Menschenwürde

Menschenrechtsverletzung Prostitution

Hier ein neues Video mit mir, welches auf einer Veranstaltung im Rahmen der Menschenrechtswoche in Tübingen aufgenommen wurde. Thema war das dieses Jahr stattfindende 70-jährige Jubiläum der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, die am 10. Dezember 1948 durch eine Resolution der Generalversammlung ins Leben gerufen wurde. Ich sprach über die „Menschenrechtsverletzung Prostitution“.

 

EU-Parlament über das „nordische Modell“

 

Hier ein kleiner Auszug über Prostitution und die Wirksamkeit des nordischen Modells – vom Europäischen Parlament:

„Es steht jedoch außer Frage, dass es sich bei Prostitution und sexueller Ausbeutung eindeutig um geschlechtsspezifische Phänomene handelt, d. h. Frauen und Mädchen verkaufen – freiwillig oder unter Zwang – ihren Körper an Männer, die für die Dienstleistung bezahlen. Darüber hinaus sind die meisten Personen, die Opfer von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung werden, Frauen und Mädchen.

Eine Form der Gewalt gegen Frauen und eine Verletzung der Menschenwürde und der Gleichstellung der Geschlechter

Prostitution und sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen sind Formen der Gewalt und somit Hindernisse, die der Gleichstellung von Frauen und Männern entgegenstehen. Nahezu alle Personen, die sexuelle Dienstleistungen kaufen, sind Männer. Die Ausbeutung in der Sexindustrie ist sowohl Ursache als auch Folge der Ungleichbehandlung der Geschlechter und zementiert die Auffassung, dass die Körper von Frauen und Mädchen käuflich sind.

Prostitution ist eine sehr offensichtliche und besonders verabscheuenswürdige Verletzung der Menschenwürde. Da die Menschenwürde in der Charta der Grundrechte ausdrücklich erwähnt wird, ist das Europäische Parlament verpflichtet, über die Prostitution in der EU zu berichten und zu prüfen, auf welche Weise die Gleichstellung der Geschlechter und die Menschenrechte in dieser Hinsicht gestärkt werden können…

Zwei unterschiedliche Ansätze zum Thema Prostitution und sexuelle Ausbeutung in Europa

Die Frage der Prostitution und der Gleichstellung der Geschlechter wird durch die Tatsache verkompliziert, dass es zwei konkurrierende Modelle für den Umgang mit dieser Problematik gibt. Beim ersten Modell wird die Prostitution als eine Verletzung der Rechte der Frauen und als ein Mittel gesehen, die bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu zementieren. Der entsprechende gesetzgeberische Ansatz ist abolitionistisch und kriminalisiert die mit der Prostitution zusammenhängenden Tätigkeiten, in einigen Fällen sogar den Kauf sexueller Dienstleistungen, während die Prostitution selbst nicht illegal ist. Dem zweiten Modell zufolge ist die Prostitution der Gleichstellung der Geschlechter förderlich, indem sie das Recht der Frau propagiert, nach eigenem Ermessen über ihren Körper zu verfügen. Die Befürworter dieses Modells machen geltend, dass die Prostitution nur eine andere Form der Arbeit sei und dass der beste Weg, in diesem Bereich tätige Frauen zu schützen, darin bestehe, ihre „Arbeitsbedingungen“ zu verbessern und die Prostitution als „Sexarbeit“ zu professionalisieren. Somit sind die Prostitution und die damit zusammenhängenden Tätigkeiten im Rahmen dieses ordnungspolitischen Modells legal und geregelt, und es steht den Frauen frei, Manager – auch Zuhälter genannt – anzustellen. Man könnte jedoch auch die Auffassung vertreten, dass die Einstufung von Prostitution und Zuhälterei als normale Tätigkeiten bzw. deren Legalisierung gleichbedeutend ist mit der Legalisierung der sexuellen Sklaverei und der geschlechtsspezifischen Ungleichheit zulasten der Frauen.

In der Europäischen Union gibt es natürlich beide Modelle. In einigen Mitgliedstaaten, z.B. in den Niederlanden, in Deutschland, Österreich und Dänemark ist die Zuhälterei legal, während Prostituierte bzw. einige ihrer Tätigkeiten (wie die Kontaktanbahnung) unter anderem im Vereinigten Königreich, in Frankreich und in der Republik Irland ganz oder teilweise unter Strafe gestellt werden (Hinweis: Frankreich und Irland haben mittlerweile auch das nordische Modell). Allerdings können die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und die sexuelle Unterwerfung nicht wirksam bekämpft werden, wenn man von einer Symmetrie der Geschlechter in der Sexindustrie ausgeht, die es nicht gibt.

Wo Prostitution und Zuhälterei legal sind, häufen sich die Beweise für die Mängel dieses Systems. Im Jahr 2007 räumte die deutsche Regierung ein, dass das Gesetz zur Legalisierung der Prostitution nicht zu einer Verringerung der Kriminalität geführt habe und dass mehr als ein Drittel der deutschen Strafverfolgungsbehörden darauf hingewiesen habe, dass die Legalisierung der Prostitution ihre Arbeit im Zusammenhang mit der strafrechtlichen Verfolgung von Menschenhandel und Zuhälterei erschwert habe. In den Niederlanden erklärte der Amsterdamer Bürgermeister im Jahr 2003, die Legalisierung der Prostitution habe den Menschenhandel nicht verhindert, und es erscheine unmöglich, einen sicheren und kontrollierbaren Bereich zu schaffen, in dem der Missbrauch durch das organisierte Verbrechen ausgeschlossen sei. Dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung zufolge sind die Niederlande derzeit das Hauptzielland für Opfer von Menschenhandel.

Die Wirksamkeit des „Nordischen Modells“

In Anbetracht der Tatsache, dass immer mehr dafür spricht, dass eine Legalisierung der Prostitution und der Zuhälterei die Gleichstellung der Geschlechter in keiner Weise voranbringt und nicht zu einer Verringerung des Menschenhandels führt, wird im vorliegenden Bericht festgestellt, dass der wesentliche Unterschied zwischen den oben beschriebenen zwei Modellen der Gleichstellung darin besteht, dass die Einstufung der Prostitution als normale „Arbeit“ dazu beiträgt, Frauen in der Prostitution zu halten. Dagegen trägt die Einstufung der Prostitution als Verletzung der Menschenrechte der Frauen dazu bei, Frauen von der Prostitution fernzuhalten.

Diese Auffassung wird von den Erfahrungen in Schweden, Finnland und dem Nicht-EU-Mitglied Norwegen gestützt, wo das „Nordische Modell“ für den Umgang mit der Prostitution Anwendung findet. Schweden hat seine Prostitutionsgesetze im Jahr 1999 geändert, um den Kauf von Sex zu verbieten und Prostituierte zu entkriminalisieren. Man kann es auch so ausdrücken, dass die Person, die Sex kauft – nahezu immer der Mann –, nicht jedoch die Prostituierte eine Straftat begeht. In Schweden wurde dieses Gesetz im Rahmen einer allgemeinen Initiative eingeführt, alle Hindernisse auszuräumen, die der Gleichstellung von Frauen in Schweden entgegenstehen.

Diese Rechtsvorschrift hat in Schweden zu erheblichen Auswirkungen geführt. So ist die Zahl der Prostituierten in Schweden nur ein Zehntel so hoch wie im benachbarten Dänemark mit seiner geringeren Bevölkerungszahl, wo der Kauf von Sex legal ist. Das Gesetz hat auch einen Wandel in der öffentlichen Meinung herbeigeführt. So sprachen sich im Jahr 1996 45 % der Frauen und 20 % der Männer für eine Kriminalisierung der männlichen Käufer von Sex aus. Im Jahr 2008 befürworteten 79 % der Frauen und 60 % der Männer das Gesetz. Darüber hinaus bestätigt die schwedische Polizei, dass das „Nordische Modell“ eine abschreckende Wirkung in Bezug auf den Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung hat.

Es liegen immer mehr Beweise dafür vor, dass mithilfe des „Nordischen Modells“ die Prostitution und der Frauen- und Mädchenhandel wirksam verringert und die Gleichstellung der Geschlechter gefördert werden können. Unterdessen sehen sich die Länder, in denen die Zuhälterei legal ist, nach wie vor mit Problemen konfrontiert, die den Menschenhandel und das organisierte Verbrechen im Zusammenhang mit der Prostitution betreffen. Deshalb wird in diesem Bericht das „Nordische Modell“ unterstützt, und die Regierungen der Mitgliedstaaten, die beim Umgang mit der Prostitution einen anderen Ansatz verfolgen, werden aufgefordert, ihre Rechtsvorschriften vor dem Hintergrund der Erfolge in Schweden und in den anderen Ländern, die dieses Modell angenommen haben, zu überprüfen. Auf diese Weise könnten erhebliche Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter in der Europäischen Union erzielt werden.

Dieser Bericht ist nicht gegen Frauen gerichtet, die als Prostituierte arbeiten. In dem Bericht wird gegen die Prostitution, aber zugunsten der Prostituierten argumentiert. Mit der Empfehlung, dass der Käufer – d. h. der Mann, der Sex kauft – als der Schuldige betrachtet wird, und nicht die Prostituierte, stellt dieser Bericht einen weiteren Schritt auf dem Weg zur vollständigen Gleichstellung der Geschlechter in der gesamten Europäischen Union dar.“

Quelle: Europäisches Parlament

Freierforum – www.lusthaus.cc – Art. 1 Grundgesetz und wie er leerläuft

 

Wer besagtes Freierforum aufruft, auf dem meine damaligen „Leistungen“ auch desöfteren bewertet worden sind (dazu im Anschluss), liest gleich zu Anfang:

„LUSTHAUS Stiftung Hurentest“

Klingt etwa wie „Stiftung Warentest“, mit dem klitze kleinen Unterschied, dass Huren Menschen sind, die laut unserem Grundgesetz das Grundrecht auf Menschenwürde besitzen (Art. 1 GG), welches auch nicht zur Disposition steht. Das heißt, selbst wenn jemand es wollte, kann er nicht in etwas einwilligen, was ihn in seiner Menschenwürde verletzt. Art. 1 GG ist das einzige Grundrecht in unserer Verfassung, bei welchem ein Eingriff in dieses Grundrecht niemals gerechtfertigt ist.

So zumindest die Theorie…

Die Praxis sieht leider anders aus.

Immer wenn ich in meinem öffentlich-rechtlichen Gesetzbuch diesen Art. 1 GG lese, dann sehe ich alle Menschen in meinem Leben vor mir, die immer große Töne gespuckt haben, wo aber letztlich die Taten ausgeblieben sind.

So ist es mit diesem Art. 1 GG im Hinblick auf die Prostitution.

Er klingt mächtig.

Vor allem der erste Absatz.

Art. 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

 

Im Hinblick auf die Prostitution ist er nicht existent.

Als ob es ihn in unserer Verfassung nicht gäbe.

Menschenwürde bedeutet, dass ein Mensch nicht zum Objekt degradiert werden darf.

Sie bedeutet, dass einem Menschen seine Subjektsqualität nicht aberkannt werden darf.

Es gibt noch einige weitere Definitionen der Menschenwürde, die ich aber in dem Fall jetzt nicht brauche, denn allein die Aussage, dass ein Mensch nicht zum Objekt herabgesetzt werden darf, reicht völlig aus für die Frage, die ich mir stelle:

Nach all dem was ich erlebt habe mit Freiern, wie sie mit Frauen umgehen… nach all den Bewertungen von Freiern, die ich über mich und andere Kolleginnen gelesen habe… was geschieht denn in der Prostitution? Was ist ihr Kern? Woraus besteht sie?

Sie besteht aus nichts anderem als einen Menschen, eine Frau, zum Objekt zu degradieren. Und der Staat kassiert Gelder aus diesem Sklavenmarkt. Wäre es doch eigentlich seine Aufgabe, die Menschenwürde zu schützen und nicht von ihrem Missbrauch zu profitieren!

Freier gehen nicht zu einer Prostituierten, weil sie sie als Menschen wertschätzen.

Nein.

Sie gehen zu einer Prostituierten um ihren „Druck“ zu erleichtern.

Um ihr Geschlechtsteil in sie reinzurammen.

Eine Frau wird auf ihren Körper reduziert.

Auf ihre Brüste.

Auf ihren Intimbereich.

Das Einzige, was sie für einen Freier ist, ist eine Gummipuppe –

mit dem einzigen Unterschied, dass sie ATMET, FÜHLT, LEIDET, LEBT.

Auch ich wurde in diesem Freierforum mehrmals bewertet.

In den Clubs, in denen ich gearbeitet habe, kam oft ein Fotograf (des Hauses) und hat Aufnahmen von uns Mädchen gemacht (halbnackt), die dann auf die Homepage des jeweiligen Clubs gestellt worden sind um die Frauen da anzupreisen und den Freiern bereits da zu zeigen, was sie erwartet.

So wurden in diesen Freierforen nicht nur Berichte von uns Frauen reingestellt, sondern diese auch mit Fotos versehen – das ist heutzutage an der Tagesordnung, man braucht nur einen Blick in dieses von mir genannte Forum werfen.

Als ich dann aufgehört habe zu arbeiten, habe ich ca. 2 Jahre später gesehen, dass immernoch Fotos von mir dort online gestellt sind.

Ich habe an den Betreiber der Seite geschrieben und darum gebeten, die Fotos zu löschen.

Nichts ist passiert.

Daraufhin habe ich ein halbes Jahr später nochmal darum gebeten, etwas energischer.

Nichts.

Vor einem halben Jahr ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe damit gedroht, sie vor Gericht zu ziehen, weil es nicht rechtens ist, was sie da tun. Oder haben sie/hatten sie je irgendwo von mir eine Einwilligung, dass sie Nacktbilder von mir online stellen dürfen?

Nein.

Nur damals habe ich mich nicht gewehrt.

Ich habe es hingenommen, wie ich alles hingenommen habe.

Heute tue ich das nicht mehr.

Heute wehre ich mich.

Heute weiß ich, wer ich bin.

Heute bin ich eine Frau, die stark ist, die Gerechtigkeit anstrebt, die Menschen hilft, die warmherzig ist trotz allem, was man mit ihr angestellt hat – mit der man sich allerdings im Gegensatz zu früher nicht anlegen sollte, wenn es um Ungerechtigkeiten geht.

Denn ich habe gelernt, zu überleben.

Allein.

Mit nichts.

Bin aus dem tiefsten Loch hervorgekrochen.

Das hat mich fast umgebracht – aber es hat mich auch unheimlich stark gemacht.

Und ich lasse mir Dinge solcher Art nicht mehr gefallen.

Schließlich haben sie auf diesem Freierforum dann auch reagiert und die Bilder gelöscht.

Unglaublich zu welchen Mitteln man manchmal greifen muss…

Es macht mich wütend und traurig zugleich, wenn ich diese Unmenschlichkeit sehe, wenn ich sehe, wie Frauen auf solch einem Forum bewertet werden.

Dieses Herabsetzen eines Menschen – als wäre eine Prostituierte kein Mensch. Als ob sie eine Sache wäre, die man nach Lust und Laune benutzen kann, von welcher man gar nicht denkt, dass sie eine Seele oder Gefühle haben könnte und wenn doch – trotzdem die Befriedigung der eigenen Lust vorgeht

Ganz ehrlich liebe Freier, ich versuche sonst immer niveauvoll zu schreiben in meinen Texten – neutral – ganz einfach aus dem Grund, weil ich denke, dass man mit unsachlichen Texten nicht zur Aufklärung beitragen kann.

Es gibt aber dennoch eine Sache, die ich euch schon immer mal sagen wollte, aber nie ausgesprochen habe.

Und zwar immer dann, wenn ihr zu mir sagtet, ihr könntet nicht anders als einen Frauenkörper kaufen, das ist euer Trieb, ihr seid so geboren, irgendwo müsst ihr es ja raus lassen… als ob ihr keine eigenständigen, selbstdenkenden und – wählenden Geschöpfe wärt. Als ob ihr irgendwo in der Evolution stecken geblieben wärt.

Mein Rat:

Geht euch einen wichsen, das soll auch helfen um Druck loszuwerden.

Und fangt an zu begreifen, dass auch die meisten von euch zurechnungsfähig sind, entscheidungsfähig sind, einen Verstand haben, den sie benutzen sollten anstatt Menschenleben zu zerstören.

Werdet zu ehrenvollen Männern, die so etwas nicht nötig haben!

In diesem Sinne… werde ich nun wieder niveauvoller und akademischer und sage:

Facta, non verba

(Deutsch = Taten, nicht Worte)

Ich hoffe wirklich, dass Art. 1 GG im Hinblick auf die Prostitution irgendwann Anwendung findet. Kein Gesetz ist wertvoll, wenn es zwar groß klingt, aber dennoch nicht die Wirkung entfaltet, die es eigentlich entfalten sollte.