf ein Bild der jeweiligen Frau, kommt auch ein Forenbericht, soweit es einen gibt.

Neben dem „Austausch“ in Foren über verschiedene Prostituierte schmücken Freier sich mit diesen Alben noch mehr damit, welche Frauenkörper sie schon benutzt haben. Wie eine Trophäe.

Wie könnt ihr nur so stolz auf etwas so unehrenwertes, auf etwas so missbräuchliches sein? Wenn ihr Ego-Probleme habt, dann löst sie anders. Eine Prostituierte ist kein Pokal, mit dem man angibt und protzt. Sie ist ein MENSCH, auch wenn viele von euch das nicht wahrhaben wollen.

In einem anderen Freierforum (www.freiermagazin.com) machen sich die „lieben“ Freier Sorgen um die Einführung der Kondompflicht und bedauern ihre Feierkollegen in Schweden, die aufgrund des nordischen Modells nicht mehr einfach so zu Prostituierten gehen können.

Hier nur 3 Statements aus dem Forenbeitrag (wer alles lesen möchte klicke auf diesen Link einen Absatz weiter oben – er führt genau zu folgendem „Gespräch“):

Also, ich kann mir auch nicht vorstellen, das ich demnächst mit einer Frau ZUSAMMEN bin, auf einmal geht die Tür auf und es brüllt der Ordnungshüter:“Guten Morgen,Maier mein Name von der Polizei Dortmund, allgemeine „Verkehrskontrolle“, Gummi und dazugehörige Verpackung bitte“.

Ein anderer schreibt dazu:

Eine erstgemeinte Frage zu dieser Situation:

Der Typ „Polizist (oder wer auch immer) Maier“ sorgt durch seine Aktion
dafür das meine #Nudel im gesetzlich vorgeschrieben Mäuseschlafsack
weich# wird.
Kann ich bei ihm Schadenersatz für nicht vollzogenen bzw.
vollendeten GV verlangen?

maanke

Antwort des anderen:

Hmmmh, gute Frage. Ich bin bei der DAS (gehört jetzt zur Ergo Gruppe) versichert, die übernehmen wirklich fast alles. Das darf ich zumindest rückblickend 27 jahre sagen, beinhaltet bei mir auch VERKEHRSrechtsschutz.

Werte Freier, die ihr euch sorgt um die Einführung der Kondompflicht und um eure Kollegen, welche in Ländern mit nordischem Modell leben: ihr solltet zur Kenntnis nehmen, dass das nordische Modell auf dem Vormarsch ist und auch in Deutschland und noch weiteren Ländern ankommen wird – es ist nur eine Frage der Zeit!

Wie euer Freierkollege „Höhlenforscher“ in seinem Beitrag bei euch sagt:

Uns in Deutschland geht’s doch noch immer noch vergleichsweise gut, auch wenn das neue Gesetz natürlich ärgerlich ist.

In Schweden werden Freier (und nur die!) von der Polizei gejagt

Die Betonung liegt hier auf: es geht euch vergleichsweise NOCH gut.

Vielleicht solltet ihr anfangen euch schon jetzt ein anderes Hobby zu suchen, ein ehrenwertes. Eurer Frauen oder eurer Freundinnen wegen, eurer Kinder wegen, eurer Selbst wegen!

Und vielleicht solltet ihr richtige Männer werden und anfangen andere Dinge im Leben als bedeutend zu erachten anstatt wie oben aufgeführt Panik zu schieben, dass eure „Nudel im vorgeschriebenen Mäuseschlafsack bei einer Kontrolle weich werden könnte“!

Eure Gespräche und damit ihr selbst seid niveaulos. Pietätlos.

Kramt mal bitte irgendwo in der hintersten Ecke eurer Gehirnzellen und versucht die Menschlichkeit in euch (wieder) hervorzuholen. So wie ihr Prostituierte behandelt, wie ihr über sie redet und schreibt, denkt ihr (bewusst oder unterbewusst), dass sie keine Menschen sind, doch in Wahrheit seid ihr es, welche das Menschsein verloren haben.

Sucht und findet es wieder…

 

Freierforum – www.lusthaus.cc – Art. 1 Grundgesetz und wie er leerläuft

 

Wer besagtes Freierforum aufruft, auf dem meine damaligen „Leistungen“ auch desöfteren bewertet worden sind (dazu im Anschluss), liest gleich zu Anfang:

„LUSTHAUS Stiftung Hurentest“

Klingt etwa wie „Stiftung Warentest“, mit dem klitze kleinen Unterschied, dass Huren Menschen sind, die laut unserem Grundgesetz das Grundrecht auf Menschenwürde besitzen (Art. 1 GG), welches auch nicht zur Disposition steht. Das heißt, selbst wenn jemand es wollte, kann er nicht in etwas einwilligen, was ihn in seiner Menschenwürde verletzt. Art. 1 GG ist das einzige Grundrecht in unserer Verfassung, bei welchem ein Eingriff in dieses Grundrecht niemals gerechtfertigt ist.

So zumindest die Theorie…

Die Praxis sieht leider anders aus.

Immer wenn ich in meinem öffentlich-rechtlichen Gesetzbuch diesen Art. 1 GG lese, dann sehe ich alle Menschen in meinem Leben vor mir, die immer große Töne gespuckt haben, wo aber letztlich die Taten ausgeblieben sind.

So ist es mit diesem Art. 1 GG im Hinblick auf die Prostitution.

Er klingt mächtig.

Vor allem der erste Absatz.

Art. 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

 

Im Hinblick auf die Prostitution ist er nicht existent.

Als ob es ihn in unserer Verfassung nicht gäbe.

Menschenwürde bedeutet, dass ein Mensch nicht zum Objekt degradiert werden darf.

Sie bedeutet, dass einem Menschen seine Subjektsqualität nicht aberkannt werden darf.

Es gibt noch einige weitere Definitionen der Menschenwürde, die ich aber in dem Fall jetzt nicht brauche, denn allein die Aussage, dass ein Mensch nicht zum Objekt herabgesetzt werden darf, reicht völlig aus für die Frage, die ich mir stelle:

Nach all dem was ich erlebt habe mit Freiern, wie sie mit Frauen umgehen… nach all den Bewertungen von Freiern, die ich über mich und andere Kolleginnen gelesen habe… was geschieht denn in der Prostitution? Was ist ihr Kern? Woraus besteht sie?

Sie besteht aus nichts anderem als einen Menschen, eine Frau, zum Objekt zu degradieren. Und der Staat kassiert Gelder aus diesem Sklavenmarkt. Wäre es doch eigentlich seine Aufgabe, die Menschenwürde zu schützen und nicht von ihrem Missbrauch zu profitieren!

Freier gehen nicht zu einer Prostituierten, weil sie sie als Menschen wertschätzen.

Nein.

Sie gehen zu einer Prostituierten um ihren „Druck“ zu erleichtern.

Um ihr Geschlechtsteil in sie reinzurammen.

Eine Frau wird auf ihren Körper reduziert.

Auf ihre Brüste.

Auf ihren Intimbereich.

Das Einzige, was sie für einen Freier ist, ist eine Gummipuppe –

mit dem einzigen Unterschied, dass sie ATMET, FÜHLT, LEIDET, LEBT.

Auch ich wurde in diesem Freierforum mehrmals bewertet.

In den Clubs, in denen ich gearbeitet habe, kam oft ein Fotograf (des Hauses) und hat Aufnahmen von uns Mädchen gemacht (halbnackt), die dann auf die Homepage des jeweiligen Clubs gestellt worden sind um die Frauen da anzupreisen und den Freiern bereits da zu zeigen, was sie erwartet.

So wurden in diesen Freierforen nicht nur Berichte von uns Frauen reingestellt, sondern diese auch mit Fotos versehen – das ist heutzutage an der Tagesordnung, man braucht nur einen Blick in dieses von mir genannte Forum werfen.

Als ich dann aufgehört habe zu arbeiten, habe ich ca. 2 Jahre später gesehen, dass immernoch Fotos von mir dort online gestellt sind.

Ich habe an den Betreiber der Seite geschrieben und darum gebeten, die Fotos zu löschen.

Nichts ist passiert.

Daraufhin habe ich ein halbes Jahr später nochmal darum gebeten, etwas energischer.

Nichts.

Vor einem halben Jahr ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe damit gedroht, sie vor Gericht zu ziehen, weil es nicht rechtens ist, was sie da tun. Oder haben sie/hatten sie je irgendwo von mir eine Einwilligung, dass sie Nacktbilder von mir online stellen dürfen?

Nein.

Nur damals habe ich mich nicht gewehrt.

Ich habe es hingenommen, wie ich alles hingenommen habe.

Heute tue ich das nicht mehr.

Heute wehre ich mich.

Heute weiß ich, wer ich bin.

Heute bin ich eine Frau, die stark ist, die Gerechtigkeit anstrebt, die Menschen hilft, die warmherzig ist trotz allem, was man mit ihr angestellt hat – mit der man sich allerdings im Gegensatz zu früher nicht anlegen sollte, wenn es um Ungerechtigkeiten geht.

Denn ich habe gelernt, zu überleben.

Allein.

Mit nichts.

Bin aus dem tiefsten Loch hervorgekrochen.

Das hat mich fast umgebracht – aber es hat mich auch unheimlich stark gemacht.

Und ich lasse mir Dinge solcher Art nicht mehr gefallen.

Schließlich haben sie auf diesem Freierforum dann auch reagiert und die Bilder gelöscht.

Unglaublich zu welchen Mitteln man manchmal greifen muss…

Es macht mich wütend und traurig zugleich, wenn ich diese Unmenschlichkeit sehe, wenn ich sehe, wie Frauen auf solch einem Forum bewertet werden.

Dieses Herabsetzen eines Menschen – als wäre eine Prostituierte kein Mensch. Als ob sie eine Sache wäre, die man nach Lust und Laune benutzen kann, von welcher man gar nicht denkt, dass sie eine Seele oder Gefühle haben könnte und wenn doch – trotzdem die Befriedigung der eigenen Lust vorgeht

Ganz ehrlich liebe Freier, ich versuche sonst immer niveauvoll zu schreiben in meinen Texten – neutral – ganz einfach aus dem Grund, weil ich denke, dass man mit unsachlichen Texten nicht zur Aufklärung beitragen kann.

Es gibt aber dennoch eine Sache, die ich euch schon immer mal sagen wollte, aber nie ausgesprochen habe.

Und zwar immer dann, wenn ihr zu mir sagtet, ihr könntet nicht anders als einen Frauenkörper kaufen, das ist euer Trieb, ihr seid so geboren, irgendwo müsst ihr es ja raus lassen… als ob ihr keine eigenständigen, selbstdenkenden und – wählenden Geschöpfe wärt. Als ob ihr irgendwo in der Evolution stecken geblieben wärt.

Mein Rat:

Geht euch einen wichsen, das soll auch helfen um Druck loszuwerden.

Und fangt an zu begreifen, dass auch die meisten von euch zurechnungsfähig sind, entscheidungsfähig sind, einen Verstand haben, den sie benutzen sollten anstatt Menschenleben zu zerstören.

Werdet zu ehrenvollen Männern, die so etwas nicht nötig haben!

In diesem Sinne… werde ich nun wieder niveauvoller und akademischer und sage:

Facta, non verba

(Deutsch = Taten, nicht Worte)

Ich hoffe wirklich, dass Art. 1 GG im Hinblick auf die Prostitution irgendwann Anwendung findet. Kein Gesetz ist wertvoll, wenn es zwar groß klingt, aber dennoch nicht die Wirkung entfaltet, die es eigentlich entfalten sollte.