Prostitution & Trauma

Veranstaltung in München am Freitag, den 16.03.18

 

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Interessierte Menschen sind eingeladen zu uns nach München zu kommen!

Und:

„Presseeinladung vom KOFRA: „Spätestens seit der Einführung des umstrittenen Prostituiertenschutzgesetzes stoßen Berichte zu Prostitution oder „Sexarbeit“ auf großes öffentliches Interesse. Dabei dominieren zwei Darstellungsmuster die Debatte: Auf der einen Seite steht ein romantisierender Blick mit der selbstbestimmten und selbstbewussten Sexarbeiterin im Mittelpunkt; ihr mediales Gegenbild ist die unfreiwillig in die Prostitution gedrängte Frau, oft die sehr junge Frau aus dem Ausland, die als Opfer von Menschenhandel in die Prostitution nach Deutschland gezwungen wurde. Die Realitäten der Prostitution und des Erlebens der eigenen Prostituierung, die Vorbedingungen, der Mangel an Ressourcen, die zu dieser Situation führen und auch die für die gesamte Gesellschaft bedeutenden Konsequenzen verschwinden hinter diesen Dichotomien.

Wie sieht die Realität von diesen Bildern aus? Welche Gemeinsamkeiten gibt es in der Prostitution? Und wie soll eine kritische Zivilgesellschaft mit den Folgen umgehen?
Wir sehen einen deutlichen Bedarf und Wunsch in der Öffentlichkeit nach einer sachlichen und faktenbasierten Auseinandersetzung mit der Thematik.

Wir haben die große Freude, Dr. Melissa Farley in München begrüßen zu dürfen. Dr. Farley wird aus ihrer langjährigen und international anerkannten Forschungsarbeit zu Traumatisierungen in der Prostitution berichten.

Anschließend wird Dr. Ingeborg Kraus aus ihren Erfahrungen als Traumatherapeutin heraus zu diesem Themenkomplex Stellung nehmen ebenso wie Marie Merklinger und Sandra Norak, denen der Ausstieg aus der Prostitution gelungen ist.

Wir laden interessierte Journalistinnen und Journalisten sehr herzlich zu dieser Veranstaltung ein. Vor der Veranstaltung wird es eine halbe Stunde Zeit für Ihre Fragen an die Rednerinnen geben, und auch nach den Vorträgen freuen wir uns auf eine rege und konstruktive Diskussion.“

Programm:
In diesem hochkompetent besetztem Podium mit Publikumsdiskussion – mit Vortrag und Berichten von Prostitutions-Überlebenden – geht es genau darum: einen schonungslosen Blick darauf zu werfen, was Prostitution wirklich ist: Gewalt an Frauen. Diskutieren Sie mit den Podiumsteilnehmerinnen.

Begrüßung durch Renate Uzun-Raming, Soziologin und Mitarbeiterin im FrauenTherapieZentum.

  • Dr. Melissa Farley, amerikanische Forscherin. Vorsitzende der Organisation „Prostitution Research & Education“, Autorin mehrerer Werke zu Prostitution, sowie die Leiterin internationaler Studien zu den Frauen in der Prostitution und zu Freiern.
  • Marie Merklinger, Prostitutions-Überlebende, SPACE-Aktivistin, Deutschland .
  • Sandra Norak, Prostitutions-Überlebende und Aktivistin, Mitglied von SISTERS e.V., Deutschland.
  • Dr. Ingeborg Kraus, Fachtherapeutin für Psychotraumatologie die auch mit Prostitutions-Überlebenden arbeitet, sagt was Prostitution mit Menschen machen kann.

Moderation: Dr. Inge Kleine vom Kofra, dem Kommunikationszentrum für Frauen zur Arbeits- und Lebenssituation.

Zeit: Freitag 16. März von 19:00-21:00 Uhr (Pressegespräche ab 18.30)
Ort: FrauenTherapieZentrum, Güllstr. 3/ 2. Stock, München
Kosten: 7,–€
Anmeldung: kofra e.V., Tel: 089/ 2010450, kofra-muenchen@mnet-online.de, http://www.kofra.de

Quelle: http://www.trauma-and-prostitution.eu/2018/02/02/prostitution-die-unzensierte-wahrheit-muenchen-a-16-03-2018/

Bordell Deutschland „Milliardengeschäft Prostitution“ – Dokumentation (ca. 90 Min.)

 

Hier könnt ihr die Doku und einen Ausschnitt aus „Hallo Deutschland“ anschauen.

 

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Nachrichten | hallo deutschland Ausstieg aus der Prostitution

„Sandra Norak ist eine Gymnasialschülerin, hübsch, blond – und einsam. Sie chattet im Internet, verliebt sich – aber in den falschen Mann. Denn: ihr damaliger Freund drängt sie in die Prostitution. Jetzt erzählt sie ihre Geschichte.“

https://www.zdf.de/nachrichten/hallo-deutschland/ausstieg-aus-der-prostitution-102.html

 


 

ZDFinfo-Dokumentation „Bordell Deutschland – Milliardengeschäft Prostitution“ komplett, abrufbar von 22 – 6 Uhr:

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/bordell-deutschland-milliardengeschaeft-prostitution-102.html

 


 

ZDFinfo Dokumentation über Prostitution, 18.11. um 22 Uhr

 

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Fotoquelle: ZDF / Jan Sindel

 

Am Samstag, den 18.11. um 22 Uhr, läuft eine Dokumentation über Prostitution auf ZDFinfo, wo ich auch zu sehen bin (siehe Bild). Man kann sich das Ganze aber auch danach in der Mediathek ansehen.

Hier der Text zur Dokumentation:

Prostitution und organisierte Kriminalität
 
„Bordell Deutschland“: Diese TV-Doku wird für Wirbel sorgen
Von Frank Rauscher

Sie werden geschlagen, missbraucht und ausgebeutet: Der Alltag von Prostituierten in Deutschland ist zum großen Teil von der organisierten Kriminalität bestimmt. In der TV-Doku „Bordell Deutschland“ kommen Fakten und Hintergründe ungeschönt auf den Tisch.

Für fast alles gibt es in Deutschland Statistiken. Ohne Zweifel ließe sich jedoch die Zahl der freilaufenden Hühner exakter benennen, als die der Frauen, die hierzulande dem ältesten Gewerbe der Welt nachgehen. Denn: Für den Bereich der Prostitution gibt es keine belastbaren Zahlen, weiß der Kriminalist Manfred Paulus. Schätzungen gingen von 400.000 bis zu über einer Million aktuell in Deutschland tätigen Sexarbeiterinnen aus, laut statistischem Bundesamt nehmen täglich rund 1,2 Millionen Männer sexuelle Dienstleistungen in Anspruch. Und „seit der Legalisierung werden es immer mehr“, sagt Paulus, der drei Jahrzehnte im Rotlichtmilieu ermittelte und nun auch als Protagonist einer der umfassendsten TV-Dokus, die je zu diesem Themenkomplex gedreht wurden, gegen organisierte Kriminalität und Menschenhandel ankämpft. Die Legalisierung der Prostitution, die mit dem 2002 verabschiedeten Prostitutionsgesetz de facto erfolgte, steht im Fokus des spielfilmlangen Beitrags, der sich unter dem Titel „Bordell Deutschland“ am Samstag, 18. November 2017 (22 Uhr, ZDFinfo), mit dem „Milliardengeschäft Prostitution“ befasst.

„Legalisierung“: Das klingt positiv, doch schon das ist eines der Probleme, wie der engagierte Film von Christian P. Stracke verdeutlicht. Die Begrifflichkeit mag dem Freier das Gewissen erleichtern, aber hilft so ein Schlagwort auch den Frauen?

Der Journalist geht, ohne irgendetwas zu beschönigen, der Frage nach, warum Deutschland zur internationalen Drehscheibe für Zwangsprostitution und Mädchenhandel geworden ist. „Was läuft falsch bei uns?“, heißt es gleich zu Beginn des Beitrages, der Antworten liefert, die niemandem gefallen und viel Staub aufwirbeln dürften. Was auch der Sender erkannt hat: Der Film über die Zusammenhänge von Zuhälterei, Prostitution und internationalem Menschenhandel war zunächst auf 45 Minuten angelegt. ZDFinfo hat sich aber „aufgrund der Fülle von Aspekten und Standpunkten“ für eine Verdopplung der Länge entschieden. „Eine entsprechende Anpassung war schnell und unkompliziert möglich, ein Vorteil, den vermutlich nur ZDFinfo bieten kann“, heißt es jetzt seitens der Produktion. Schließlich gibt es im Digitalkanal keine genormten Sendeformate.

Authentische Innenansichten einer Parallelwelt

Über ein Jahr recherchierte Stracke an seiner Story, die ohne die Voyeurismuskarte zu spielen beinahe so packend wie ein Thriller ist, weil sie authentische Innenansichten einer tabuisierten und immer wieder als „schillernd“ oder „cool“ verklärten Parallelwelt präsentiert. Er sprach mit Prostituierten, Polizisten, Sozialarbeitern, Vertretern des Prostituiertenverbandes, Politikern und Psychologen. Stracke ist quer durch Deutschland gereist, hat sich vor Ort vom Edelbordell bis zum Straßenstrich ein Bild von den Ausprägungen der Prostitution gemacht.

Zu Wort kommen auch eher exotisch anmutende Protagonistinnen wie Cleo aus Berlin, die – freiwillig, wie sie betont – in einer „Erlebniswohnung“ an Gangbang-Partys teilnimmt. Bis zu 30 Männer haben dabei Sex mit einer Frau. Oder Typen wie Andreas Marquardt, der früher als Zuhälter die Frauen nach eigener Aussage „wie Dreck“ behandelte, wegen Menschenhandels im Gefängnis saß und sich heute für Gewaltprävention einsetzt. Vor allem aber prägen Frauen wie Sandra Norak Strackes Film. Sie hat jahrelang als Prostituierte gearbeitet und den Ausstieg geschafft. Dabei hat sie fast alle Geschäftsmodelle des Milieus durchlaufen und in nahezu jedem Menschenhandel und Gewalt gesehen.

Zum ersten Mal spricht sie öffentlich über ihr Leben und ein Gewerbe, das sie „fast kaputt gemacht“ habe. „Das ist keine Arbeit“, sagt sie, „das ist einfach nur Gewalt, was man da erlebt … Und ich hatte da bestimmt 400/500 Männer in vier Wochen.“ Die heute 27-Jährige geht mit ihrer Geschichte jetzt ganz bewusst an die Öffentlichkeit, möchte mit dem Mythos der Freiwilligkeit aufräumen, sie studiert Jura und setzt sich für die Abschaffung der Prostitution ein. „In jedem Club, in dem ich war, habe ich Menschenhandel gesehen“, berichtet sie. „Ich habe natürlich auch Frauen gesehen, die geschlagen werden. Und ich habe auch Freier gesehen, die das gesehen haben und dann trotzdem die Dienstleistung in Anspruch genommen haben.“

Neun von zehn Frauen zur Prostitution gezwungen

Kein Einzelfall, wie Denisa, eine junge Rumänin, die nun, nach ihrem Ausstieg ebenfalls gegen die Missstände ankämpft. Jahrelang hat sie in Deutschland als Zwangsprostituierte gearbeitet, sie weiß alles über die Hintergrunde des Geschäfts: „90 Prozent haben Zuhälter“, sagt sie und berichtet aus eigener Erfahrung: „Die Männer sind scharf auf Minderjährige. Es gibt so viele Pädophile.“ Dem Mythos der Freiwilligkeit widerspricht die ehemalige Zwangsprostituierte entschieden: „Die Freier denken sich, die macht das aus Spaß. Du musst so tun, als ob es dir gut geht, aber innerlich geht’s dir nicht gut.“

Zu der Einschätzung gelangen auch Experten der Polizei, ihren Angaben zu Folge werden neun von zehn Frauen zur Prostitution gezwungen. Heute spricht Denisa in rumänischen Armenbezirken vor Schulkassen, um die Mädchen zu warnen und sie, genau wie der Kriminalist Manfred Paulus, über die Maschen der als „Loverboys“ getarnten Handlanger der Mädchenhändler aufzuklären.

Die Traumatherapeutin Ingeborg Kraus vergleicht den Beruf der Prostituierten mit dem von Soldaten, ihre traumatischen Erfahrungen mit denen von Folteropfern. Fast 70 Prozent der Frauen leiden unter Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung: „Dieser Beruf ist gefährlicher, als in den Krieg zu ziehen.“ Die Sterblichkeitsrate unter Prostituierten ist 40-mal so hoch wie beim Durchschnitt der Bevölkerung, heißt es in der Doku. Allein das Risiko, ermordet zu werden, sei über 18-mal höher als bei anderen Frauen – unabhängig davon, ob sie freiwillg arbeiten oder dazu gezwungen werden.

Ungeachtet all dieser Hintergründe, das macht der sauber recherchierte Film deutlich, haben Escortangebote und Bordelle in Deutschland mehr Zulauf denn je. Das Marketing der Freudenhäuser hat sich offenbar der Mentalität der Freier angepasst: „Komm so oft du willst“, „All you can fuck“ oder „20 Minuten Sex für 20 Euro – der Spartarif im Discountpuff“ – so werben Flatrate-Puffs in den Städten. In Online-Foren tauschen sich Männer ungeniert und oft auf menschenverachtende Weise über die Leistungen der Sexarbeiterinnen aus.

Deutschland als Reiseziel für Freier

Vor der Kamera wollte kaum einer offen über so etwas Auskunft geben, aber während der Recherchen hat Autor Stracke mit vielen Freiern gesprochen. Sein Eindruck: Unrechtsbewusstsein ist auf Seiten der Männer kaum vorhanden. So ist Deutschland auch zu einem der begehrtesten Reiseziele für Freier aus alle Welt geworden. „Besuche über zehn Clubs in sechs Tagen“, preist ein Veranstalter ungeniert ein Package mit Kunst und Kultur an, das die Kundschaft ins „Bordell Deutschland“ locken soll.

Die Frage ist, wie es so weit kommen konnte. Glaubt man diesem Film, der auch die Tätigkeit der Prostituiertenverbände kritisch hinterfragt, kamen mehrere Faktoren auf unselige Weise zusammen: Das fraglos gut gemeinte Gesetz zur Legalisierung der Prostitution von 2002 hat den Bordellbetreibern und Freiern mehr geholfen als den Frauen. Seine Einführung ging zeitlich mit der EU-Osterweiterung einher, derweil sich in Deutschland gerade eine „Geiz ist geil“-Mentalität breitmachte.

Während bei den Mädchen wenig hängen bleibt, lässt sich mit der Prostitution viel Geld verdienen. Laut Bundeskriminalamt bringt allein eine Prostituierte ihrem Zuhälter bis zu 100.000 Euro pro Jahr. Und auch der Staat verdient durch die Steuereinnahmen kräftig mit. Der Markt ist umkämpft, die Konkurrenz ist groß, es kommen immer mehr und immer jüngere Frauen, die alles ungeschützt mitmachen …

Vorbild Schweden

Ob sich mit dem seit Juli geltenden „Prostituiertenschutzgesetz“, welches das Prostitutionsgesetzes von 2002 ergänzt, Wesentliches zum Guten ändert, ist fraglich. Anfangs, so lässt der Autor Christian P. Stracke durchblicken, sei auch er der Meinung gewesen, dass freiwillige Prostitution erlaubt sein sollte. Mittlerweile ist er aber zu der Überzeugung gelangt, auch freiwillige Prostitution verletze die Menschenrechte. „Deshalb muss sich dringend etwas ändern“, fordert er. „Doch um Kriminalität, Zwangsprostitution und Menschenhandel wirksam einzudämmen, müssen sich die Rahmenbedingungen ändern.“ Für ihn ein Vorbild: das nordische Modell in Schweden, das mit dem Sexkaufverbot den Freier bestraft.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

 

Link: prisma.de

 

Auf die Freiheit!

Video unten: Klaus Ferdinand Hempfling – Free and Connected

„Freedom of spirit… Authentic and real… Connection of body and spirit…“

„It is all in us

Be yourself

 

Vortrag einer Traumatherapeutin

 

Ich möchte einen Vortrag von Dr. Ingeborg Kraus teilen. Sie findet deutliche Worte und hat eine klare Haltung.

Leider haben die meisten Menschen in unserer Gesellschaft zum Thema Prostitution keine klare Haltung, viele Menschen haben sogar überhaupt keine Haltung dazu. Vorher sah ich mir das TV-Duell von Angela Merkel und Martin Schulz an sowie die darauffolgende Sendung von Anne Will, in der über das Duell diskutiert wurde. Themen waren u.a. Migration, Integration, die Türkei, Rente, etc…

Alles wichtige Dinge, aber immer wieder frage ich mich: was ist mit den abertausenden an Menschen in der Prostitution, in unserem Land, die täglich Unerträgliches an Leid erleben?

Wir haben hier in Deutschland eine humanitäre Katastrophe was die Prostitution angeht, und ich meine wirklich eine HUMANITÄRE KATASTROPHE, und keiner sieht es, manchmal frage ich mich, ob es keiner sehen möchte. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, 6 Jahre lang, und es macht mich wirklich traurig, dass in unserer Politik so wenig getan wird, sich damit so wenig auseinandergesetzt wird.

Ja, es gibt jetzt das neue Prostituiertenschutzgesetz – und nun? Wartet man erstmal die Evaluation ab? Wo sind die vielen wichtigen und ernsthaften Ausstiegshilfen? Ganz egal ob man für ein Sexkaufverbot oder lediglich Reglementierungen ist, es braucht diese Ausstiegshilfen. Wo sind sie?

Leider wissen viele Menschen da draußen nicht, dass die meisten Prostituierten keine Zeit haben abzuwarten. Sie haben schlicht keine Zeit, denn sie gehen da draußen jeden Tag mehr und mehr zugrunde.

Hier nun der Vortrag.

 

Keine einzige etablierte Partei nimmt eine klare Stellung zur Prostitution ein. Das ist eine Schande!

Von Dr. Ingeborg Kraus. 

 

Diese Rede wurde in Saarbrücken am 02.09.2017 auf der Fachtagung „Warum Männer zu Prostituierten gehen?“ gehalten (und ergänzt).

Ich bedanke mich sehr bei Hadassah[2], auf dieser wichtigen und hochkarätigen Veranstaltung sprechen zu dürfen und etwas über die Schäden durch die Prostitution zu sagen, da dieser Aspekt, sowie die Gewalt in der Prostitution bei den Evaluationen des deutschen Ansatzes gezielt ignoriert wurden[3].

Kurz etwas zu der Realität in der Prostitution:

„Hallo zusammen! Neugierig und fickgeil wie ich nunmal bin, habe ich es mir nicht nehmen lassen, diesen Online-Dienst anzurufen, um mal nach Laura zu fragen. Tatsächlich hätte sie angeblich bei meinem Anruf um 20 Uhr abends nur knappe 30 Minuten um bei mir zu sein! Wow, na dann auf, und Laura bestellt. Tatsächlich exakt nach 25 Minuten klingelt es an meiner Wohnung und Laura steht vor der Tür. Fotos 100% Original. In echt meiner Meinung nach sogar noch hübscher. Sie spricht halt kein einziges Wort Deutsch, aber ich wollte ja eh nur ficken. Also 120,–€ hingelegt, ausgezogen, ab in die Kiste und Laura aufgefordert sich auf den Rücken zu legen, damit ich missionarsmäßig zur Besamung loslegen kann. Ich nahm ihre Beine und legte sie über die Schulter, drückte dabei die Beine soweit nach unten wie es ging, um die ganze Besamungsaktion besser im Blickfeld zu haben. Sie versuchte mehrmals, meine heftigen Stoße abzufedern indem sie mit den Händen gegen meine Oberschenkel drücken wollte, nur ich ließ ihr keine Chance, denn wenn ich am zustoßen bin, dann ohne Kompromisse und dann wird gnadenlos tief und kräftig durchgezogen, bis die Kleine vollgepumpt ist.“ (Tabulosforum, Eintrag[4] vom 19.03.2009)

„Also ich hatte vor ner Zeit die Anna vor dem Hammer, ne heiße Schnecke war´s schon, ohne Gelaber richtig tief eingelocht. Danach raus, rumgedreht die Maus und von hinten richtig tief rumgenudelt. Die Kleine hat richtig die Augen verdreht dabei und zum Glück hab ich ihre Beine vorher leicht an dem Bettgestell fixiert, so dass ihre Beine schön auseinander waren. Dann kurz vorm Abschluss raus und in ihren Rachen entsorgt bis zum letzten Tropfen.

Was die Telefon-Madam betrifft, kann ich nur sagen „sollte mal ne Fortbildung in Sachen Kundenfreundlichkeit nehmen, ihr musste man alles zweimal fragen. Weil die Frauen bei KE sind sehr mechanisch, dafür aber richtige Abfickhuren, so wie es man sich halt manchmal wünscht.“ Smiley, Smiley, Smiley,…. (Tabulosforum[5], Eintrag vom 28.11.2009)

„Sehr geil! Dann können wir die geile Stute auch schwanger AO reiten!“

„Ja die Kleine steht “leider” irgendwie daneben! Lass du dich mal täglich von ca. 30 Typen bumsen und besamen… und das Crystal gibt ihr den Rest.“

„Super-Bilder! Da muss sie aber in der Nacht davor ordentlich durchgezogen worden sein, so rot wie ihre Muschi ist!“

„Hi Leute, auch ich war heute mal bei der (ist absolut nicht böse gemeint) schwangeren Mülltonne “S.” und habe diese (so gut es ging) schön und innig besamt. Das Mädchen ist nur wie bereits erwähnt hochschwanger (im Februar kommt das Kind raus und weg sagte sie) und leider wirklich heftigst drauf und so krass verpeilt, dass man sich eigentlich gar nicht richtig aufs ficken konzentrieren kann. (man kann sich auch nur sehr schwer mit ihr unterhalten). Sie ist trotz allem sehr nett und ich habe viel mit ihr gelacht, wir hatten beide unseren Spaß, aber irgendwie tut sie mir irgendwo leid. Ich werde sie die Tage auf jeden Fall nochmals besuchen…“

„War gestern auch dort und habe mich nach ihr umgeschaut, aber in dem Zimmer wo sie vorher war, ist jetzt eine etwas molligere Türkin… hat sich dann nach Absprache für 25€ ohne Ficken besamen lassen.  (Eintrag[6] über ein Bordell im Frankfurter Bahnhofviertel, das Bordellführungen anbietet um den Bürgern zu zeigen, dass dort alles in Ordnung sei)

Das passiert in Deutschland. Und es ist legal. Und es wird weiterhin passieren, auch mit dem neuen ProstituiertenSchutzgesetz. Ganz legal, staatlich abgesegnet.

Ja, meine sehr verehrten Damen und Herren, wie geht es denn den Frauen dabei? Wie fühlt sich ein Mensch, der zu einem Stück Fleisch reduziert wird, als ein Sexobjekt benutzt und in allen Körperöffnungen penetriert wird?

Mich fragen oft Reporter ungläubig, ob es den Frauen wirklich schlecht gehe in der Prostitution. Sie wollen Diagnosen hören. Viele Frauen weisen in der Tat posttraumatische Belastungsstörungen auf, aber nicht nur: Sucht, Angst- und depressive Störungen sind häufig. Welche Diagnose gibt man einer Frau, die keinen Schmerz mehr spürt, wenn man diese Dinge mit ihr tut? Wir haben es hier mit multiplen Traumafolgestörungen zu tun.

Sandra Norak, eine Ex-Prostituierte, drückt es mit folgenden Worten aus[7]: Für die Abspaltung des Empfindens, die „Unerträgliches erträglich macht“, kennt sie jetzt den Fachbegriff: Dissoziation. Aus der Literatur über Trauma und Prostitution lernte sie über sich: „Als Kind dissoziierte ich schon im Umgang mit meiner psychisch kranken Mutter. Ich fing auch an, mich selbst zu verletzen. Der Schritt zur Prostitution ist dann kein großer mehr. Dort schaltete ich weiter automatisch ab, um die Worte und die Handlungen der Freier ertragen zu können. Später brauchte ich Alkohol, um meine Panikattacken mit Atemnot vor jedem Zimmergang zu stoppen.“

 Direkt nach dem Ausstieg war ihr Körper wie taub, ihr war ständig schwindelig, sie stotterte und konnte keinen Gedanken zu Ende bringen. „Es war alles durch die Prostitution bedingt“, sagt sie. Norak hatte mit posttraumatischem Stress zu kämpfen. „Sich von fremden Menschen tagtäglich penetrieren zu lassen erfordert einen Schutzmechanismus des Gehirns, um dabei abschalten zu können. Diesen Mechanismus wurde ich lange Zeit nicht los. Ich hatte verlernt, im Augenblick zu bleiben.“ Sie blieb weiterhin innerlich auf der Flucht, auch wenn die aggressive Umgebung nicht mehr da war.

In der Tat, internationale Forschungsergebnisse weisen auf, dass zwischen 60 und 68% der Frauen die Kriterien einer schweren PTBS erfüllen[8]. 70-95% der Frauen wurden in der Prostitution körperlich angegriffen. 65 bis 75% wurden in der Prostitution vergewaltigt. 65-95% wurden als Kinder sexuell misshandelt. 82% nannten Formen von psychischer Gewalt und 92% hat sexuelle Belästigung erlebt[9]. Es gibt keinen anderen „Beruf“ auf dieser Welt, der so gefährlich ist: die Sterberate liegt bei Frauen in der Prostitution um ein Vierzigfaches über dem Durchschnitt[10]. In keiner anderen Berufsgruppe liegt die Mortalität so hoch wie bei Prostituierten. Die Todesursachen reichen von Mord bis zu Unfällen, von Drogenmissbrauch bis zu Alkoholismus.

Gewalt ist Bestandteil der Prostitution.

Ich möchte darauf hinweisen, dass die psychischen Schäden bei Frauen, die noch in der Prostitution tätig sind, oft nicht einfach zu erheben sind. Die Dissoziation kann sehr unterschiedliche Formen einnehmen. Der seelische Schmerz wird oft erst zugänglich für die Frauen, wenn sie den Weg aus der Prostitution finden und ihnen erst bewusst wird, was ihnen angetan wurde.

Ein Beispiel:

Vor kurzem erhielt ich folgenden Brief von dem Ehemann einer ehemalig prostituierten Frau: „Meine Frau hat bis zu ihrem 27. Lebensjahr ihr Geld ganz oder teilweise mit Prostitution verdient. Kurz bevor wir uns kennenlernten, ist sie ausgestiegen und hat diese Zeit bis heute äußerst erfolgreich verdrängt, so dass diese Zeit in unserem Leben eigentlich keine Rolle spielte und sie sagte, sie hätte mit diesem Lebensabschnitt komplett abgeschlossen. Vor ein paar Wochen hatten wir eine tiefe Ehekrise. Meine Frau entwickelte daraufhin ein Alkoholproblem und musste stationär behandelt werden. Bei der Eingangsanamnese wurde ein schwere PTBS diagnostiziert, die durch die Prostitution entstanden sei. Meine Frau konnte es nicht annehmen, da sie sich frei für die Prostitution entschied und als Gegenleistung Geld erhielt. Mit dem Geld sei die Gegenleistung aus ihrer Sicht abgegolten gewesen. Nun ist es aber so, als wenn bei meiner Frau eine alte vergessene Wunde aufgerissen wurde und das Blut hinaus schießt.“  Es kam zu einem Telefongespräch zwischen uns und ich sagte ihr, dass das Geld nichts rein wäscht und sie diese Schmerzen empfinden darf. Ihr Zustand stabilisierte sich daraufhin.

Hier möchte ich ein Beispiel sekundärer Traumatisierung darstellen:

Das ist was ein Ehemann schrieb, der auf die heutige Veranstaltung aufmerksam wurde: „Es gibt noch einen in der Öffentlichkeit bisher völlig vernachlässigten, nicht destotrotz in seiner Wirkung verheerenden Aspekt, der ebenfalls mit psychischer Gewalt gegen Frauen zu tun hat, und zwar gegen die Frauen, die von ihren Männern mit Prostituierten betrogen wurden und deren komplette Welt von einem Tag auf den anderen völlig aus den Angeln gehoben wurde. Meine Frau hat im Zuge der schockartigen Aufdeckung meiner jahrelangen Aktivitäten heftige Herzrhythmusstörungen entwickelt und litt anfangs stark unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Es gibt eine Plattform, die sich dem Thema Prostitution aus Sicht der betroffenen betrogenen Frauen verschrieben hat, sie heißt: „das Schweigen brechen“. Den anderen betroffenen Frauen, die sich dort austauschen, ging es teilweise ähnlich.“

Prostitution betrifft uns alle! Eine Studie in Frankreich, an der Grenze zu Spaniens „Jonquera“, zeigt, wie Prostitution das Verhalten in der Gesellschaft beeinflusst: Junge Frauen sehen sich z.B. unter Druck gesetzt sexuelle Handlungen, die sie nicht wollen, von ihren Partnern zuzulassen und/oder sich freizügiger zu kleiden. Diese Auswirkungen kann ich ebenfalls in Deutschland feststellen, da immer mehr junge Frauen meine psychologische Praxis aufsuchen, weil sie Angst haben nicht mehr „sexuell leistungsstark“ zu sein.

Jetzt werden Sie mir sagen: „Frau Dr. Kraus, sie haben ja wirklich nur die Schattenseiten der Prostitution dargestellt. Es gibt doch auch die „netten“ Freier“.

Das ist ein Verleugnungs-Mechanismus, der bekannt ist. In ihrer Studie über die französischen Sexkäufer stellt Legardinier[11] fest, dass es den Männern ein wichtiges Anliegen ist, sich von den „perversen Freiern“ abzugrenzen. Sie wollen sich als die „Guten“ verstehen. Mittlerweile sprechen aber mehr und mehr Aussteigerinnen über ihr Erleben in der Prostitution und räumen mit dem Mythos „des netten Freiers“ auf. Huschke Mau nimmt alle Freier in die Verantwortung und stellt nach zehn Jahren Prostitution fest: „Alle Freier sind Täter![12] Und was alle Freier gemeinsam haben, so Mau, das ist ihre Gleichgültigkeit[13]: „Freier sehen Prostituierte nicht als Frauen, sie sehen nur das Objekt, den Körper, eventuell noch das schmückende Beiwerk. Die Frau, deren Rechte, deren Willen und Gefühle sind ihnen schlichtweg gleichgültig“. Rachel Moran[14] muss nach sieben Jahren Prostitution und einer langen Zeit der Rekonstruktion feststellen, dass der gewalttätige Sexkäufer eigentlich ehrlicher mit ihr umgegangen sei als derjenige, der so getan hat, als wolle er sanft und gut mit ihr sein. Letztendlich sei es jedes Mal eine bezahlte Vergewaltigung gewesen. „Ich hatte einen, sagt Huschke Mau, der wollte dauernd Händchen halten und mit mir danach essen gehen. Die Termine waren der Hass, weil sie so lange dauerten, auch im Bett. Das war einer von diesen „netten“ Kunden, und die wollen meistens „Girlfriend-Sex“, das heißt, sie wollen Nähe, Intimität, Schmusen, Küssen, den ganzen Kram, und das ist anstrengend, weil es persönliche Grenzen überschreitet, weil man noch mehr schauspielern muss, und es versaut einem Intimität restlos, eben weil sie restlos eingefordert wird. Man darf nichts mehr für sich selber behalten. Indem man auch diese Gesten der Zärtlichkeit imitiert und verkauft, gehören sie einem nicht mehr, sie werden Teil des Entertainerinnenrepertoires und damit bedeutungslos, da abgespalten vom Ich. Hinzu kommt, dass zu dem Gefühl, missbraucht zu werden durch die Freigabe derart intimer Gesten das Empfinden kommt, an dem Missbrauch beteiligt zu sein, sich selbst zu missbrauchen, da kein „harter Kern“ übrig bleibt, der vor dem Freier geschützt wäre. Es ist wie eine Totalauslieferung.“

Eine Bekannte, die in einem Ausstiegsprogramm für Prostituierte arbeitet, sagte mir, dass nur wenige Frauen den Ausstieg erreichen. Die Frauen arbeiten so lange, bis sie körperlich zusammenbrechen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis das passiere.

Warum ist das so, fragte ich mich? Weil man den Willen dieser Frauen gebrochen hat. Diese Frauen sehen keine Zukunft für sich, sie haben keine Träume, keine Identität außerhalb der Prostitution. Sie sind auf dieses konstruierte Wesen der „Prostituierten“ reduziert und finden keinen Weg mehr da raus. Sie sind in ihrem Trauma und ihrer Scham eingesperrt.

„Die jungen Frauen, die nach Deutschland kommen, sind völlig überfordert, komplett traumatisiert. Viele verlangen nach ihren ersten Erfahrungen nach Psychopharmaka und Drogen. Sie sagen, anders sei ‚dieses Geschäft‘ nicht auszuhalten. Manche Frauen sind nur wenige Wochen da und sagen: ‘Ich bin hier gestorben, ich kann nicht mehr lachen‘. Die Frauen sind sehr traumatisiert, sie entwickeln Depressionen, Albträume, körperliche Schwierigkeiten. Sie reagieren psychosomatisch, haben Bauchschmerzen. Sie sind krank und fühlen sich auch krank. Es breitet sich eine ganz große Hoffnungslosigkeit in ihnen aus.“[15]

Dasselbe berichtet auch Jana Koch-Krawczak[16], wenn sie als Streetworkerin in die Bordelle geht. Sie begegnet verwahrlosten Frauen, die den Kontakt zu sich selbst völlig verloren haben. Sie reagieren verängstigt oder apathisch. Es erscheint offensichtlich, dass sie alles andere brauchen als Sex. Aber daneben stehen die Sexkäufer und scheren sich „einen Dreck“ darum. Sie lachen und amüsieren sich.

Wie geht das? Ich stelle mir dieselbe Frage, die sich auch Caroline Emcke in ihrem Buch „Gegen den Hass“ gestellt hat. Ja, wie geht das, die Not der Menschen nicht zu sehen, sondern nur die eigenen Bedürfnisse? Warum gehen Männer zu Prostituierten?

Sie gehen zu prostituierten Frauen, weil sie es dürfen. So einfach ist das. Weil sie denken, ein Recht auf Sex zu haben und dafür Frauen benutzen zu dürfen, und das mit der Absegnung von Kirche und Staat. Die Frau wird in ein sozial konstruiertes Bild eingesperrt, und zwar in das Bild „einer unersättlichen Sexbestie“. Andere Bedürfnisse werden ihr abgesprochen. Sie wird entmenschlicht, sie ist nur noch das. Das erlaubt den Sexkäufern jegliche Form von Skrupellosigkeit, ihr Mitgefühl ist blockiert, an seine Stelle tritt Gleichgültigkeit.

Durch Verdrängungsmechanismen und gedankliche Tricks mogelt sich so die Gesellschaft und die Politik aus der Verantwortung heraus. Die Gewalt wird verleugnet, die Realität ausgeblendet. Und für was das alles?

All das, um ein ganz stark tabuisiertes Thema zu schützen, und zwar die männliche Sexualität und das ihr widerspruchslos zugestandene Recht auf uneingeschränkte Entfaltung. Manche Männer scheinen große Angst davor zu haben keine Frau mehr abzukriegen. Sie erleben es als einen Machtverlust, nicht mehr entscheiden zu können, mit wem sie Sex haben wollen. Anstatt sich etwas für die Frauen zu bemühen und sie als gleichberechtigt zu sehen, wird eine Enklave im Staat errichtet, um ihnen diese Macht weiterhin zu ermöglichen.

Das neue Prostitutions-Schutzgesetz sendet doch weiterhin die falschen Signale, nach dem Motto: Jungs, passt in Zukunft etwas mehr auf, aber macht weiter! Demokratie bedeutet nicht, dass wir machen können, was wir wollen. Unsere Freiheit hört dort auf, wo wir die Grenzen eines anderen Menschen verletzen. Und der Auftrag unserer politischen Vertreter ist, immer auch die vulnerabelsten Mitglieder unserer Gesellschaft im Auge zu halten und sie vor Ausbeutung zu schützen. Es ist eine Schande, dass keine der großen Parteien (1), eine klare Haltung dazu nimmt! Sie sind von dem rasanten Aufstieg der rechts-populistischen Parteien schockiert. Anstatt jedoch die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen um die skandalösen Zustände zu beenden, halten sie den Status Quo aufrecht um nicht negativ aufzufallen und ihre Pöstchen nicht zu gefährden. Sie begreifen jedoch nicht, dass sie mit dieser reform-ängstlichen Politik, die übrigens auch mit allen anderen großen Themen betrieben wird, den Populismus erst recht füttern. Die Gleichgültigkeit gegenüber dieser extremen Frauenverachtung kann nicht mit anderen Frauen fördernden Punkten (Quote oder Lohngleichheit) ausgeglichen werden. Alle etablierte Parteien müssen sich dem Vorwurf stellen, Frauenfeindlichkeit ins Wahlprogramm geschrieben zu haben.

Deutschland, so Manfred Paulus[17], ist durch das Gesetz von 2002 nicht nur zum Bordell Europas geworden, sondern international Drehscheibe für Sexsklavinnen. Das Rotlichtmilieu ist mittlerweile in den Händen der international organisierten Kriminalität. Es wäre naiv zu glauben, dass diese vor den Türen der Bordelle endet. Mit einer Kondompflicht ist die Sache nicht gelöst!

Bei der Prostitutionsfrage geht es um mehr als nur Schadensbegrenzung zu betreiben, es geht um ein neues Gesellschaftsmodell: eine neue Männergeneration soll geschaffen werden, die nicht auf sexuelle Ausbeutung der Frau zurückgreift um sich zu definieren.

„Prostitution ist Gewalt gegen Frauen! Sie festigt und fördert die patriarchalen Geschlechterverhältnisse, sie ist Symbol männlicher Herrschaft über Frauen sowie kollektiver Entwürdigung von Frauen“.[18] Mit der Schimäre des unkontrollierbaren männlichen Sexualtriebes muss aufgeräumt werden. Männer sollten einen anderen Umgang mit Frustration erlernen.

Es sollte den deutschen Schülerinnen und Schülern das Gleiche vermittelt werden, wie Schülerinnen und Schülern in Frankreich: Dass eine Frau keine Ware ist und sie nicht zur sexuellen Benutzung gekauft werden darf, dass Prostitution verheerende Auswirkungen auf der Welt auslöst, dass Prostitution kein Schicksal oder unvermeidliches Übel ist, keine Freiheit und schon gar nicht ein Beruf. Prostitution verstößt gegen die Menschenrechte und Menschenwürde. Deshalb brauchen wir auch hier in Deutschland ein Sexkaufverbot, denn es gibt kein Recht auf Sex!

 Ich bedanke mich!

Lektorat: Firdes Ceylan

Quelle: Trauma and Prostitution – Scientists For A World Without Prostitution

 

 

Gespräch mit Lisa Harmann

 

Lisa Harmann hat mir ein paar Fragen gestellt:

Sandra Norak* schaffte zum ersten Mal an, da war sie 18. Es sollte sechs Jahre lang dauern, bis sie sich selbst aus dem Sumpf der Prostitution befreien konnte. Heute macht sie sich für das „Nordische Modell“ stark, in dem unter anderem Freier für ihren Besuch bei Prostituierten bestraft werden – und hat dafür ihre Gründe.

Frau Norak, Sie sind Jura-Studentin, 27 Jahre alt, aber Sie sind nicht wie die anderen in Ihrem Jahrgang, denn von 2008 bis 2014 waren Sie in der Prostitution. Wie kam es dazu?

Sandra Norak: Als Schülerin lernte ich im Internet einen „Loverboy“ kennen. Während ich zuhause große Probleme hatte, vermittelte er mir Halt und Liebe und ebnete mir den Weg in die Prostitution.

Wusste Ihre Familie davon?

Norak: Ein paar Leute fanden heraus, dass ich mich prostituierte, aber sie wussten nicht über die wirklichen Umstände Bescheid.

Selbst schuld, sagen einige, wenn man sich auf einen „Loverboy“ einlässt. Was entgegnen Sie ihnen?

Norak: „Loverboys“ sind Männer, die gezielt nach jungen Mädchen oder Frauen Ausschau halten und ihnen Liebe vorspielen mit dem Ziel sie später in Form von Zuhälterei auszubeuten. Sie binden sie emotional an sich und erst wenn diese Bindung besteht, kommt die Prostitution ins Spiel, wobei es verschiedene Vorgehensweisen von „Loverboys“ gibt.

Meiner war um die 20 Jahre älter als ich und ein Ex-Fremdenlegionär. Er verherrlichte das Buch „Sun Tsu – die Kunst des Krieges“. Dieses Buch ist ein Kriegsstrategie-Klassiker. Die Autorin und Psychotherapeutin Marie-France Hirigoyen bezieht sich in ihrem Buch „Die Masken der Niedertracht“, welches das Thema „seelische Gewalt“ behandelt, einige Male auf Sun Tsus Buch indem sie seine Ausführungen über Kriegskunst auf den psychischen Krieg zwischen zwei Personen überträgt und nennt Menschen, die beispielsweise wie mein „Loverboy“ agieren, „die Perversen“. Ihr Buch fand ich erst vor einiger Zeit. „Loverboys“ planen alles von Anfang an. Vor allem junge Menschen sind leicht manipulierbar und sehr gefährdet.

Haben Sie das Gefühl, dass jede Frau auf so einen Menschen reinfallen könnte?

Norak: Nein, es gibt „Push“ – und „Pull-Faktoren“ im Bereich des Menschenhandels, vor allem bei der Migration osteuropäischer Frauen, die in der Prostitution landen. Während Push-Faktoren Menschen in Richtung Prostitution drücken können, wie zum Beispiel Perspektivlosigkeit und Armut, (sexuelle) Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung in der Kindheit, etc., können Pull-Faktoren weiter hineinziehen, wie die „Loverboys“ mit ihren falschen Versprechen oder bei Osteuropäerinnen oftmals das Versprechen eines guten Jobs und eines besseren Lebens in Deutschland. Die „Loverboy-Methode“ ist ein komplexer, durchgeplanter und perfider Isolationsprozess. Im Rotlichtmilieu gibt es regelrechte „Schulen“, um diese Taktik beherrschen zu lernen.

Wie sah denn Ihr Tagesablauf damals aus? Gab es da Routinen?

Norak: Mich prostituieren, essen, schlafen. Ich bekam vom Leben draußen gar nichts mehr mit und verwahrloste immer mehr.

Welche Menschen kamen in diesen sechs Jahren zu Ihnen?

Norak: Alle Möglichen. Freier aus jeder Schicht, jedem Beruf, Behinderte, alte und junge Leute, Ledige, Verheiratete, Singles – wobei die meisten liiert oder verheiratet waren. Erschreckend fand ich die hohe Anzahl an Familienvätern. Ich musste feststellen, dass wir leider in einer sehr verlogenen Gesellschaft leben.

Was war das Schlimmste?

Norak: Die Prostitution an sich ist schlimm. Es gibt keine guten Freier und Escort ist genauso Prostitution und seelenraubend wie jede andere Form der Prostitution. Ich hatte viel mit Prostituierten zu tun und egal welche Form sie gerade ausübten oder welchen Freier sie gerade hatten, sie waren danach immer am Ende.

Wie haben Sie das ausgehalten?

Norak: Erst dissoziiert und dann mit viel Alkohol. Seit Beginn des Jura-Studiums beschäftige ich mich auch sehr viel mit der Psychotraumatologie im Hinblick auf die Prostitution und es ist essenziell, dass Menschen darüber Bescheid wissen, wenn sie über Prostitution sprechen. Die Dissoziation ist ein Schutzmechanismus des Gehirns, eine Abspaltung des Empfindens. Wenn, wie hier, sexuelle Handlungen der Freier unerträglich werden und man physisch nicht weg kann, lässt die Dissoziation einen abschalten. Bewusstsein und Wahrnehmung werden getrübt, man befindet sich in einer Art Trance-Zustand und ist depersonalisiert.

Welche Folgen hatte das?

Norak: Auch wenn Sie dissoziieren, erleben Sie die Situationen natürlich trotzdem. Wenn Sie nun nach den Zimmergängen mit bestimmten Schlüsselreizen wie zum Beispiel dem Parfum des Freiers in Berührung kommen, kann das Flashbacks auslösen. Sie erleben dann vergangene Situationen oder Gefühlszustände wieder und zwar in extremer Stärke. Ich hatte viel mit Panikattacken zu kämpfen. Zu dieser Zeit wusste ich nicht, was mit mir los war. Im Bordell und leider auch in den meisten Beratungsstellen sitzen keine spezialisierten Fachkräfte aus diesem Bereich.

Hatten Sie Hilfe in dieser Zeit?

Norak: Nein, aber ich habe mich auch verschlossen. Das ist ein großes Problem: Die wenigsten Prostituierten trauen sich überhaupt Hilfe zu suchen, weil sie wissen, dass sie so tief unten sind, dass richtige und ernsthafte Hilfe raus aus diesem elendigen Leben leider in unserem Land so gut wie nicht existiert.

Wie haben Sie den Ausstieg geschafft?

Norak: Nach ein paar Jahren in der Prostitution habe ich angefangen im Bordell mein abgebrochenes Abitur per Fernstudium nachzuholen, machte unbezahlte Praktika um meinen Lebenslauf zu füllen, bekam einen Minijob und letztlich dann einen Vollzeitjob, der mir den kompletten Ausstieg ermöglichte.

Wie ging es Ihnen danach?

Norak: Nicht gut. Ich hatte mit posttraumatischem Stress zu kämpfen und wusste sehr lange Zeit nicht, was da überhaupt mit mir los war.

Sie sagen, im Grunde prostituiert sich niemand freiwillig, wie meinen Sie das genau?

Norak: Ich habe keine Frau gesehen, die in der Prostitution sein wollte. Nun wird oft angebracht, es gäbe ja auch Menschen, die nicht gerne putzen wollen und trotzdem putzen gehen. Das kann man nur ganz und gar nicht vergleichen. Wenn erfahrene Traumatherapeutinnen und Traumatherapeuten über die Folgen von Prostitution sprechen, dann berichten sie von komplexen posttraumatischen Belastungsstörungen, die sich nur nach schweren Traumatisierungen entwickeln können. Beim Putzen bekommt man die sicher nicht. In der Literatur über Trauma und Prostitution findet man auch Studien darüber, dass die überwiegende Anzahl an Frauen, die sich freiwillig prostituieren, bereits in ihrer Kindheit diverse Formen von Gewalt erlebten und die Gewalt, wie sie sie dann auch weiter in der Prostitution erfahren, einzig durch die bereits entwickelten Schutzmechanismen aushalten können und dabei aber weiter traumatisiert werden. Hier von Freiwilligkeit zu sprechen ist zynisch. Es geht auch nicht darum, Prostituierte zu pathologisieren, sondern darum zu verstehen, dass Prostitution ein in sich geschlossenes Gewaltsystem ist.

Sie schreiben das Blog „Die Wahrheit über das Leben in der Prostitution“ und gehen mit Ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Warum?

Norak: Ich mag nicht mehr einfach zusehen wie Menschen in der Prostitution jeden Tag systematisch zerstört werden und will das Leid, was ich gesehen habe, nicht mit verantworten. Nichts tun, obwohl man etwas tun kann, bedeutet mit verantworten. Wir haben in unserer Gesellschaft schon viel zu viel Gleichgültigkeitsempfinden in Bezug auf so viele Dinge.

Heute kämpfen Sie für die Abschaffung der Prostitution. Wie engagieren Sie sich?

Norak: Ich schreibe, um zu versuchen, das Thema verständlicher zu machen und bin Mitglied bei „Sisters e.V.“. Ich unterstütze die Kampagne „Rotlichtaus“, denn wir brauchen in Deutschland und noch in vielen anderen Ländern das „Nordische Modell“. Auch das Europäische Parlament hat sich 2014 dafür ausgesprochen. Erfahrungen zufolge ist es zudem das effektivste Mittel gegen Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Bereits viele Menschen und Organisationen, auch auf internationaler Ebene, stellen sich schon seit einigen Jahren unermüdlich dem Kampf gegen Prostitution und Menschenhandel. Einfach ist dieser Weg nicht, aber es ist ein Weg, den es lohnt zu gehen. Und ich wünsche mir, dass noch viel mehr Menschen anfangen ihn zu beschreiten.

*Sandra Norak ist der Name, mit dem sich die Interviewte der Öffentlichkeit stellt. Es ist nicht ihr richtiger Name.

 

Quelle:

Über Freier, Zynismus und das Umdenken

 

Wie ich gesehen habe, wurde nach dem Spiegel Artikel in einem Freier Forum über mich bzw. das Thema diskutiert:

https://www.freiermagazin.com/freier-forum/threads/die-wahrheit-%C3%BCber-das-leben-in-der-prostitution.48226/

Zum Beispiel wurde hier geschrieben:

„Ich finde das alles ganz prima was die da so schreiben, es bleibt allein die Frage wie man das Geschlechtsleben der Männer in den Griff kriegen will. Vielleicht mit Brom, Hormonen oder einem Eingriff?“

Herr XY,

ich hoffe, Ihnen ist klar, dass Sie sich selbst mit diesem Satz auf ihr Geschlechtsteil reduzieren und sich kleiner und verstandloser machen als Sie wahrscheinlich sind. Wir sind alle durch die Evolution gegangen – der „Trieb“ mag da sein, aber mit der Vorgabe ihn nicht unter Kontrolle haben zu können, ihm hilflos ausgeliefert zu sein, stellen Sie sich dar als hätten Sie keine Wahl, als wären sie unfähig ihren Verstand einzuschalten und ihr Handeln zu kontrollieren. Sie machen sich mit Ihrer Aussage selbst zu einer armseligen Kreatur, die nicht selbstständig entscheiden kann. Sie zeichnen hier ein sehr trauriges Männerbild und es tut mir leid für diejenigen Männer, die nicht so sind, die Sie aber automatisch in Ihre Aussage durch den Begriff „der Männer“ miteinbeziehen.

Weiter:

„Ansonsten ist das die Wahrheit über deren Prostitution und nicht über die Prostitution. Ich kenne tatsächlich berufsbedingt hunderte von Frauen, die alle ihre Probleme haben, aber ganz anders leben als die Wahrheitsbestimmerin hier. Wenn Du denen, jeder einzelnen(!), einen Job anbieten würdest, der ihren Fähigkeiten entspricht, würde keine diesen annehmen.“

Ich nehme an, Sie meinen hier, dass Sie hunderte von Prostituierten kennen? Wenn dem so ist, frage ich mich wie Sie hunderte von Prostituierte BERUFSBEDINGT kennen können, die dann auch angeblich noch alle Prostituierte sein wollen, selbst wenn man ihnen einen anderen Job anbieten würde. Sind Sie vielleicht ein Bordellbetreiber/Zuhälter oder woher kennen Sie BERUFSBEDINGT hunderte von angeblich zufriedenen Prostituierten? Stellen Sie mir diese „hunderte von Prostituierten“ doch gerne mal vor, ich möchte Sie allesamt kennenlernen.

Ich bin keine „Wahrheitsbestimmerin“, sondern ich gebe lediglich das Elend wieder, was ich in 6 Jahren in diversen Bordellen gesehen habe. Und diese Zustände sind nun mal die Wahrheit, wenn sie auch manchen nicht gefällt oder nicht ins Bild passt, weil sie es lieber verdrängen/nicht wahrhaben wollen/nicht sehen können, etc…

Weiter:

„Man müsste der Dame in ihrem Blog mal die richtigen Fragen stellen: z.B:
Recht hast Du, brave Streiterin. Aber wie soll das gehen, wenn es armen Frauen nicht mehr erlaubt ist so Geld zu verdienen? Von was sollen diese dann leben? Wer bezahl deren Unterhalt? Wer versorgt die Familien daheim in Rumänien, Bulgarien usw?…

Was machen die Mädchen, die arbeiten wollen? Von was leben, die die nichts anderes können?“

Erstens verbietet das „schwedische/nordische Modell“ den Frauen nicht sich zu prostituieren. Und zweitens ist es zynisch, Menschen der Prostitution auszusetzen mit dem Argument, sie können sowieso nichts anderes. Oder zu sagen, dass Prostitution ok ist, weil es keine anderen legalen Alternativen für diese Menschen gibt. Was sind das für Argumente? Das sind für mich keine Argumente, sondern ein Zynismus, der nicht mehr zu übertreffen ist.

Eine Studie von Dr. Melissa Farley (mit 854 Menschen aus 9 Ländern, die zu diesem Zeitpunkt entweder noch in der Prostitution waren oder sie kurz davor verlassen hatten) besagt folgendes:

We found that prostitution was multitraumatic: 71 % were physically assaulted in prostitution; 63 % were raped; 89 % of these respondents wanted to escape prostitution, but did not have other options for survival. A total of 75 % had been homeless at some point in their lives; 68% met criteria for PTSD (Post Traumatic Stress Disorder)

Quelle: Prostitution and Trafficking in Nine Countries: An Update on Violence and Post Traumatic Stress Disorder

Als Staat, der es sich zur Aufgabe macht sich für Menschenrechte einzusetzen, ist es seine Aufgabe Hilfe und Alternativen zu schaffen um Menschen aus diesem Sumpf zu befreien. 89 % wollen sich der Studie nach gar nicht prostituieren. Sie haben tagtäglich Geschlechtsverkehr gegen ihren eigentlichen Willen. Warum schafft man zum Beispiel für ausländische Prostituierte keine Deutschkurse, Aus – und Weiterbildungen, INTEGRATION, wie wir sie zum Beispiel für Flüchtlinge haben, aber nicht bzw. nicht ausreichend für Menschen, die in der Prostitution im eigenen Land bereits seit Jahren elendigen Zuständen ausgesetzt sind? Dass das viel Geld kostet ist mir klar, aber wenn man als menschenrechtsliebendes Land kein Geld dafür ausgeben will, dass unzählige Menschenwürdeverletzungen aufhören und stattdessen die sexuelle Integrität, der persönlichste Bereich der Intimsphäre, geschützt wird, wofür dann?

Dieser Auszug von Dr. Farley sollte zum Nachdenken anregen:

Some pimps, some sex buyers and some governments have made the decision that it is reasonable to expect certain women to tolerate sexual exploitation and sexual assault in order to survive. Those women most often are poor and most often are ethnically or racially marginalised. The men who buy them or rape them have greater social power and more resources than the women. For example, a Canadian prostitution tourist commented a bout women in Thai prostitution, “These girls gotta eat, don’t they? I’m putting bread on their plate. I’m making a contribution. They’d starve to death unless they whored.” [2] This self-congratulatory Darwinism avoids the question: do women have the right to live without the sexual harassment or sexual exploitation of prostitution – or is that right reserved only for those who have sex, race or class privilege? “You get what you pay for without the ‘no,’” a sex buyer explained.[3] Non – prostituting women have the right to say “no.” We have legal protection from sexual harassment and sexual exploitation. But tolerating sexual abuse is the job description for prostitution.

Quelle: Very inconvenient truths: sex buyers, sexual coercion, and prostitution-harm-denial

Ich habe in den letzten zwei Wochen auch erstaunlich viele positive Freier-Feedbacks erhalten.

Das hier schrieb heute ein ehemaliger Freier namens Marc unter meinem „Update“-Beitrag:

Hallo,
zunächst möchte ich sagen, dass ich heute das Nordische Modell vollkommen unterstütze und sofort dafür unterschreiben würde.

Ich lese diesen Blog mit hohem Interesse. Ich bin oder besser war ein Freier, der für viele Jahre zu Prostituierten gegangen ist. Seit 2 Jahren bin ich nicht mehr gegangen und hoffe, dass ich es nie wieder tun werde.

Ich möchte mich bedanken für die Artikel hier und die Wiedergabe, was wirklich in den Frauen vorgeht. In einigen Artikeln und Kommentaren habe ich dieselben Argumente gefunden, die ich auch Jahrelang verwendet habe, um mein eigenes Verhalten zu rechtfertigen. Heute weiß ich wie selbstbelügend diese Argumente sind. Ich bin nun überzeugt, dass keine Frau wirklich freiwillig ihren Körper – und wie hier sehr gut dargelegt, die Seele – für Geld verkauft. Sei dies nun als Prostituierte oder Pornodarstellerin. Es gibt sicher kein 12 jähriges Mädchen, dass dies als Berufswunsch angibt. So glaube ich auch, dass selbst bei denjenigen, die Behaupten sie tuen dies völlig freiwillig, irgendein Problem dahinter liegt. Im Prinzip genauso, wie bei Frauen, die bei häuslicher Gewalt immer noch bei ihrem Partner bleiben und sich einreden es wäre ja nicht so schlimm.

Für mehr als 20 Jahre habe ich bei Prostituierten etwas gesucht, was es einfach für Geld nicht zu kaufen gibt. Und ich bin heute überzeugt, dass dies bei allen Freiern so ist in der einen oder anderen Form. Leider ist es so, dass unsere Gesellschaft und unsere Vater oder andere Vorbilder uns vorgaukeln, dass sowas normal ist und man darüber etwas bekommt, was man braucht. Heute weiß ich was für ein Blödsinn das ist. Sex ist etwas Schönes und intimes zwischen zwei Menschen in den richtigen Umstanden, aber Geld oder andere Form der Bezahlung gehört sicher nicht dazu. Im Gengenteil durch mein Verhalten habe ich mich immer mehr davon entfernt worauf es wirklich ankommt und so ist es bei allen aktiven Freiern.
Aber es ist hart sich der Wahrheit zu stellen. Die Wahrheit ist unbequem und absolut schrecklich. Ich habe lange gebraucht mich dieser zu stellen. Und obwohl ich nie etwas illegales getan habe und mich sogar auch für einen „netten Freier“ (Danke für den Artikel, der das klar ebenfalls klar stellt) gehalten habe, muss ich mich doch dem stellen, dass ich am Mord von so vielen Seelen mitgewirkt habe. Ich hoffe ebenfalls, dass diese Seelen nicht für immer zerstört sind und dass es irgendeinen Weg gibt zumindest eine kleine Wiedergutmachung zu leisten. Nichtsdestotrotz werde ich diese Schuld mit ins Grab nehmen.

Da wir ein gesellschaftliches Umdenken brauchen unterstütze ich dieses Gesetz voll und ganz, da es das richtige Signal geben würde. Die Erfolge des Nordischen Modell sprechen für sich. Auch denke ich dass viele Freier dann erst erkennen werden, dass sie ebenfalls ein wirkliches Problem haben und letztendlich vielleicht Hilfe suchen. Denn genauso wie bei häuslicher Gewalt ist natürlich oberste Priorität der Schutz der Opfer, aber die Täter benötigen ebenfalls Hilfe, das sie oft keinen anderen Weg kennen. Leider können und wollen viele Freier sich nicht als Täter sehen und das muss sich ändern, nicht nur für die Frauen, aber auch für die Männer selbst.

Ich werde weiterhin diesen und andere Blogs verfolgen, denn sie helfen mir mich immer wieder zu erinnern und nicht wieder irgendwelchen Trugschlüssen zu erliegen.

Alles Gute

Ich danke diesem Mann für seine Ehrlichkeit, seine Courage und sein Umdenken. Und den vielen anderen Ex-Freiern oder solchen Männern, die darüber nachdachten zu Prostituierten zu gehen, und mir nachdenkliche E-Mails geschrieben und um Rat gefragt haben (deren Mails ich leider noch immer nicht alle beantworten konnte). Vielleicht wäre es hilfreich, wenn ihr euch alle untereinander zusammenschließt, über eure Erfahrungen, Eindrücke, etc… sprecht/schreibt und gemeinsam anfangt aktiv gegen das „System Prostitution“ zu werden. Eine weitere Bewegung wie Zéromacho wäre in Deutschland sehr wichtig. Vernetzt euch doch. Evtl. lege ich bald einen Facebook-Account an und könnte dann eine Gruppe erstellen, wo ihr euch austauschen könnt oder ihr macht das am besten selbst und gebt mir Bescheid, dann mache ich hier darauf aufmerksam.

Jeder kann etwas verändern. Und Marc: ich glaube, nicht immer muss man eine Schuld mit in das Grab nehmen, wenn man bereit ist umzukehren, einen anderen Weg einzuschlagen, und das dann auch tut. Das macht Vergangenes zwar nicht wieder gut, aber durch jeden Menschen, der endlich hinsieht und der Gewalt den Kampf ansagt, kann die Zukunft positiv verändert werden. Das ist, was jetzt zählt.

Und es braucht jede einzelne Hilfe für ein noch größeres Umdenken in unserer Gesellschaft.

Zum Schluss möchte ich nochmal Dr. Melissa Farley zu Wort kommen lassen:

1) The truth about prostitution is often concealed behind the lies, manipulations and distortions of sex trade pimps, managers and others who profit from the business. The deeper truths about prostitution are revealed in survivors’ testimonies, as well as in research on the psychosocial and psychobiological realities of prostitution.

2) At the root of prostitution, just like other coercive systems, are dehumanization, objectification, sexism, racism, misogyny, lack of empathy/pathological entitlement (pimps and johns), domination, exploitation, and a level of chronic exposure to violence and degradation that destroys the personality and the spirit.

3) Prostitution cannot be made safe by legalizing or decriminalizing it. Prostitution needs to be completely abolished.

4) Prostitution is more like being chronically sexually harassed, endangered, and raped, than working in a fast food restaurant. Most women in prostitution suffer from severe PTSD and want to get out.

5) Sex buyers are predators; they often engage in coercive behavior, lack empathy and have sexist attitudes that justify abuse of women.

6) A solution exists. It is called the Swedish model and it has been adopted by a number of countries including Sweden, Norway, Iceland, and Northern Ireland (mittlerweile auch Kanada, Frankreich und Irland – Israel ist aktuell auf dem Weg). The essence of the solution is: criminalization for johns ad pimps; decriminalization for women, and the provision of resources, alternatives, safe houses, rehabilitation.

7) Prostitution affects all of us, not just those in it.

Quelle: Very inconvenient truths: sex buyers, sexual coercion, and prostitution-harm-denial

Dre. Muriel Salmona über Prostitution

Gerade habe ich einen Artikel von Dre. Muriel Salmona

(présidente de l’association Mémoire Traumatique et Victimologie)

gelesen (über Prostitution) und möchte einen Auszug daraus posten.

Es geht u.a. auch um Prostitution und Dissoziation. Ich habe dieses Thema zwar schon mal aufgegriffen, aber ich finde diese nachfolgenden Zeilen so grandios formuliert, dass ich sie hier online stellen möchte.

Vor allem der letzte Absatz ist Gold wert – viele sollten sich das zu Herzen und vor allem zu Verstand nehmen, wenn sie auf sogenannte „freiwillige“ Prostituierte treffen und von deren „Freiwilligkeit“ überzeugt sind.

Hier der Auszug:

„Faced with extreme violence, a person is going to end up as detached,
emotionally anesthetized with a feeling of emptiness, unreality
and depersonalization, as if she were foreign to the events; she can even smile
automatically in a discordant way, or even laugh, disconnected from her
body which seems to be a foreign body, a dead body, insensitive
(Trinquart, 2002).
The lack of reaction, emotion and pain felt is convenient for all players in
the prostitutional system, this will allow customers to exert the worst
humiliations and sexual assaults without emotional hindrance, the
prostitute will remain docile and smiling… This dissociation is very
dangerous for prostitutes, it makes them bear the unbearable and it
worsens the total absence of customer empathy.“

Deutsche Übersetzung:

„Konfrontiert mit extremer Gewalt endet eine Person abgetrennt von sich selbst, emotional betäubt mit einem Gefühl der Leere, der Unwirklichkeit und der Depersonalisation, als ob sie eine Fremde in den Geschehnissen wäre; sie kann automatisch lächeln oder sogar lachen, während sie abgekoppelt von ihrem Körper ist, welcher ein fremder Körper zu sein scheint, ein toter Körper, empfindungslos.

 Dieser Mangel an Reaktion, an Emotion und an gefühltem Schmerz kommt allen Beteiligten in diesem Prostitutionssystem sehr gelegen, es ermöglicht den Freiern die schlimmsten Demütigungen/Erniedrigungen und sexuellen Übergriffe auszuüben ohne emotionalen Widerstand, die Prostituierte bleibt fügsam und lächelt weiter… Diese Dissoziation ist sehr gefährlich für Prostituierte, denn es lässt sie das Unerträgliche ertragen und es verschlimmert die vollständige Abwesenheit der Empathie der Freier.“

Hier die komplette englische Version des Artikels.

Kurzer Hinweis – Prostitution und Aufklärung

In dem neuen Menüpunkt Prostitution und Trauma habe ich angefangen Links hinzuzufügen, die das Phänomen der Prostitution zu erklären versuchen.

Wer sich noch tiefer in die Materie einlesen und verstehen möchte, was Prostitution ist, wie Prostitution funktioniert, findet u.a. dort Material.

Ich werde immer wieder mal was hinzufügen.

Prostitution und Dissoziation – ein tückischer Mechanismus

 

Ich möchte heute die Dissoziation innerhalb der Prostitution näher erläutern – wie sie entstehen kann, wie sie sich äußern kann – anhand meiner Erfahrungen.

Ich möchte veranschaulichen, warum viele Frauen sagen, dass sie freiwillig arbeiten – und dabei selbst weder wissen noch merken, dass sie das eigentlich nicht tun.

Was also ist diese Dissoziation?

Was sie aus wissenschaftlicher Sicht ist, wissen wir bereits. Ich habe ein paar Beiträge weiter unten Frau Dr. Ingeborg Kraus Vortrag geteilt, in dem erklärt wird, was sich dabei im menschlichen Gehirn abspielt. Hier nochmal der Link dazu

Grob zusammengefasst ist die Dissoziation ein Mechanismus, der Frauen u.a. in der Prostitution dabei hilft, all die grausamen Dinge, die sie erleben, auszuhalten, sie erträglich zu machen. Wenn der Stress in der konkreten Situation zu stark wird und diese Situationen öfter erlebt werden, arbeiten bestimmte Funktionen im Gehirn nicht mehr so, wie sie eigentlich funktionieren sollten, und man kommt in eine Art Trance-Zustand. Man ist wach, aber man empfindet weniger, fühlt weniger Schmerz, nimmt weniger wahr, etc… Es kann sich unterschiedlich äußern. Eindrücke, die das Gehirn bekommt, werden anders verarbeitet und man empfindet zum Beispiel Schmerzen als weniger intensiv. Wenn der Mann beispielsweise schnell und grob eindringt und es normalerweise extrem schmerzhaft wäre, ist es während dieses „Abschaltens“ durch den Mechanismus der Dissoziation „nur“ gedämpft schmerzhaft, manchmal überhaupt nicht schmerzhaft.

Als Prostituierte weiß man natürlich nicht, dass dieses „weniger Schmerz empfinden“ daraus resultiert, dass Gehirnfunktionen außer Kontrolle sind. Woher sollte man das als Laie auch wissen oder sich überhaupt Gedanken darüber machen, wenn man doch das Gefühl hat, dass alles in Ordnung ist?

Daher nimmt man an, dass das, was man erlebt, ja nicht so schlimm sein kann.

Und genau das ist das Tückische! Genau das ist auch der Grund, warum man Frauen, die sich für die Prostitution aussprechen, eigentlich gar nicht böse sein kann – denn sie empfinden es oft wirklich als „in Ordnung“, als nicht schmerzhaft, als nicht demütigend. Sie haben diese falsche Wahrnehmung von sich selbst, bei der sie nicht wissen, dass sie sich falsch wahrnehmen. Es erreichen sie Momente des Bewusstwerdens, die dann aber erfolgreich wieder verdrängt werden.

Wenn man bedenkt, dass ich zum Beispiel bis zu 20 Männer pro Tag im Flat-Rate-Club „bedient“ habe – jeden Tag, sieben Tage die Woche, vier Wochen lang, fragt man sich schon, wie das möglich ist. Physisch wie psychisch.

Größtenteils widerliche, stinkende Kerle, oft über 70/80 Jahre alt, die mir dann auch noch mit „Dirty Talk“ den Kopf gefickt haben als ob der eigentliche Akt an sich nicht schon genügen würde. Dann Männer mit „Monstergeschlechtsteilen“, die im Zimmer oft richtig „Gas geben“… als die „Arbeit“ in den Clubs nach der Arbeitszeit immer zu Ende war, habe ich meist in einem der Zimmer geschlafen, in denen ich auch gearbeitet habe und war komplett wund. Wenn es dann den nächsten Tag weiterging, wurde es dementsprechend nicht besser.

Früher habe ich mich nicht gefragt, wie ich das alles aushalte, es war einfach so. Ich hatte auch keine Zeit um mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was ich da eigentlich tat.

Ich tat es – in der Hoffnung, jemandem zu helfen seine Schulden zu bezahlen, in der Hoffnung dadurch geliebt zu werden, in der Hoffnung von zuhause wegzukommen.

Ich tat es, weil ich nicht ich war, sondern eine falsche Wahrnehmung von mir selbst hatte – wie auch bereits in der Magersucht, an der ich vor der Prostitution litt.

Um zu verdeutlichen, wie dieses Handeln unter falscher Wahrnehmung des eigenen Körpers/des eigenen Selbst funktioniert möchte ich kurz ein paar Zeilen zu meiner Erfahrung mit Magersucht schreiben, denn in der Magersucht ist diese falsche Wahrnehmung von sich selbst ähnlich wie die in der Prostitution:

„Das Problem an Magersucht ist, dass man eine komplett falsche Wahrnehmung von sich selbst hat/bekommt. Deswegen ist es oft nicht möglich eine Heilung im Hinblick auf diese Krankheit zu erzielen, da die Betroffenen es selbst nicht sehen und deshalb keine Einsicht zeigen (können).

Es ist nicht so, dass mir Knochen gefallen hätten – ich habe nur leider ernsthaft nicht im Spiegel gesehen, dass ich derart dünn bin. Um zu verdeutlichen, was ich meine, hier ein Bild:

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 Man blickt in den Spiegel und sieht überall Speck, der überhaupt nicht vorhanden ist.

Begriffen habe ich diese falsche Wahrnehmung erst Jahre nach der Magersucht, als ich Bilder von mir sah. Das war erschreckend. Ich konnte nicht begreifen, wie ich damals nicht gesehen habe, wie dünn ich eigentlich wirklich war.

Das ist das Heimtückische und Gefährliche an der Magersucht! Man sieht seinen Körper nicht so, wie er eigentlich ist.

Diese falsche Wahrnehmung des Körpers während der Sucht ist vergleichbar mit der falschen Wahrnehmung des eigenen Ichs während des Daseins in der Prostitution – denn in der Prostitution steht man auch vor diesem Spiegel (metaphorisch gesehen) und blickt hinein. Der einzige Unterschied zur Magersucht besteht darin, dass man im Spiegel nicht diesen dicken Körper sieht, der eigentlich dürr ist (wie bei der Magersucht), sondern man sieht eine Person, die freiwillig und selbstbestimmt als Prostituierte arbeitet – während die wahre Identität, das reale Ich außerhalb des Spiegelbildes, genau das Gegenteil davon ist. Und langsam immer weiter zerbricht.

In beiden Fällen also ist es eine falsche Wahrnehmung von sich selbst.“

Wie gerade beschrieben habe ich in der Prostitution also in diesen Spiegel geblickt und einen Menschen gesehen, der ich eigentlich gar nicht war.

Ich habe oft in diesem Spiegelbild gesehen, dass mir die Prostitution nichts ausmacht, ich keinen Schmerz empfinde, weder physisch noch seelisch. Ich habe in diesem Spiegel gesehen, dass ich weiß, was ich tue. Ich habe gesehen, dass diese Männer mich nicht zerstören können. Dass ich stark genug bin um das auszuhalten.

Relativ spät habe ich begriffen  – sie haben mich zerstört.

Jeder einzelne hat sich ein Stück meiner Seele genommen – auch wenn ich das nicht erwartet habe, weil ich ja dachte stark genug zu sein – ich konnte es einfach nicht verhindern und habe es auch erst in der letzten Phase meiner Zeit in der Prostitution begriffen.

Es waren tausende von Männern in 6 Jahren.

Diesen Bruch, den man da erlebt, kann man nicht rückgängig machen, deshalb muss man verhindern, dass einem Menschen diese Art von Gewalt passieren kann – und das erreicht man nicht dadurch, dass Sexkauf legal ist.

 

Aber wie äußert sich nun dieses „Abschalten“, diese Dissoziation, eigentlich?

Kann das jeder, kann man es beeinflussen? Ist doch eigentlich praktisch?

Geht das wieder weg?

Fragen über Fragen.

Ich bin niemand vom Fach, ich kann nur sagen, wie es sich bei mir bemerkbar gemacht hat.

Bis vor einem Jahr wusste ich nicht mal, was Dissoziation überhaupt ist.

Was mit mir all die Jahre los war, auch meine großen Probleme nach der Prostitution (dazu gleich noch), habe ich erst durch diverse Beiträge auf der informativen Seite Trauma and Prostitution herausgefunden, indem ich meine Erlebnisse unter die wissenschaftlichen Erkenntnisse quasi subsumiert habe.

Zuerst einmal habe ich verstanden, wie es mir möglich war, diesen Ekel, diese Wut, diese Verachtung, all diese negativen Gefühle jahrelang während des Zimmergangs von mir fernzuhalten – zumindest so fernzuhalten, dass ich die Zimmergänge ausführen konnte.

Ich habe verstanden, wie ich die letzten Jahre funktioniert habe und dafür bin ich allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich auf diesem Gebiet engagieren, sehr dankbar. Es ist unglaublich wertvoll, wenn man an einem Punkt angekommen ist, an dem man all die schweren Jahre seines Lebens begreift und die ganzen verstrickten Verknüpfungen versteht.

Schien es doch vorher alles so chaotisch und wirr…

In der Prostitution habe ich diesen Dissoziationsmechanismus nie so richtig wahrgenommen – er war hilfreich, er lies mich abschalten. Warum sollte ich also groß darüber nachdenken, warum ich beispielsweise bei Unterhaltungen mit Freiern den Gesprächsinhalt nicht mehr richtig wusste, da ich in Gedanken ganz woanders war. Ich dachte einfach, es ist normal. Wenn einen etwas nicht interessiert, hört man nicht hin und weiß dementsprechend auch meist nicht mehr, was der gegenüber gesagt hat.

Schwierig wird das nur, wenn man 12 Stunden am Tag mit Freiern verbringt, einen alles belastet und alles nicht interessiert und man eigentlich den ganzen Tag überhaupt nicht mehr richtig „da“ ist, weil man ständig in Gedanken abschweift. Über Jahre hinweg. Und sich diesen Mechanismus des „ich-geh-weg-aus-diesem-Moment-hier“ quasi unbewusst „antrainiert“ hat bzw. das Gehirn einem diesen Mechanismus verpasst hat.

Er geht leider irgendwann auch nicht einfach so wieder weg.

Als ich nach dem Ausstieg aus der Prostitution mitten in den Bergen als Pferdepflegerin gearbeitet habe, ist mir diese Dissoziation zum allerersten Mal störend aufgefallen – ich wusste aber natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass es der Dissoziationsmechanismus war.

Wie ist mir damals aufgefallen, dass etwas nicht stimmte?

Irgendwann habe ich bemerkt, dass ich keinem Gespräch richtig folgen konnte. Zu anfangs habe ich das gar nicht wirklich wahrgenommen, aber je weiter die Prostitution zurücklag, je mehr ich in diesem normalen Leben verankert war, je mehr ich nicht mehr abschalten wollte, weil mein Leben ja jetzt eigentlich besser war, desto mehr fiel mir auf, dass ich es trotzdem tat.

Wenn mir jemand auch nur 5 Minuten etwas erzählte, war ich sofort in Gedanken woanders und nicht mehr im Gespräch. Das hatte zur Folge, dass ich von den meisten Gesprächen nichts mitbekam, keine Ahnung hatte was mein Gegenüber erzählt hat, obwohl ich an der Unterhaltung eigentlich beteiligt war.

Jetzt weiß ich – in der Prostitution hatte mein Gehirn diesen Mechanismus entwickelt – dort war es hilfreich, dieses Abschalten. Dieses „nicht aufnehmen von unnötigen, mich belastenden und widerlichen Informationen durch die Freier“.

Als ich diese knappen 3 Jahre in einem Nachtclub gelebt und gearbeitet habe, war es Standard sich vor dem Zimmergang zu unterhalten in diversen Séparées. Teilweise haben sich die Freier mit mir 2/3/4 Stunden unterhalten. Eigentlich kann man es nicht Unterhaltung nennen, denn sie haben meist die ganze Zeit nur allein geredet  – meist über die böse Ehefrau, die nicht so will, wie sie es gerne hätten. Dann kamen noch einige Stammfreier dazu, die sich in mich verliebten (das sagten sie immer; in was sie eigentlich verliebt waren, war mein Körper) und ich mir immer wieder dieselben Geschichten anhören musste; die gleichen Schleimereien, die falschen Komplimente… das hält man irgendwann nicht mehr aus. Manchmal hätte ich mir gewünscht auch kein Deutsch zu verstehen.

Jedenfalls hat da dieses Abschalten begonnen, zumindest habe ich da zum ersten Mal gemerkt, dass ich ständig in Gedanken weg war. Die Freier konnten reden und reden, ich habe ab und zu geantwortet, sie redeten weiter und ich floh in Gedanken zurück in meine Traumwelt. So wusste ich dementsprechend meist auch nicht mehr sehr viel von Gesprächen. Manchmal waren sie dann beleidigt, wenn ich eine ihrer tollen Geschichten nicht mehr auf dem Schirm hatte, Namen vergessen habe, auch Gesichter vergessen habe… doch das war mir egal, ich machte mir auch keine Gedanken darüber.

Dann im normalen Leben aber, nach der Prostitution, war es leider sehr störend nicht richtig aufpassen zu können – und das Problem:

es ging nicht weg.

Und ich wusste auch nicht was mit mir los war.

Nach einem Gespräch mit jemandem ist mir immer aufgefallen, dass ich schon wieder abgeschalten hatte. Das merkte ich meist dann, wenn ich von dem Gespräch nichts mehr wusste. Ich konnte aber dieses Abschalten nicht verhindern, es war wie bereits erwähnt eine Art Automatismus.

Zudem hatte ich enorme Sprachschwierigkeiten entwickelt. Ich konnte keine Unterhaltung ohne Stottern oder Wörterkauderwelsch sprechen.

Je mehr ich das alles wahrnahm, desto suspekter wurde es mir. Ich hatte ja keine Ahnung davon, was mein Gehirn in der Prostitution für Schutzmechanismen entwickelt hatte, mit welchen ich nun zu kämpfen hatte.

Es war mir unheimlich und ich war allein damit.

Ich dachte ernsthaft an Alzheimer erkrankt zu sein, weil ich so oft von Gesprächen nichts mehr wusste, mich nicht erinnern konnte, mich nicht konzentrieren konnte, diese Probleme mit dem Sprechen hatte.

Jetzt weiß ich, dass es natürlich kein Alzheimer war – es war der Mechanismus der Dissoziation, den ich nicht loswurde.

Diese Erfahrung, in der ich wahrgenommen habe „nicht richtig im Hier und Jetzt bleiben zu können“, war erschreckend für mich.

Aber ich hatte es ganz einfach verlernt.

In der Prostitution hatte ich verlernt im Augenblick zu sein.

Ich bin geflohen – in den Gesprächen mit den Freiern sowie auch in den Zimmergängen mit ihnen.

Dieser Mechanismus hatte mir dabei geholfen alles auszuhalten.

Leider lies er mich nach meinem Ausstieg ca. 1 1/2 Jahre nicht los.

Es war sehr kräftezehrend.

Zum einen, weil ich selbst nicht wusste, was mit mir los war (ich habe nie eine Therapie gemacht, in der mir jemand erklärt hätte, was in mir vorgeht – wobei ich bezweifle, dass die meisten gewusst hätten, was mit mir los ist – es fehlt oft einfach an der Spezialisierung und dem Wissen um die Thematik und Problematik in der Prostitution)

Zum anderen, weil ich ständig versucht habe immer neue Strategien zu entwickeln um diese Probleme, die ich an mir bemerkt habe, zu beseitigen. Und ich musste irgendwelche Strategien entwickeln, denn es war die Zeit, in der ich mein Abitur schrieb – mündliche Prüfungen anstanden, in denen ich nicht stottern oder die Fragen der Prüfer vergessen wollte. Ich musste ihnen folgen können, ich musste es irgendwie hinkriegen, denn dieses Abitur war mein Schlüssel in ein neues Leben. Ich stand sehr unter Druck.

Bzgl. den Sprachschwierigkeiten habe ich geübt, bevor ich angefangen habe zu sprechen, mir einen Satz im Kopf auszudenken und in Gedanken zuerst aufzusagen bevor ich ihn laut ausspreche – selbst das hat oft nicht funktioniert. Und ihr könnt euch vorstellen, wenn man normal an einem Gespräch beteiligt ist, kann man für einen einzigen Satz nicht einfach mal eine Minute brauchen.

Da redet man halt – war aber zu der Zeit einfacher gesagt als getan.

Bzgl. dem „Nichtfolgenkönnen“ meines Gesprächspartners habe ich irgendwann angefangen mich extrem auf die Unterhaltung zu konzentrieren. Richtig zu konzentrieren, nicht abzuschweifen, meine Gedanken am Boden zu lassen.

Immer wieder, bei jedem Gespräch habe ich das geübt. Mich gezwungen, „da“ zu bleiben.

Das klingt einfach – war es allerdings ganz und gar nicht!

Und ich war richtig verzweifelt.

Ich hatte das Gefühl, dass es immer schlimmer wurde.

Dort in den Bergen war ich während der Arbeitszeit zwar meist der einzige Mensch auf der Anlage.

Dennoch war ich nicht allein.

Es waren jene Lebewesen da, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.
Pferde.

Bereits vor meinem Ausstieg habe ich mich tiefgründig mit ihnen befasst, gelesen über den Umgang mit ihnen, habe eine 1-jährige Weiterbildung in der Tierpsychologie für Pferde besucht, war auf verschiedenen Seminaren, habe mich auch mit dem Thema „Persönlichkeitsentwicklung/Wachstum und Transformation des Bewusstseins“ mithilfe von Pferden beschäftigt. Ich liebte Pferde schon zu diesem Zeitpunkt, aber dieses Transformationszeugs war schon irgendwie Hokuspokus für mich. Ich bin ein eher rational denkender Mensch, dennoch wurde ich eines besseren belehrt.

Die Arbeit mit den Pferden nach der Prostitution hat diesen Mechanismus der Dissoziation, dieses Abschalten, in mir vernichtet. Ich war hilflos und verzweifelt wie ein kleines Kind. Die Pferde haben mich „an die Hand genommen“ und mir gezeigt, was es bedeutet, den Augenblick zu leben – was es bedeutet, im Augenblick zu sein, ihn zu genießen anstatt Angst vor ihm haben zu müssen und fliehen zu wollen. Pferde haben mich zu dieser stabilen Persönlichkeit geformt, die ich heute bin –  sie haben mir den Weg dafür geebnet, dass ich nun den Weg gehe, der mich so unglaublich erfüllt – sie waren die besten Lehrer, die ich jemals hatte.

Dazu möchte ich eine Passage aus einem anderen Artikel meines Blogs abdrucken, die ich ein bisschen abgeändert habe:

„Durch Pferde habe ich gelernt authentisch zu sein, denn sie haben mich in der Arbeit mit ihnen regelrecht dazu aufgefordert. Pferde sind Fluchttiere. Sie nehmen jede kleine Regung des Körpers und Schwingungen wahr. In der Natur brauchen sie das um zu überleben, um im Notfall rechtzeitig fliehen zu können.

Wenn ich also traurig war und meine Traurigkeit unterdrückt habe, funktionierte die Arbeit mit den Pferden nicht. Das Longieren, die Bodenarbeit: alles wirkte steif und wenig harmonisch. Egal welche Gefühle ich unterdrückt habe, sobald ich sie unterdrückte, merkten die Pferde, dass etwas nicht stimmte. Ob sie genau die Gefühle wahrnehmen können, die gerade in uns sind, weiß ich nicht, aber aufgrund ihres Fluchtinstinktes wissen sie, wenn man sich verstellt und versucht etwas in einem zu unterdrücken, wenn man probiert, nach außen hin etwas darzustellen, was man innen aber gerade nicht ist; beispielsweise lacht man nach außen hin, währenddessen man tieftraurig ist. Dadurch werden Pferde misstrauisch, denn sie wissen nicht woran sie sind, ob sie fliehen müssen oder ob man keine Gefahr darstellt. Ich dachte immer ich dürfe im Umgang mit ihnen weder meine Trauer, meine Angst noch meine Wut zeigen. Doch was ich im Laufe der Zeit im Umgang mit Pferden gelernt habe, berührt mich noch heute und trotz meiner ganzen Weiterbildungen war es reiner Zufall, dass ich es entdeckt habe.

Hier diese kleine Geschichte:

Ab und zu war ich allein auf Arbeit in einer großen Halle mit einem einzigen Pferd.

Allein, mit dem Pferd, der Musik und meinen Erinnerungen an die Vergangenheit.

Es war an einem Tag, an dem ich sehr traurig war. Meine Oma war zu dieser Zeit gestorben. Ich hörte ein sehr melancholisches Lied im Radio und war den Tränen nahe. Ich musste auch über alles Vergangene nachdenken. Das Pferd führte ich neben mir im Schritt. Ich versuchte meine Trauer zu unterdrücken, da ich es arbeiten und bewegen musste. Irgendwelche Gefühle waren hier fehl am Platz, dachte ich. Ich wollte meine Stimmung nicht an ihm auslassen.

Ich begann es zu longieren, in Gedanken war ich aber nicht wirklich bei der Sache. Nichts funktionierte. Das Pferd lief nicht wie ich wollte, wurde nicht locker, dehnte sich nicht, war richtig stur. Ich wurde wütend, weil nichts klappte an diesem Tag. Die Wut führte dazu, dass ich meine Tränen nicht mehr unterdrücken konnte. Ich blieb stehen und schmiss die Longe auf den Boden.

Da stand ich nun in der Halle, bin auf das Pferd zugegangen, habe mich an das Pferd gelehnt, es umarmt und aus tiefstem Herzen geweint. Den Schmerz ausgedrückt, den ich schon so lange mit mir rumgetragen hatte, den ich aber nie mit jemandem geteilt hatte. Mir fiel es immer schwer mich anderen Menschen zu öffnen.

Da standen wir nun beide. Ich heulend, schluchzend, traurig – aber ehrlich und authentisch. Es war mir möglich mich komplett fallen zu lassen. Ich spürte in diesem Augenblick eine Verbundenheit. Es gab mir das Gefühl, dass es nur dann bereit dazu war mit mir zu sein, wenn ich keine Maske trage.

Als ich mich beruhigt hatte, war mir nicht mehr nach alltäglichem Longieren oder irgendwelchen Gymnastikübungen. Ich ließ es vom Kappzaum los, es sollte machen, was es wollte. Es sollte lebendig sein können, laufen können, Spaß haben können, es sollte genau die Freude fühlen können, die ich dadurch empfunden hatte, dass es mich „angenommen“ hatte. Ich war glücklich in diesem Moment. Ich war Hier, keine versteckten Gefühle. Das hat das Pferd gemerkt. Es wusste in diesem Moment, dass ich authentisch bin, es konnte mich jetzt einschätzen und wusste, dass ich keine Gefahr darstellte.

Nie zuvor hatte ich mit ihm Freiarbeit gemacht, an diesem Tag war es das erste Mal. Ich bewegte mich nun zuerst durch die ganze Halle, es folgte mir aufmerksam, achtete auf mich, meine Bewegungen, meine Körpersprache. Ich war in diesem Moment so im Hier und Jetzt verwurzelt, so echt, dass ich mit dem Pferd mental verbunden war. Ohne es je zuvor geübt zu haben, fing ich an es ohne alles im Zirkel zu longieren, frei, nichts in der Hand. Es hätte machen können, was es wollte, aber es folgte mir, mithilfe nur kleinster Bewegungen meines Körpers, mithilfe meiner Gedanken. Es blieb bei mir im Schritt, Trab und im Galopp. Nur durch kleinste Zeichen wechselte es sauber die Gangarten. Vom Schritt sofort in den Galopp, vom Traben sofort zum Stehen, vom Stehen sofort in den Trab. Nur durch die Anwendung meiner eigenen Energie konnte ich das Tempo der jeweiligen Gangart des Pferdes beschleunigen oder verlangsamen. Es wurde locker. Es trabte nicht nur, sondern es war voller Anmut, harmonisch und mächtig im Ausdruck, gewaltig in seinen Schritten, einfach wunderschön zu beobachten. Es schwebte mit einer Leichtigkeit durch die Halle. Genau mit derselben Leichtigkeit, die ich in diesem Moment empfand.

Ich war da, im Augenblick, im Jetzt.

Ich war eins mit dem Pferd. Eins mit einem Wesen, was doch eigentlich so verschieden ist.

Dieses Gefühl war unglaublich, einfach unbeschreiblich. Es war absolut magisch.

Von da an verstand ich, dass ich in Gegenwart der Pferde weinen kann, wenn ich traurig war, wütend sein kann, wenn ich Wut empfand, und so weiter… ich konnte alles sein, solange ich das auslebte, was ich fühlte und das Pferd mich somit als authentisch einordnen konnte.

Ich musste im Umgang mit ihnen mein wirkliches Ich entdecken, dieses im Hier und Jetzt zulassen und ausleben. Durch dieses authentische Auftreten bin ich mit dem Pferd gedanklich verschmolzen – und das verursachte das schönste Gefühl in mir, was man sich nur vorstellen kann.

Einssein, unendliche Freiheit bei gleichzeitiger Liebe und Lebendigkeit, Akzeptanz im Jetzt durch die Person, die man wirklich ist.

Es ist dieser unglaublich wundervolle Moment des Zusammenseins, der so wahnsinnig intensiv ist, weil er ECHT ist.

Pferde waren es, die mich dazu aufgefordert haben, echt zu sein, ich selbst zu sein und mich dafür in ihre Welt gelassen haben, mir vertraut haben, bereit dazu waren mit mir zu verschmelzen.

 Sie zeigten mir, dass es wunderschön sein kann, einen Moment gemeinsam zu leben.

Sie haben viele Momente geschaffen, in denen ich nicht fliehen wollte, in denen ich keine Angst hatte – sondern in denen ich einfach nur tiefstes Glück und das höchste Ausmaß an innerster Zufriedenheit empfunden habe.

Sie haben mich gelehrt authentisch sein zu dürfen, Gefühle zeigen und zulassen zu müssen, um akzeptiert und angenommen zu werden.“

So habe ich also durch sie gelernt, im Augenblick zu bleiben. Nicht ständig abzuschweifen oder abzuschalten. Ich konnte irgendwann dieses „im Augenblick bleiben“ während der Arbeit mit den Pferden auf ein „im Augenblick bleiben“ bei den Menschen übertragen. So wurde es besser mit meiner Sprache und den zwischenmenschlichen Unterhaltungen. In den mündlichen Abiturprüfungen habe ich richtig gut abgeschnitten. Seitdem wurde es immer besser.

Seit nun ca. 1 ½ Jahren habe ich weder Sprachschwierigkeiten noch dieses „Nichtfolgenkönnen-Problem“. Es ist alles weg – und ich bin unglaublich froh darüber!

Einfach in der Vorlesung sitzen zu können, mich melden und mitdiskutieren zu können, dabei bleiben zu können. Es macht richtig Spaß!

Pferde haben mich verändert, positiv verändert.

Für manchen mag es irrsinnig klingen, aber sie haben mir gezeigt, was echte Akzeptanz und Verbundenheit bedeuten.

Diese Gefühle waren mir bis dahin eigentlich fremd.

Ab und zu werde ich gefragt: warum hast du keinen Mann an deiner Seite, warum bist du so oft irgendwo allein unterwegs? Gefällt dir keiner?

Das erste, was mir dazu einfällt ist: weil ich genau diese tiefe, geistige Verbundenheit, die ich durch die Arbeit mit den Pferden erlebt habe, bei einem Menschen bis jetzt nicht hatte und für mich deshalb jeder uninteressant ist, egal wie er aussieht.

Zum anderen frage ich mich: warum überhaupt einen Mann?

Liebt man einen Menschen wegen seines Geschlechtsteils oder warum steht es meist fest, dass man sich als Frau einen Mann aussuchen soll?

Eigentlich liebt man einen Menschen doch für das, was er ist, für das, was er einem gibt und für das, was einen verbindet. Alles andere ist doch völlig gleichgültig.

Also, wenn es passt, dann passt es, aber darüber Geschlechtsteile entscheiden zu lassen? Ein Mann kann doch genauso gut mit einem Mann zusammen sein wie eine Frau auch mit einer Frau zusammen sein kann – wenn sie dabei glücklich sind, ist doch alles gut.

Jeder Tag, mit seinen Höhen und Tiefen, ist mittlerweile ein Geschenk für mich – ich habe angefangen das Leben zu genießen, das Studium erfüllt mich, ist spannend. Nicht nur die Liebe zu einem Menschen, sondern auch die Liebe zum Leben selbst kann einen unheimlich glücklich machen.

Ich weiß, wer ich bin, was ich möchte und wofür ich einstehe – ein ganz bedeutender Punkt hier ist das Ende der Prostitution.

Dafür werde ich mich einsetzen, komme, was wolle.

Ganz einfach deshalb, weil ich weiß, wie es ist, weil ich weiß, wie man sich fühlt, weil ich weiß, dass man sich selbst verloren hat und hilflos ist.

Weil ich weiß, dass es einen letztlich zerstört und weil ich weiß, wie unglaublich schwer es ist ins Leben zurückzufinden. Wie eben erläutert nicht nur durch den Ausstieg an sich, sondern auch durch Dinge, die man nicht einfach im Rotlichtmilieu lassen kann, wenn man geht, wie zum Beispiel Erfahrungen, Erlebnisse oder solche Mechanismen wie oben erklärt, die sich entwickelt haben.

Letztes Wochenende war ich auf einer Veranstaltung von Stop Sexkauf und habe mir dort einige Vorträge zur Thematik angehört. Es war ein schönes Gefühl unter Menschen zu sein, die sich für eine gute Sache stark machen – die Beendigung der Prostitution.

Ich hoffe, dass immer mehr Menschen verstehen lernen und begreifen, was Prostitution wirklich ist.